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Unverstanden? Warum?

Lost111
Ich überlege tatsächlich schon den ganzen Abend lang, ob ich das hier schreiben soll oder nicht.
Letztendlich muss ich es mal loswerden.
Ich bin jetzt seit Ende Februar krank geschrieben. Für mein familiäres Umfeld ist das - gelinde ausgedrückt - total unverständlich. Das passiert mir nicht zum ersten Mal. Auch meine Versuche, es zu erklären, haben nicht wirklich gefruchtet. Vor allem meine Mama will/kann es nicht verstehen. Das tut weh.
Es macht mich unendlich traurig, denn ich habe es echt satt, mich ständig/jedes mal aufs neue erklären und rechtfertigen zu müssen. Ich fühle mich weder wirklich ernst genommen noch verstanden. Liegt das an mir? Was mache ich falsch?
Oder muss/sollte ich mir einfach ein dickeres Fell zulegen? Mir ist klar, dass man nicht von der gesamten Menschheit verstanden werden muss, aber sollte es nicht wenigstens in der Familie und bei Freunden etwas anders sein? Verlange ich wirklich zu viel?

Eine traurige

Lost111

19.04.2021 22:34 • x 8 #1


E
Liebe Lost,

ganz kurz, weil ich gleich zur Arbeit gehe:

Ja, das verstehen ganz viele nicht.
Ich war fast ein ganzes Jahr krank und wenn meine Nachbarin gesehen hat, daß ich mit einem gelben Schein von der Ärztin gekommen bin sagte sie so, hast du dir wieder einen Urlaubsschein geholt?

Ich bin mir sicher, daß niemand es bös meint, sondern einfach nicht versteht.
Bei mir war es so, daß ich mich irgendwann nicht mehr umfangreich erklärt habe.

Hätten meine Eltern noch gelebt hätten sie sehr wahrscheinlich auch großes Unverständnis gezeigt.
Allerdings haben meine Eltern schon zu Lebzeiten vieles nicht verstanden, wie ich lebte- aber das mußten sie auch nicht.
Du, liebe Lost, brauchst auch keine Zustimmung mehr, wie und ob du krank sein darfst.
Es ist ausschließlich deins, und ich habe irgendwann auch meine Kontakte zu denen reduziert, die uneinsichtig waren.
Man muß nicht begreifen, weshalb ich was tue, sondern es einfach akzeptieren.
Krank sein bedeutet zudem, sich nicht unmittelbar vor dem Sterbebett zu befinden, sondern krank sein bedeutet, gesund werden zu dürfen und auch die Verpflichtung sich selbst und seinem Leben gegenüber haben.

Hab nen guten Tag!

20.04.2021 07:32 • x 12 #2


A


Hallo Lost111,

Unverstanden? Warum?

x 3#3


Silentium
Zitat von Lost111:
Ich überlege tatsächlich schon den ganzen Abend lang, ob ich das hier schreiben soll oder nicht. Letztendlich muss ich es mal loswerden. ...

Liebe Lost,

es geht mir zu 100% genauso wie dir. Meine Familie versteht es auch nicht, oder will es nicht verstehen. Ich solle mich nicht so anstellen etc. Depression ist sei nur was für Weicheier, die simulieren eh immer. Ich hätte aber auch keine Depression. So was musste und muss ich mir anhören. Ich habe mich seit der Therapie von meiner Familie sehr zurückgezogen. Ich treffe sie nur noch selten und wir telefonieren auch selten. Den kompletten Kontaktabbruch schaffe ich noch nicht. Meine letzte 6-Wochen Krankmeldung habe ich verschwiegen. Ich lasse meine Familie kaum mehr an meinem Leben teilhaben. Das ist derzeit mein Weg. Vielleicht findest du irgendwann deinen Weg, damit umzugehen. Aber ich kann es so nachvollziehen wie du dich fühlst

20.04.2021 07:53 • x 5 #3


Pilsum
Zitat von Lost111:
Ich bin jetzt seit Ende Februar krank geschrieben. Für mein familiäres Umfeld ist das - gelinde ausgedrückt - total unverständlich.


Guten Morgen Lost.
Schade, dass es Dir gesundheitlich nicht gut geht. Krankheiten, die man nicht direkt sehen kann,
werden häufig von anderen Menschen schlecht akzeptiert. Das ist nicht nur in Familien so.
Meistens ist es auch schwer, jemandem zu erklären, was einen wirklich belastet und daran hindert,
lockerer und innerlich stärker zu sein.
Ausreden, die die anderen akzeptieren, können da oft weiterhelfen.

Zitat von Lost111:
Auch meine Versuche, es zu erklären, haben nicht wirklich gefruchtet.


Wie versuchst Du es denn zu erklären? Kennst Du selbst wenigstens die genauen Gründe, warum es
Dir dauerhaft schlecht geht? Die wirklichen Gründe wirst Du Deiner Familie möglicherweise
noch nicht erklärt haben.

Zitat von Lost111:
Es macht mich unendlich traurig, denn ich habe es echt satt, mich ständig/jedes mal aufs neue erklären und rechtfertigen zu müssen.


Innerhalb von Gemeinschaften und im besonderen in der Familie macht es schon Sinn, die
Mitmenschen darüber zu informieren, wie man sich fühlt.
Ob man das rechtfertigen nennen muß, weiß ich nicht.

Zitat von Lost111:
Ich fühle mich weder wirklich ernst genommen noch verstanden. Liegt das an mir? Was mache ich falsch?


Ist das neu, dass Du Dich nicht ernst genommen und nicht verstanden fühlst?
Ist das nicht vielleicht schon länger so?

Viele Grüße

Bernhard

20.04.2021 09:08 • #4


Lost111
@Resi @Silentium @Pilsum

Danke für eure Antworten/euer Verständnis.

@Pilsum
Zitat:
Wie versuchst Du es denn zu erklären? Kennst Du selbst wenigstens die genauen Gründe, warum es
Dir dauerhaft schlecht geht? Die wirklichen Gründe wirst Du Deiner Familie möglicherweise
noch nicht erklärt haben.

Tatsächlich ist es so, dass ich mich sehr schwer damit tue, über mein Inneres und meine Gefühle zu reden; sei es in der Familie oder woanders. Mir fehlen da einfach die passenden Worte. Meistens sage ich sowas wie ist mir alles zu viel und ich fühle mich überfordert und mache Fehler. Die wahren Gründe --- mmh. Ich fürchte, damit kann ich wirklich nicht raus rücken.
Andererseits weiß ich schon: wer nicht redet, dem kann nicht geholfen werden. Ich bin halt ein sehr verschlossener Mensch.
Mache (fast) alles mit mir selbst aus. Mir fällt es generell schwer, mir Hilfe zu holen und auch zuzulassen.
Zitat:
Ist das neu, dass Du Dich nicht ernst genommen und nicht verstanden fühlst?

Ist das nicht vielleicht schon länger so?

Nein, das ist nicht erst seit heute so. Das ist schon lange so.

LG Lost111

20.04.2021 18:50 • x 1 #5


Pilsum
Zitat von Lost111:
Tatsächlich ist es so, dass ich mich sehr schwer damit tue, über mein Inneres und meine Gefühle zu reden; sei es in der Familie oder woanders.
Mir fehlen da einfach die passenden Worte.


Das kann ich mir denken. Über die eigenen Gefühle zu reden, ist nicht immer einfach. Zumindest am Anfang.
Du kannst allerdings nach und nach langsam lernen, über Deine Gefühle zu reden.

Zitat von Lost111:
Die wahren Gründe --- mmh. Ich fürchte, damit kann ich wirklich nicht raus rücken.

Da kannst Du Recht haben. Wenn Deine Familie schon wenig Verständnis zeigt, dann wäre ich an Deiner
Stelle da auch etwas vorsichtiger.

21.04.2021 08:31 • #6


Silentium
Zitat von Pilsum:
Das kann ich mir denken. Über die eigenen Gefühle zu reden, ist nicht immer einfach. Zumindest am Anfang.
Du kannst allerdings nach und nach langsam lernen, über Deine Gefühle zu reden.

Nicht immer einfach? Da machst du dir es etwas einfach. Es gibt Menschen, die haben nicht gelernt wie sich welche Gefühle anfühlen oder anfühlen sollten. Als erwachsener Mensch ist das so schwer, überhaupt Zugang zu Gefühlen zu bekommen. Ich fühle mich seit meiner Kindheit wie eine gefühllose Hülse. Gefühle sind in meiner Familie Schwäche. Da ist schwierig mit einem Ratschlag zu kommen, dass alles irgendwann mal besser wird, wenn man nach und nach alles erlernt. Sorry, das musste mal raus. Aber ich kämpfe seit Jahren damit und das ist mir etwas zu leicht dahin gesagt

21.04.2021 11:18 • x 3 #7


Pilsum
Zitat von Silentium:
Nicht immer einfach? Da machst du dir es etwas einfach. Es gibt Menschen, die haben nicht gelernt
wie sich welche Gefühle anfühlen oder anfühlen sollten.

Ich hoffe, Du fühlst Dich nicht schlecht bei dem, was ich geschrieben habe.
Natürlich ist das nicht einfach, zu lernen, wie sich Gefühle anfühlen sollten.
Glaubst Du denn grundsätzlich daran, dass Du etwas näher an Deine Gefühle herankommen kannst?

Einfach oder schwer sind keine feststehenden Begriffe. Der eine findet etwas einfach.
Der andere findet etwas dagegen ziemlich schwierig.

Zitat:
Da ist schwierig mit einem Ratschlag zu kommen, dass alles irgendwann mal besser wird, wenn man nach und nach alles erlernt. Sorry, das musste mal raus. Aber ich kämpfe seit Jahren damit und das ist mir etwas zu leicht dahin gesagt

Ich verstehe es, wenn Dir das etwas zu einfach gesagt ist.
Hältst Du es für möglich etwas dazuzulernen? Oder sagst Du, ich werde das nicht schaffen.
Ist es nicht Deine eigene Entscheidung, ob Du Dich für andere Sichtweisen ganz langsam
öffnest?
Du darfst natürlich auch genau so bleiben, wenn Du das lieber möchtest.

21.04.2021 11:39 • #8


Silentium
Zitat von Pilsum:
Ich hoffe, Du fühlst Dich nicht schlecht bei dem, was ich geschrieben habe. Natürlich ist das nicht einfach, zu lernen, wie sich Gefühle anfühlen ...

Natürlich bin ich bereit dazuzulernen. Ich arbeite hart in und außerhalb meiner Therapie und kämpfe jeden Tag neu. Aber das Zerflücken eines Beitrags mit x gut gemeinten dahingesagten Ratschlägen sind mir tatsächlich echt zu anstrengend. Den so einfach ist es einfach nicht. Und ich glaube, jeder kämpft hier für ein besseres, glücklicheres Leben. Ich merke, dass mich deine und die eines anderen Foris triggern. Ich tue mich aber auch schwer damit, Foris zu ignorieren. Aber vielleicht sollte ich das tun. Sorry, aber heute platzt es dann auch mal aus mir heraus

21.04.2021 12:12 • x 1 #9


E
Zitat von Lost111:
Ich überlege tatsächlich schon den ganzen Abend lang, ob ich das hier schreiben soll oder nicht. Letztendlich muss ich es mal loswerden. ...


Liebe Lost,

Auch wenn ich nur noch selten was zu anderen schreibe: ich kann das gut nachfühlen. Das Bedürfnis, doch einfach nur verstanden werden zu wollen.

Ich habe darüber sehr lange und häufig mit meiner Mutter gesprochen und ich war viele Jahre verzweifelt, weil sie auch immer wieder gesagt hat, dass sie mich schon versteht.. aaaaber... mit ihren Wünschen und ihren alles wird wieder gut und versuch einfach alles zu vergessen und weiterzumachen und all den ganzen Dingen, die sie unfassbar liebevoll meinte, aber wie ein weiterschubsen für mich waren ( manchmal auch wie Ohrfeigen ).. und ich bemerken musste:

Sie kann! es nicht! Nachempfinden. . Und und das tut sie nicht, weil sie das nicht möchte. Sondern ich glaube auch zu einem großen Teil, dass es Selbstschutz ist. Ich selbst als Mutter kann mehr und mehr verstehen, wie schrecklich und schlimmes ist, wenn man sieht und erlebt und fühlt, dass es seinen Kindern schlecht geht.

Menschen haben verschiedene Möglichkeiten. Verschiedene Stärken und verschiedene Schwächen. Vielleicht ist das eine Schwäche von deiner Familie. Aber sie wird Stärken haben. Genieße diese Stärken, und akzeptiere ihre Schwächen. Meines Erachtens nach ist das der einzige Weg, um glücklich durchs Leben zu gehen. Oder zumindest zufriedener.

Was mir geholfen hat: wenn es mir so schlecht geht, dass ich wirklich etwas bestimmtes brauche, dann sage ich das auch genauso. Mama. Mir geht es schlecht. Du kannst das nicht ändern, aber ich gerade auch nicht. Nimm mich bitte einfach in den Arm, weil es mir dann kurz besser geht.

Die ersten zwei Mal habe ich mich dabei richtig komisch gefühlt. Und gleich kam auch diese Gedanken auf, dass sie das gerade nur tut, weil ich das möchte. Weil ich auch immer in mir drin diesen gefühlten Wert habe, das nur etwas, das aus der Person selbst heraus kommt, wirklich echt ist.

Aber das ist glaube ich: Quatsch. Hellsehen sollte man m. E. nicht erwarten. Sensibilität ist ein großes Spektrum.. nicht jeder sitzt im selben Gebiet.

Ich wünsche dir mehr Mut. Mehr Akzeptanz. Und mehr Möglichkeiten, für dich einzutreten. Auch wenn ich genau weiß, wie unfassbar schwer das ist und dass man sich halt ganz häufig eben auch nicht überwinden kann.

Und auch das .. ist eben Leben, glaube ich.

21.04.2021 12:27 • x 4 #10


E
Zitat von Silentium:
Aber das Zerflücken eines Beitrags mit x gut gemeinten dahingesagten Ratschlägen sind mir tatsächlich echt zu anstrengend. Den so einfach ist es einfach nicht. Und ich glaube, jeder kämpft hier für ein besseres, glücklicheres Leben. Ich merke, dass mich deine und die eines anderen Foris triggern


Ignorieren ist eine echt gute Maßnahme. Mach ich seit ein paar Tagen auch.

21.04.2021 12:45 • x 3 #11


Jedi
Ignorien scheint seit kurzer Zeit hier das Highlight !

21.04.2021 13:55 • #12


E
Nö, aber wieso soll ich mich ärgern lassen?
Ich ignoriere nur einen einzigen User und seine bevorzugten Themen.

21.04.2021 14:34 • #13


Silentium
Zitat von Jedi:
Ignorien scheint seit kurzer Zeit hier das Highlight !

Ist halt vielleicht als Selbstschutz auch mal notwendig

21.04.2021 14:34 • x 2 #14


A


Hallo Lost111,

x 4#15


Jedi
Zitat:
Ist halt vielleicht als Selbstschutz auch mal notwendig

Verstehe !

21.04.2021 14:39 • #15

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