P.S.: Wie auch jetzt mit den Schlafstörungen arbeite ich immer weiter mit meinen Krankheiten, aber nicht mehr gehetzt, weil der Alltag mit den Krankheitssymptomen nicht mehr oder kaum mehr erträglich wäre.
Im Rückblick der 10 Jahre nach A.DHS-Diagnose ging ich los mit der Hoffnung, doch irgendwann ganz gesund oder so wie gesund mithilfe der Medikamente oder mit nur wenigen Einschränkungen zu werden. Und jede These probierte ich dann durch bis es wieder zu Rückfällen kam und ich immer kleinere Brötchen backen lernte. Ich lernte, was machbar ist, ohne aber auch ein Boreout-Leben statt eines Burnout-Lebens zu leben.
Raus kam ich also als eine ganz andere aus diesen 10 Jahren, eine komplett andere und dennoch viel mehr ICH als seit Kindheitszeiten.
In der Rückschau ist das so, als ob du einen Klumpen feuchten Ton in der Hand hast und daraus einen Ball formen willst. Um den rund zu kriegen, musst du immer alle Seiten nacharbeiten. Und er ist schwer und verformt sich schnell, wenn du an ihm arbeitest, während er wo aufliegt. Manchmal muss das aber eben auch sein eine Zeitlang.
Dann musst du auch lernen, dass du den nur vorsichtig rollen kannst und nicht damit Fußball spielen kannst und ihn auch vor Hindernissen schützen musst. Dann gerät er aber trotzdem mal in den Regen oder in den Wind und wird eingedellt, du hast ja nicht alles in der Hand und es gibt auch Grenzen der Perfektion usw. Du musst auch sehr aufpassen, dass er dir nicht ins Gedränge gerät und dir nicht weggeschnappt und aus der Hand genommen wird. Niemand kann d e i n e n Ball so formen wie du selber.
Es kommt auch vor, dass irgend ein Tonspezialist dir zuviel Wasser draufgießt oder deinen Ball in die Sonne legt und das Material spröde oder zu trocken wird. Das tut ihm dann selber leid und er hilft dir, zu korrigieren. Dann bekommst du einen zweiten Tonball und den sollst du zu einem Viereck arbeiten, dabei darf dir aber der andere nicht in Vergessenheit geraten.
Manches gilt für beide Werkstücke oder auch nicht, wenn es ein anderer Ton ist.
Gefällt es dir besser, wenn beide so im Großen und Ganzen schön sind oder korrigierst du die ganze Zeit zu perfektionistisch dran oder braucht ein Werkstück mehr Zuwendung als das andere?
Du hattest zwar mal ursprünglich vor, deine Werkstücke zu fertiger Kunst im Brennofen zu brennen, aber sie lassen dich als Werkstücke im Entstehen nicht weitermachen, weil sie so anfällig sind, weil irgendetwas mit dem Material nicht so robust ist wie gedacht. Und du stellst auch auf einmal fest, dass du kein Werkstück haben willst, das innen hohl sein muss, um nicht im Ofen zu zerspringen.
Irgendwann schaust du gar nicht mehr auf den Brennofen, sondern arbeitest immer mit deinen Formen und findest auch darin eine hohe Befriedigung, mit dem Unperfekten, mit dem Anfälligen. Eine ganz neue Welt. Ganz neue Fragen, Leute, Blickwinkel.
Wenn du jetzt auf deine fertig gebrannten Werkstücke schaust im gesamten Leben, dann siehst du: Das reicht auch eigentlich.
Liebe Grüße! maya
14.02.2020 19:56 •
x 2 #108