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Wem ist die Krankheit Dysthymie bekannt ?

Kitten
Ich finde die Diskussion hier über die Themen Faulheit, Trägheit und Lethargie auch gerade recht spannend. Danke für eure Ausführungen. Ich bin auch schon mehrmals mit diesen Schlagwörtern konfrontiert worden, was mich sehr verletzt hat. Und zwar von einer Person im nächsten Umfeld.
Schlagwörter nenne ich sie, weil sie auf mich so eine negative Schlagkraft haben.


Betreffend Dysthymie habe ich hier noch sehr aufschlussreiche Informationen gefunden:
https://www.oberbergkliniken.de/krankhe.../dysthymie

Diese Klinik hat allgemein sehr gute Seiten mit gesammeltem Wissen über psych. Erkrankungen!

16.02.2022 12:24 • x 4 #16


Kate
Gegenfrage: Könnte es nicht manchmal auch so sein, dass man für jede Wesensart eine psychische Diagnose finden kann?
Für mich gibt es zum Beispiel Faulheit absolut. Wenn ich mir einen Teil der Gesellschaft so anschaue, ist Faulheit das perfekte Wort. Und ich finde es wiederum absolut unfair, wenn diese dann Menschen mit einer "echten" psychiatrischen Diagnose sagen, sie hätten das Gleiche.

Nur meine Gedanken dazu. Es passt auf so vieles. Menschen die zum Beispiel leicht aus der Haut fahren, ziemlich zurück gezogen leben, gesellig sind, all denen kann man eine Diagnose anhängen. Oder man belässt es schlicht und einfach bei einer Wesensart.
Einen Krankheitswert bekommt es meines Erachtens immer erst dann, wenn derjenige oder sein Umfeld darunter leiden.

16.02.2022 13:35 • #17


A


Hallo aurora333,

Wem ist die Krankheit Dysthymie bekannt ?

x 3#3


Kate
Zitat von blossom79:
ich habe damals - 2004 in einer psychosomatischen Reha im Abschlussbericht Dysthymia aufgelistet gelesen.

Wahrscheinlich mussten sie ja irgendwas darauf schreiben. Sonst hätte alles nicht seine Berechtigung gefunden. Und da passte das ganz gut. Wie gesagt, die Grenzen sind da ziemlich fließend.

16.02.2022 13:37 • x 2 #18


X
Naja, Persönlichkeitsstil ist was anderes als Persönlichkeitsabweichung ist was anderes als Persönlichkeitsstörung.
Ich frage mich oft, wo gesund sein aufhört und krank sein anfängt. Aber das ist eben keine Dichotomie, sondern ein Kontinuum.

Der Begriff Leid: Was ist mit einem Krebspatienten, der jahrelang nichts von seiner Erkrankung ahnt, entsprechend nicht leidet. Ist er nicht krank? Was ist mit einem Menschen, der leidet, da ein lieber Freund verstorben ist. Ist er deswegen krank? Ich finde nicht, dass Leid Krankheitswert definiert. Wenngleich Leid natürlich oft eine wesentliche Rolle spielt.

Die WHO-Definition von Gesundheit: Ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen. Da möchte ich mal fragen, wer sich in der letzten Woche vollkommen wohlbefunden hat. Keine Rückenschmerzen, keine Nackenschmerzen, kein Magenzwicken, keine Regelbeschwerden, kein Stress, keine Anspannung, kein schlechter Schlaf. Für mich ist die Definition sehr hochgegriffen. Und ich finde, schlussendlich bleibt es jedem Menschen sich selbst überlassen, wie er seinen Zustand einordnet, zu entscheiden, ob es ihm gut oder schlecht geht. Es bleibt ja auch eine Entscheidung. Und wenn ein Mensch sich dafür entscheidet, sich primär an seiner Erkrankung zu orientieren: Da tut es weh. Da auch. Es wird immer schlimmer. Wahrscheinlich kann ich mich morgen gar nicht mehr bewegen. So wird dies auch eintreffen. Und wenn sich ein anderer Mensch dazu entscheidet, seine Erkrankung zwar zu sehen, aber den Blick auch auf andere Bereiche zu richten, die ihn vielleicht trotzdem erfreuen, die ihm vielleicht trotzdem gut tun, die ihm vielleicht trotzdem Freude bereiten, so wird auch das Leid weniger Raum einnehmen. Raum zur Gesundung entsteht. Ohne in Verdrängung überzugehen.

Entscheidet sich ein Mensch dazu, zu gesunden, wird er gesunden. Entscheidet er sich dazu zu erkranken, wird er erkranken. Es ist die persönliche Entscheidung eines jeden Menschen. Aus einem kranken oder gesunden Zustand heraus.

Was keine persönliche Entscheidung ist: Äußere Einflüsse, Traumata, Verletzungen, Verluste, Gewalt; auch Vulnerabilität in meinen Augen. Menschen erkranken. Aber was Menschen aus dieser Erkrankung machen, liegt in ihren Händen.

16.02.2022 14:48 • x 2 #19


Kate
Zitat von Lischen:
Entscheidet sich ein Mensch dazu, zu gesunden, wird er gesunden. Entscheidet er sich dazu zu erkranken, wird er erkranken. Es ist die persönliche Entscheidung eines jeden Menschen. Aus einem kranken oder gesunden Zustand heraus.

Meinst Du wirklich? Der Glaube alleine heilt einen ganz und gar nicht.

Zitat von Lischen:
Ich finde nicht, dass Leid Krankheitswert definiert.

Ich schon! Alleine dadurch, dass eine Depression zum Beispiel keiner anderen gleicht. Sie lässt sich in ihrem Ausmaß schlecht messen, genau wie Leid. Wenn du mit einer grusligen Vorgeschichte in eine Depression rutschst leidest du mitunter wie ein Hund.
Was nicht unbedingt passieren muss, wenn Du ein stabiles Umfeld hast und ganz andere Möglichkeiten und Ressourcen zur Verfügung hast.
Zitat von Lischen:
Naja, Persönlichkeitsstil ist was anderes als Persönlichkeitsabweichung ist was anderes als Persönlichkeitsstörung.

Ich sprach von einer Wesensart und nicht von einer Persönlichkeitsstörung.
mein Sohn ist Autist und kommt damit gut zu recht. Dies muss derzeit nicht behandelt werden, da niemand darunter leidet, auch er nicht. Es ist halt eine andere Art des Seins und keine Persönlichkeitsstörung. Für andere ist dies wiederum sehr behandlungswürdig, weil vielleicht alle darunter leiden. Und so geht es doch mit vielen, gerade psychischen, Erkrankungen.
Zitat von Lischen:
Menschen erkranken. Aber was Menschen aus dieser Erkrankung machen, liegt in ihren Händen.

So pauschal kann man das glaube ich nicht sehen.

16.02.2022 15:26 • x 4 #20


X
Zitat von Kate:
Meinst Du wirklich? Der Glaube alleine heilt einen ganz und gar nicht.

Ja. Ich bin davon überzeugt, dass es zu großen Teilen die innere Selbstheilung und der Glaube daran sind, die Menschen heilen lassen. Ärzte, Medikamente, Therapien, das äußere Umfeld spielen natürlich mithinein. Aber schlussendlich heilt ein Mensch sich selbst. Und daran muss er glauben. Zumindest Anteile in ihm müssen daran glauben. Wenn er hingegen überwiegend glaubt, er könne nicht heilen, wird er auch nicht heilen.

Zitat von Kate:
So pauschal kann man das glaube ich nicht sehen.

Jedem Menschen bleibt ein Spielraum, wie er mit seinem Schicksal, seiner Erkrankung und den äußeren Einflüssen umgehen möchte. Und wenn es nur kleine Dinge sind. Wir können (natürlich können wir! aber ob es zu innerer Zufriedenheit führt?) nicht ständig die Vergangenheit dafür verantwortlich machen, wie unsere Zukunft aussieht. Irgendwann müssen wir auch für uns selbst einstehen.

Zitat von Kate:
Ich schon! Alleine dadurch, dass eine Depression zum Beispiel keiner anderen gleicht. Sie lässt sich in ihrem Ausmaß schlecht messen, genau wie Leid. Wenn du mit einer grusligen Vorgeschichte in eine Depression rutschst leidest du mitunter wie ein Hund.
Was nicht unbedingt passieren muss, wenn Du ein stabiles Umfeld hast und ganz andere Möglichkeiten und Ressourcen zur Verfügung hast.

Das alles zweifle ich gar nicht an. Ich schrieb schlicht, dass Menschen klinisch krank sein können, ohne zu leiden. Und das Menschen leiden können, ohne krank sein zu müssen. Für mich sind Leid und Erkrankung verschiedene Dinge, die oft miteinander einhergehen, aber eben nicht müssen.

Zitat von Kate:
Ich sprach von einer Wesensart und nicht von einer Persönlichkeitsstörung

Ja. Eben. Wesensart als Persönlichkeitsstil. Du fragtest, ob man für jede Wesensart eine psychische Diagnose finden könne (dann wahrscheinlich im Rahmen der Persönlichkeitsstörungen). Finde ich eben nicht. Denn Wesensart/Persönlichkeitsstil und Persönlichkeitsstörungen sind für mich zwar schwierig abzugrenzen, jedoch würde ich niemals meinen, jede Wesensart wäre diagnosebedürftig. Da wären ja alle Menschen krank.

16.02.2022 15:57 • #21


Kate
Zitat von Lischen:
Ja. Ich bin davon überzeugt, dass es zu großen Teilen die innere Selbstheilung und der Glaube daran sind, die Menschen heilen lassen. Ärzte, Medikamente, Therapien, das äußere Umfeld spielen natürlich mithinein. Aber schlussendlich heilt ein Mensch sich selbst. Und daran muss er glauben. Zumindest Anteile in ihm müssen daran glauben. Wenn er hingegen überwiegend glaubt, er könne nicht heilen, wird er auch nicht heilen.

Dein vorheriger Beitrag klang dann sehr pauschalisiert, jetzt klingt es hingegen logisch.

Zitat von Lischen:
jedoch würde ich niemals meinen, jede Wesensart wäre diagnosebedürftig. Da wären ja alle Menschen krank.

Ich schrieb, "wenn man darunter leidet"
und auch nicht diagnosewürdig, sondern behandlungswürdig!
Und ja es lässt sich für alles eine Diagnose finden! Dank unserer modernen Medizin könnte man faktisch jeden als krank ansehen, er muss nur oft genug zum Arzt, dann wird immer noch eine Hypochondrie draus.
Wahrscheinlich verstehst Du mich aber auch einfach nicht richtig.

16.02.2022 16:24 • #22


X
Zitat von Kate:
Könnte es nicht manchmal auch so sein, dass man für jede Wesensart eine psychische Diagnose finden kann?

Das schriebst du doch, für jede Wesensart eine Diagnose. Ich glaube auch, wir schreiben bissl aneinander vorbei...

16.02.2022 16:31 • #23


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Klar, wenn man an einer Erkrankung leidet, ist sie wohl behandlungsbedürftig. Wobei ich mir da auch nicht sicher bin... Ist eben nicht immer so in meinen Augen.

16.02.2022 16:33 • #24


Kitten
Zitat von Lischen:
Ich bin davon überzeugt, dass es zu großen Teilen die innere Selbstheilung und der Glaube daran sind, die Menschen heilen lassen. Ärzte, Medikamente, Therapien, das äußere Umfeld spielen natürlich mithinein. Aber schlussendlich heilt ein Mensch sich selbst. Und daran muss er glauben. Zumindest Anteile in ihm müssen daran glauben.

Hallo Lieschen
Das klingt ja jetzt m.E. wirklich zu schön und fast utopisch, um wahr zu sein. Dass jeder Mensch Selbstheilungskräfte in sich mobilisieren kann, daran glaube ich ebenfalls. Aber halt nicht unbeschränkt und bei jeder Krankheit. Sonst wäre es ja insbesondere bei allen psychischen Erkrankungen dem fehlenden Glauben an die Heilung zuzuschreiben, dass man nicht gesunden kann?!?

16.02.2022 16:41 • x 4 #25


X
Nein, nicht unbeschränkt und nicht bei jeder Erkrankung. Aber doch zu erheblichen Anteilen.

Was ist mit all den Placebo-Studien? Und auch den Nocebo-Studien? Menschen, denen Morphin gespritzt wird und die gesagt bekommen, sie bekämen schlicht Kochsalzlösung, erfahren keine Verbesserung ihrer Schmerzsymptomatik. Weil sie nicht daran glauben. Die Wirksamkeit eines solch starken Medikamentes ist dahin. Weil diese Menschen nicht daran glauben. Was ist mit all den Affirmationen, mit denen Psychoherapeuten so oft arbeiten? Und die Wirksamkeit zeigen. Mit Autosuggestion? Mit autogenem Training? Etc.

Man kann sich krankes Organgewebe nicht gesund denken. (Bzw. da hört auch mein Glaube auf.) Aber da wo es innere Konflikte gibt, da kann man sich auf die eine Seite hin ausrichten und so Schritte zur Heilung gehen. Das ist meine ganz persönliche Meinung. Und es bleibt ja jedem Menschen frei, wie er es sehen möchte.

16.02.2022 17:13 • #26


aurora333
Wenn ich an meine schwierige bis sehr herausfordernde Kindheit zurückdenke ( geprägt von ständigen Entwurzelungen sowie einer schizoiden Mutter, die mich vehement ablehnte) sowie an die zum auch gelungenen Schritte und Zustände meines Erwachsenenlebens denke, dann betrachtete ich mich generell ( und das wurde mir immer wieder auch bestätigt) als Steh-Auf-Männchen.

Doch mit dem Jahren , besonders nach meiner sehr traumatischen Trennung und Scheidung , konnte ich mich immer schwerer erholen. Und trotz immer auch wieder guten Zeiten häuften sich die Traumata in meinem Leben. Es wurde immer klarer , dass ich meine Grenzen viel zu spät wahrhaben und verteidigen konnte. So war es mir auch erst mit 65 Jahren möglich mir selbst einzugestehen, dass der immer wieder kehrenden Misere ein frühkindliches Trauma ( Missbrauch durch den Vater) zugrunde lag.

Ich habe einiges leidenschaftlich getan ( und tue es noch, wenn auch im Moment grad nicht leidenschaftlich..dazu fehlt (noch) die Energie) in meinem Leben um meine Schäden zu bekämpfen, und Jahrzehnte lang auch fest daran geglaubt, dass fast alles möglich ist. War auch begeisterte Verfechterin der humanistischen Psychologie ! Doch heute muss ich mir eingestehen, dass niemand zaubern kann ( so sehr er das mache ) und ich dankbar bin für jeden Moment im Leben beschwerdefrei ist, und ich mich freuen kann.

Ich bereue nicht dass ich Jahrzehnte lang immer und immer wieder der Überzeugung war , das schaffen wir...doch ich bin auch dankbar, dass ich mittlerweile als ältere Frau auf den Teppich der Realität - eher unsanft gezogen - stehe.

Heute sage ich eher Es ist wie es ist..schauen was sich noch machen lässt. Und ich meine das jetzt nicht in erster Linie resignierend.

16.02.2022 17:14 • x 3 #27


Hope2021
Aurora, ich habe auch schon mal die Diagnose Dysthymie erhalten...aber ...ich weiß es nicht...meine Therapeutinnen sagten alle, was hat die Diagnose schon für eine Bedeutung? Und es ist auch so .Wichtig sind die Symptome und Folgen und wie ich lerne damit umzugehen...streng genommen ist Depression eigentlich auch ein Symptom und keine Diagnose ( seit ich in der Traumatherapie bin, sehe ich es nämlich anders)

16.02.2022 19:44 • x 1 #28


Kate
Zitat von Hope2021:
streng genommen ist Depression eigentlich auch ein Symptom und keine Diagnose

Ich halte es wenn schon, dann für eine Begleiterkrankung. Aber ein Symptom? Symptom von was?

Zitat von Hope2021:
was hat die Diagnose schon für eine Bedeutung?

Mir zum Beispiel ist eine Diagnose wichtig. Ich kann mich belesen, darüber gibts Bücher, man findet eher Gleichgesinnte und ich habe was Greifbares. So habe ich die Gewissheit, dass ich mir das nicht einbilde, und ich weiß dadurch auch wo ich stehe und was möglich ist.

16.02.2022 20:07 • x 1 #29


A


Hallo aurora333,

x 4#15


Hope2021
Symptom zum Beispiel eines Entwicklungstraumas, wie bei mir! Aber in der Traumaheilung ist Deutschland noch nicht soweit...leider

16.02.2022 20:16 • x 1 #30

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