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Sinnloses Leben wegen Depressionen und Ängsten

Lost111
Ich leide seit Jahren an Depressionen und Ängsten und ich habe immer wieder versucht (und es auch geschafft) wieder irgendwie auf die Beine zu kommen. Momentan kommt es mir aber so vor, als ob dieses Tief nie enden würde. Es erscheint alles so SINNLOS!
Ich habe ich es einfach satt zu kämpfen, ich kann einfach nicht mehr. Dank Krankschreibung kann ich den Druck etwas raus nehmen, aber was kommt danach? Geht es immer wieder von vorne los mit all diesen Widrigkeiten des Lebens? Ich habe es den Sommer über geschafft, relativ stabil zu bleiben. Nun ist alles nur dunkel. Ich will einfach nur meine Ruhe.
Ich kenne diese depressiven Phasen natürlich. Aber zu viel ist zu viel. Ich kann mir nicht vorstellen, wieder irgendwie zur Ruhe zu kommen. Alles so wirr in meinem Kopf! Einfach zu viele Gedanken! Soll es immer so weiter gehen?

Wahrscheinlich ist mein Post auch irgendwie sinnlos und wirr, denn alles scheint bereits gesagt worden zu sein. Tut mir leid.

Dunkle Grüße, Lost111

30.09.2020 22:05 • x 10 #1


Monesie
Hallo lost111,

Es ist sicher nicht sinnlos, auch ist nicht alles gesagt. Jeder ist verschieden und hat eine andere, eigene Geschichte.

Ich kenne das Gefühl, sich ständig aufzurichten und zu versuchen in Gang zu bleiben. Aber ich will nicht nur funktionieren. Wir haben nur dieses eine Leben.
Meine Vorstellung ist die eines Kraters, wenn es mir gut geht sitze ich oben am Rand, wenn es mies ist, sitze ich unten im Loch und komme nicht raus. Meistens hänge ich am Rand und es kann in beide Richtungen gehen. Ganz plötzlich. Ohne Vorwarnung.

Ich führe, leider nicht regelmäßig, einen Kalenderbuch, wo ich bei Bedarf etwas reinschreiben kann. Ich habe dann angefangen zu notieren: die Schlaf-Zeiten und meine Stimmungen, wenn ich nachts aufstehe und nicht mehr schlafen kann, meistens morgens zwischen 3 und 4 Uhr. Ich schütte mir dann einen Tee auf und mache Lockerungsbewegungen, da ich meistens sehr angespannt bin. Das beruhigt mich und im Verlauf der Zeit habe ich festgestellt, dass es nicht immer nur schlecht war, es gab einzelne Tage, wo es mir ein klein wenig besser ging. Ein Lichtblick! Komme ich morgens nicht aus dem Bett, dann versuche ich meine Stimmung zu verbessern. Ich höre dann Musik oder lese ein wenig. Ich mache einen Plan, was ich heute erledigen möchte. Meistens schaffe ich nur die Hälfte oder an schlimmen Tagen auch nur einen Punkt der Liste. Dann ist aber das Aufstehen schon ein Erfolg!
Versuche das Positive zu finden und zu sehen.
Kleine Schritte gehen und Hilfe erbitten sind schon ein weiter Weg.
Du schaffst es!
Wie die Werbung so schön sagt:
Ich bin es mir WERT!
Monesie

PS. Ich bin zum 2. Mal in Therapie, diesmal seit 2018.

01.10.2020 07:19 • x 5 #2


A


Hallo Lost111,

Sinnloses Leben wegen Depressionen und Ängsten

x 3#3


Lost111
Hallo Monesie,

danke für deinen Post und die aufmunternden Worte.

Zitat:
Ich kenne das Gefühl, sich ständig aufzurichten und zu versuchen in Gang zu bleiben. Aber ich will nicht nur funktionieren. Wir haben nur dieses eine Leben.
Meine Vorstellung ist die eines Kraters, wenn es mir gut geht sitze ich oben am Rand, wenn es mies ist, sitze ich unten im Loch und komme nicht raus. Meistens hänge ich am Rand und es kann in beide Richtungen gehen. Ganz plötzlich. Ohne Vorwarnung.


Da kann ich dir nur zustimmen. Es ist nicht einfach, aus dem tiefen Loch wieder raus zu kommen.
Ich weiß, dass eine Tagesstruktur helfen kann, aber momentan schaffe ich fast gar nichts mehr. Am Dienstag habe ich es geschafft, ein Fenster zu putzen und herbstlich zu dekorieren. Zu mehr hat es dann nicht mehr gereicht.
Mit lesen kann ich mich zeitweise auch ablenken von all den Gedanken in meinem Kopf. Ich habe auch wieder angefangen, Tagebuch zu schreiben, aber da drin stehen momentan nur negative Gedanken. Wird es jemals wieder besser werden?
Es ist alles so schwer!

Zitat:
Versuche das Positive zu finden und zu sehen.
Kleine Schritte gehen und Hilfe erbitten sind schon ein weiter Weg. Du schaffst es!


Meine Katzen sind für mich jeden Tag positiv. Die können mir definitiv ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubern. Ansonsten sieht es ziemlich dunkel aus. Ich liege viel im Bett oder auf der Couch und die kleinste Kleinigkeit nervt mich. Ich bin sogar schon genervt von mir selbst (aber vor sich selbst kann man nicht davonlaufen).
Ich sollte mir einfach nicht zu viel vornehmen und aufhören, wenn es nicht mehr geht. Ich meine, es ist ja auch schon ein Erfolgserlebnis, wenn man z.B. die Wäsche gemacht hat. Ein winziger Schritt, aber es ist immerhin einer. So versuche ich, den Tagen einen Hauch an Struktur zu geben. Wenn nur nicht alles so anstrengend und ermüdend wäre.

Vllt. sollte ich auch einfach akzeptieren, dass es jetzt nun mal so ist wie es ist.

LG Lost111

01.10.2020 19:29 • x 5 #3


Irgendeine
Wenn du dich den Sommer über ganz okay gefühlt hast, solltest du vielleicht mal deinen Vitamin D-Spiegel bestimmen lassen. Es klingt banal, aber meiner lag im März bei 3 nmol/l. Normal sind 30-50 nmol/l.

01.10.2020 23:04 • x 4 #4


Lost111
Hallo Irgendeine,

danke für den Tipp. Aber ich nahm auch schon Vitamin-D-Präparate, aber ohne nennenswerten Erfolg. Eine Blutabnahme hatte ich aber deswegen noch nicht. Kann man das einfach so beim HA verlangen?

LG, Lost111

01.10.2020 23:14 • x 2 #5


Irgendeine
Zitat von Lost111:
Kann man das einfach so beim HA verlangen?

Man muss es selbst bezahlen. Aber es ist nicht so teuer. Wieviel genau, weiß ich leider nicht, weil das bei mir damals in der Klinik im Routinelabor mitbestimmt wurde.

02.10.2020 00:52 • #6


Lost111
@irgendeine

Ok. Vllt. informiere ich mich beim nächsten Termin mal danach (wenn ich es nicht bis dahin vergessen habe ).

Ansonsten geht es mir noch nicht wirklich besser. Ich habe mich inzwischen mit der Krankschreibung abgefunden.
Ich weiß nicht, wozu ich jeden Tag wieder aufstehe. Jeder neue Tag ist ein Kampf. Ein Kampf mit mir selbst.
Ich will mir nur die Decke über den Kopf ziehen.
Vllt. wird es irgendwann besser werden, vllt. aber auch nicht. Irgendwie ist mir das gerade ziemlich egal.

Ich wünsche allen hier ein angenehmes und stressfreies WE.

Dunkle Grüße, Lost111

02.10.2020 23:02 • x 2 #7


Martl
Hallo Lost, ich glaub, wir haben aktuell viel Gemeinsamkeiten. Mir geht's aktuell genauso wie dir. War bzw. bin auch so verzweifelt. Bin seit 10 Wochen auch nicht mehr zu meiner Therapeutin und zu meiner Psychologin gegangen. Hab irgendwie den Kampf aufgegeben. Hab meine Depressionen aber schon seit meiner Kindheit, jetzt bin 55 Jahre alt. Seit einer Woche geht's mir besser, geh sehr viel spazieren, raus in die Natur. Am Dienstag geh ich wieder zur Therapie. Ja, es ist ein Kampf. Drück Dir fest die Daumen, dass die Sonne wieder kommt.

03.10.2020 13:58 • x 2 #8


Betse66
Liebe Lost, stell dir vor, es ist dunkel und plötzlich leuchtet eine kleine Flamme an einer Kerze auf. Was spürst du? Licht, ein Hauch Wärme? Dieses Bild versuche ich mir vorzustellen, wenn es mir schlecht geht und dann zünde ich am hellichten Tag eine Kerze an. Klingt vielleicht komisch, ... manchmal aber einfach ein kleiner Weg ins Licht.
Ich wünsche dir diesen Lichtblick.
Betse

04.10.2020 10:58 • x 2 #9


buddl1
was ist eigentlich der Sinn eines Lebens?
zu dieser Frage kommt wohl jeder mal in seinem Leben.
vor einem, so viele gelebte Leben, von wenigen wird berichtet,
viele vergessen, manchmal nur ein Wort auf einem Stein...
und nach uns, was bleibt und wozu?
ich mein, egal ob man mich beweint oder ignoriert,
es ist vorbei und nichts was mich davon mehr erreicht...
ja, es ist schwer darin sein Dasein zu finden,
seinen Weg, zu wissen wofür.
die einen streben nach Macht, Geld oder geben Leben weiter und doch
werden sie alle enden wie die vor uns, das Leben ist nun mal endlich.

wenn ich durch den Wald gehe, das Rauschen da oben,
wie gern würde ich der Wind sein, der all diese Blätter bewegt
und doch ist er vorüber est unheimlich still erscheint.
auf dem Boden, sich mühsam die Ameise mit einen Blatt zum Bau bewegt
sie fragt nicht nach dem warum, sie tut es einfach wie all die anderen,
ja für was den überhaupt?
sie haben ein gemeinsames Ziel,
die Gemeinschaft zu erhalten, fortzuführen und
auch wenn ich ein Jahr später diese Ameise nicht mehr wiederfinden oder gar erkennen kann,
warum erwarte ich das von mir?

am Ende bleiben doch immer mehr Fragen, kaum Antworten und letztlich bleibt die immer wiederkehrende Frage
warum?

jeder könnte meinen Monolog ins unendliche fortsetzen doch ist es nicht gerade deshalb besser,
jetzt,
ja genau jetzt in den Wald zu gehen und sich darüber zu freuen,
das der Wind da oben die Wipfel streift,
die Ameise ihren Weg ohne durch meinen Fuß ihren Weg fortsetzen zu lassen
und sich darüber zu freuen, weil man es kann?
sein Leben, je es zu nehmen wie es ist, egal wann einen eben diese Erkenntnis erreicht,
es zu leben. und abends in die Sonne schauen, wie sie still am Horizont versinkt....
nicht jeder Tag muss voller Freude sein,
wir würden vergessen, eben diesen zu schätzen zu wissen.
wir leben nur das eine mal
und das nicht umsonst oder wofür,
sondern für uns selbst, verdammt noch mal...
buddl1,

04.10.2020 12:16 • x 7 #10


Martl
Hallo Budll1, hast Du sehr schöne geschrieben und erläutert. Dein Text gefällt mir sehr gut

04.10.2020 17:59 • x 1 #11


buddl1
es war nur der Versuch,
Dinge aus deiner Sicht, aus deinem schreiben zu sehen.
wenn wir in uns schauen,
wie oft übersehen wir da unser Glück,
ja, nur allzu schnell vergessen wir und halten uns an den Widrigkeiten auf,
die unseren Alltag bestimmen lassen.
schau auf das gelebte zurück, nicht mit Zorn oder mit Hass,
was man hätte besser tun können, oder wovor man uns hätte schützen müssen.
es passierte, weil es eben so war und nun stehen wir hier und nicht dort!
klar man kann vieles wollen, auf vieles verzichten und letztlich bleibt doch
wie es nun ist.
und eben daraus bestimmen wir halbwegs das Morgen, unser Morgen und ja
er wird kommen,
beginnen wir ihn mit einem Lächeln und wer weiß wer uns dafür
mit eben ein solchen uns belohnen wird.
wen ich das bei dir erreichen konnte, so doch auch nur,
weil du es eben gelesen hast,
danke dafür.
buddl1,

05.10.2020 07:52 • x 4 #12


Martl
Guten Morgen buddl1, vielen Dank für die Rückmeldung. Deine Texte lese ich sehr sehr gerne. Steckt viel Wahrheit drin. Ja weg vom Selbstmitleid und den negativen Gedanken. Ist halt bloß so schwierig für mich, komm immer wieder in diese Verzweiflung. Liebe Grüße

05.10.2020 08:28 • x 3 #13


buddl1
ja, diese Momente werden sich auch zukünftig nicht wirklich vermeiden lassen
und genau deshalb suchen wir Orte wie dieser einer geworden ist.
durch das wahrnehmen, teilen und wenn es möglich ist zu reflektieren,
können wir uns finden und für Momente aus dem eigenen ich fliehen,
weil es eben anderen auch so geht.
es ist Ansporn und Lohn zu gleich,
sich dafür Zeit zu nehmen, nicht abzuwinken- das wird schon wieder...
genau das ist heute so selten geworden,
auch mal versinken zu dürfen,
und wenn es dann so ist,
dann lesen wir wieder hier...
buddl1,

05.10.2020 11:58 • x 1 #14


A


Hallo Lost111,

x 4#15


bones
Ist ja alles schön und gut buddl1, . Das du mit dein schönen Beispiele mut aufbringst. Aber wenn ich so deine Beiträge lese, ist es doch für mich unwirklich. Jemand wie mich, der chronisch schwer depressiv ist, der glaubt an sowas nicht mehr und die Hoffnung hab ich längst aufgegeben. Einzig was ich machen kann ein Umgang mit der Erkrankung zu gestalten und das beste draus zu machen. Da können noch so tolle Worte kommen.

05.10.2020 12:25 • x 3 #15

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