56

Soziale Phobie mit Depressionen

Lost111
. und ich weiß leider nicht, ob ich hier gerade in der richtigen Kategorie schreibe.

Ich bin neu hier.

Ich bin 51 Jahre alt und leide seit Jahren an Depressionen, generalisierter Angststörung und sozialer Phobie.

Leider fehlen mir so wirklich die Worte, wie schon so oft.

Tut mir leid.

Lost111

07.09.2020 21:09 • x 7 #1


Caro63
Hallo Lost111,
dann mal ein herzliches WIllkommen hier,
auch wenn du gerade bissle wortlos bist
Lese mal ein wenig ,dann findest du dich in dem ein oder anderen Thread vielleicht wieder,
alternativ siehst du ,wer, wo hier unterwegs ist schreibt und liest.
Etliche Schreiberlinge haben alle hier Probleme wie du oder ähnlich oder auch ganz anders.
Zuerst einmal
LG Caro60

07.09.2020 21:14 • x 4 #2


A


Hallo Lost111,

Soziale Phobie mit Depressionen

x 3#3


Betse66
Hallo Lost111,
auch von mir ein kleiner Willkommensgruß. Wie Caro60 schon schrieb, schau dich um in den unterschiedlichen Foren und scheue dich nicht davor, ein für dich neues Thema zu erstellen. Die Sprachlosigkeit, ja die gehört auch dazu. Manchmal hilft es, nur vier Begriffe zu finden, die dein Inneres beschreiben ... das ist bei mir hin und wieder der Auslöser, um genauer in mich zu horchen. Auch die Musik finde ich gut. ... vielleicht schreibst du einfach mal, wie es dir gerade so geht.

Sei lieb gegrüßt
Betse

08.09.2020 20:40 • x 1 #3


Lost111
Hallo und guten Abend,

vielen Dank für die nette Begrüßung.

Mir geht es momentan eher weniger gut, ich merke, wie es wieder von Tag zu Tag schlechter wird.
Aber noch kämpfe ich und gehe arbeiten, auch wenn es mir schwer fällt. Dabei wünsche ich mir nur,
dass der Tag vorbei geht (auch wenn ich nur halbtags arbeite), und ich zähle die Stunden bis zum Feierabend.
Ich merke auch, dass mir mehr und mehr die Worte fehlen, ich will gar nicht mehr reden, keine
Ahnung, ob das jmd. hier auch kennt. Es scheint alles schon gesagt zu sein. So empfinde ich es gerade.
Alles erscheint einfach so sinnlos. So schleppe ich mich von Tag zu Tag, jeder Tag ist ein Kampf, ein Kampf
mit mir selbst.

Dunkle Grüsse

Lost111

09.09.2020 20:42 • x 5 #4


Caro63
Hallo Lost111,
beachtlich, wenn du noch arbeiten gehst, egal ob halbtags oder voll.
Bestätigen kann ich die manchmal regelrechte Sprachlosigkeit, allerdings nicht in Form von,
man kann es nicht formulieren oder bekommt es nicht gesagt.
Nein, ich kenne diese Sprachlosigkeit eigentlich mehr als Erschöpfung, da zu müde,
um noch etwas zu sagen zu einem Thema ...
Die Frage ist, wie lange hält man es für sich aus, wann siegen die Signale des Körpers,
um sich aus der sagen wir mal Schusslinie zu nehmen.
Sicher gehören immer gute und schlechte Tage zum Leben und beide sollte man lernen ,für sich zu
akzeptieren und zu zulassen.
Pass auf dich auf, lass es nicht zu viel werden
Denn dann solltest du die Notbremse ziehen ,manchmal hilft es schon ,das WE zu verlängern ,mal frei zu machen.

Achtsamkeit für sich selbst...klingt so normal und selbstverständlich,
es ist nur schwer, es sich und seinem eigenen Körper der Seele zu genehmigen.

Ich wünsche dir eine ruhige, erholsame Nacht und Sonne im Herzen für den morgigen Tag
N8 Caro60

09.09.2020 21:43 • x 3 #5


Lost111
Hallo Caro60,

Zitat:
beachtlich, wenn du noch arbeiten gehst, egal ob halbtags oder voll.


