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Wenn Freunde sich abwenden

Hope2021
Bin heute wieder den ganzen Tag allein...aber oberflächliche Kontakte und Menschen ertrage ich nicht...deshalb dann lieber allein

18.12.2021 22:07 • x 1 #16


Anneklatsche
Ich hatte eine Freundin.. wir sind gemeinsam in den Urlaub gefahren, haben alle möglichen Dinge zusammen gemacht.. Sie war immer fröhlich, aufgeschlossen.. ich dachte, sie wäre eine sehr gute Freundin..
Bis sie sich aus einem Anlass in ihrem Leben selbst in die Klinik eingewiesen hatte, weil sie sich nach ihren eigenen Worten in einem Loch befinde und jedes Mal, wenn sie versuche, herauszukommen, sie wieder in dieses Loch gestoßen wird.. während sie in der Klinik war, hatte sie angefangen, sich selbst zu verletzen.. irgendwann wurde sie entlassen.. ich hatte das Gefühl, ihr ging es nach der Klinik schlechter als vorher.. Wir haben jeden Tag telefoniert.. bis zur Selbsteinweisung in die Klinik hatte sie mir nichts erzählt von ihren Sorgen und was mit ihr passiert war.. ich bin quasi aus allen Wolken gefallen..
Unsere Telefonate waren davon geprägt, dass sie mir erzählt hat, wie schlecht es ihr geht.. um mich ging es in diesen Telefonaten nicht, aber das war mir zu diesem Zeitpunkt egal, es ging um meine Freundin, sie brauchte mich.. Die Situation ging mehrere Monate so.. Irgendwann konnte ich nicht mehr.. nach jedem Telefonat oder Treffen ging es mir mehr und mehr schlechter..
irgendwann habe ich ihr das dann gesagt, dass wir vielleicht auch mal über andere Sachen sprechen sollten..
Leider hatte sie dann den Kontakt abgebrochen mit den Worten, dass ich sie nicht verstehen und nur an mich denken würde und nicht für sie da wäre.. ich war super enttäuscht von ihrer Reaktion..
Wir haben nie mehr miteinander gesprochen, sie hat mir nie mehr die Chance dazu gegeben.. das ist jetzt ungefähr 15 Jahre her.. bis heute mache ich mir Vorwürfe, dass ich nicht mehr gekämpft habe, den Kontakt zu halten..
Aber es ist wie es ist..
Deine Überschrift und deine Geschichte haben mich dazu animiert, auch mal die andere Sicht der Dinge mitzuteilen.. Es passt vielleicht nicht ganz zu deiner Geschichte und ist mit Sicherheit auch keine Antwort, aber es gibt auch andere Gründe, warum man sich vielleicht von jemandem abwendet, der Depressionen hat..
Jetzt bin ich selbst in der Situation, wo es mir schlecht geht, und weil ich weiß, wie belastend es damals für mich war, habe ich mir angewöhnt, genau auf die Mimik anderer Menschen zu achten, denen ich von meinem Leben und mir erzähle.. Ich kann verstehen, wenn sich jemand abwendet, auch wenn man schon jahrelang befreundet war..
ich denke, die Lösung wäre, wenn beide Seiten das entsprechende Mittelmaß finden, miteinander umzugehen, Verständnis füreinander zu haben.. Wenn das nicht gegeben ist, dann muss man einfach die Reißleine ziehen und die Freundschaft beenden..

18.12.2021 22:28 • x 8 #17


A


Hallo xxxxxxx,

Wenn Freunde sich abwenden

x 3#3


X
Lieben Dank an euch alle für eure Gedanken! Habt einen besinnlichen 4. Adventsonntag!

19.12.2021 08:53 • x 1 #18


F
Liebes Lischen, ich verstehe Dich. Mich hat die Depression zwei gute Freunde gekostet. So eine depressive Episode ist eine sehr, sehr einsame Kiste; ich dachte einsamer geht nicht, aber so ein Freundschaftsende setzt noch einen drauf... Es klingt vielleicht banal und absurd, aber ich versuche jetzt erstmal mir selbst eine gute Freundin zu sein.
Ich wünsche Dir einen angenehmen Wochenstart.

20.12.2021 00:12 • x 5 #19


Lilly-18
Ich bin schon öfter mit depressiven Menschen in meinem Freundeskreis konfrontiert worden. Am liebsten ist mir die Freundin, die sagt, sie ist grade in einer schlechten Phase und meldet sich wieder, wenn sie wieder Gesellschaft erträgt. Dann bin ich im Bilde und weiß, sie kommt wieder.
Selbst habe ich eine Freundin verloren, weil ich mich nicht genug um sie gekümmert habe, als es ihr schlecht ging, obwohl sie immer für mich da war. Das war ganz schlimm für mich, weil ich mich so hilflos fühlte. Ich konnte damals einfach nicht, doch das war ihr ganz egal. Ich habe seit 10 Jahren nichts mehr von ihr gehört und 2 weitere Freundinnen, die sich mit ihr solidarisiert haben, haben den Kontakt zu mir auf ein Minimum reduziert. Das hat mich so verletzt, dass ich nun den Kontakt auch zu diesen beiden abgebrochen habe.
Ich finde es schrecklich wenn hinter einer Freundschaft Zwang steckt. Wie oft ich anrufen muss, wie oft wir uns treffen müssen, aufrechnen, wer wieviel für den anderen tut.
Natürlich sind Menschen, die leiden, anstrengend. Wenn ich es kann, kümmere ich mich trotzdem. Wenn ich es nicht kann, aus welchen Gründen auch immer, dann muss ich das offen sagen dürfen.
Kontaktabbruch ist ganz schlechter Stil, reden wäre gut. Aber manche können und wollen das eben nicht. Dann gibt es leider keine andere Möglichkeit.
Trotzdem bin ich keine schlechte Freundin. Meine beste Freundin hat seit ein paar Jahren Lungenkrebs. Für sie bin ich uneingeschränkt Tag und Nacht da so wie sie es auch für mich wäre und war. Ich habe sie zum Arzt, zur Bestrahlung, in die Klinik gefahren, ich habe für sie und ihren Sohn gekocht und würde alles tun, was nötig ist um ihr zu helfen. Ich habe von ihr noch nie Vorwürfe bekommen, wenn ich mich mal eine zeit lang ausgeklinkt habe, was auch immer wieder mal vorkommt.
Geben und Nehmen ist schon wichtig, aber auch gegenseitiges Verständnis und ab und zu auch mal Geduld.

20.12.2021 13:04 • x 6 #20


Hope2021
Ja, ok Lilly...hab ich auch gerade mit meiner engsten Freundin ...ich bin so enttäuscht, dass sie mich in der Schlimmsten Not im Stich lässt. Die Freundschaft kündigen werde ich nicht. Eher sie. Aber warum kümmerst du dich so extrem um die krebskranke Freundin und bist immer für sie da und die Depressive lässt du im Stich?

20.12.2021 13:57 • #21


E
Als Depressiver hat man in schlimmen Phasen seinem Gegenüber wenig anzubieten. Um nicht zum Energievampier für andere zu mutieren ziehe ich mich in schlechten Phasen zurück. Ich weiß nicht ob es nicht zu viel verlangt ist von Freunden in dieser Situation Hilfe zu erwarten.

Ich bin auch schon extrem über meine Grenzen gegangen um in solchen Phasen zu helfen. Das mache ich nicht mehr, ich gebe nur noch das womit ich mich wohlfühle. Dann ärgere ich mich auch nicht mehr wenn umgekehrt wenig zurückkommt wenn es mir selbst schlecht geht.

20.12.2021 14:32 • x 2 #22


Laurien
@Anneklatsche

in einem anderen Forum schrieb ein Betroffener, dass auch wertvollste Verbindungen in einer depressiven Phase kaputt gehen würden, man würde sich alleine machen. Bei manchen scheint das wirklich zuzutreffen. Was meinen Ex angeht sehe ich es anders herum, dass er eher mich in Stich gelassen hat, indem er einfach von heute auf morgen wortlos aus der Beziehung gegangen ist und im Anschluss mit meinen Gefühlen für ihn, mein Verständnis für seine Situation und Eselsgeduld fast schon gespielt hat. Das war auch letzten Endes der Grund, weshalb ich ihm geschrieben habe, dass ich so nicht mehr will.

LG

20.12.2021 15:45 • x 2 #23


Lilly-18
@Hope2021 weil ich zu meiner krebskranken Freundin eine ganz besondere Freundschaft habe. Da hat Zwang und Druck nie eine Rolle gespielt. Wir haben noch nie was aufgerechnet.
Von der anderen Freundin habe ich mich total unter Druck gesetzt gefühlt. Außerdem hatte ich damals selbst erst eine Trennung hinter mir, 2 Kinder zu versorgen, 2 Jobs um über die Runden zu kommen und ich war frisch in meinen jetzigen Partner verliebt.
Alles ein bisschen viel. Ich war auch da für sie, hab stundenlang mit ihr telefoniert während ich für meine Kinder gekocht habe oder abends nach meinem 2. Job. Aber ich konnte eben nicht mal eben hinfahren. Ich konnte das einfach nicht.

20.12.2021 17:21 • x 2 #24


B
Mir ist es eher anders herum gegangen, ich konnte jemand bestimmtes nicht mehr ertragen während ich depressiv war. Das war eine Person die mir immer extrem viel von ihrer Psyche erzählt hat. Während der depressiven Episode merkte ich daß mir sowas einfach zuviel war, und ich machte innerlich total zu. Das ging wie automatisch, ich konnte es nicht ändern.

20.12.2021 20:06 • x 4 #25


E
Ja, ich finde es auch eher etwas egoistisch jemand anderen chronisch mit seinem seelischen Müll zuzuballern. Wo bleibt da der andere Mensch mit seinen Bedürfnissen?
Ich versuche in depressiven Phasen sowas zu vermeiden und erst wieder in Kontakt zu treten wenn ich den Anderen wieder mit seinen Bedürfnissen wahrnehme.
Anders ist es, wenn beide Probleme haben und vom Austausch profitieren

20.12.2021 20:23 • x 2 #26


X
@MarieLund Naja, es geht für mich nicht darum andere Menschen dauerhaft mit meinem seelischen Müll zuzuballern. Es geht darum, dass jemand da ist. Und das ist denke ich legitim. Das sind für mich durchaus zwei Paar Stiefel. Auch kann ich, so schlecht es mir auch gehen mag, anderen Menschen eigentlich immer zuhören. Mir tut das sogar voll gut, wenn ich weiß, ich konnte (trotz meiner Erkrankung!) einem anderen Menschen ein Stück weit helfen; manchmal zieht mich das gar aus dem Loch.

Fühlst du dich nicht schrecklich einsam in Phasen, in denen du dich von dir aus isolierst? Hast du dann denn wenigsten Familie/Partner um dich? (Das habe ich nicht; ich glaube deswegen bin ich auch besonders traurig, wenn Freunde sich abwenden.) Und dann ist eben jeder Mensch anders; der eine sucht verstärkt Bindung, der andere vielleicht mehr Autonomie? Also, ich kenne einen, der leidet (als Extremfall) da gar nicht drunter, der ist voll glücklich, wenn er nicht viel mit anderen Menschen zu tun haben muss.

20.12.2021 20:43 • x 2 #27


E
@Lieschen
Ich verste dich ja. Diese Haltung ist bei mir auch erst mit den Jahren gewachsen. Auch ich habe Leute überfordert und war dann sauer, dass sie sich abwenden.
Jetzt weiß ich, dass das legitim ist für sich zu sorgen indem man sich eine Weile zurückzieht.
Klar fühle ich mich einsam, wenn ich allein mit allem fertigwerden muss, ich weiß aber auch, dass es mir kein bisschen hilft überforderte Leute um mich zu haben.
Ich bin dabei auch immer von mir ausgegangen, habe selbst nie Grenzen gesetzt und war Tag und Nacht für andere da. Mittlerweile denke ich jedoch, dass auch ich das Recht habe für mich zu sorgen und meine Grenzen nicht zu überschreiten zumal ich dann immer grandios enttäuscht war wenn nicht das Gleiche zurückkam wenn es mir schlecht ging.

20.12.2021 20:52 • #28


F
Bei mir ist es so eine Mischung aus Rückzug bei gleichzeitiger Erwartungshaltung. Ich ziehe mich aus den von @MarieLund erwähnten Gründen und weil ich keine Kraft für nichts habe, zurück und gleichzeitig erwarte ich aber direkt oder unbewusst, dass Freunde da sind/bleiben... und empathisch, entgegenkommend und freundlich mit mir umgehen, gepaart mit meiner Empfindlichkeit, die in der depressiven Phase noch verstärkt ist, ist das schwierig - natürlich nicht nur für mich, sondern auch für andere. Andererseits, sind Freundschaften nur für Schönwetter bei 25Grad?! In der Reha bzw. bei Gleichgesinnten hatte und habe ich diesbezüglich keine Probleme, kann da auch offener über meine Gefühle schreiben oder sprechen, fühle mich auch verstandener was mich wiederum an meinen Freundschaften zweifeln lässt...

20.12.2021 21:07 • x 2 #29


A


Hallo xxxxxxx,

x 4#15


E
@Frau-Mia
Du hast den inneren Konflikt gut beschrieben. Aber vielleicht ist es ja wichtig zu unterscheiden, wer von einem solchen Austausch profitieren kann und wer eben nicht. Das macht Denjenigen, der das eben nicht will und kann nicht zum oberflächlicheren Menschen oder schlechteren Freund. Es ist einfach nur die andere Charakterstruktur, die es zu respektieren gilt.
Es ist immer problematisch Jemanden etwas aufzuzwingen was er nicht will.

20.12.2021 21:13 • x 1 #30

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