Ein Freund von mir ist Strafverteidiger u. er hat mir gegenüber schon des öfteren den Spruch gesagt,
Vor Gericht und auf hoher See, ist man in Gotteshand.
Ich muss gestehen, dass was ich für Gerecht halte, ist manchmal gar nicht so gerecht, da spielt
dann doch mehr meine ganz persönliche Empfindung, wie etwas zu beurteilen wäre, eher eine Rolle.
In einer Strafsache geht es nicht nur um die Gerechtigkeit für den Geschädigten, sondern auch um die
des Täters.
Ich habe ein paar Bücher von Ferdinand von Schirach gelesen u. es gab zu seinen Büchern dazu auch im TV
Verfilmungen u. auch bei der Zuschauerbefragung, konnte man erkennen, dass es sehr unterschiedliche Positionen,
Betrachtungen u. Beurteilungen gab. Es war dabei abzulesen, wie unterschiedlich ein Rechtsempfinden sein kann.
Mich haben dabei auch bestimmte Urteile echt aufgewühlt, weil ich, wäre ich Richter gewesen,
doch anders entschieden hätte.
Aber ich bemerke auch immer wieder, dass meine Prägungen u. Vergangenheitserfahrungen immer eine Rolle
bei der Beurteilung, was ist Gerecht - was ist Gerechtigkeit u. für was halte ich pers. für Gerecht,
eine nicht ungewichtige Rolle dabei spielt.
Dabei wird mir pers. immer wieder bewusst, warum auch mein Gerechtigkeitssinn so stark ausgeprägt ist.
Bleibe ich im rein sachlichen Bereich, ja dann komme ich auch auf eine andere Einschätzung von Gerechtigkeit.
Ich denke, dass es vielen Menschen so geht, nicht alles was Ich/ wir für gerecht halten, ist bei näherer Betrachtung
nicht wirklich gerecht. So hat ein Straftäter auch ein Anrecht auf Gerechtigkeit !
Ich glaube, dass das für einen Strafverteidiger da eine besondere Herausforderung ist, denn er muss seinen
Mandanten nach besten Wissen u. Gewissen verteidigen, auch wenn er weiß, dass sein Mandant schuldig ist.
Und da gibt es dann auch noch das Grundgesetz, was ich für eine gute Basis halte, wenn ich auch im
Zweifel bin, was gerade Gerecht ist.
02.08.2021 08:46 •
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