Das Problem ist, dass ich viel ertragen kann; d.h., ich mache meistens solange weiter, bis ich
wirklich nicht mehr kann. Erst dann vertraue ich mich meinem Hausarzt an, der auch immer meint,
kommen sie doch einfach eher rein, bevor es unerträglich wird. Vllt. bin ich zu pflichtbewusst?
Vllt. achte ich auch einfach nicht auf die Signale, die mir mein Körper gibt. *Schulterzuck*
Diese Woche bin ich bereits 2 x etwas eher von der Arbeit nachhause gegangen (wir haben Gleitzeit), da
es mir zuviel wurde. So hangele ich mich halt von Tag zu Tag, von Montag bis Freitag.

Zitat:
Achtsamkeit für sich selbst...klingt so normal und selbstverständlich,
es ist nur schwer, es sich und seinem eigenen Körper der Seele zu genehmigen.


Genau das ist der Punkt. Ein ehemaliger Psychiater meinte oft zu mir: Tun Sie sich was Gutes..
Aber wie könnte ich das? Vllt. denke ich, dass ich es nicht verdient habe. Vllt. kann ich das auch
einfach nicht. Auch mich z. B. selbst loben - das geht gar nicht.
Nun halte ich mich daran fest, dass morgen schon Freitag ist. Aber nächste Woche geht es wieder
von vorne los. Ich muss sehen, wie ich das schaffe. Vllt. sollte ich doch mal einen Termin bei meinem
Hausarzt machen... Der schreibt mich dann wahrscheinlich sofort krank... Fakt ist auch, dass mein Umfeld -
Familie und die wenigen Kontakte, die ich sonst noch habe - nicht verstehen/nicht verstehen wollen,
wenn ich wegen Depressionen etc. zuhause bin. Das macht es nicht einfacher. Aber wenn ICH nicht an mich
denke - wer tut es dann?!

Den Sommer über habe ich gut durchgehalten, mit einigen schwachen Tiefs, aber ansonsten war es ok.
Nun wird wieder alles enger, ich will im Grunde genommen gar nichts mehr.

Dunkle Grüsse

Lost111

10.09.2020 18:27 • x 3 #6


Caro63
Zitat von Lost111:
... Der schreibt mich dann wahrscheinlich sofort krank... Fakt ist auch, dass mein Umfeld -
Familie und die wenigen Kontakte, die ich sonst noch habe - nicht verstehen/nicht verstehen wollen,
wenn ich wegen Depressionen etc. zuhause bin. Das macht es nicht einfacher. Aber wenn ICH nicht an mich
denke - wer tut es dann?!


Vielleicht denkst du am WE mal darüber nach, dass dein Arzt dir eigentlich die Möglichkeit selbst offen lässt,
zu entscheiden, kannst du weiter arbeiten oder brauchst du eine Pause.
Du bist für dich verantwortlich, deine Gesundheit hast du zusammen mit deinem Leben nur einmal,
da spielen auch Angehörige ,Freunde ,Kollegen keine Rolle, sie dürfen keine Rolle spielen aus meiner Sicht !
Ich verstehe dich voll und ganz, letztendlich hat man auch irgendwo eine Erziehung genossen und evtl. Vorbildwirkung durch Eltern, Geschwister usw. erlebt - man will es gut machen ,sich selbst und möglichst allen Anderen gerecht werden bzw. sich selbst gegenüber und anderen Menschen gegenüber keine Schwäche zeigen.
Und dann kommt da noch ein evtl. Hang/Drang zum Perfektionismus ...man könnte es weiter auflisten.
Was nutzt dir das, wenn du dich schleppst und überforderst, dann wirklich krank wirst und gar nicht mehr kannst?
Ich möchte dich nicht belehren, habe doch denselben Fehler gemacht, Jahrzehnte lang
erst angefangen nachzudenken, als es schon längst Alarmstufe rot war.
Wir sind sicher auch durch unsere Erziehung, Erbanlagen in gewisser Weise vorbelastet, was unser Engagement beruflich betrifft, ich bezweifle auch nach wie vor nicht, dass dies falsch ist,.
Allerdings besteht die große Gefahr ,sich über die Arbeit und die Wirkung auf andere Menschen gegenüber sich selbst zu identifizieren, Anerkennung, Wertschätzung zu suchen.
Hoffentlich klingt das nicht zu verwirrend ,ich versuche nur aus meiner Sicht /Selbsterfahrung eine Erklärung zu bringen
Positiv ist doch, du merkst es, dass sich etwas nicht wirklich richtig anfühlt und der nächste Schritt wird die richtige Entscheidung sein -Pause einlegen (kann ja auch kleines Krank sein),um neue Kraft zu tanken.

