Welche Klinik bei Depression?

Sarah
Hallo alle miteinander,

ich kämpfe seit Wochen mit ein Paar Gedanken rum, drehe mich immer wieder im Kreis und komme nicht weiter. Vielleicht kann der ein oder andere von euch mal sagen, wie ihr das seht.

Aber erst einmal zu mir. Ich bin 27 Jahre alt, lebe in Berlin und arbeite bei einer Versicherung. Seit Sommer diesen Jahres befinde ich mich in einer Psychotherapie zur Behandlung einer Depression. Schlecht geht es mir schon länger, im Sommer kam nur einmal der große Knall und eine Freundin, die in dem Moment zum Glück durch Zufall da war hat mich davon überzeugt, dass ich Hilfe brauche. Dank einer weiteren Freundin hatte ich das Glück, ohne Wartezeiten direkt einen Platz beim Therapeuten zu bekommen.

Ich hatte immer Probleme mich mit der Diagnose anzufreunden. Für mich ist es immer noch ein Zeichen der Schwäche und ein Makel. Ich habe mich dafür geschämt und konnte es gleichzeitig nicht als Krankheit akzeptieren - zumindest nicht bei mir. Inzwischen kann ich es meist für mich akzeptieren, aber es sind immer noch die Momente da, in denen ich denke, dass ich mich nur zusammenreißen muss. Was den Punkt angeht verzweifelt mein Psycho glaube ich manchmal an mir

Es geht mir inzwischen auch schon wieder deutlich besser, ich funktioniere wieder im Job und schlafe nicht mehr mit dem Wunsch ein, am nächsten Tag einfach nicht mehr aufzuwachen. Zeitweise ging es mir auch wieder richtig gut und ich dachte, dass alles überstanden wäre. Naja, das war wohl zu früh gefreut. Im Moment ist es so, dass es mir gut geht, so lange ich unter Strom und Stress stehe. Dankenswerterweise beschert mir mein Job nette 50-60 Stunden Wochen. Meine Freizeit und die Wochenenden haue ich mir so voll, dass ich auch da nicht zur Ruhe komme. Sobald ich zur Ruhe komme, geht es mir schlechter. Die Grübeleien kommen wieder, ich fühle mich bleischwer und wie gelähmt. Also tue ich was ich kann, um nicht zur Ruhe zu kommen. Aber auf Dauer wird das nicht gut gehen. Ich merke jetzt schon, dass es mal wieder ein Spiel mit dem Feuer ist und meine Batterien so gut wie leer sind. Ich weiß, dass ich auf den nächsten Knall zusteuere, wenn ich so weiter mache.

Was mir daran solche Angst macht ist, dass in solchen Momenten die Suizidgedanken wieder kommen. Sie werden nicht schlimmer oder drängender, aber irgendwie weniger beängstigend. Es wandelt sich nach und nach zu einer Option, zu etwas nicht schlimmem, zu einem vertrauten Gedanken. Andererseits ist Suizid für mich ein Tabuthema, mit dem ich über niemandem reden kann.

Ich habe auch mit meinem Psycho darüber gesprochen. Zumindest einen Teil der Wahrheit kennt er. Nur über meine Suizidgedanken kann ich einfach nicht mit ihm reden. Er hat mir dringend empfohlen, mir Auszeiten zu nehmen - und wenn es nur 2 oder 3 Tage sind. Aber ich habe Angst vor einer solchen Auszeit, obwohl ich selber merke, dass ich sie bald dringend bräuchte. Ich habe Angst vor mir selber, vor den Grübeleien und davor, dass die Gedanken über den Suizid überhand nehmen. Ich habe so oft darüber nachgedacht, wie ich es machen würde. Es wäre kein Problem, es würde schnell gehen.Ich lebe alleine, keiner würde es merken. Aber eigentlich will ich es nicht. Daher meine Angst vor mir selber. Ich habe mir schon gewünscht, schwer krank zu werden, um zur Ruhe gezwungen zu werden - unter Aufsicht. Wobei mir dieser Gedanke dann im Nächsten Moment wieder völlig bekloppt vorkommt.

