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Wechsel innerhalb der selben Wirkstoffklasse sinnvoll?

Irgendeine
Hallo,
aktuell nehme ich u.a. Elontril und Mirtazapin. Ersteres wirkt nicht (mehr) ausreichend antriebssteigernd und antidepressiv. Zudem macht es Händezittern, besonders in Kombi mit dem Medikinet.
Ich hab sehr viele Medis durch, u.a. Venlafaxin. Das hat mir auch gut geholfen, allerdings immer nur wenige Wochen nach Dosiserhöhung, also nicht dauerhaft, obwohl ich über der Maximaldosis war. SSRI haben null Wirkung gezeigt.

Jetzt habe ich gelesen, dass es ein in Deutschland relativ neu zugelassenes Antidepressiva gibt: Milnacipran.
Es ist allerdings die gleiche Stoffgruppe, wie das Venla (SNRI).
Meine Frage ist jetzt, ob es sinnvoll ist, nochmal auf ein Medi dieser Stoffgruppe zu wechseln, in der Hoffnung, dass es mir besser hilft, als das Elontril, obwohl das Venla mir nicht dauerhaft geholfen hat. Die Möglichkeiten gehen uns so langsam ausIch hoffe, ich konnte mich verständlich ausdrücken.

09.08.2019 22:25 • #1


Hoffnung21
Hallo
Elontril geht auf Noradrenalin und Dopamin, bei Milnacipran ist die Wirkung auf Noradrenalin und Serotonin.
Wenn die SSRI's bei dir nicht wirken, dann bleibt vom Milnacipran nur die Wirkung auf Noradrenalin, ob das dann hilft ist fraglich. Beim Elontril hast du immerhin noch die Aktivierung des Dopaminsystems dabei.
Ich bin vor 2 Jahren auf Milnacipran eingestellt worden (so neu ist es also gar nicht) und ich hab es überhaupt nicht vertragen. Ich musste es sofort nach der 1. Tablette wieder absetzen. Das ist aber bei mir bei allen SSRI's der Fall. Ich bin dann auf Elontril eingestellt worden, das mir lange geholfen hat. Als die Wirkung nicht mehr reichte haben wir noch Lithium und Amitriptylin kombiniert. Letztendlich musste ich komplett wechseln, wegen Nebenwirkungen vom Lithium. Ich hatte bis dahin auch so ziemlich alles durch, ich hab dann Jatrosom bekommen. Damit geht es mir jetzt gut.

LG Eis

09.08.2019 23:24 • x 1 #2


A


Hallo Irgendeine,

Wechsel innerhalb der selben Wirkstoffklasse sinnvoll?

x 3#3


Irgendeine
Hi,
ja, das mit dem Serotonin sind auch meine Bedenken. Das Problem ist, wenn ich das Elontril weiter hochdosiere, zittern meine Hände mehr und das geht in meinem Beruf (Pflegekraft) einfach nicht. Ich muss dazu sagen, dass ich aktuell Primidon und Propranolol dagegen nehme, wobei letzteres aufgrund meines Asthmas eigentlich kontrainduziert ist. Die Sprays gegen die Atemnot können wiederum Tremor auslösen.
Wie mein Hausarzt sagte: Wir bekämpfen mit Medikament A Nebenwirkung B.

Die Stimmung ist eigentlich meist ganz okay, es ist hauptsächlich der Antrieb der nachlässt. Wie heute wieder. Ich lieg auf dem Sofa, hab Hunger und bin einfach nicht in der Lage mir auch nur ein Brot zu machrn. Ich nehm anstelle von Lithium aktuell Lamotrigin, was die Stimmungsschwankungen auch gut stabil hält. Ich hab das Gefühl, dass man mir sagen will: Elontril in Kombi mit Mirtazapin ist deine letzte Chance, danach haben wir kein As mehr im Ärmel!
Vor MAO-Hemmern hab ich ehrlich gesagt ziemlichen Respekt.

10.08.2019 01:34 • x 1 #3


Hoffnung21
Diesen Respekt hatte ich auch, aber mein Leidensdruck war so groß, dass mir nicht wirklich eine Wahl blieb. Bei mir hat unter Elontril auch der Antrieb mit der Zeit nachgelassen, bzw. ich brauchte mehr sonst hätte ich nicht mehr arbeiten können. Aber seitdem fühle ich mich wieder wie der Mensch, der ich vor der Depression war. Ich bin auch viel stabiler seitem. Allerdings weiß ich gar nicht, ob es mit Asthmamitteln kombiniert werden dürfte. Aber wenn du ein anderes Medikament brauchst um Nebenwirkungen zu bekämpfen würde ich jeden Wechsel in Betracht ziehen, auch innerhalb der gleichen Wirkstoffgruppe. Die Nebenwirkungen unterscheiden sich ja doch zwischen den Medikamenten. Probier das Milnacipran ruhig aus.

LG Eis

10.08.2019 08:22 • x 1 #4


Irgendeine
Ich fürchte MAO-Hemmer oder Lithium wären die nächste Stufe. Meine vorherige Ärztin wollte mir unbedingt Milnacipran andrehen, aber ich hatte eben die Bedenken, dass es nicht wirken könnte. Mein Freund ist von so vielen Medikamenten gar nicht begeistert, deshalb vermeide ich, das Thema anzusprechen. Er meint, man könne das alles mit Therapie hinkriegen. Stimmung und SVV ja, aber der Antrieb kommt ja dadurch nicht.
Mein Antrieb momentan geht gar nicht mehr. Ich kann mich wieder nicht zum Essen aufraffen und ich komme morgens/mittags (ich hab grad Urlaub) nicht aus dem Bett, was mich richtig ärgert. Jetzt grade muss ich mich schon anstrengen, wach zu bleiben. Obwohl ich eigentlich ausgeschlafen sein sollte, bin ich totmüde.

Eine Zeit vor der Depression gibt es bei mir in dem Sinne nicht bzw. ich erinnere mich nicht bewusst daran. Ich war schon als Kind depressiv, und hatte Suizidgedanken, u.a. wegen Mobbing.

10.08.2019 14:19 • x 1 #5


Hoffnung21
Bevor ich auf MAO-Hemmer umsteigen würde wäre Milnacipran auf jeden Fall einen Versuch wert. Und ich persönlich möchte auch nicht eine Nebenwirkung mit einem anderen Medikament bekämpfen.

10.08.2019 14:46 • x 1 #6


Irgendeine
Elontril ist halt das einzige, was mir über längere Zeit halbwegs geholfen hat. Vielleicht aber auch ehr, weil mir erzählt wurde, dass das quasi letzte Option ist. Ich hatte schon viele Ärzte (ich war eine ganze Zeit an einer Instititutsambulanz und dort wechseln die Ärzte alle paar Monate) und natürlich hat jeder andere Überzeugungen. Wenn man dann auch noch BPS und ADHS hat, wird einem nicht selten Manipulation u.ä. unterstellt.
Ich habe festgestellt, dass erschreckend viele Ärzte und Pflegekräfte (auch aus dem psychiatrischen Bereich) Menschen mit BPS immer noch für Verrückte halten.

Es ist halt auch immer eine Gradwanderung, wenn man Ärzten ein neues Medi vorschlagen will. Viele fühlen sich dann in ihrer Berufsehre gekränkt, weil der doofe Pat. glaubt, mehr Ahnung zu haben, als der Arzt. In meinem Fall ist es nicht gabz so schlimm, weil die meisten Ärzte bis jetzt gecheckt haben, dass man als Krankenschwester ja doch ein kleines bisschen weiß, was da im Körper so abgeht.
Der einzige Arzt, dem ich wirklich blind vertraue, ist mein Hausarzt. Der behandelt mich auf Augenhöhe. Von dem krieg ich auch meine Arbeitsunfähigkeit's, weil ich keine Lust hab, dass mein AG sieht, dass die von einem Psychiater kommen.

Ich werde das Milnacipran ansprechen und/oder fragen, was es noch für Möglichkeiten an Co-Medikation gibt. Eigentlich muss das Propranolol auf Dauer raus, denn das macht eine Bronchienverengung und damit Luftnot. Aber so lange meine Hände ohne so zittern, lande ich lieber mit einem massiven Asthmaanfall im KH, als den Tremor dauerhaft zu ertragen. Danke für deine Zeit und Antworten.

10.08.2019 15:57 • x 1 #7


Irgendeine
Ich habe noch eine Frage bzgl. des Lithiums: Hat es bei dir die Libido beeinträchtigt? Wenn dir das zu intim ist, musst du natürlich nicht antworten.

10.08.2019 16:18 • #8


Hoffnung21
Bei mir war kein Einfluss auf die Libido.

LG Eis

10.08.2019 18:24 • x 1 #9


Y
Hallo zusammen,
ich habe grad quer gelesen und bin über antriebslos gestolpert. Das ist eines meiner Probleme .
Ich habe Elontril 300mg genommen und dazu Lithium, eine geringe Dosis, mit der Option höher zu gehen. Es wurden vierteljährlich die Nierenwerte überprüft und einmal im Jahr hätte das Herz gecheckt werden müssen. Dazu min. zwei Liter trinken . Damit ging es aufwärts. Da sich meine Nierenwerte verschlechtert haben, habe ich Lithium abgesetzt. Was nützt mir eine Antriebssteigerung, wenn die Nieren kaputt gehen.
Zur Zeit versuche ich Venlaflaxin zum Elontril. Da weiss ich noch nicht endgültig, ob es das ist.

10.08.2019 21:37 • x 2 #10


Irgendeine
Antriebslosigkeit war und ist mein Problem Meine Essstörung hat die Depression jahrelang in Schach gehalten, aber als das besser wurde, bin ich völlig zusammengebrochen. In der Klinik wurden mir dann erst mal Neuroleptika und Tavor gegeben, weil ich sonst komplett durchgedreht wäre. Als es um Antidepressiva ging, hieß es allerdings, ich sei dafür viel zu jung (damals ca. 20) und müsste das alles ohne meistern. Venla hat, wie gesagt, gut, aber nicht dauerhaft gewirkt.
Nur was bringt mir eine Therapie, wenn ich nicht mal aus dem Bett komme? Mein Freund meint, ich müsse mich einfach nur etwas mehr bemühen. Krank machen kann ich mir auf grund von Fehlstunden aktuell nicht leisten.

11.08.2019 01:05 • #11


Hoffnung21
Dass man sich nur etwas bemühen muss sind Standardsätze von Partnern, die keine Ahnung von der Depression haben. Sie können sich nicht vorstellen, was es heißt, nicht aufstehen zu können, sich für jede kleine Hausarbeit permanent selbst in den Hintern treten zu müssen.
Warst du schon so lange krank geschrieben, dass du dir das nicht leisten kannst?
Kannst du nicht evtl. das Mirtazapin weglassen? Vielleicht wirkt das bei dir zu lange am Morgen, oder du versuchst, es am Abend früher zu nehmen. Ich hatte ein ähnliches Problem mit Amitriptylin. Da bin ich in der Früh einfach nicht mehr rausgekommen, da nehme ich jetzt nur noch eine homöopathische Dosis von 2 Tropfen, damit geht es (nehm es auch zur Migräneprophylaxe).

LG Eis

11.08.2019 06:41 • #12


Irgendeine
Ich bin noch in der Ausbildung und musste die erste auf grund langer Krankheitsdauer (insgesamt 9 Monate Psychiatrie plus die Kranktage zu Hause) abbrechen. Ich hab insgesamt in der Ausbildung nur je 10% Fehlstunden in Theorie und Praxis zur Verfügung. Die sind schnell aufgebraucht und wenn man dann mal körperlich krank wird, kommt man drüber.

Mein Freund war selber depressiv und essgestört, schafft es aber jetzt ohne Medis. Umso mehr trifft es mich, wenn er mir vor Augen hält, dass ich nach 4 stationären und einem teilstationären Psychiatrieaufenthalt, so wie einer ambulanten Therapie immer noch nicht wirklich klar komme und Medikamente brauche. Er sagt, ich würde mich nicht genug anstrengen, sondern mich nur auf die Medikamente verlassen.
Deshalb erzähle ich ihm von Medikamentenänderungen o.ä. nur noch so beiläufig.

11.08.2019 14:07 • x 1 #13


Hoffnung21
Das kann ich dann nachvollziehen, da würde ich auch nichts mehr erzählen. Es gibt halt Depressive, die schaffen es ohne Medikamente und andere nicht. Jede Depression ist anders, sei es in Symptomen, in der Schwere, in der Dauer. Auch ich hab mich anfangs gewehrt und gedacht, ich bekomme das ohne Medis hin, ich hatte da auch eine etwas überhebliche Meinung von Leuten, die gleich zu Antidepressiva greifen. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Nach etwa 5 Monaten (und ich KONNTE nicht arbeiten gehen) hab ich dann erst einen Versuch mit Antidepressiva gemacht und gemerkt wie gut sie mir halfen. Wenn du Antidepressiva brauchst, dann musst du sie auch nehmen, und es ist allein DEINE Entscheidung.

11.08.2019 14:24 • x 1 #14


A


Hallo Irgendeine,

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Irgendeine
Ich vergleiche es für Unwissende/Laien immer mit Bluthochdrucktabletten. Wenn jemand viel zu hohen Blutdruck hat, bekommt er ohne große Diskussion Tabletten verschrieben. Natürlich sagt man ihm, er solle sich gesünder ernährem, Sport treiben und ggf. abnehmen, aber wenn er die Tabletten trotzdem weiterhin braucht, wird das eben akzeptiert. Ist ja lebensnotwendig.

Bei Psychopharmaka ist das eben oft nicht so. Da scheint es völlig normal zu sein, dass man den Menschen erst mal vorhält, warum sie es denn nicht ohne schaffen. Dass auch diese Medikamente lebensnotwendig sein könnem, verstehen viele nicht.

In unserer Gesellschaft muss man sich nicht schämen, Bluthochdruckmittel zu nehmen, aber wer gibt schon gerne zu, dass er Psychopharmaka nimmt?

11.08.2019 14:36 • #15

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