Zitat von Lost111:
Aber wenn ICH nicht an mich
denke - wer tut es dann?!


Genau, nur du kannst das entscheiden -DU bist der Macher/die Macherin...

Zitat von Lost111:
Den Sommer über habe ich gut durchgehalten, mit einigen schwachen Tiefs, aber ansonsten war es ok.
Nun wird wieder alles enger, ich will im Grunde genommen gar nichts mehr.


Wann hattest du deinen letzten Urlaub, wenn du den Sommer über durchgehalten hast ?
Manchmal hilft ein Ziel ,eine kleinere Pause schon aus einem Tief heraus - wäre vielleicht auch eine Überlegung wert
(allerdings nicht als Flucht/Erklärung für Angehörige),das wäre Selbstbetrug.
Eine evtl. Depression ist eben keine Krankheit ,die man nun sofort äusserlich sieht, mit einem Beinbruch o.ä, brauchts oft keine Erklärung .
Depression oder Erschöpfungszustand ist nun mal nicht technisch mit Hilfsmitteln wie einem Gips oder Schiene heilbar,
das braucht viel mehr .

Sensibilität in Form auf seine Körpersignale zu hören, Verantwortungsbewusstsein sich selbst gegenüber !
Trau Dich ,raus aus dem Schneckenhaus und Hilfe anzunehmen und einzufordern

Ich hör dann mal auf zu texten ,
LG Caro60

10.09.2020 22:19 • x 2 #7


Lost111
Hallo Caro,

danke für deine ausführliche Antwort.

Zitat:
Vielleicht denkst du am WE mal darüber nach, dass dein Arzt dir eigentlich die Möglichkeit selbst offen lässt,
zu entscheiden, kannst du weiter arbeiten oder brauchst du eine Pause.


Das stimmt, aber schon der Gang zu meinem Hausarzt ist - obwohl er sehr verständnisvoll ist - immer mit Angst behaftet.
Dann kommen so blöde Gedanken wie Nimmt er mich ernst?, Ist eine Krankschreibung zuviel verlangt? etc. auf. Das
kann ich einfach nicht abstellen! Ich finde das einfach doof von mir. Bislang hat er immer viel Verständnis gezeigt und mich
krank geschrieben, wenn es erforderlich war. Da gab es nie Probleme. Warum ist da nur diese blöde Angst/Panik?
Liegt es daran, dass es mir einfach schwer fällt, meine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen? Auch mal an mich zu denken?

Zitat:
Du bist für dich verantwortlich, deine Gesundheit hast du zusammen mit deinem Leben nur einmal,
da spielen auch Angehörige ,Freunde ,Kollegen keine Rolle, sie dürfen keine Rolle spielen aus meiner Sicht !


Wie ich schon sagte, versteht mich mein Umfeld in der Hinsicht so gar nicht. Meine Mutter fragt immer warum, obwohl ich
ihr schon so oft erklärt habe, was Depressionen sind und ihr auch mal ein Fachbuch in die Hand drücken wollte, womit sie sich allerdings nicht beschäftigen wollte/konnte, keine Ahnung.
Ich habe grundsätzlich ein schlechtes Gewissen, wenn ich der Arbeit krankheitsbedingt fernbleiben muss. Dazu muss ich sagen, dass ich eine nicht wirklich nette Kollegin habe, die das einfach auch nicht versteht/nicht verstehen will. Deshalb zögere ich auch immer so lange, bis ich mich dann mal wortwörtlich zum Arzt schleppe.
Ja, wie du schon sagst, vllt. warte ich einfach zu lange, weil es mir schwer fällt, die Hilfe einzufordern, die mir zusteht.