Ich habe überlegt, ob für mich eine Therapie in einer Tagesklinik für 3 oder 4 Wochen eine Option wäre. Ich könnte zur Ruhe kommen, aber unter Aufsicht. Ich konnte mich aber noch nicht dazu überwinden, dass bei meinem Psycho anzusprechen. Ich habe mal wieder das Gefühl, dass ich mich nur zusammenreißen müsste. Eigentlich geht es mir ja schon wieder ganz gut und anderen Menschen geht es viel schlechter. Ich sollte mich nicht so anstellen...

Sorry, dass das Ganze so lang geworden ist. Ich schleiche seit 4 Wochen um diese Gedanken rum und ihr musstet jetzt dran glauben, damit ich sie endlich mal los werde Vielleicht hat der ein oder andere ja genug Ausdauer, um sich mein ganzes Geschwafel durchzulesen. Wobei ich mir gerade schon wieder wie ein totales Weichei vorkomme, weil ich darum so ein Bohei mache

LG

Pibuka

16.12.2009 21:20 • #1


T
hallo, du,

willst du wirklich einen rat?

willst du wirklich die wahrheit wissen??

es ist n i c h t gut für dich, dich soooo auszupowern um sich nicht um sich kümmern zu müssen!!!!!

dir bleibt nichts anderes übrig, als dich deiner therapeutin anzuvertrauen, vorallem in bezug auf deine s....gedanken!!!

daß das nicht normal ist, daß du da gerne dran denkst, weißt du ja selber!!!

und du hast schon selber alles erkannt.

nur bis man es ihm gehirn drin hat, das dauert und wie!!!!

bis man akzeptiert hat, daß man seelisch krank ist, das dauert!!!!

wenn man ein gebrochenes bein, oder ein magengeschwür hätte, wäre alles halb so schlimm, gell???

und würdest du dann nicht in eine klinik wollen????

siehste, und genauso musst du die depression ansehen. als eine krankheit, unter der mehr leiden, als uns allen lieb ist!

die aber immer noch viel zu viel tabuisiert wird.

kopf hoch, sprich mit deiner therapeutin,

laß dir helfen.

alles gute dir
tinerl

16.12.2009 21:56 • #2


A


Hallo Sarah,

Welche Klinik bei Depression?

x 3#3


Sarah
Naja, ich habe auch Probleme, normale Krankheiten anzunehmen. Ich gehe eigentlich mit so ziemlich allem arbeiten. Krank sein gilt für mich nicht, denn Krankheit bedeutet für mich Schwäche und die kann und will ich nicht zulassen. Zumal man (beziehungsweise ich) eine Depression auch nicht mit einer normalen bzw. körperlichen Erkrankung gleichsetzen kann, wenn es um stationäre Aufenthalte geht. Gewisse Behandlungen können nur stationär gemacht werden. Bei einer psychischen Erkrankung sind die Grenzen fließender. Und ich habe einfach das Gefühl, dass es mir nicht schlecht genug geht, als das ich mich deswegen krank schreiben lassen dürfte.

16.12.2009 23:23 • #3


A
Zitat:
dass es mir nicht schlecht genug geht, als das ich mich deswegen krank schreiben lassen dürfte.

Und genau da sollte man den behandelnden Arzt anhören - denn es gibt Zeiten,
in denen man sich nicht realistisch einschätzen kann.

Die Entscheidung liegt bei Dir.

16.12.2009 23:27 • #4


Kaffee69
und Tagesklinim ist gut, weißt wollten auch nicht so gern dahin aber rückblickend betrachtet war es eine gute entscheidnug für uns hier. da lernt ma vuiel und mit glück kommst du in eine Grupe die echt toll sein kann. Keine Angst haben und einfach mal versuchen, wenn es gar nicht gefält kannst immer gehen weißt.

Nur mut und auch mal fallen laßen in helfende Arme ist viel wert und gibt kraft.

lg.Kaffee69

17.12.2009 06:18 • #5


A
Hallo,

ich hader nun auch schon sehr lange mit Klinik und mir und eigentlich soll ich stadioner , aber ich kann mich nicht dazu durchringen.
Nun habe ich seit einiger Zeit versucht mich mit Tagesklinik anzufreunden und siehe da eh ich genau denken konnte was passiert, hatte ich dort angerufen udn für den 14 jan ein Vorgespräch dort.

