Schlafstörungen bei Depressionen - was hilft wirklich?

Y
Teil III



Am Vorabend ihres letzten Tages, habe ich ihr ein letztes Mal Pudding gegeben. Am nächsten Morgen habe ich ihre Hände eingecremt. Von meinen Schulaufgaben erzählt. Oma hat geröchelt. Ich hatte das Gefühl, sie will mir etwas sagen. Leider hat sie das nicht mehr. Als ich von der Schule kam, war Oma tot. Meine Mutti hat eine Kerze aufgestellt, die ich im Ferienlager mit der Hand gezogen habe. Diese Kerze hat einen würdigen Einsatz gefunden. Ich war 14. Meine Mutti hat Oma gewaschen und ihr ein schönes Nachthemd angezogen. Ihre langen verbliebenen weißen Locken um den Kopf gelegt. Eine Locke haben wir ihr abgeschnitten, um sie zu behalten. Am Telefon habe ich es meiner Schwester gesagt. Sie war so viele Tausend Kilometer weg! Wir waren zu dritt auf Omas Beerdigung. Leider sah ich hinter der Kapelle den Leichenwagen, der Oma in einem Plastiksarg angefahren hat. Sie haben sie erst in der Kapelle in den Eichensarg getan. Das meine Oma ÜBERHAUPT in einem Plastiksarg gelegen hat, war nicht zu begreifen. Wir haben Fotos zusammengebunden mit Seidenschleifen. Die ganze vierköpfige Familie, ein einziges Foto nur mit unserem Hund war auch dabei. Wir haben die Fotos in ihre Hände gelegt. Ihre Nase war schon ganz eingesunken und spitz. Aber ihre Haare waren immer noch weiß und lockig. Während die Musik spielte, waren wir nur zu dritt. Ein ganzes Menschenleben lag da im Sarg – und nur drei Menschen saßen in der Kapelle, in der mehr als Hundert Menschen Platz gefunden hätten. Meine Vorstellung – dass auf einer Beerdigung hunderte Menschen in schwarz gekleidet weinen und alles voll ist mit weißen Rosen und seidenen Taschentüchern, sie entpuppte sich als Reinfall. Die Beerdigung war einfach nur einsam.

Wieder Telefonate Übersee. Nur selbst Glück zu empfinden, war doch schon Sünde. Nicht mal dem Massentrend Jugendweihe wollte ich folgen – einen Tag an dem es sich um mich dreht? Vater krank, Oma tot, Mutti unglücklich, Schwester weit weg? Ich kam mir klein und unbedeutend vor. Ich hatte gerade meinen ersten Freund, mit dem ich immerhin schon mal auf einer Couch einen Film im Fernsehen geschaut habe und der mir immer meinen Rücken mit Sonnencreme eingeschmiert hat. Als ich dann im Reitferienlager war, teilte er mir aber leider per Postkarte mit, dass er sich in eine andere verliebt hat. Naja. Das war nicht so schlimm, ich interessierte mich doch mehr für Pferde.

Als meine Schwester wieder nach Deutschland kam, sind sie gleich zu mir ins Reitcamp gefahren. Ich habe sehr geweint, als ich sie wiedersah. Leider war sie wie ausgewechselt. Damals verstand ich nicht, wie es eigentlich alles für SIE war. Nach diesem Jahr hat sie den Anschluss zu uns dreien nicht gefunden. Auch sie war randvoll mit Schuldgefühlen. Es folgten Jahre einer zerrütteten Familie. Ich konnte so vieles nicht begreifen, was denn die Ursache für alles Leid war. Meine Schwester und ich waren bald vollends zerstritten. Darüber wurde meine Mutter tief unglücklich. Ich gab mir immer wieder die Schuld. Die Rivalität zwischen uns Geschwistern war nicht mehr zu überbrücken.

28.06.2010 15:02 • #46


Y
Teil IV

Als ich mich dann mit 15 auch noch in ihren besten Freund verliebte, war alles zu spät. Wir wurden heimlich ein Paar. Beim Gassigehen mit dem Hund, habe ich mich heimlich mit ihm getroffen. Jemand aus meiner Familie ist mir heimlich nachgeschlichen und hat das Geheimnis gelüftet. In ihrer Wut, hat meine Schwester mir per Faustschlag die Nase gebrochen, als ich im Bett lag. Meine Mutti wollte nicht wahr haben, dass die Nase kaputt ist. Doch sie war sehr kaputt. Erst nachts sind wir ins Krankenhaus gefahren. Die Blutlachen auf dem Boden im Bad habe ich nie vergessen. Die Schmerzen auch nicht. Ich hatte damals den Eindruck, dass Mutti sauer ist, dass die Nase kaputt ist. Das ist Blödsinn. Ich habe fehlinterpretiert. Tage später musste die Nase operiert werden. Ich habe meine schönen langen Haare verloren. Sie sind mir büschelweise ausgefallen. Ich konnte nicht liegen, nur sitzen und kaum gehen. Monatelang habe ich Stützen in der Nase getragen. Die ersten Wochen auch Vollstopfen, Atmen nur durch den Mund. Alle Nachuntersuchungen waren schmerzhaft. Immer habe ich stumm geweint, die Krankenschwester meine Tränen aufgewischt. Immer ist Mutti mit reingekommen, dabei wäre ich lieber alleine gewesen. Ich konnte dagegen nichts tun – ich hatte Angst es könnte sie verletzen, wenn ich sie bitte draußen zu warten.

Nachdem die Nase einigermaßen zusammengeflickt war, bin ich von zu Hause abgehauen, mit meinem Freund (der ehemalig beste Freund meiner Schwester) zusammen gezogen. Ich habe die ersten Wochen jede Nacht geweint, weil ich meine Mutti im Stich gelassen habe und ich sie so vermisst habe. Die große Freiheit empfand ich nur noch als bedrückend und traurig. Als ich dann nach drei Jahren 18 wurde, ging ich immer tanzen, machte Bekanntschaft mit Alk. und lauter Musik und kam erst in den Morgenstunden nach Hause. Außerdem war ich wieder in ein Mädchen verliebt. Mein Freund schmiss mich raus. Zurück zu den Eltern. Dann habe ich irgendwie mein Abitur gemacht. Keine 1,X. Meine Eltern waren sehr enttäuscht. Meine Freundin war enttäuscht, als ich nicht mit ihr zusammenziehen wollte – ich konnte mich nicht von meinen Eltern lösen, ich wollte sie nicht noch einmal im Stich lassen. Sie hat Schluss gemacht, einen Tag vor meinem ersten Tag an der Uni. Sie hat mir das Herz gebrochen. Das war 2006.

28.06.2010 15:02 • #47


A


Hallo yahila,

Schlafstörungen bei Depressionen - was hilft wirklich?

x 3#3


M
Hallo Yahila,
ich habe gerade Deine ganze Geschichte von Anfang bis Ende gelesen. Das muss ich erst mal sacken lassen...
Es tut mir leid, wieviele schlimme Erfahrungen Du in Deinem Leben schon machen musstest. Du konntest nichts dafür, das Leben ist manchmal einfach grausam und niemand weiß, wieso das alles einem (damals kleinen Mädchen) passieren muss. Bewundernswert, dass Du immer die Stärke hattest, Dich letzten Endes nicht unterkriegen zu lassen und dass Du weiter kämpfst!
Mach Dir das immer wieder klar - es gibt viele, die an irgendeiner Stelle aufgegeben hätten, Du hast es nicht - Respekt.

28.06.2010 18:53 • #48


Y
Also vielen Dank erstmal fürs Durchlesen, sind ja rund 3000 Wörter.

Zitat von Medica:
Es tut mir leid, wieviele schlimme Erfahrungen Du in Deinem Leben schon machen musstest.



Findest du? Ich habe es mir auch gerade nochmal durchgelesen und irgendwie finde ich es jetzt nicht mal mehr sooo schlimm.

Eigentlich schäme ich mich jetzt dafür, dass ich daraus so ein Ding mache - andere Menschen haben richtige Probleme

Ich habe es auch meinem Freund zu lesen gegeben - der hatte heute aber einen total blöden Therapietermin und hat dann beim Lesen abgebrochen, weil er nicht mehr wollte. Leider schäme ich mich jetzt wieder sehr.

Er ist heute zur Thera gegangen und die hat ihn nach fünf Minuten wieder vor die Tür gesetzt. Ein anderes Medikament hat sie ihm nicht gegeben, wieder das alte mit den vielen Nebenwirkungen und das mit dem S. - da sagt sie nur, dass könne bei der geringen Dosierung nicht sein (Frechheit!). Wir hatten zwar wieder S. und auch sehr schön, aber es ist eben weniger als früher und bedarf auch mehr Achtsamkeit, damit es soweit kommt. Dann hat sie ihm eine Überweisung gegeben für einen Analytiker (nächste Frechheit!). Zurecht fühlt er sich in eine Schublade gesteckt und nicht ernst genommen. Diese blöde Frau sollte für ihn da sein, ihm Fürsorge anbieten. Sie hat ihren Job ganz schön vermasselt. Jetzt werden wir einen neuen Therapeuten suchen und zur Analyse denke ich wird er nicht gehen.

Alles in allem ein blöder Tag heute.


Ich möchte ja eine Schematherapie machen - aber finde keine Nummer eines Therapeuten dafür. Die von der Gesellschaft für Schematherapie haben mir einfach nicht geantwortet. Darüber bin ich sehr traurig.

Hier im Forum weiß ich nicht mal in welches Forum ich mich als Kranke reinsortieren will - eine klassische Depression habe ich nicht und irgendwas über Schemata habe ich hier nicht gefunden.

Heute alles konfus.

28.06.2010 19:27 • #49


S
Hallo Yahila,

ich habe auch mit Interesse Deine Geschichte gelesen.

Und wieder ist mir bewusst geworden: Hinter jedem Mensch steht eine geschriebene Geschichte.
Jede Geschichte ist anders, aber man sollte nicht den Fehler machen und Die Geschichten in Schlimm und Nicht so schlimm einteilen.
Was schlimm ist, das bestimmt jeder Mensch selbst durch sein eigenes Empfinden.

Ich kenne aber auch die Gedanken, ob das, was ich erlebt habe, schlimm ist oder nicht. Ich glaube, das hängt mit der eigenen Wertschätzung und Akzeptanz zusammen. Sich zu erlauben, dass es schlimm sein darf, ist auch für so manche ein Entwicklungsprozess. Bei mir war es ähnlich.

Zitat von yahila:
Er ist heute zur Thera gegangen und die hat ihn nach fünf Minuten wieder vor die Tür gesetzt. Ein anderes Medikament hat sie ihm nicht gegeben, wieder das alte mit den vielen Nebenwirkungen und das mit dem S. - da sagt sie nur, dass könne bei der geringen Dosierung nicht sein (Frechheit!). Wir hatten zwar wieder S. und auch sehr schön, aber es ist eben weniger als früher und bedarf auch mehr Achtsamkeit, damit es soweit kommt

Es ist natürlich blöd, dass Dein Freund das alte Medilkament weiter nehmen soll. Aber mir ist gerade auch eingefallen, dass die S. Störungen auch mit der Krankheit Depression allgemein zu tun haben können.
Die Antriebslosigkeit, die als Symptom weitreichend bekannt ist, kann sich genauso gut auch auf die S. Lust übertragen. Vielleicht könnt ihr beide das ja erst mal so akzeptieren. Nebenwirkungen verschwinden meiner Meinung nach aber nach einiger Zeit der Medikamenteneinnahme oder sollten es zumindest.
Weißt Du, vorrangig für den Arzt ist erstmal die Besserung der depressiven Symptome. Leider haben viele Antidepressiva´s (oder alle?) unerwünschte Nebenwirkungen. Das finde ich übrigens auch schlimm. So sind manche Patienten dazu gezwungen, nicht nur Antidepressiva, sondern auch noch Medikamante gegen die Nebenwirkungen zu nehmen!

Wenn ihr doch trotzdem S. haben könnt, nur nicht so häufig oder mit längerem Vorspiel, so ist das doch auch schon mal was. Es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten, es sich körperlich schön zu machen, oder?

Zitat von yahila:
Dann hat sie ihm eine Überweisung gegeben für einen Analytiker (nächste Frechheit!). Zurecht fühlt er sich in eine Schublade gesteckt und nicht ernst genommen. Diese blöde Frau sollte für ihn da sein, ihm Fürsorge anbieten. Sie hat ihren Job ganz schön vermasselt. Jetzt werden wir einen neuen Therapeuten suchen und zur Analyse denke ich wird er nicht gehen.

Ich weiß ja nicht genau, was Dein Freund alles schon mit seiner Therapeutin besprochen hat, aber warum findest Du es eine Frechheit, wenn er eine Überweisung zu einem Psychoanalytiker bekommt?
Ich gehe mal davon aus, dass Dein Freund bei ihr eine Verhaltenstherapie macht. Vielleicht hat die Therapeutin ja auch erkannt, dass diese Therapieform für ihn nicht geeignet ist. Vielleicht ist es ja notwendig, dass er erst mal an die Wuzeln seiner Krankheit und Verhaltensmuster geführt wird.
Wie gesagt, ich kenne ja die Frau nicht, aber Fürsorge kann auch bedeuten, dass sie ihn an einen Kollegen überweist, der eine andere Therapieform anbietet, weil es für ihn erst mal am besten ist.

Ich habe übrigens auch noch nie eine Verhaltenstherapie gemacht. Ich hatte vor 4 Jahren eine Kurzzeitgesprächstherapie und mache seit über zwei Jahren eine Psychoanalyse. Bisher fühle ich mich damit noch gut und ich habe diese Therapie auf Anraten eines Instituts begonnen, die mir auf die Frage, welche Therapieform für mich am geeignesten ist, dazu geraten haben.

Aber natürlich sollte jeder Patient auch das machen, womit er sich wohl fühlt.

Schematherapie finde ich übrigens auch interessant. Ich wünsche Dir, dass Du noch einen geeigneten Therapeuten findest.

Und ich wünsche Dir, dass der Tag mogen nicht so blöd wird wie der heutige!

28.06.2010 23:02 • #50


Y
Liebe Sonne,


wiedereinmal Dank für deine Mühen und deine liebevolle Antwort!


Als erstes möchte ich die Sache mit meinem Mann nocheinmal erklären:


Die Therapeutin hatte ihm zu allererst nur Medikamente verschrieben und seine Probleme angehört. Dann hat sie gesagt, in drei Wochen sehen wir uns wieder. Desweiteren sollte er einen emotionalen Lebenslauf schreiben. Er kam sehr geklärt und aufgeräumt wieder und war recht happy, einen Ansprechpartner für seine Probleme gefunden haben. Auch hat sie ihm ein paar Probleme verdeutlicht: Vor allem sein mangelndes Intresse an Dingen, die nicht mir der Arbeit zu tun haben.

Diese Woche jetzt ist wieder sehr schlimm für meinen Mann, da er auf der Arbeit sehr große Ansterngungen und Prüfungssituationen hat. Demenstrepchend hatte er auch eine Erwartungshaltung an den Therapietermin, dass er dort ein offenes Ohr und Unterstützung findet. Ich weiß auch, dass er einige Punkte hatte, die er besprechen wollte. Sie hat ihn aber leider nicht angehört. Er konnte diese Punkte nicht besprechen und wie gesagt, ist er mit dem Medikament nicht einverstanden und da hat sie ihn einfach untergebuttert. Ich persönlich denke, die Lösung liegt in jedem Menschen selbst. Sie hat ihn leider nicht mit einbezogen, was er denn für eine mögliche Lösung hält / welche Therapieform er sich wünscht. Er ist ja nun nicht plemplem, er setzt sich ja mit sich und den Möglichkeiten der Hilfe auseinander. Dass SIE das einfach so entscheidet, WANN und bei WEM er weitermacht, ehrlich gesagt, halte ich das nicht für hilfreich. Im Gegensatz zu körperlichen Erkrankungen wie einen Leberschaden, wo man zum Hepatologen überwiesen wird und man selber nicht viel dazu tun kann, außer seine Medikamente zu nehmen, kann und sollte man doch bei einer Psychotherpie den Prozess gestalten und daran mitwirken.

Er ist der Psychoanalyse gegenüber nicht so interressiert eingestellt, wie zum Beispiel der Verhaltenstherapie. Ich frage mich, inwieweit es sinnvoll ist, den Patienten für unmündig zu erklären und dann die Entscheidungen für ihn zu treffen. Auch warum sie ihn nicht wenigstens mal gefragt hat, wie es ihm denn ginge, und wie es ihm seit dem letzten Termin ergangen ist, verstehe ich nicht. Er versteht das auch nicht und ich muss auch leider feststellen, dass dies für seine Haltung, sich Hilfe zu suchen, nicht gerade förderlich war. Er hat sich selbst die Frage nämlich gestellt und dafür Antworten gesucht und die Frau wollte von all dem nichts wissen. Und inwieweit das Medikament ihm Probleme bereitet, dass muss er doch wissen, da kann sie nicht sagen: Das kann nicht sein. Basta. Nun hat er sich durchgerungen, sich helfen zu lassen und dann hat er sich gestern ernsthaft gefragt, ob das die Frau überhaupt intressiert. Heute gehts ihm auch wirklich nicht gut und er nimmt wieder Verhaltensweisen dann, dass ich denke dass er auf dem Weg ist, seine Probleme wieder zu verneinen und die Augen zu verschließen.

Seine Beschwerde geht vor allem dahin, dass er das Gespräch gesucht hat und motiviert ist, nach Möglichkeiten zu suchen, wie er Genesung erfahren kann, kurz um, er therapiewillig ist. Und er fragt sich, warum er, damit er besser schlafen kann, die Nebenwirkungen eines Psychopharmakons in Kauf nehmen muss, wenn es eine Schlaftablette auch getan hätte. Ganz ehrlich, ich kann ihn da verstehen. Und das mit dem S. ist wirklich schlimmer, als du dir vorstellst. Man fragt sich einfach nur, WARUM, wenn das Medikament nur dazu da ist, dass er besser einschlafen kann. Seine Depression wurde von dieser Frau nämlich nicht behandelt, nur die Schlafproblematik

Ich hoffe wirklich, dass er den Willen und den Mut zur Therapie nicht verloren hat.


Mir gehts heute ein wenig besser und ich hoffe noch etwas für mich heute zu schaffen. Das mit der Schematherapie, am liebsten würde ich gleich loslegen, doch leider warte ich immer noch auf Nummern und wer weiß, wie lange ich überhaupt auf einen Platz warten kann. Deswegen habe ich noch ein paar andere Nummern rausgesucht. Falls ich keinen Platz für eine Schematherpaie kriege, ich will jetzt endlich was machen. Nun geht bei mir die Prüfungszeit los und ich habe Panik, dass ich wieder an mir selbst scheitern werde.





Ich grüße euch herzlich, meine lieben Mitleser, es ist so hilfreich, dass ihr da seit !


Für Sonneblume und Medica herzliche Umarmungen und noch mals vielen, vielen Dank!

29.06.2010 13:40 • #51


Y
Im Griff



Die Arbeit hat IHN wieder voll im Griff.


Die Zwänge haben MICH wieder voll im Griff.


30.06.2010 23:11 • #52


S
Hallo yahila,

es ist gut, dass Du jetzt nochmal näher die Situation zwischen Deinem Freund und der Therapeutin beschrieben hast. Da kann man sich ein ganz anderes Bild machen.

Ich gehe aber mal davon aus, dass die Frau, zu der Dein Freund geht, eine Psychiaterin oder Neurologin ist.
Zumindest lässt sich das daran erkennen, dass sie Medikamente verordnen kann und die Besuche nicht so regelmäßig (z.b. einmal wöchentlich) stattfinden und die Zeit so kurz ist und sie ihm eine Überweisung zu einem Analytiker gegeben hat. Überweisungen stellen nur Ärzte aus!
Ein Gespräch bei einem Therapeuten dauert ca. 50 min.

Dass diese Ärztin ihn natürlich nach 5 Minuten schon wieder nach Hause geschickt hat, ohne seine Probleme, mit denen er gekommen ist, anzuhören, ist natürlich sehr unhöflich. Selbst ein Psychiater sollte sich wenigstens eine Viertelstunde Zeit nehmen, soviel zahlt zumindest die Krankenkasse.
Seine Beschwerden im Zusammenhang mit seinem Medikament so abzutun, ihn quasi nicht ernst zu nehmen, geht auch nicht! Das ist nicht das, was Patienten sich wünschen und was sie brauchen!

Dass ihr Euch jetzt nach einem neuen Arzt umsehen wollt, ist mehr als verständlich.

Falls es so ist, dass sie eben keine richtige Therapeutin ist, dann sollte Dein Freund sich tatsächlich Gedanken machen, sich um eine Therapie zu kümmern. Wenn er auch keine Analyse machen möchte, dann eben eine andere Form.
Im Rahmen einer richtigen Therapie bekomt er die Möglichkeit, regelmäßig dort hin zu gehen und hat dann auch genügend Zeit (meistens 50 min), um seine Probleme zu besprechen.

Ich hoffe, dass er durch dieses Erlebnis jetzt nicht den Mut und die Lust verloren hat, weiter zu machen!

Du schreibst von Deinen Zwängen, wie sehen denn Deine Zwänge aus?
Schreib natürlich nur, wenn Du auch magst!

Eine wunderschöne Nacht für Dich!

01.07.2010 00:59 • #53


Y
Liebe Sonne,


es tut sehr gut in deinen Worten Bestätigung zu finden.


Was ich heute akut schlimm finde, ist, dass er sich nicht meine Geschichte durchgelesen hat. Am Montag hat er gesagt, er kann jetzt nicht, weil er so fertig ist von dem Termin bei der Psy. und er kanns nicht ertragen.

Aber er hats nicht nachgeholt ! Das kann nicht nicht verstehen! Nun habe ich wütend die Blätter in Stücke gerissen und in den Papierkorb entsorgt. Da liegt sie nun. Meine Geschichte. Und er lebt einfach weiter. Hat wieder riesige Erfolge auf der Arbeit gehabt und von allen Seiten Lob geerntet und neue internationale Kontakte geknüpft (ich kanns nicht mehr hören !) und meine Geschichte, die sieht halt nicht so rosig aus und darum liegt sie im Papierkorb. Er glaubt doch selbst nicht, dass aus mir irgendwas wird. Das es sich überhaupt lohnt, sich mit mir zu befassen, dass er einfach kein Intresse hat, es zu lesen... Ich begreife es nicht ! Ich hatte darauf gebrannt zu lesen, was er für die Psyxx..in geschrieben hat. Und das war eigentlich nen tabellarischer Lebenslauf.

Es zerreißt mich vor Enttäuschung, deswegen kann ich gerade über nichts anderes schreiben.

01.07.2010 11:21 • #54


M
Liebe Yahila.

ich kann nicht nur verstehen, was gerade in Dir vorgeht, sondern ich kann das auch genau nachfühlen. Mein Freund hat solche Dinge auch schon oft vergessen - bzw. sagt er dann, genau wie Deiner !, dass ihm das JETZT einfach zu viel ist, weil er nicht mehr kann - Da blockt er meine Probleme einfach ab wie eine Betonwand. Nur - später kümmert er sich auch nicht mehr drum. Das hat mich schon genauso verletzt wie Dich - und es hat mich auch unheimlich wütend gemacht. Wütend deshalb, weil ich das Gefühl hatte, es geht immer nur um IHN, seine Probleme, seine Erfolge - und was mit mir ist, dafür reicht dann lapidar seine Kraft halt nicht mehr. Diese Entschuldigung konnte und kann ich nicht akzeptieren, denn es darf nicht zu einer Generalentschuldigung für alles werden. So wird aus der Beziehung eine einseitige - der eine gibt, der andere nimmt. Das Problem habe ich ja auch mit meinem Freund... Immer wieder. Ganz schlechte Basis.
Selber wird man wütend, weil die eigenen Bedürfnisse und Probleme gar nicht zu interessieren scheinen, andererseits plagt einen manchmal auch das schlechte Gewissen, weil man von einem Menschen, der vielleicht wirklich nicht mehr kann, nichts fordern möchte. Aber man ist sich eben nicht sicher - KANN er wirklich nicht, oder WILL er nur nicht und redet sich raus... Und irgendwo fängt man dann an ihn zu schonen, denkt sich, ich kann ihn jetzt vielleicht nicht auch noch mit meinen Problemen belasten, wo es ihm wirklich nicht gut geht. Ich bin die Stärkere, ich muss das mit mir selber ausmachen. Aber das geht nicht auf Dauer in einer Beziehung.
Deswegen, liebe Yahila: Fordere es von ihm ein, dass er Deine Geschichte liest. Das solltest Du Dir selber wert sein. Du bist eine starke Frau die ihn mit Sicherheit an vielen Punkten unterstützt, da hast Du es auch verdient, dass er sich mal mit Dir und DEINEN Problemen, Deiner Geschichte beschäftigt. Es ist wichtig für Dich, sonst hättest Du nicht so viel geschrieben, also sollte es ihm auch wichtig sein, das zu lesen.

Du schreibst:
Zitat:
Er glaubt doch selbst nicht, dass aus mir irgendwas wird. Das es sich überhaupt lohnt, sich mit mir zu befassen, dass er einfach kein Intresse hat, es zu lesen...

Sagt er das WIRKLICH, oder glaubst Du nur dass er so denkt?
Und: Denkst Du selber auch so über DIch? Dass aus Dir nichts wird?
Ich habe DIch hier als Frau kennengelernt, die schon einiges im Leben einstecken musste und die sich trotzdem nicht scheut, sich der erneuten Herausforderung eines komplizierten / depressiven / suchtkranken Mannes zu stellen - Du hast nicht aufgegeben, Du kämpfst weiter, und das alleine verdient schon Respekt und Hochachtung. Den darfst Du auch fordern! Du klingst ganz und ghar nicht wie eine Frau, aus der nichts wird oder mit der es sich nicht lohnt, sich zu befassen - ganz im Gegenteil. Lass Dir das bloß nicht einreden!!!

Wenn er, statt sich für Dich und Deine Geschichte zu interessieren, von Erfolgen und Lob aus dem Büro berichtet und damit prahlt (zumindest hört es sich so an), dann tut er mir leid - wie kann man denn so unsensibel sein. Er muss doch merken, wie es Dir dabei geht - oder nicht?

Nochmal: Du hast es verdient, dass er Dich und Deine Geschichte anders behandelt. Mit mehr Wichtigkeit, und mit mehr Respekt!

01.07.2010 14:51 • #55


Y
Vielen Dank für deine hilfreiche Antwort, denn ich bin sehr aufgeschmissen heute.


Ja, ich denke wirklich, in ein paar Jahren schlafe ich unter einer Brücke so unter dem Motto. Ich habe eben diese Zwänge, dass ich zwanghaft mein mögliches Bestehen im Leben kaputt rede. Ich nehme mich eben so zwanghaft zurück, dass es auch schon vorkommt, morgen ist Prüfung und ich habe geputzt und gekocht und für jemand anderes Dinge erledigt wie zur Post gehen. In der verbleibenden Nacht habe ich dann soviel gelernt dass es manchmal für eine 4,0 gerreicht hat, manchmal aber eben auch nicht. Ich habe extreme Zwänge, dass ich es nicht schaffe, meinen Alltag nach meinen BEDÜRFNISSEN zu gestalten. So hat meine Mutter immer um zehn das Licht ausgemacht, alle sollten schlafen. Es ist für mich heute sehr schwer, über die 22 Uhr abends hinaus etwas aktives zu machen, also etwas anspruchsvolleres als Bügeln, weil ich einfach immer 22 Uhr ins Bett gegangen bin. Um im Studium aber gut zu sein, müsste ich das schonmal machen. In meiner Familie wird immer geschimpft, weil ich so schlecht im Studium bin und ich leide im Studium, was ja ein gewisses Maß normal ist. Ich leide, weil ich den verdammten Kopf für dieses Studium habe, ich verstehe alles und interessiere mich für alles, ich finde aber nicht die Kraft meinen Alltag nach meinen Bedürfnissen zu gestalten, denn Bedürfnisse habe ICH nicht, die haben nur andere .
Wenn ich nicht anfange, mein Leben nach MEINEN BEDÜRFNISSEN zu leben, dann wird sich das mit der Brücke vielleicht auch mal bewahrheiten. Bisher reichen meine Fähigkeit, zu tun was ich will, einfach nicht über Hausfrau und evtl. Mutter hinaus.

Ich lebe immer im Leben der anderen.


Und ich geh ihn jetzt mal krass mit meiner Geschichte nerven. Ich bin nämlich gerade wieder zwanghaft leise, damit er sein Nachmittagsschläfchen halten kann, obwohl ich eigentlich meine Audio-Spanisch-Aufgaben hören will.

01.07.2010 16:22 • #56


M
Zitat von yahila:


Und ich geh ihn jetzt mal krass mit meiner Geschichte nerven. Ich bin nämlich gerade wieder zwanghaft leise, damit er sein Nachmittagsschläfchen halten kann, obwohl ich eigentlich meine Audio-Spanisch-Aufgaben hören will.


Richtig so!!!!
Schreib mal, wies war und ob er irgendwas verstanden oder eingesehen hat.
Und: Du gehst ihn nicht krass nerven.
Sondern Du forderst die Aufmerksamkeit ein, die Dir auch gebührt - oder gebühren sollte, von dem Menschen, der sagt, dass er DIch liebt!

01.07.2010 19:22 • #57


Y
Er hat sie nicht gelesen. Und mittlerweile will ich das auch gar nicht mehr. Es ist ein generelles Problem, dass er meistens über seiner Arbeit hängt ( oder über einem Schachspiel ) und dass ich mir dann sehr mühe geben muss, sein Gehör zu finden.

Ich sage oft: Bitte lege das MacBook weg und schau mich bitte an wenn ich mit dir rede. Ich fühle mich sonst nicht ernst genommen. BLA BLA BLA

Ich kann mich ja da selbst nicht mehr hören, ich ertrage es nicht mehr! Ich-Botschaften zum Teufel ! Ich höre mich an wie eine alte Öko-Zippe (Maaaarvin, Ich möchte, dass du den toten Vogel aus dem Mund nimmst, weil ich mich um deine Gesundheit sorge!!!

Wenn er Lust auf Kuscheln oder Reden hat, dann lege ich immer alles beiseite und habe Zeit. Nur andersherum ist es oft ein Kampf. Mir kommt es einfach so vor, als ob er mir immer verdeutlichen will, dass er ARBEITEN muss. Aber das weiß ich doch. Niemand weiß besser als ich, wieviel er arbeitet. Und wieviel Erfolg er damit hat. Ich halte mich selbst nur noch für ein Häufchen SCH*****, weil ich überhaupt keinen Erfolg habe und wenn ich ein wenig Aufmerksamkeit wünsche, dann muss ich oft zuerst mit seinem Erfolg konkurrieren. Ich schaffe es bisher gar nicht mehr, überhaupt daran zu glauben, dass ich jemals mein Studium fertig kriege und jemals arbeiten werde. Dafür bin ich einfach zu nichtig. Zu unbedeutend. Erst recht in der Welt der Wissenschaft, in der Erfolg alles ist.

Das einzige, was wieder funktioniert ist S. - er hat gestern die Tablette nicht genommen und dann war heute alles wie früher.

Aber das tröstet mich nun auch nicht mehr - ich bleibe heute wieder in meinem Bett.


Danke Medica, tut gut, dass du da bist.

01.07.2010 20:14 • #58


S
Liebe yahila und liebe medica,

ich möchte Euch beiden gerne eine Frage stellen, wenn ich darf.

Könnte es sein, dass Eure Partner unter einer narzistischen Persönlichkeitsstörung leiden?
Ich hoffe, diese Frage ist Euch nicht zu intim.

Ich stelle sie Euch deswegen, weil ich mich vor kurzem sehr intensiv mit dieser PS beschäftigt habe.
Ich hatte den Verdacht, dass der Mann, mit dem ich so arge Probleme hatte (steht in meinem TB), unter eben dieser Störung leidet. Das würde er natürlich nie zugeben, weil er sehr selbstherrlich und auch sehr selbstbezogen ist, e3r hat einfach IMMER recht! Ich fand seine Reaktionen und seine Verhaltensweisen so krass, dass ich gedacht habe, irgendwas muss da sein, denn normal fand ich es nicht.

Ich bin mittlerweile zu 95% der Meinung, dass ich recht habe, obwohl ich Laie bin und mir gar nicht anmaßen kann, eine Diagnose zu stellen.

Ich habe starke Ähnlichkeiten zumindest zu Medicas Partner gesehen, deshalb interessiert es mich.
Ich habe auch schon zwei mal Beiträge von Schneefrau in Deinem TB, liebe Medica, gelesen, die auch diese Persönlichkeitsstörung erwähnt hat und Dir glaube ich auch diese Frage schon gestellt hat.

Wenn es tatsächlich zutrifft, dann ist mir auch sehr klar, warum Eure Beziehungen so schwierig sind,
Ich glaube, es ist eine tatsächliche Herausforderung, mit solch einem Menschen eine Partnerschaft zu führen.

Über eine Antwort würde ich mich freuen, aber wenn es Euch zu intim ist, kann ich das auch sehr gut akzeptieren!

Ein lieber Gutenachtgruß für Euch beide!

Yahila, ich hoffe, es ist O.K., wenn ich Dein TB benutzt habe, um auch Medica diese Frage zu stellen.

01.07.2010 23:08 • #59


A


Hallo yahila,

x 4#15


M
Sonnenblume,
ich kann gerade gar nichts sagen und nur stumm auf mein topic zeigen - er ist heut abend völlig ausgeklinkt, rausgerannt mit den Worten ich gehe endgültig! und ich weiß nicht wieso - ich weiß nur, dass er natürlich im Recht ist und ich Schuld haben soll, obwohl ich nichtmal weiß was eigentlich passiert ist
Mehr sage ich dazu nicht.... *Tränchen kullern lass*

Nachtrag: Ich habe mal im Internet gestöbert zur narzistischen Persönlichkeitsstörung - ich denke nicht, dass das passt. Er hat eher einen Minderwertigkeitskomplex, meint, dass ihm alle Welt unrecht tut und dass er sich nicht wehren darf gegen dieses Unrecht.
So nach dem Motto, andere dürfen sich falsch verhalten mir gegenüber und werden dafür auch nicht bestraft - nur, wenn ICH mich dann gegen dieses Unrecht wehre, dann werde natürlich ICH bestraft. Ich armer Tropf. Ungerechte, grausame Welt.

Ach, ich weiß es doch auch nicht.

01.07.2010 23:11 • #60

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