Zitat:
Wann hattest du deinen letzten Urlaub, wenn du den Sommer über durchgehalten hast ?


Ich hatte ab Mitte August erst 3 Wochen Urlaub. Trotzdem fühlt es sich an, als hätte ich nie Urlaub gehabt. Krass, oder?

Auf Arbeit war heute wieder echt anstrengend. Ich musste 2 lange Texte nach Diktat fertigen und habe mich dabei andauernd verschrieben, so dass ich tatsächlich 1 1/2 Stunden (!) dafür brauchte. Ich war so unkonzentriert und ärgerte mich natürlich sehr über mich selbst.

Nun ja, jetzt ist erstmal WE und ich werde versuchen, mich zu entspannen.

Komm gut ins WE und LG,

Lost111

11.09.2020 18:44 • x 3 #8


Caro63
Ich denke ,du gibst dir die Antwort schon selbst auf deine momentane Verfassung.
Die Angst zum HA zu gehen ,begleitete mich auch jedes Mal.
Zu groß war die Sorge, bei einer evtl. Krankmeldung erklären zu müssen, warum und was denn sei-
so war das üblich in der Firma
Und...ich wollte taff sein, gut sein, besser als Anderen, denn ich war kein guter Verlierer und identifizierte mich lange,
viel zu lange über meine tägliche Arbeit..so begann die Abschottung.
Du findest den richtigen Zeitpunkt hoffe ich!

LG Caro60

11.09.2020 19:39 • #9


Betse66
Hallo Lost111,

Zitat:Das stimmt, aber schon der Gang zu meinem Hausarzt ist - obwohl er sehr verständnisvoll ist - immer mit Angst behaftet.
Dann kommen so blöde Gedanken wie Nimmt er mich ernst?, Ist eine Krankschreibung zuviel verlangt? etc. auf. Das
kann ich einfach nicht abstellen! Ich finde das einfach doof von mir. Bislang hat er immer viel Verständnis gezeigt und mich
krank geschrieben, wenn es erforderlich war. Da gab es nie Probleme. Warum ist da nur diese blöde Angst/Panik?
Liegt es daran, dass es mir einfach schwer fällt, meine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen? Auch mal an mich zu denken?

Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich kann diese Gedanken/Situation nur zu gut nachvollziehen. Bisher habe ich für mich noch keinen Weg gefunden, damit stressfreier umzugehen. Bereits seit Jahren sind Arztbesuche mehr frustrierend für mich abgelaufen, als dass ich mal mit einem guten Gefühl rausgegangen wäre. Selbst meine vorbereiteten Zettel habe ich mir nicht mehr getraut zu benutzen. Warum ist das so? Ich fühle mich so verletzlich, hilflos, ohne jegliches Selbstvertrauen .... Manchmal frage ich mich, wie ich mein Leben bisher überstanden habe. Oh, das klingt echt verzweifelt, wenn ich das so schreibe. Eigentlich will ich dir nur sagen, du bist nicht allein.

Zitat: Wie ich schon sagte, versteht mich mein Umfeld in der Hinsicht so gar nicht. Meine Mutter fragt immer warum, obwohl ich
ihr schon so oft erklärt habe, was Depressionen sind und ihr auch mal ein Fachbuch in die Hand drücken wollte, womit sie sich allerdings nicht beschäftigen wollte/konnte, keine Ahnung.

Mir geht es mit meinen Eltern ähnlich, wobei besonders mein Vater der schwierigere Part ist. Ich denke, dass meine Mutter mit ihren fast 85 Jahren Altersdepression hat. Deshalb getraue ich mir auch nicht, zu viel über meine Probleme preis zu geben. Aber mein Vater nervt regelrecht. Und mich macht das immer aggressiver. Am liebsten würde ich mich gar nicht mehr melden (geht nicht, weil wir im gleichen Mietshaus wohnen). Einfach nur mein Ding machen. Warum machen andere einem das Leben noch schwerer? Kann nicht einfach nur Ruhe sein?