Nimm dir ein Herz und mache dir einen Termin , du brauchst so dringen Ruhe sonst brichst du zusammen.

17.12.2009 11:30 • #6


S
Hallo pibuka,

die Akzeptanz der bzw. einer Erkrankung generell, kann durchaus nicht einfach sein, ist manchmal nicht leicht, weder sofort wie gewünscht und notwendig in die Praxis umzusetzen, - jedoch erforderlich und wichtig um wieder gesund zu werden !!!

Da ich selber hiermit ein großes Problem habe, kann ich dich sehr gut verstehen Leider bringt uns dies nicht weiter, gell ?
Ich persönlich kann dir hierzu nicht wirklich einen richtungsweisenden oder hilfreichen Ratschlag geben.

Evtl. würde der Besuch einer Tagesklinik dir diese Akzeptanz und den Umgang mit deiner Erkrankung vermitteln können und dir viele andere unterstützende Hilfsmöglichkeiten an die Hand geben ?

Ich würde dir anraten, dir evtl. verschiedene Einrichtungen anzusehen und bei einem persönlichen Vorstellungsgespräch konkrete Fragen des Therapiekonzeptes zu stellen.

LG und alles Gute

17.12.2009 12:10 • #7


F
huhu

schön das du einen Termin gemacht hast in der Tagesklinik

ich hatte gerade das gleiche vor mir, hatte vor 2 Tagen den Termin dort, ich bin schon lange in Therapie mir gehts es schlecht und ich habe alle Kraft zusammengefasst und bin hin........

Leider muss ich bis März warten, ich hoffe aber das mich meine Thera noch eher unterbringen kann..........

ich wünsche dir viel Erfolg für Januar

17.12.2009 19:58 • #8


Sarah
Danke für die bisherigen Antworten

Ich sehe durchaus ein, dass Tageskliniken sinnvolle Einrichtungen sind und durchaus auch hilfreich sein können. Mein Problem ist eher, dass ich das Gefühl habe, dass es mir nicht schlecht genug geht, um so etwas in Anspruch zu nehmen. Habe mich hier gestern Abend nch ein bisschen durchs Forum gelesen und wenn ich mich mit anderen und ihrer Situation vergleiche, geht es mir geradezu blendend. In die Richtung geht auch der Teil oder stelle ich mich nur an in der Threadüberschrift.

Menno, alles doof . Kann ich nicht einfach wieder funktionieren so wie bisher? Nächste Woche habe ich wieder einen Termin bei meinem Psycho, nachdem er 3 Wochen selbst mit ner Grippe außer Gefecht gesetzt war. Ich habe immer noch Skrupel, dass Thema anzusprechen. Ich meine - andere haben einen solchen Platz mit Sicherheit nötiger als ich...

17.12.2009 23:03 • #9


T
du sprichst mir aus der seele!!!!

genau sooooo habe ich auch argumentiert!!!!

iiiiiich bin nie krank, iiiiiiiiich schaff alles, iiiiiiiiiich kann das schon noch machen, miiiiiiiiiir macht das nichts aus, und so weiter!!!

ich kann leicht reden, ich bin seit jan. 09 daheim und erst seit ungefähr 2-3 monaten k e i n schlechtes gewissen mehr wegen der arbeit!!!

obwohl ich mir immer den ar.... aufgerissen hab, und immer!!! da war!!!!

also ich war in den 10 jahren pflege nur einmal wegen lungenentzündung krankgewesen!!!
eine erkältung oder magen-darm, starke regelschmerzen!!oder einfach halt krank , das gab es nur für andere , nie für mich!!!

ich geb dir auch mein sprüchlein auf den weg:

ich müsste ein kind oder eine freundin von mir sein, dann gings mir gut

merkste was???
wie würde ich mich da kümmern, wie ging es der ..... dann gut!!!!
weißt du was ich meine????

schade, daß wir erst dann reagieren, wenn wir total am ende sind!!
wenn uns sozusagen die entscheidung abgenommen wird!!!!


frag einfach deinen therapeuten, ob du sooooooooooo krank bist, das du in eine klinik darfst

ich hoffe, ich war jetzt nicht zu heftig für dich!!!

sind nur meine empfindungen, weil ich 48 jahrelang auch soooo gedacht habe.
an die anderen halt!!!

