131

Welche Medikamente helfen langfristig gegen Schlafstörungen?

maya60
Jetzt bin ich endlich wieder daheim vom Doc und Hoseneinkauf mit Sohni und werde mir jetzt nochmal in liegender Position eure vielen Detailerfahrungen durchlesen. Danke jetzt schonmal vorweg!

07.02.2020 17:14 • #16


maya60
Zitat von ZeroOne:
Mein Lieblingsthema - da kann ich bald drin promovieren!


Dr. Zero, danke für deine umfangreiche Doktorarbeit, von mir kriegste ein Summa . Laude.

Schlafstörungen sind ja schon heftig genug, aber erhebliche Schlaflosigkeit ist nochmal eine andere Nummer, wenn ich das richtig verstehe und das bedeutet, weder nachts noch tagsüber schlafen zu können. Sollte das zutreffen, dann kommt der Punkt, wo man alles durchprobieren wird.

Bei mir waren es früher immer in akuten Depri-Episoden die typischen Einschlaf- und Durchschlafstörungen, die verschwanden, sobald die Behandlung wirkte und die Episode sich besserte.
Seit 3 Jahren, seit meiner schwersten Depressionsepisode überhaupt schlafe ich nachts gar nicht oder nur 2 Stunden. Wenn es alle paar Wochen mal 5 Stunden werden, flippe ich schon vor Freude aus und bezeichne mich als wach.
Aber ich hole den fehlenden Nachtschlaf immer tagsüber nach, spätestens am WE, so dass ich das Ganze, und mein Doc auch, Umkehrschlafstörung nennen.
Auch geht es mir nachts gut, ich quäle mich nicht, bin eine hellwache Nachteule.

Dennoch möchte ich schon aber auch noch tageweise Morgentermine wahrnehmen können und deshalb irgendein Schlafmittel finden, das ohne Kater am nächsten Morgen und ohne Suchtgefahr alle paar Tage mal einnehmbar ist und womöglich auch wirkt.

Schlafhygiene hab ich durch - funzt nicht!

Mit Baldrian fange ich erst gar nicht an, nie im Leben funzt das, dazu bin ich viel zu wach nachts. Dass das bei dir, Zero, auch nicht genug Bumss hatte, logisch irgendwie.

Z-D*r*u*g*s und Konsorten, da hab ich SchiXX davor, dafür müsste es mir schlimmer damit gehen. Weil ich davon ausging, dass es gar nichts anderes gibt, kam ich ja bisjetzt gar nicht auf die Idee, meinen Doc nach Schlafmitteln zu fragen. Also, Enzug, das fehlt mir gerade noch. Könnte ich gar nicht schlafen, auch tagsüber nicht, würde ich Teuflin irgenwann in meiner Not wohl auch Fliegen fressen bzw. eben die Dinger probieren wie du auch!
Auch die schnelle Gewöhnung und der Hangover, die fehlende Langfristigkeit, für all sowas müsste es bei mir noch schlimmer sein. Dann ist es aber gut, zu wissen.
Vor Benzos hab ich aus denselben Gründen einen Heidenrespekt!

Und jetzt kommen die Medikamente, die ich bis heute als Schlafmittel nicht auf dem Schirm hatte. Dazu schreibst du deine Erfahrungen:
Aus der Psychopharmaka-Schublade habe ich auch die Standards durch: Mirtazapin, Quetiapin, Prothipendyl. Man sagt ja, dass diese niedrig dosiert sehr sedierend wirken. Vorteil: keine Abhängigkeit, wie bei klassischen Schlafmitteln.
Ich muss sagen, dass die bei mir nach wie vor ganz gut gehen. Allerdings auch das Problem, dass ich damit keine Nacht durchschlafe - wie bei den herkömmlichen Schlafmitteln auch nur 3-4 Stunden.
Weitere Nebenwirkungen sind - gerade bei Neuroleptika - Mundtrockenheit, Sprachstörungen (die man nachts aber nicht braucht) und Schwindel. Gerade letzteres wird mir nachts öfters zum Verhängnis, wenn ich auf´s WC muss. Da hatte ich schon schwere Stürze.
Auch muss ich persönlich sagen, dass ich bei diesen Medikamenten am nächsten Morgen einen ordentlichen Hangover spüre (der aber nach max. 2 Stunden vorbei ist). Trotzdem gebe ich aktuell einem modernen, atypischen Neuroleptikum (Quetiapin) gegenüber einem regulären Schlafmittel klar den Vorzug.
Allerdings kann ich nicht beurteilen, ob es da Probleme im Zusammenspiel mit SSNRI gibt. Ich hatte zwar vor Jahren mal Venlaflaxin (dem u.a. Schlafstörungen unterstellt werden) parallel zu einem Neuroleptikum genommen und habe keine Beeinträchtigung bemerkt, das muss aber nicht allgemeingültig sein!
Zitat-Ende