Ich glaube, ich bin gerade keine Hilfe für dich. Entschuldige.

Komm wir freuen uns jetzt gemeinsam auf das sonnige Spätsommerwochenende.
LG Betse

11.09.2020 19:47 • #10


Lost111
Hallo noch einmal Caro60,

Zitat:
Du findest den richtigen Zeitpunkt hoffe ich!


Das ist die Frage... So wie es momentan aussieht, schleppe ich mich bis auf weiteres weiterhin zur Arbeit.
Aber ich ziehe schon in Erwägung, einen Termin bei meinem HA zu machen, immerhin etwas!

Zitat:
Zu groß war die Sorge, bei einer evtl. Krankmeldung erklären zu müssen, warum und was denn sei-[


Ja, genau so ist es! Das ist doch eigentlich ziemlich doof, oder (wenn ich das jetzt einfach mal so salopp sagen darf)?!
Da hat man einen verständnisvollen HA und geht mit Panik und Angst dahin, bloß weil es einem schlecht geht. Wenn ich nur wüsste, wie man das abstellen kann! Bislang habe ich keine annähernde gute Strategie dafür gefunden.
Also werde ich auch das nächste mal wieder mit Herzrasen und rotem Kopf in der HA-Praxis aufschlagen.

LG Lost111


Hallo Betse,

danke für deinen Beitrag.

Zitat:
Mir geht es mit meinen Eltern ähnlich, wobei besonders mein Vater der schwierigere Part ist. Ich denke, dass meine Mutter mit ihren fast 85 Jahren Altersdepression hat. Deshalb getraue ich mir auch nicht, zu viel über meine Probleme preis zu geben. Aber mein Vater nervt regelrecht. Und mich macht das immer aggressiver. Am liebsten würde ich mich gar nicht mehr melden (geht nicht, weil wir im gleichen Mietshaus wohnen). Einfach nur mein Ding machen. Warum machen andere einem das Leben noch schwerer? Kann nicht einfach nur Ruhe sein?


Vor allem will man seinen Eltern keine Sorgen machen, das ist der springende Punkt, denke ich. So ist das bei mir jedenfalls.
Wobei ich allerdings vor allem mit meiner Mutter darüber kaum reden kann, mein Stiefvater ist dabei eh außen vor.
Irgendwann habe ich es auch einfach aufgegeben, mich zu erklären. Zumal es eh nicht anzukommen scheint. Dabei ist es eh überhaupt schon schwer, darüber zu reden. Aber ich muss es halt so akzeptieren, wie es ist.
Dein Vater scheint es dir nicht wirklich einfach zu machen. Konntest du mit ihm mal ansatzweise über deine Depressionen sprechen?
Ober blockt er da gleich ab? Ich kann dich dahingehend echt verstehen. Und die unmittelbare Nähe zu ihm macht es sicherlich nicht einfacher.
Auch ich melde mich nur einmal die Woche bei meiner Mutter. Ich habe gar nicht das Bedürfnis dazu, öfter Kontakt zu halten. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Zitat:
Ich glaube, ich bin gerade keine Hilfe für dich. Entschuldige.


Es gibt nichts zu entschuldigen, alles gut!

Dir auch ein schönes sonniges und entspanntes WE.

LG

Lost111

11.09.2020 20:25 • x 2 #11


Betse66
Zitat von Lost111:
Dein Vater scheint es dir nicht wirklich einfach zu machen. Konntest du mit ihm mal ansatzweise über deine Depressionen sprechen?
Ober blockt er da gleich ab? Ich kann dich dahingehend echt verstehen. Und die unmittelbare Nähe zu ihm macht es sicherlich nicht einfacher.


Meine Eltern sind es gewohnt, dass ich funktioniere. Ich habe über viele Jahre versucht, das auszugleichen, was bei meinen beiden Geschwistern nicht lief. Selbst nach meiner Trennung und der vielen Probleme mit meinem Sohn habe ich funktioniert. Ich habe gearbeitet, mich um meine Jungs und die vielen fremden Kinder berufsbedingt gekümmert, immer alles organisiert und war eben immer da. Bei mir lief es eben. ... nach außen, lief es! Ich habe mich immer wieder aufgerappelt und noch eins drauf gesetzt, wo der Turm schon geschwankt hat. Ja, was sind Depressionen? Kopfschmerzen kann sich jeder vorstellen, aber Depressionen? Das sieht man mir doch nicht an. Ich kann immer noch die Fassade des Lachenden zeigen. Wieviel Kraft das kostet und wie aggressiv mich das eigentlich macht, sieht niemand. Ich liege auch nicht die ganze Zeit im Bett und weine. Mich treibt es fort. Wenn ich könnte, wäre ich weit weg. Ich könnte mich ständig bewegen, meine Füße sind gerade wieder besonders zappelig (Restless Legs). ... ich habe es meinen Eltern gesagt, aber sie können es wohl nicht mehr verstehen. Es passt nicht in ihr Bild von mir. Ich weiß es nicht. Ich versuche einfach so wenig wie möglich über Befindlichkeiten zu sprechen: Ich hab nicht gut geschlafen. Ich habe Kopfschmerzen. Mir ist nicht gut. Ich bin müde. Ich leg mich etwas hin. Alles andere hat keinen Sinn ... und ich habe nicht die Kraft, mich zu erklären. Das ist nicht schön, aber für mich momentan nur so machbar.

Ich hoffe, dass ich bald den Termin für die Reha gekommen. Ich muss hier weg.

... und jetzt ab ins Bett. Ich bin echt müde und hoffe, dass die Beine bald Ruhe geben.
Gute Nacht. Betse

11.09.2020 21:35 • #12


Lost111
Zitat:
Meine Eltern sind es gewohnt, dass ich funktioniere.


So sieht es meine Mutter auch... Krank machen ist eine Schande!

Zitat:
und ich habe nicht die Kraft, mich zu erklären. Das ist nicht schön, aber für mich momentan nur so machbar.


Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Irgendwann ist man darüber hinaus, sich erklären zu wollen.
Ich kann auch verstehen, dass dich das aggressiv macht. Man denkt immer: WARUM wird man nicht verstanden?!
Aber deine Eltern können das wohl nicht mehr. Damit klar zu kommen, ist sicherlich nicht einfach.

Zitat:
Mich treibt es fort. Wenn ich könnte, wäre ich weit weg.


Das wünschte ich mir auch so manches mal. Aber leider kommen die Probleme/Sorgen/Ängste hinterher...
Du erwähntest eine Reha - hoffentlich kann das für dich bald angehen, ich wünsche es dir.

Ich wünsche dir eine gute N8-Ruhe und bis bald mal.

LG

Lost111

11.09.2020 21:47 • x 1 #13


A
Hallo
Ich bin auch neu hier
Ich heiße Alexandra und bin 42 Jahre alt.

Mit dem Thema Depressionen muss ich mich ganz neu auseinandersetzen, habe ja bis jetzt immer funktioniert.

Ich habe sehr schwere Zeiten hinter mir, mein Mann ist an einem hirntumor erkrankt, er hat es überlebt, war aber danach nicht mehr der selbe. Ich stand da ohne eine Perspektive, hatte keine Ausbildung und keinen Job, da ich immer nur bei den Kindern daheim war.

Die Ausbildung habe ich nachgeholt und es ging mir auch gut dabei.
Nach meiner Ausbildung wurde ich in eine andere Filiale versetzt, wo ich jeden Tag 90 km fahren muss. Dort hab ich mich garnicht wohl gefühlt, trotz allen Bemühungen gab es aber leider für mich kein Zurück.

Dann vor acht Wochen kurz bevor ich zum arbeiten fahren sollte, habe ich eine panikattacke bekommen, die ich aber nicht als solche erkannt habe.
Da ich auch starke magenschmerzen hatte, habe ich es immer darauf geschoben.

Als mein Hausarzt mich auf Depressionen angesprochen hat, war ich erstmal sauer, er soll sich doch um meine magenschmerzen kümmern, das ist doch der Grund warum es mir schlecht geht.

Ich hatte in den letzten Wochen viel Zeit über mich und die Situation nachzudenken, mittlerweile muss ich sagen das mein Hausarzt recht hatte, ich habe die ganzen Symptome die mein Körper gesendet hat, einfach ignoriert, ich wollte halt funktionieren. Mir fällt es auch sehr schwer es zu akzeptieren und dass ich auch im Moment nicht in der Lage bin arbeiten zu gehen, fühle mich gerade wie eine Versagerin.

Meine Kinder haben sich auch zurück gezogen, weil ich im Moment einfach nicht so funktioniere, das macht mich sehr traurig.

Mein ganzes Leben steht auf dem Kopf und ich weiß nicht wie es weiter gehen soll. In meinen Job will ich nicht mehr zurück, mir fehlt aber die Kraft, was neues zu suchen.

Wie seid ihr mit der Diagnose Depression umgegangen?

Würde mich freuen wenn mir jemand schreibt

Grüße Alex

12.09.2020 08:23 • x 2 #14


A


Hallo Lost111,

Soziale Phobie & Kontaktschwierigkeiten Tipps

x 4#15


Betse66
Guten Morgen Alex,

erst mal ein herzliches Willkommen im Forum. Wenn du dich etwas durchklickerst, wirst du ganz viele Gleichgesinnte finden ... und glaube mir - das hilft, nicht hilflos zu sein. Sei schon mal froh, dass du einen Hausarzt hast, der sensibel genug ist, dir zu sagen, dass deine Symptome mit Depressionen zusammenhängen können. Pass aber auf, dass es trotzdem medizinisch abgeklärt wird. Wenn du einmal unter psychosomatisch abgelegt bist, kann das schnell dazu führen, dass du nicht richtig untersucht wirst. Zumindest ist das leider meine Erfahrung in den letzten Jahren.
So wie du deine Situation beschreibst, scheint es aber sicher zu sein, dass es dich erwischt hat. Akzeptiere es. Es ist kein Makel. Es ist das Ergebnis jahrelangen Funktionierens, ohne dass du auf deine Bedürfnisse geschaut hast. Dass du neue Arbeit brauchst und willst, ist sicherlich richtig. Momentan aber wahrscheinlich die ungünstigste Zeit, auf die Suche zi gehen. Leider spreche ich da aus eigener Erfahrung. Ich bin seit Februar krank, habe mich bereits seit Ende Januar neu beworben. Anfang Juli kam die letzte Absage. Sicherlich ist Corona ein Grund dafür. Letztendlich muss ich aber allen Psychologen und Ärzten mit denen ich in den letzten 4 Monaten zu tun hatte, Recht geben: Ich bin jetzt nicht fähig, arbeiten zu gehen , geschweige denn was neues anzufangen. Mittlerweile traue ich mir gar nichts zu und hoffe, dass mir die Reha hilft, den Absprung von meiner alten (eigentlich erst seit 11/2019) Firma zu realisieren und dann einen neuen Weg zu finden. Dieses Versagen ist so schlimm für mich. Ich bin 54. Ich weiss noch nicht, wo die Reise hingeht. ...
Aber ich bin froh, dass ich dieses Forum habe, Menschen, die wie ich ticken und mich verstehen. Und ich muss somit niemand anderen belästigen , denn da draußen kann mir keiner helfen. Mitleidige Blicke, Unverständnis und Kommentare jeglicher Art .... nein, das brauchen wir nicht.

Alex, vielleicht findest du hier den Austausch, den du brauchst. Einen Versuch ist es wert.

Ich wünsche dir ein schönes Wochenende.
LG Betse

12.09.2020 08:52 • x 1 #15

Weiterlesen »

Sie brauchen Hilfe oder haben auch eine Frage?
Sofern Sie noch kein Benutzerkonto haben, registrieren Sie sich und nehmen Sie an der Community teil!
100% kostenlos Schutz der Anonymität Weniger Werbung Gleichgesinnte finden



Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag