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Vorschläge / Erfahrung Umgang mit depressivem Mensch

Hoffnung21
Hallo Atheryse

Schlaflosigkeit ist ein Symptom der Depression. Man kann nicht Schlaf verordnen, damit man am nächsten Tag fit ist. Das geht nicht. Ich glaub, an seiner Stelle wär ich ausgeflippt, wenn mir das jemand gesagt hätte.
Aber natürlich MUSS er mitarbeiten, indem er zum Psychiater und zur Psychotherapie geht, indem er verordnete Medikamente nimmt und sich an die Vorgaben der Therapeuten hält.

LG Eis

02.09.2019 13:38 • x 2 #16


atheryse13
Ich bin mal wieder überfragt.

Ich fange von vorne an. Dieses Wochenende müsste ich in die alte Stadt zurück meine Kinder besuchen. Die wollten meinen Geburtstag mit mir nachfeieren. LG sollte mitkommen. Seine Wohnung endlich auflösen. Die Firma hat einen Lieferwagen. Mit dem wollten wir eine Privatfahrt machen. Einiges an Sperrmüll mitbringen und entsorgen, auch einiges aus der alten Wohnung. Ich habe gesagt, ich könnte am Freitag für ein paar Stunden mithelfen, und Sonntag vor der Rückfahrt auch. Leider am Samstag nicht. Der gehörte meine Kinder.

Donnerstagabend arbeiteten wir tatsächlich an die Buchhaltung. Es wurde spät. Früher am Tag waren wir gemeinsam einkaufen. Er schlug vor, eine Flasche Wein für den Abend zu holen. Ich willigte ein. Ich sperre mich sonst und achte darauf was er trinkt. Ich kann mich nicht immer wie ein Überwacher aufführen.

Nach der Buchhaltung entschieden wir uns Listen zu machen, was alles aus der alten Wohnung behalten werden soll, was nicht und was müssten wir am Freitag im Lieferwagen einladen.

Die Autofahrt ist lang. Unter 5 Stunden ist nicht drin. Zum Freitagnachmittag staut sich der Verkehr erheblich auf der Autobahn. Deshalb war der Plan den Kleinen von der Schule abzuholen und gleich loszufahren. Der Kleine hatte früh Schluss. (11:20 Uhr).

Bis halb eins früh saßen wir über die Pläne. Ich trank ein kleines Glas Wein. Er den Rest der Flasche. Ich ging ins Bett. LG sagte, er kommt gleich.

Um 3:40 wurde ich durch Lärm geweckt. LG hatte die Nacht durchgemacht und Sachen für den Sperrmüll rausgetan. Ich verlor meine Geduld und pflaumte ihn an und beorderte ihn ins Bett. Wie soll das sonst am nächsten Tag zu schaffen sein, wenn wir beide übermüdet sind?

Am nächsten Tag, versuchte ich herauszufinden, wie es ihm geht, ist es noch zu schaffen. Er wollte nichts von mir wissen. Lass mich in Ruhe! Hau ab! Du hast mich angemeckert! Ich habe keine Lust mehr! Dabei drehte er sich im Bett mir immer wieder den Rücken zu, während ich von einer Seite zur nächsten wechselte, um ihn beim Reden anschauen zu können. Es war wie im Kindergarten. Ich entschuldigte mich dafür, daß ich meine Geduld verloren habe und erklärte meine Sorgen. Um das Wochenende doch zu retten, machte ich verschiedene Lösungsvorschläge, u.a. daß wir doch später losfahren. LG wollte von alledem nichts wissen.

Da habe ich eben die Sachen für mich und den Kleinen fertig gemacht und bin dann eigentlich wie abgesprochen losgefahren. Ohne Verabschiedung, ohne LG. Mir war echt mies dabei, einfach so wegzugehen.

Samstagabend erhielt ich folgendes WhatsApp:

Toll! Du meckerst mich an. Ich muss deswegen zu Hause bleiben. Du hast wieder Deinen Spaß in der alten Stadt. Mir fällt hier die Deck auf den Kopf. Vielen Dank!

Meine Antwort:

Da spricht die Depression und der Alk. aus Dir. Ich liebe Dich trotzdem ohne wenn und aber.

Als wir gestern wieder endlich nach fast 6 Stunden Autofahrt zu Hause waren, wurde mir vom LG verkündet, daß er stinksauer auf mich ist. Ich habe versucht, daß wir darüber reden. Erfolglos. Unter anderem wiederholte ich, daß ich mich für meinen Geduldsaussetzer entschuldigte. Daß es seine Entscheidung war, nicht mitzukommen. Daß eine Depression kein Freibrief für schlechtes Benehmen ist.

Ich bin ratlos, wie weiter zu verfahren ist. Bereits am Freitag sagte ich, daß sein Verhalten sehr verletzend für mich ist. Auf keinem Fall will ich das auf mich sitzen lassen. Es sei denn, ich habe mich tatsächlich falsch verhalten? Aber was hätte ich sonst machen sollen? Den Kleinen abholen, zurück nach Hause und weiter betteln?

Kann es sein, daß er einfach sauer ist, daß er einen Besuch in unseren alten Stadt verpasst/vermasselt hat und das nicht auf sich selber beziehen kann? Also bin ich der Blitzableiter? Wie kann ich meinen Standpunkt am besten klarmachen, daß er sagte, er habe keine Lust mehr zu fahren. Daß es seine Entscheidung war und nicht mein Gemecker. Wie lange soll ich warten? Wie oft kann ich ein klärendes Gespräch vorschlagen?

Im Grunde hätte er selber ohne uns fahren können. Wäre zeitlich gesehen sogar besser. So eine Wohnungsgeschichte dauert meistens länger als geplant. LG hätte bis Montag bleiben können. Ich hatte den schulischen Zwang bereits am Sonntag fahren zu müssen.

GSD habe ich morgen einen Therapietermin. Dieses Geschehnis wird natürlich besprochen. Außer Euch und meine Therapeutin, habe ich keinen mit denen ich darüber reden kann. Die Familie kommt nicht in Frage. Die Mutter wurde nur sagen, daß wir das unter uns ausmachen müssen. Ja natürlich, aber wenn einer sich so sperrt, sind manchmal ein paar ehrliche Worte von anderer Stelle gut. Drum schreibe ich das hier, um andere Ansichten zu lesen. Wenn ich mich falsch verhalten habe und alles falsch aufgefasst habe, dann muss ich das auf meine Kappe nehmen. Ich möchte nur die Gelegenheit, zu erklären warum und auch um die Wiedergutmachung.

Wie immer, danke für die Unterstützung.

23.09.2019 08:00 • #17


A


Hallo atheryse13,

Vorschläge / Erfahrung Umgang mit depressivem Mensch

x 3#3


Y
Liebe Theryse,
ich frage mich, wieviel du dir noch bieten lassen willst. Nachdem was ich gelesen und hoffentlich auch verstanden habe, hast du gar nichts falsch gemacht . . . . moment, doch eine Kleinigkeit schon, der Wein. Konsequent nein zum Alk..
Das was ich sehe ist, dein LG schiebt dir den schwarzen Peter zu. Dein richtiges Verhalten wird so lange verdreht, bis du ein schlechtes Gewissen hast und den Fehler bei dir suchst. Er weiss doch offensichtlich ganz genau, welche Fäden er ziehen und welche Knöpfe er drücken muss. Einmal entschuldigen reicht und immer wieder Erklärungsversuche, warum, er versteht dich beim ersten Mal ganz genau. Durch sein Verhalten untergräbt er dein Selbstwertgefühl. Wie du schon ganz richtig sagst, eine Depression ist kein Freibrief für schlechtes Benehmen, sie ist für gar nichts ein Freibrief. Und . . . man kann auch nicht alles mit einer Depression entschuldigen und erklären.
Vielleicht solltest du ihm mal ein paar ganz klare Ansagen machen und auf sein bockiges ( in meinen Augen kindisches) Verhalten nicht reagieren.
Du würdest dich nicht so verhalten wie er, warum lässt du das mit dir machen?
Und mal ganz ehrlich, wenn mein Mann mich um 3.40 Uhr, also mitten in der Nacht, wecken würde, weil er meint rumräumen zu müssen . . . . Rücksichtnahme ? Das sollte in einer Beziehung selbstverständlich sein.
Ich habe bestimmt schon erwähnt , ich leide selbst unter Depression, aber mein Verständnis für das Verhalten deines LG geht gegen Null.
Mach dich nicht so klein und zeige ihm, du bist eine starke Frau, du würdest dein Leben mit allem was dazu gehört auch alleine wuppen können. Es ist keine Selbstverständlichkeit das du beim ihm bist.
Ich hoffe, das war jetzt nicht zu ehrlich. Es ist schwer für mich zu lesen, wie du dich für ihn aufopferst.
Hab einen schönen Tag !

23.09.2019 09:52 • x 1 #18


atheryse13
Liebe Ylvi,
ja, Du hast Recht mit dem Wein. Das habe ich im Nachhinein auch realisiert. In dem Moment dachte ich, wenn ich zu pedantisch bin, treibe ich ihn erst recht in die Richtung. Außerdem hätte er die Flasche so oder so gekauft (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, um eine meine liebling juristische Formulierungen zu bemühen).

Zitat von Ylvi13:
Es ist schwer für mich zu lesen, wie du dich für ihn aufopferst.

Du bist so lieb danke, . Aber lass es bitte nicht schwer sein. Schließlich ist es doch meine Entscheidung, durchzuhalten. Drum beschwere ich mich nicht, sondern bitte um Feedback. Je ehrlicher, desto besser. Um ein ehrliches Feedback zu bekommen, muss ich aber den Hergang schildern. Nirgends schreibe ich, wie schlecht es mir geht (und mir geht es eigentlich ganz gut. Könnte besser sein, aber schlimm ist es nicht), sondern stelle Fragen.

Abgesehen davon, erfreue ich mich daran, wieviel souveräner ich mit der Situation umgehen kann. Das stärkt mich. Da ich mich von meinen Zielen nicht abbringen lasse und mein Alltag wie gewohnt fortsetze, habe ich nicht das Gefühl, dass ich mich aufopfere. Ja, es verlangt verdammt viel Verständnis und Geduld meinerseits. Früher wäre ich in die Luft gegangen. Ich finde es gut, dass ich lerne einen kühlen Kopf zu bewahren.

Das ironische an der ganzen Geschichte ist, auf einer Art und Weise bin ich ihm dankbar. Ja, Dir darf ruhig die Kinnlade runterklappen.

Nehmen wir das WhatsApp von ihm. Genau dieses verdrehte Psycho-Spiel hat mein Vater mit mir (erfolgreich damals) betrieben. Ohne Mist, vor ein paar Monate wäre ich bei solche Äußerungen sofort eingeknickt. Jetzt wieder damit konfrontiert lerne ich und arbeite ich daran, nicht einzuknicken. Ich kann noch so viel darüber in einer Therapie reden wie ich möchte. Letztendlich kommt es darauf an wie ich tatsächlich damit umgehe. Und das übe ich gerade. Hätte ich bloß diese Stärke in 2017 gehabt, als ich gemobbt wurde. Vielleicht hätte ich dieses Arbeitszeugnisschlamassel nicht am Hals.

So, zurück zum Alltag. Bald ist Baseball Training und ein Elternabend stehen noch auf dem Tagesplan.

23.09.2019 13:25 • #19


Bella72
Hallo zusammen,
das ist mein erster Beitrag hier im Forum. Ich habe schon viele schwere Depressionen mitgemacht und kann vielleicht ein paar Tipps im Umgang für Angehörige geben. Ist es die erste Depression Deines LG? Ist er sich seiner Krankheit bewusst? Nimmt er Medikamente und macht Therapie?
Was mir geholfen hat: Verständnis, Zuhören auch wenn man sich ständig wiederholt und in den gleichen Gedankenspiralen hängt. Es hilft zumindest kurzfristig, ein bisschen Hoffnung zu schöpfen, wenn die Bedenken und Ängste relativiert werden. Man leidet zum Teil so unglaublich, das kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat.
Unterstützung anbieten aber nicht drauf bestehen. Also den Kranken durchaus motivieren aber nicht drängen.
Geduld ist wohl das größte Problem. Ich habe meine Angehörigen bewundert, mich welcher Engelsgeduld sie meine Depression ertragen haben. Mein Mann hat allerdings irgendwann aufgehört, sich meine Endlosschleifen anzuhören und sich selbst geschützt, was ich gut fand aber andere Verwandte waren wirklich unglaublich
Sich Unterstützung suchen, sei es in Angehörigengruppen oder wie Du es ja toll machst, mit Deiner Therapeutin und hier im Forum.
Auf sich selbst achten aber auch das war schon Thema.
Falls Dein LG noch nichts gegen die Depression macht, kannst Du versuchen ihn zu überreden, denn alleine kommt man sehr selten wieder raus. Man sagt, jede Depression vergeht- die Frage ist nur wann.
Und auch versuchen, für Entlastung zu sorgen, falls möglich. Also im Job reduzieren, Aufgaben, die zu anstrengend sind, abgeben, Ruhezeiten einplanen. denn man kann einfach nicht wie sonst, schließlich hat man einen 100 kg schweren Rücksack auf dem Rücken
Was ich sehr schade finde, ist dass Dein LG Dir Vorwürfe macht. Das kenne ich von mir nicht. Das solltest Du ihm wirklich klar machen, dass das nicht geht.
Liebe Grüße und ich hoffe, der Beitrag ist hilfreich!

23.09.2019 14:26 • x 2 #20

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