Ist dieses Tri-Dingens, schon wieder den Namen vergessen, , das ich einnehme, ein Neuroleptikum? Ich merke gerade, dass ich gar nicht weiß, was ein Neuroleptikum ist.

Mein Doc hat mir gesagt, dieses Medi passt zu meinen ganzen Medikamten, die ich nehme.

Ich habe noch nie von einem Psychopharmakon zugenommen und da ich Hypie bin und mir das, wenn ich ausgeschlafen bin, eh alles wieder abhibbele, würde ich auch das erstmal mit der Gewichtszunahme auf mich zukommen lassen. Und wenn es heißt, gar keinen Schlaf oder mehr Gewicht, dann ist die Frage das glaube ich wie du, vor lauter Leidensdruck schnell klar.


Zitat ZeroWas ich noch zum Punkt langfristig sagen kann: ich finde, wenn die Medikamente über längere Zeit helfen, abends gut in den Schlaf zu finden und sich dadurch auf Dauer eine Routine einstellt, dann sollte es nach einiger Zeit vielleicht auch wieder (zumindest streckenweise) wieder ohne gehen. Ich hatte z.B. die Erfahrung gemacht, dass ich abends gelegentlich wie ein Baby eingeschlafen bin und am nächsten Tag feststellte, dass ich das Medikament vergessen hatte.Zitat-Ende

Leuchtet mir ein!

Gewohnheit, Kopfsache und Schlafmittel als Krücke sehe ich auch genauso wie du! Nicht nur, dass es zugrundeliegende Probleme nicht auslöscht, es ist eben auch ein Hilfsmittel, wenn auch noch so gut. Das habe ich ja auch über die Jahre über sämtliche Medis gelernt, immer wieder bitter gelernt, bis ich´s kapiert hatte.

Ob es die 30% Plazebo wären, die eine niedrige Dosis Schlafmittel wirken lassen würden oder tatsächliche Wirkung, wäre mir sowas von schnurzpiepegal 30% mehr Nachtschlaf wäre schonmal gar nicht schlecht.

So, und nu lasse ich das Ganze mal sacken und teste sehr sehr vorsichtig meine Tri-Dingens-Tropfen jetzt am WE und dann . . . keine Ahnung!
Dicken fetten Dank jedenfalls an dich!

07.02.2020 18:16 • x 1 #17


A


Hallo maya60,

Welche Medikamente helfen langfristig gegen Schlafstörungen?

x 3#3


E
Noch eine Erwähnung wert, die Pharmazie Schlafmittel verzögern des öfteren die Reaktionszeit und bei einem VU ist bei einem gewissen Anfangsverdacht umgehend eine Blutprobe fällig!

07.02.2020 18:22 • x 1 #18


maya60
Zitat von 111Sternchen222:
@maya60 ich glaub @Ilse77 nimmt die.


Trimipramin Tropfen Als Tropfen sind die jedenfalls oberekelig, habe ich gerade festgestellt. Die Einstiegsdosis soll 25-50 Tropfen umfassen- aber wenn das das einzige A.D für den ganzen Tag sein soll, was bei mir ja nicht der Fall ist, ich bin ja gut und hoch dosiert mit Serotonin und Noradrenalin durch das Duloxetin versorgt.

Ich habe jetzt mal 15 Tropfen genommen, die Wirkung soll sich nach ca 1 Stunde zeigen und ich werde ja sehen, ob ich ruhiger werde. Serotonin wirkt ja bei mir A.DHSlerin dämpfend und vielleicht dämpft das jetzt noch mehr, mal sehen. Ganz vorsichtig mal testen.

Andererseits habe ich ja seit der hohen Dosierung meines A.Ds die Umkehrschlafstörungen. Ist da mehr desselben nicht hirnrissig, fällt mir gerade ein. . .?

07.02.2020 18:50 • #19


111Sternchen222
Versuch macht klug!

