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Stillstand - ich fühle mich schlecht

Lost111
Zitat von blossom79:
Ich habe früher immer gedacht, dass ich ganz schnell wieder arbeiten gehen muss. Ich hatte diesen Anspruch an mich selbst, aber auch meinen Eltern gegenüber - was würden die sonst von mir denken.

Liebe @blossom79 ,

danke für deine verständnisvollen Zeilen. Ich drück dich mal vorsichtig zurück.
JA, so erging es mir auch ganz lange. Was denken die Anderen jetzt von mir? Wie stehe ich da? Ich habe zwar immer noch ein schlechtes Gewissen meinen Kollegen gegenüber, aber es hält sich inzwischen in Grenzen.
Zitat:
Jetzt nach 20 Jahren mit Depressionen lerne ich endlich, es ganz langsam zu akzeptieren und mir auch zuzugestehen, dass es mir schlecht gehen darf. Und dass ich mich dafür nicht rechtfertigen muss oder will.

Da sagst du was Wahres. Es ist wirklich nicht einfach, sich einzugestehen, dass man krank ist. Ich habe da heute noch oft dran zu knabbern, dabei sollte ich es doch nach dieser langen Zeit schon längst akzeptiert haben! Stattdessen hadere ich mit mir selbst und tue mir damit nichts Gutes.
Und muss ich mich rechtfertigen? NEIN. Wenn ich das nicht will, dann muss ich das auch nicht. Aber das muss ich auch noch lernen.

21.04.2022 20:00 • x 2 #16


R
Zitat von Lost111:
Das würde ich gerne ändern können! Auch heute noch - ich war vor 2 Wochen beim Arzt - denke ich mir: es muss doch endlich besser werden! Wahrscheinlich bewirke ich damit genau das Gegenteil. Aber da ist diese innere Stimme, die mir sagt: Genug ausgeruht du Faulpelz. Jetzt hast du bereits 2 Wochen auf der faulen Haut gelegen! Hört sich blöd an, ist aber so. Schwer, dagegen anzukommen. Hatte ich schon erwähnt, dass ich ein ganz ungeduldiger Zeitgenosse bin?!

man kann nicht alles ändern, du bist wie du bist. Du bist du und niemand anders. Jeder hat seine Art.
Du musst dein Leben führen und sonst niemand. Du musst nicht das Leben leben ,was du glaubst leben zu wollen oder müssen damit du anderen gerecht wirst. Du musst dir gerecht werden, deine Bedürfnisse ausleben. 2 Wochen ist gar nichts, aber ich verstehe dich. Und dieses sich selbst nieder machen kommt mir bekannt vor, stell dich nicht so an, du musst das schaffen, du musst , du musst , du musst, was sollen die anderen von dir denken ?
Zitat von Lost111:

Heute war ein irgendwie etwas unwirklicher Tag. Ich musste zum ZA (Kontrolle und Zahnreinigung). Meistens bin ich davor das reinste Nervenbündel und habe Angst, aber heute war ich relativ emotionsarm. Etwas Unbehagen habe ich verspürt, aber keine wirkliche Panik. Auch die Tatsache, dass ich nächste Woche nochmal hin muss, lässt mich (bislang) kalt. Bin das ICH? ICH, die jahrelang aus Angst und Panik nicht zum ZA ging? Erst 2017 brachte mich meine ehemalige Therapeutin dahin. Seitdem zwinge ich mich dazu, alle 6 Monate hinzugehen.

So wie es aussieht bringen dir die 2 Wochen Ausszeit eine gewisse innerliche Ruhe und Gelassenheit , zumindest
was es den Zahnarzttermin angeht. Das ist doch eine positive Erfahrung. Sei einfach stolz auf dich.

21.04.2022 20:34 • x 1 #17


A


Hallo Lost111,

Stillstand - ich fühle mich schlecht

x 3#3


Lost111
Zitat von Ronny:
Du musst dein Leben führen und sonst niemand. Du musst nicht das Leben leben ,was du glaubst leben zu wollen oder müssen damit du anderen gerecht wirst. Du musst dir gerecht werden, deine Bedürfnisse ausleben. 2 Wochen ist gar nichts, aber ich verstehe dich.

Richtig, es ist mein Leben. Und ich darf und kann entscheiden, was für mich richtig ist. Niemand anderer steckt in meiner Haut. Aber warum fühle ich mich ScheiXe, weil ich jetzt seit etwas mehr als 2 Wochen lang krank bin?
Wahrscheinlich setze ich mich innerlich immer noch zu sehr unter Druck, warum auch immer. Keine Ahnung. Ich habe auch immer dieses du musst dies, du musst das im Kopf.
Zitat:
So wie es aussieht bringen dir die 2 Wochen Ausszeit eine gewisse innerliche Ruhe und Gelassenheit , zumindest
was es den Zahnarzttermin angeht. Das ist doch eine positive Erfahrung. Sei einfach stolz auf dich.

Danke. Ich kann das nur sehr bedingt als Erfolg abbuchen.

21.04.2022 20:53 • x 2 #18


R
Zitat von Lost111:
Richtig, es ist mein Leben. Und ich darf und kann entscheiden, was für mich richtig ist. Niemand anderer steckt in meiner Haut. Aber warum fühle ich mich ScheiXe, weil ich jetzt seit etwas mehr als 2 Wochen lang krank bin?
Wahrscheinlich setze ich mich innerlich immer noch zu sehr unter Druck, warum auch immer. Keine Ahnung. Ich habe auch immer dieses du musst dies, du musst das im Kopf

Weil du du bist, weil du so bist wie du bist. Das ist die Antwort auf deine Frage warum du dich Schei...
fühlst. Das bist du Lost und niemand anders. Deine Eigenschaften, dein Verhalten es ist deins,
egal was auch dabei rum kommt.
Zitat von Lost111:
Danke. Ich kann das nur sehr bedingt als Erfolg abbuchen.

Immerhin, wenn auch nur bedingt, ist ein kleiner Fortschritt.

21.04.2022 21:02 • x 1 #19


Lost111
Zitat von Ronny:
Weil du du bist, weil du so bist wie du bist. Das ist die Antwort auf deine Frage warum du dich Schei...
fühlst. Das bist du Lost und niemand anders. Deine Eigenschaften, dein Verhalten es ist deins,
egal was auch dabei rum kommt.

Korrekt. Allerdings stellt sich mir da auch noch die Frage: bin ich so richtig, wie ich bin? Daran (ver-)zweifele ich so oft! Aber das ist ein anderes Thema.
JA, mein Selbstwertgefühl ist nicht besonders groß (vorsichtig ausgedrückt).
Zitat:
Immerhin, wenn auch nur bedingt, ist ein kleiner Fortschritt.

21.04.2022 21:12 • x 1 #20


M
@Lost111
Liebe Lost,
Du schreibst auch über dein schlechtes Gewissen und das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Das und auch Schuldgefühle ist so typisch bei Depressionen und ich glaube, jeder hier kennt das!
Die größte Herausforderung ist , sich davon frei zu machen von diesen Gefühlen und der Unsicherheit, was die anderen wohl über einen denken.
Ich wünsche dir einfach "gute Besserung " - und nimm dir ruhig noch Zeit.
Ich habe letztes Jahr auch länger und einen Klinikaufenthalt gebraucht, um wieder stabil zu werden.
Und habe dann im Anschluss eine Wiedereingliederung gemacht, was ich tatsächlich nur empfehlen kann..!
Hab einen schönen Tag
LG
Myrra

22.04.2022 08:15 • x 1 #21


Lost111
Zitat von Myrra:
Die größte Herausforderung ist , sich davon frei zu machen von diesen Gefühlen und der Unsicherheit, was die anderen wohl über einen denken.

Hallo liebe @Myrra ,
ja, das ist echt verdammt schwer. Ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll. Warum muss leben so schwer sein?
Ich stoße in meinem familiären Umfeld - und gerade bei meiner Mama - immer wieder auf Unverständnis so nach dem Motto: du bist doch jetzt zuhause, mach mal was, du hättest doch jetzt die Zeit. Und schon bin ich wieder in Erklärungsnot.
Zitat:
Ich wünsche dir einfach gute Besserung - und nimm dir ruhig noch Zeit.

Ganz lieben Dank! Ich werde wohl noch einige Zeit brauchen, um mich zu erholen. Heute in einer Woche gehe ich nochmal zu meinem HA. Und irgendwie schäme ich mich dafür, dabei weiß ich doch, dass es dafür eigentlich keinen Grund gibt!
Wiedereingliederungen habe ich auch schon 2 x hinter mir, ist eine gute Sache.

Ich hoffe, du hattest einen schönen Tag!

LG Lost111

22.04.2022 19:27 • #22


R
Zitat von Lost111:
Korrekt. Allerdings stellt sich mir da auch noch die Frage: bin ich so richtig, wie ich bin? Daran (ver-)zweifele ich so oft! Aber das ist ein anderes Thema.
JA, mein Selbstwertgefühl ist nicht besonders groß (vorsichtig ausgedrückt).

Deine Frage solltest du dir mit einem deutlichen ja beantworteten, ja ich bin richtig so wie ich bin.
Nicht leicht, aber du solltest es dir immer wieder selbst laut sagen , solange bis es fruchtet.
Kein Mensch ist perfekt, wer das behauptet macht sich selbst etwas vor. Aber ganz ehrlich Lost ,
auch bei mir gibt es Tage wo ich mir genau diese Frage stelle, ob ich richtig bin so wie ich bin.
Meine Selbstzweifel spreche ich meistens gegenüber meiner Frau und Tochter an, diese sagen mir dann
immer das ich richtig bin genauso wie ich bin. Und das stärkt mich dann wieder.

22.04.2022 19:33 • x 1 #23


Lost111
Zitat von Ronny:
Deine Frage solltest du dir mit einem deutlichen ja beantworteten, ja ich bin richtig so wie ich bin.

Das sollte ich. Es fühlt sich aber irgendwie falsch an, wenn ich mir das sagen.
Vielleicht habe in dieser Welt auch einfach nichts verloren. Tut mir leid, wenn ich so negativ bin. Ich habe so viele Anstrengungen unternommen, bin immer wieder aufgestanden, habe versucht, mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Immer und immer wieder. Nur um so tiefer wieder zu fallen. Was ist falsch an mir?
Zitat:
Meine Selbstzweifel spreche ich meistens gegenüber meiner Frau und Tochter an, diese sagen mir dann
immer das ich richtig bin genauso wie ich bin. Und das stärkt mich dann wieder.

Es freut mich ehrlich für dich, dass deine Familie dich so toll unterstützt! Das ist so viel wert!

22.04.2022 19:40 • x 1 #24


R
Zitat von Lost111:
Das sollte ich. Es fühlt sich aber irgendwie falsch an, wenn ich mir das sagen.
Vielleicht habe in dieser Welt auch einfach nichts verloren. Tut mir leid, wenn ich so negativ bin. Ich habe so viele Anstrengungen unternommen, bin immer wieder aufgestanden, habe versucht, mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Immer und immer wieder. Nur um so tiefer wieder zu fallen. Was ist falsch an mir?

Falsch ist es dir einzurden das du auf dieser Welt nichts verloren hast.
Nichts wird falsch an dir sein, nur das du dich selbst nieder machst.
Am besten wäre es, wenn du eine Therapie machen würdest, notfalls stationär .Eine längere Auszeit
vom Job und Alltag und vor allem um dich dauerhaft zu stabilisieren.

Zitat von Lost111:
Es freut mich ehrlich für dich, dass deine Familie dich so toll unterstützt! Das ist so viel wert!

Ja darauf bin ich auch stolz. Wie oft komme ich mir wie eine schwere Last gegenüber meinen beiden Frauen vor.
Aber sie stehen hinter mir , stützen mich. Ich habe den beiden sehr viel zu verdanken.

22.04.2022 19:54 • x 2 #25


Lost111
Zitat von Ronny:
Am besten wäre es, wenn du eine Therapie machen würdest, notfalls stationär .Eine längere Auszeit
vom Job und Alltag und vor allem um dich dauerhaft zu stabilisieren.

Ich habe mir schon lange vorgenommen, Therapeuten abzutelefonieren. Bislang habe ich es nicht geschafft. Aber ich habe mir für nächste Woche fest vorgenommen, das endlich in Angriff zu nehmen. Ich sehe die Notwendigkeit ein. Und es braucht ja auch viel Geduld (die ich nicht habe), bis man einen Platz gefunden hat. Wie lange musstest du auf deinen Therapieplatz warten?

22.04.2022 20:15 • x 2 #26


R
sehr gut, drücke dir die Daumen das du es schaffst und durchziehst.
Tu es für dich, das ist ganz wichtig.
Ich habe zehn Wochen gewartet nachdem ich bei meinem heutigen Therapeuten auf der Warteliste
stand, das ging noch. Insgeamt habe ich aber mehrere Wochen vorab nach einen Therapieplatz Ausschau gehalten. Die Wartelisten waren teilweise sehr lang, gar bis zu einem Jahr.

22.04.2022 20:51 • x 2 #27


Lost111
Zitat von Ronny:
sehr gut, drücke dir die Daumen das du es schaffst und durchziehst.

Danke, ich kann wirklich jedes Daumen drücken gebrauchen! Ich bin schon so ein kleiner (oder eher großer) Angsthase.

Zitat von Ronny:
Ich habe zehn Wochen gewartet nachdem ich bei meinem heutigen Therapeuten auf der Warteliste
stand, das ging noch. Insgeamt habe ich aber mehrere Wochen vorab nach einen Therapieplatz Ausschau gehalten. Die Wartelisten waren teilweise sehr lang, gar bis zu einem Jahr.

Das ist auch schon eine relativ lange Zeit. Aber vor allem ist es ja auch wichtig, dass es passt. Was nützt mir ein Platz, wenn die Kommunikation nicht klappt. Na ja, ich werde das definitiv nächste Woche angehen.
Darf ich fragen, wie lange du schon in Therapie bist? Ist das deine erste? (wenn ich zu neugierig bin, musst du das sagen!)

22.04.2022 20:57 • x 2 #28


aurora333
Ich habe viele Jahrzehnte damit verbracht einen passenden Therapieplatz zu finden. Auf meiner Odyssee stiess ich sowohl auf stützende Hilfen, als auch einmal auf einen traumatisierenden körpertherapeutisch orientierten Missbrauchstherapeuten. Wobei ich die Qualität eines Therapeuten nicht grundsätzlich mit seiner/ihrer bevorzugten Richtung ( Philosophie) festmachen möchte. Genauso wenig wie dessen leider oft inkompatiblen Chemie mit mir.

Manchmal verlor ich den Mut auf eine weitere Suche zu gehen..zweifelte dann auch eine zeitlang an mir. Jetzt suche ich grad weiter..

Tröste mich immer wieder mit dem Gedanken, dass es schon schwer genug ist einen Lebenspartner zu finden...wie ungleich viel schwerer ist es einen Therapeuten/in zu finden, der/die doch viel mehr Gewicht haben ( als Partner) weil man sich als Klient/in im Idealfall Therapeutinnen gegenüber doch tausendmal mehr öffnen können sollte, als dem Partner/in gegenüber..

also @Ronny und @Lost111 lasst uns sobald wir wieder kräftig genug sind, weiter suchen, suchen, suchen

22.04.2022 23:31 • x 2 #29


A


Hallo Lost111,

Depressionen Hilfe Tipps

x 4#15


Lost111
Zitat von aurora333:
Manchmal verlor ich den Mut auf eine weitere Suche zu gehen..zweifelte dann auch eine zeitlang an mir. Jetzt suche ich grad weiter..

Ich reiche dir die Hand - ich fange mit der Suche an, du suchst weiter. @Ronny hat ja schon einen Therapieplatz gefunden.
Hoffentlich wird es einfacher, wenn ich erstmal ein paar Leute abtelefoniert habe. Wie schaffst du es, am Ball zu bleiben?

22.04.2022 23:39 • x 1 #30

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