alles gute dir
tinerl

17.12.2009 23:12 • #10


Sarah
Ich habe mir das alles jetzt noch mal in Ruhe durch den Kpf gehen lassen und noch ein bisschen im Internet gesurft und Erfahrungsberichte gelesen. Und danach kommt es für mich eigentlich nicht mehr in Frage. Das liegt nicht daran, dass ich schlechte Erfahrungen gelesen habe - im Gegenteil, die meisten Leute waren sehr zufrieden mit dem was sie in Tageskliniken erlebt haben. ABER: diese waren alle in einer Situation, die viel viel schlimmer war als meine. Und ich sehe auch keine Berechtigung für mich, mich Arbeitsunfähigkeit schreiben zu lassen, da ich meinen Jb ja gut schaffe. Klar bin ich Abends fertig, wenn ich 10 Stunden rotiert habe. Aber das geht wohl jedem so und hat nichts mit der Krankheit zu tun.

Mal gucken was das Psycholein am Dienstag zu sagen hat - aber ansprechen möchte ich das Thema eigentlich nicht. Er hat vor einigen Wochen (ist glaube ich schon 2 oder 3 Monate her) mal laut überlegt, mich stationär zu schicken. Seitdem haben wir nicht mehr darüber gesprochen. Auch nicht über eine Arbeitsunfähigkeit - also wird es auch nicht notwendig sein.

Als heißt es weiter Augen zu und durch. Wenn andere es so schaffen werde ich das wohl auch

19.12.2009 15:36 • #11


Pyxidis
Liebe pibuka,

Zitat:
Als heißt es weiter Augen zu und durch.


warum willst Du leiden, wenn Du es auch einfacher haben kannst.

Dein Psycholein ist der FACHmann und kann bestimmt sehr gut einschätzen, ob bei Dir ein stationärer Aufenthalt sinnvoll ist. Vertrau ihm. Oder sprich wenigstens mit ihm über Deine Gedankengänge. Damit zeigst Du ihm und Dir, daß Du für Dich sorgst und das meistens der erste Schritt zur Verbesserung einer Depression.

Übrigens ich glaube, fast jeder denkt, wenn er in der Klinik ankommt, daß es andere gibt, denen es noch schlechter geht. Das ist völlig normal. Wichtig sind aber nicht die anderen, sondern wichtig bist DU und DEINE Probleme.

Probleme sind immer so schlimm, wie es der Mensch, der sie hat, empfindet und niemals vergleichbar.

Habe gerade eben nochmal Deinen Eingangsbeitrag gelesen und bin davon überzeugt, daß Dir eine Auszeit bestimmt gut täte.

Liebe Grüße
Scorpio

19.12.2009 15:54 • #12


Sarah
So, Morgen ist der nächste Termin mit dem Couchologen (@Mooni, falls du dies liest: danke für diesen göttlichen Begriff). Und ich habe immer noch keinen Plan, was ich ihm sagen soll bzw. ob ich ihm was sagen soll. Ich bin gerade einfach genervt von mir selber und würde den Termin Morgen am Liebsten absagen.

Kann man sich bei Neckermann nicht einfach nen Beinbruch oder so bestellen? Das wäre definitiv einfacher als mit ihm darüber zu sprechen *grmpf*

Boah, ich geh mir gerade dermaßen selber auf den Zeiger.

21.12.2009 18:51 • #13


A
Wie sooft empfehle ich auch hier:
Druck Dir Deinen Thread aus und halt ihm den vor de Nase -
irgendwie wird wahrscheinlich Dein Couchologe dann einen Gesprächseinstieg schaffen ...

Merke: auch Couchologen sind keine Hellmerker!

21.12.2009 19:00 • #14


A


Hallo Sarah,

x 4#15


Sarah
Naja, dann kann ich es auch gleich selber ansprechen. Ich weiß nur noch nicht, ob ich das Thema Arbeitsunfähigkeit und evtl. Tagesklinik überhaupt ansprechen soll. Ich werde es einfach auf mich zukommen lassen, wenn mir nicht danach ist finden wir schon ein anderes Gesprächsthema.

Ich gerade nur einfach extrem müde und *beep*, da meine lieben Kollegen mich heute an den Rand des Wahnsinns getrieben haben.

21.12.2009 19:23 • #15

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