07.02.2020 18:56 • x 1 #20


ZeroOne
Zitat von maya60:
Ganz vorsichtig mal testen.


Genau. Dir läuft ja nichts davon. Das ist wie bei den anderen Antidepressivas: es braucht eben seine Zeit, bis man das für sich passende Medikament und die beste Dosierung gefunden hat.

LG
ZeroOne

07.02.2020 19:06 • x 2 #21


maya60
Liebe Irgendeine, auch deine Antworten sind sehr hilfreich für mich, danke!

Zitat Irgendeine: Ich konnte jahrelang nur schlecht schlafen und hatte schlimme Albträume. Seit ich Mirtazapin nehme, habe ich nur noch selten Albträume und schlafe fast immer durch. Es hat halt den Nachteil, dass viele davon zunehmen. Bei mir gleicht es sich mit dem ADHS-Medi (was ja appetithemmend ist) relativ gut aus. Ohne das Mirtazapin würde ich wahrscheinlich viel zu wenig essen.

Ich nehm auch ein Ampheta.minderivat gegen mein ADHS. Das hat eine Wirkdauer von 12h. Zusätzlich noch ein aktivierendes Antidepressivum. Mit dem Mirtazapin (und ggf. noch zusätzlich Neurocil, wenn ich nicht müde werde) kann ich meinen Einschlafzeitpunkt relativ gut kontrollieren
.


Deine Erfahrungen machen mir Mut!

Bei A.D(H)S ist übrigens Aktivierung etwas anderes als bei Depression. Bei Menschen ohne A.DHS wirkt Ritalin leistungssteigernd und aktivierend, darum hat es ja auch einen Schwarzmarkt für Prüfungsgestresste in Uni und Schule, was ein Grund dafür ist, dass ich nie mehr als 52 Kapseln verschrieben bekomme, andere natürlich auch nicht, damit sich da nicht ein unüberschaubarer Handel entwickelt.

Bei mir zumindest, und ich habe das auch schon in meinem Selbsthilfeforum oft von anderen A.DHSlern gelesen und von meinem Doc gehört, wirkt der Wirkstoff von Ritalin, der auch in meinem Medikinet a.dult drin ist, beruhigend, klärend, strukturierend in dem inneren Wirbel von Unruhe. Darum bin ich dann leistungsstärker und aktivierter. Dennoch verhindert es Nachtschlaf bei denen, die es hoch dosiert oder außer frühmorgens noch einmal später einnehmen.
Manche müssen und brauchen das aber dringend, sonst liegen sie konfus in der Ecke und nichts geht, auf keinen Fall der Alltag.

Zitat von Mark78:
Es gibt da Patienten die von einem tagelangen Wachschlaf berichteten und so kenne ich das auch selbst verursacht durch Medikinet!


Das mag sein, aber ohne mein ADHS-Medi komme ich halt auch nicht klar.
Zitat von maya60:
Und ich riskiere bestimmt auch nicht meine ausgeglichene Medikation.
Genauso ist es.


Eben, sich morgens und tagsüber mit Aufputschmittel zu aktivieren und dann abends ein Schlafmittel zu nehmen klingt nur für die widersinnig, die nicht genau beides brauchen um den Tag durchzustehen und zwar nicht wie viele Normalo-Berufstätige das heutzutage oft machen, um Topleistungen zu erbringen und Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen, sondern bei A.DHS und Depression in Kombination geht es darum, nicht aus dem Alltag zu fallen.


Zitat von maya60:
Trimipramin Tropfen habe ich übrigens. Kennt das wer?

Ich kann dir nur sagen, dass es ein älteres trizyklisches Antidepressivum ist, was eben sedierend wirkt.
Ob es gut ist, kann ich dir leider nicht sagen.


Mein Doc sagte mir heute den Grund, warum er mir dieses ältere trizyklische A.D lieber gibt als neuere. Nur hab ich den Grund vergessen.

07.02.2020 19:16 • x 1 #22


maya60
Zitat von 111Sternchen222:
Versuch macht klug!


07.02.2020 19:20 • #23


maya60
Zitat von Mark78:
Noch eine Erwähnung wert, die Pharmazie Schlafmittel verzögern des öfteren die Reaktionszeit und bei einem VU ist bei einem gewissen Anfangsverdacht umgehend eine Blutprobe fällig!


Hallo Mark! Danke für all deine Infos aus deiner Erfahrung mit A.DHS und Depressionen. Und Schlafstörungen?

VU? Was ist das?

Und ich zumindest habe übrigens keine verstärkte Schlaflosigkeit in letzter Zeit, gleichbleibend auf hohem Niveau. Warum?

Allerdings merke ich die Wirkung der Tropfen jetzt deutlich. Wie immer nur am ersten Tag oder den ersten Tagen einer Höherdosierung des SSRI oder SSNRI ein leicht bedröhntes Gefühl, aber wird das zu Müdigkeit und Schlaf?

07.02.2020 19:28 • #24


maya60
Ach so! VU: Verkehrsunfall, oder? Ich fahre eh kein Auto. Aber danke für den Hinweis.

07.02.2020 19:55 • x 1 #25


111Sternchen222
Naja @maya60 du musst dich schon ins Bettchen legen und die Augen schließen

07.02.2020 20:44 • x 1 #26


Irgendeine
Zitat von maya60:
Eben, sich morgens und tagsüber mit Aufputschmittel zu aktivieren und dann abends ein Schlafmittel zu nehmen klingt nur für die widersinnig, die nicht genau beides brauchen um den Tag durchzustehen und zwar nicht wie viele Normalo-Berufstätige das heutzutage oft machen, um Topleistungen zu erbringen und Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen, sondern bei A.DHS und Depression in Kombination geht es darum, nicht aus dem Alltag zu fallen.


Endlich mal jemand, der das versteht.

Zitat von maya60:
beruhigend, klärend, strukturierend in dem inneren Wirbel von Unruhe. Darum bin ich dann leistungsstärker und aktivierter.

Das beschreibt es sehr gut.
Mein Freund macht mir öfters den Vorwurf, dass ich mit meinem ADHS-Medi ja quasi Speed (weil auch Amphetaminderivat) nehme. Er versteht halt nicht, dass das Elvanse aus mir kein mentales Superwoman macht, sondern dafür sorgt, dass ich nicht meine ganze Energie durch mein inneres Chaos verliere, sondern sie sinnvoll zur Meisterung des Alltags nutzen kann.

Ich kann mich beispielsweise besser darauf konzentrieren, WAS mir mein Gegenüber erzählt, weil ich währenddessen nicht mehr die ganze Zeit damit beschäftigt bin, meine Gedanken und das Gesagte zu sortieren. Das passiert zwar immer noch, aber es ist durch das Medi nicht mehr so ausgeprägt. Ich kann meine Gedanken einfach besser beieinander halten.
Das kann und will ich nicht aufgeben.

P.S.: Falls das Trimipramin nicht helfen sollte, kann ich Mirtazapin (ggf. in Kombi mit Neurocil) wirklich nur empfehlen. Es wirkt zuverlässig und macht auch keinen Überhang. Das Neurocil (Neuroleptikum) kann nen leichten Überhang machen, deshalb nehme ich das mittlerweile nur noch im Bedarfsfall.

07.02.2020 21:09 • x 2 #27


Irgendeine
Zitat von maya60:
Z-D*r*u*g*s und Konsorten, da hab ich SchiXX davor, dafür müsste es mir schlimmer damit gehen. Auch die schnelle Gewöhnung und der Hangover, die fehlende Langfristigkeit, für all sowas müsste es bei mir noch schlimmer sein.

Der Witz an Z.opiclon und co. ist ja, dass man zwar schläft, der Schlaf aber (zumindest auf Dauer) nicht erholsam ist. Ich habe in der Psychiatrie ein paar Tage Z.opiclon bekommen. Ich habe zwar geschlafen, war am nächsten Tag aber trotzdem nicht ausgeruht. Das ist jetzt beim Mirtazapin anders.

07.02.2020 22:01 • x 1 #28


111Sternchen222
Ich hab mich mit Zopiclon Top erholt gefühlt!

07.02.2020 22:16 • x 1 #29


A


Hallo maya60,

x 4#15


Irgendeine
Zitat von 111Sternchen222:
Ich hab mich mit Zopiclon Top erholt gefühlt!


Das ist natürlich individuell und es freut mich, dass es dir geholfen hat. Bei vielen ist es allerdings eher der Hammer, der einen für ein paar Stunden ausknockt und trotzdem keine dauerhafte Erholung bringt. Ausnahmen bestätigen die Regel.

07.02.2020 22:53 • x 1 #30

Weiterlesen »




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag