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Selber kündigen oder kündigen lassen - bitte um euren Rat!

Anima
Vielleicht wieder eine dumme Frage aber (ich kapiere oftmals nicht so schnell): Ist es die Tätigkeit insgesamt, die gewechselt werden soll oder einfach nur der Arbeitgeber?

Ich frage aus folgendem Grund: Ich stand nämlich selbst vor dieser Entscheidung. Viele Ratschläge habe ich bekommen, inkl. der Kündigung (ich solle doch kündigen und innerhalb eines Jahres wieder...usw.). Von Natur aus bin ich sehr vorsichtig, auch wenn mein Bauch zu Schnellschüssen neigt, so lasse ich noch die Vernunft zu. Folgende Fragen habe ich mir gestellt:

Du bist jetzt krank geschrieben und würdest kündigen wollen - vermutlich bekommst Du dann AL-Geld basierend auf dem letzten AU-Geld? Wie lange bekommst Du AU-Geld und wie lange AL-Geld? Brauchst Du Unterstützung in Form von medizinischer Reha?
Wenn Dein AG Dich kündigt, wie sieht dann das Zeugnis aus? Aus welchem Grund soll er Dich kündigen? Wie sieht eigentlich dann der Lebenslauf aus?

Zur Erklärung: Ich möchte die Tätigkeit insgesamt wechseln, nicht nur den AG. Daher halte ich es für wichtig, ausreichend Zeit zu berücksichtigen zum gesund werden und zur Suche der neuen Tätigkeit, möglichst ohne Nachteile für die Zukunft.

Warst Du mal deswegen beim Arbeitsamt? Da habe ich mich nämlich erkundigt.

Anima

15.12.2011 15:39 • #16


T
Hallo Anima,

leider ist es so, dass ich dummerweise bei der Ausübung meines Jobs, Panikattacken und Angstzustände bekomme. Die Situation in der Fa. an sich als auch mein erlernter Beruf fördern parallel dazu die Depression.
Ich könnte mir zwar gut vorstellen, weiter in meinem Beruf zu arbeiten, das ist sehr vielseitig und hängt mehr vom Angebot als meiner Qualifikation zusammen. Anderseits würde ich durchaus auch das Wagnis eingehen, nochmal von vorne, bzw. als Quereinsteiger anzufangen. Einfach deswegen weil man sich über den Beruf und die Tätigkeit ja auch identifiziert und Bestätigung bekommt. Darüber hinaus kann und will ich einfach nicht mehr vorstellen, in dieser Fa. weiter zu arbeiten. Seit dem ich krank geschrieben bin (Ende Sep.) habe ich erkannt, dass ich besser nicht wieder zurückkehren sollte. Es würde nichts besser werden.

Also denke ich auch ans finanzielle, bis dass ich mich soweit freigekämpft habe, um aus eigener Intuitive, neu anzufangen. Ewig kann ich mich nicht krank schreiben lassen und schon muss und wird eine entsprechende Konsequenz gezogen werden müssen. Und je mehr Monate Krankengeld in die Berechnung einfließen, umso schmaler ist das ALG. 100€ mehr oder weniger ist viel Geld!

Ich bin davon überzeugt dass mich mein AG unter diesen Bedingungen kündigen wird, ohne einen Nachteil dadurch zu erhalten. Natürlich gerate ich dann aber ins System (Laufrad) der Arbeitsagentur. Und da stellt sich mir natürlich auch die Frage, wie man eine mögliche Sperre umgehen kann, bzw. Fristen zu berücksichtigen sind. Beim Amt war ich noch nicht, ich wüßte auch nicht, wie ich denen meine Situation erklären soll- geschweige denn dem AG.

Es ist einfach sehr vertrackt alles. Ich war in meinen zwanzigern dreimal unverschuldet und arbeitsplatzbedingt arbeitslos. Von daher kenne ich die Situation. Am besten wäre, wenn man einfach einen glatten Strich ohne Gefahr einer Sperre ziehen könnte. Dann hätte ich soviel Luft um mich freizukämpfen und neue Wege zu gehen. Ich kann es von nichts und niemanden anders abhängig machen als von mir selbst. Ich weiß dass ich das schaffen kann und werde. Aber es gilt nun die alten Zöpfe abzuschneiden. Nur wie am besten...

Gruß

15.12.2011 18:52 • #17


A


Hallo Thomson,

Selber kündigen oder kündigen lassen - bitte um euren Rat!

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Anima
Okay, das erklärt auf jeden Fall den strikten Wunsch danach, nicht wieder dort hin zurück zu kehren.

Da ich im Augenblick auch ein wenig durcheinander bin: Wie sah bisher denn Deine Behandlung aus? Berufliche Reha z. B. - habe ich da etwas überlesen? Das z. B. wurde mir empfohlen.

Was die Kündigung aus gesundheitlichen Gründen angeht: Ja, da habe ich direkt beim Arbeitsamt nachgefragt. Mein Hausarzt würde mir sogar die Bescheinigung geben. Allerdings wurde mir beim Arbeitsamt geraten, vor der Kündigung Kontakt mit meinem dort zuständigen Berater (ich habe mich nämlich mittlerweile schon arbeitssuchend gemeldet) aufzunehmen. Anscheinend kann es nämlich sein, dass trotz Bescheinigung ein Gutachter eingeschaltet werden muss.

Du bist seit Ende September krank geschrieben. Ich war letztes Jahr von Mitte Februar bis Mitte September krank geschrieben. Klinik, Aufenthalt zuhause, Wiedereingliederung. Auch ich identifiziere mich sehr über meine Arbeit, ich arbeite grundsätzlich sehr gerne. Ab Januar geht es bei mir von vorne los. Was ich dabei und hier gelernt habe ist: Klare Linie mit einem Ziel: Depressionen bekämpfen und berufliche Veränderung. Alleine schaffe ich das nicht. Deswegen hatte ich hier ja auch schon das Thema eröffnet mit der Frage, wer schon erfolgreich den Job gewechselt hat.

Habe ich das so richtig verstanden, dass Du Deinem Arbeitgeber zuvor kommen möchtest? Wie lange bist Du schon bei Deinem Arbeitgeber angestellt?

Deine Gedankengänge kommen mir allesamt bekannt vor. Deswegen war ich ja beim Arbeitsamt und habe sogar eine Rechtsberatung aufgesucht.

Anima

15.12.2011 19:45 • #18


T
Hallo Anima,

wie ich sehe, haben wir da viele Parallelen. :-)

Bin derzeit nur beim Hausarzt in Behandlung, d.h. wir probieren mittlerweile das dritte Antidepressiva aus. Für eine Klinik reicht es gottlob nicht, da ich selbst noch die Notbremse ziehen konnte und musste. Mein eigentliches Problem ist im privaten zu finden, wirkt sich dummerweise aber nur auf der Arbeit aus. Da aber, zieht es seine weiteren Kreise bis zurück ins private.

Ich bin seit sieben Jahren in der Fa. angestellt und ich bin immer noch davon überzeugt, dass sie mir keine Steine in den Weg legen werden. Aber wenn ich nun zum A-Amt gehe, was soll ich da sagen? Ein Schreiben vom Arzt würde ich auch bekommen. Man kann also sagen dass ich die Rückendekung wohl habe, aber was ist beim A-Amt? Gilt als Gutachter auch der medizinische Dienst, der von der Krankenkasse eingeschaltet wird? Da musste ich schon vorstellig werden.

Wie gesagt, ich hab keine Ahnung von der Materie. Ich hab immer nur gearbeitet und will das auch weiterhin. Aber es muss sich was ändern! Ich möchte einfach nur nicht ins Hintertreffen geraten, weil ich einfach keine Ahnung hatte...

15.12.2011 20:10 • #19


Albarracin
Experte

15.12.2011 21:31 • #20


Anima
Hallo Thomson,

ich hake noch einmal ein bei Deiner Behandlung, hinsichtlich Deiner Gedanken Kündigung oder nicht, hast Du ja eine super Antwort vom Profi bekommen.

Zum Verständnis: Warum reicht es für eine Klinik nicht? Um ehrlich zu sein, das finde ich auch vom Hausarzt nicht so toll. Antidepressiva unterstützen die Heilung, aber sie alleine helfen nun einmal nicht. Klinik an sich ist auch nichts Schlimmes, ich z. B. gehe jetzt in eine Tagesklinik, wo ich tagsüber Ansprechpartner habe, medizinisch betreut werde und auch Sozialberatung bekomme.

Aus diesem Grund und weil ich selbst in einer ähnlichen Situation war und teilweise bin kann ich nur raten: Nicht ausprobieren, sondern handeln. Ganz wichtig! Ob der Auslöser nun privat oder geschäftlich ist - das ist in diesem Falle nicht wichtig, wichtig ist, dass Du gesund wirst und wieder Dein Leben in den Griff bekommst, ohne Panikanfälle usw.

Was spricht dagegen, beim Arbeitsamt einmal vorzusprechen? Dich arbeitssuchend zu melden? Ich habe mich über das Internet angemeldet und ein wirklich gutes Gespräch gehabt. Ich arbeite auch noch und bin aber gleichzeitig arbeitssuchend gemeldet. Ich habe bei dem Gespräch direkt die Karten auf den Tisch gelegt, dass die Arbeit mich dort krank macht und aus gesundheitlichen Gründen eine Veränderung anstehen muss. Außerdem bestünde die Gefahr, dass ich vorzeitig kündigen muss, gesundheitsbedingt. Seit dem habe ich dort meinen persönlichen Ansprechpartner, mit dem ich immer wieder in Kontakt bin, er hat meinen Lebenslauf, meine Qualifikationen und wir sind zusammen durch gegangen, was ich für Möglichkeiten hätte - zumindest ansatzweise, denn noch bin ich mir nicht wirklich schlüssig, was dann kommen wird.
Zu einem Gutachter musste ich noch nicht, aber ich war auch in Behandlung in einer Klinik und anschließend noch bei einem Psychater (okay, letzterer war nicht effektiv, aber das ist ein anderes Thema).

Wie Du möchte auch ich keinen unüberlegten Schritt tun. Um auf die Zielgerade zu gelangen, einen Schritt nach dem anderen gehen. Ich werde nicht kündigen. Sollte das Unternehmen mich kündigen wollen oder mich von meiner Position beheben (Änderungskündigung), so hätte ich Anspruch auf Entschädigung.

Ich kann gut verstehen, dass man eine gewisse Sicherheit braucht, wo zumindest der berufliche Weg hin führen kann, um wieder gesund zu werden.

Anima

16.12.2011 00:03 • #21


T
Hallo Wolfgang!

Vielen, vielen Dank für diese Info!

Das meine ich damit. Ich hab einfach keine Ahnung von diesen Dingen. Deswegen frage ich ja auch. Und ohne solcher Antworten wäre ich doch aufgeschmissen. Da gibt es so viele Regelungen, Möglichkeiten usw., von denen man nicht mal denkt dass es sowas überhaupt gibt? Danke nochmal dafür! :-)

Am liebsten wäre mir ja noch dieses Jahr ein Gespräch mit dem AG. Aber ich weiß immer noch nicht was ich sagen soll. Nächsten Mo. bin ich wieder beim Arzt, wegen der Dosis der neuen Pillen. Werde da noch mal Rücksprache ob der Rückendeckung halten.

Manchmal denke ich, es ist eine Strafe dass ich selbst noch rechtzeitig die Notbremse gezogen hab. Jedem muss es doch so vorkommen als wäre meine Situation weder Fisch noch Fleisch. Wie kann ich erwarten dass jemand nun weiß was richtig und falsch ist. Wo ich es doch selbst nicht mal weiß. Hätte ich nur das nötige Wissen für Situationen dieser Art... aber ich weiß auch das nicht. Ich bin froh genug, dass ich noch in mich selbst hinein horchen kann und erkennen, was ganz sicher nicht mehr gut für mich ist. Immerhin etwas.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen...

Danke Gruß

16.12.2011 01:06 • #22


Anima
Dass Du die Notbremse gezogen hast, das ist sicherlich richtig, ich zweifle im Augenblick nur daran, ob Du auch die richtige Hilfe bekommst! Alles Gute beim Arzt.

Gruß Anima

18.12.2011 23:13 • #23

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