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Wer sollte Antidepressiva nehmen und wer nicht?

Letzte_Chancee
Ritalin ist grundsätzlich nicht als Antidepressivas gedacht aber es gibt Menschen die nehmen es. Ich nehme es, weil ich A.D.S habe und die Nebenwirkungen zerstören mich; Kein Hunger, kein schlaf, keine Energie beim Arbeiten .

04.02.2020 21:49 • x 1 #16


Irgendeine
Zitat von Resi:
Wenn ich sehe, was Ritalin mit meiner Nichte und meinem Neffen gemacht hat, bin ich entsetzt.

Zitat von Letzte_Chancee:
Ritalin ist grundsätzlich nicht als Antidepressivas gedacht aber es gibt Menschen die nehmen es. Ich nehme es, weil ich A.D.S habe und die Nebenwirkungen zerstören mich; Kein Hunger, kein schlaf, keine Energie beim Arbeiten


Ritalin/Medikinet (=Methylphenidat) hat mir zwar geholfen, aber nicht so gut, wie mein aktuelles, stärkeres ADHS-Medi (Elvanse).
Es verstärkt mein morgendliches Antidepressivum (Elontril).
Es sorgt dafür, dass ich überhaupt Energie habe und mich irgendwie konzentrieren kann. Wenn ich es mal nicht nehme, krieg ich gar nichts auf die Reihe.
Die Appetitlosigkeit ist allerdings wirklich manchmal ekn Problem, denn die spielt meiner Essstörung natürlich sehr in die Hände.

Ich denke generell, dass Medikamente sinnvoll sind, wenn der Leidensdruck hoch ist. Und der ist subjektiv. Die offizielle Schwere der Diagnose heißt auch nicht immer was.
Wenn ich mal wegen Depressionen krankgeschrieben bin, steht da meist mittelgradige depressive Episode, obwohl es mir hundeelend geht.
Bei mir ist die Depression allerdings auch eher eine Begleiterscheinung von ADHS und Borderline.

05.02.2020 01:05 • x 2 #17


A


Hallo Michael808,

Wer sollte Antidepressiva nehmen und wer nicht?

x 3#3


Letzte_Chancee
Ich nehme auch Elvans. Es wirkt wirklich gut bei mir aber die nebenwirkungen sind heftig. Ich esse den ganzen Tag nichts und habe keine kraft zum Arbeiten.

Ohne Elvanse kann ich nicht gut arbeiten und meine Berufsbildnerin und mein Job Coach jammern immer ich sei zu langsam. Mein Ziel ist es eine EBA Aussbildung als Zierpflanzen gärtnerin machen aber ich kann nicht weil ich zu langsam bin. Ich bin schon in einer Stiftung für Behinderte Menschen oder andere Beeinträchtigungen. Im Geschlossenen Arbeitsmarkt. Und nicht mal die sind zufrieden, obwohl ich mir jeden Tag müge gebe, um noch schneller zu werden.

05.02.2020 06:45 • #18


maya60
Ein Thema, zu dem ich seitenlang schreiben könnte. Da geht soviel schief.

Es ist solch ein Trauerspiel, wie wenig Ahnung selbst die, die Fachleute sein müssten, die Psychiater, von A.DHS bei Erwachsenen haben, mehr als 10 Jahre, nachdem es eine Diagnose in D wurde - und die Leidtragenden sind die PatientInnen. So ist A.DHS zum Beispiel angeboren und dass es bereits seit Kindheitszeiten da ist, ist ein wesentliches Diagnosekriterium. Je nach Stärke der Krankheit treten die Auffälligkeiten und Probleme zwar oft erst so richtig in der Kita oder in der Schule auf, aber wenn nicht, ist es auch kein A.DHS. Bis heute würde ich es nicht wagen, zu einem anderen als einem ausgewiesenen Experten für A.DHS bei Erwachsenen zu gehen.

Mit meinem Sohn damals ging ich in die Uniklinik.

Und da viele Psychiater keine Ahnung haben davon, verordnen sie auch unsicher und unpassend die Medikamente.

Dass sich Ärzte außerdem anscheinend auch mal gerne online informieren, habe ich gerade erst neulich gemerkt, als mir klar wurde, dass in einer online kursierenden Umrechentabelle eines einzigen Psychiaters dazu, welche Dosierungen verschiedener SSRI und SNRI sich entsprechen, ein Umrechenfehler drin war, der logisch schon nicht sein konnte, aber dazu führte, dass ich von PatientInnen hörte, die bei ihren Docs nur deshalb viel zu niedrig bei einem neuen Medikament einsteigen mussten, so dass sie erstmal voll in Absetzhorror vom alten Medi und gleichzeitig Unterdosierungshorror reinschlidderten.

Oder dass PatientInnen ein Medikament wechseln und ganz von vorne anfangen müssen, dabei haben sie mittelschwere Depressionen mindestens.

Das bedeutet, dass wir immer mitdenken müssen. Der nicht mitdenkende Patient geht gar nicht.

Auch wenn man seine depressiven Probleme dem Arzt nicht beschreibt, kommt oft Falsches raus, denn man sieht die depressiven Symptome nur bei richtig schwerster Depression den Menschen an. Ebenso wie A.D.S. Wenn allerdings Hyperaktivität dabei ist, müsste jeder mit etwas Erfahrung das sofort merken. Passiert aber nicht.

Ich habe gute Erfahrung mit meinen Fachärzten, aber sicherlich auch nur, weil ich detailliert schildere, wie es mir geht und weil ich mitdenke. Auch was die Unverträglichkeit mehrerer Medikamente, die man einnimmt, betrifft oder Allergien oder Unverträglichkeiten sollte zwar der Doc genau checken, tut aber nicht jeder.

Meine Hausärztin ist selten gut und gewissenhaft und weiß so gut über A.DHS und Depression bescheid, dass ich mich bei ihr auch sicher fühle, aber ansonsten ist der Hausarzt einfach nur die Erstanlaufstelle und niemals derjenige, der Experte für Antidepressiva ist.

Dann neigen einige Betroffene seltsamerweise auch dazu, ihre Beschwerden vor dem Doc herunterzuspielen. Warum, weiß ich nicht. Das kann auch zu falschen Dosierungen führen.

Und zuletzt stimmt es wohl auch, dass Psychiater die Neigung haben, Medikamente zu verschreiben und nicht zuerst an eine Psychotherapie zu denken. Das macht wohl der fachliche Tunnelblick.

So habe ich die Erfahrung gemacht, dass sowohl bei meinem Sohn als auch bei mir selber mein eigenes Mitdenken und meine Mündigkeit als PatientInnen die Hälfte des Erfolgs einer Behandlung ausmachen.
Bei meinem Sohn z.B. habe ich u.a. während unserer Klinikaufenthalte zum Eltern-Kind-Training in all seinen Besonderheiten alle Ärzte und Therapeuten immer während der Termine drüber informiert, was bei ihren Kollegen in den Sitzungen Wichtiges herausgefunden wurde, denn trotz täglicher gemeinsamer Sitzungen wurschtelte sonst jeder für sich herum und kam offenbar kaum ein Austausch vor. Wenn ich das aber alles erzählte, zogen alle an einem Strick.

Auch einen ausländischen Freund, der aber sehr gut Englisch spricht, werde ich demnächst zu seiner Psychiaterin begleiten, weil sie ganz offenbar seit 2 Jahren nicht weiß, dass er Blackouts hat, während denen er aber handelt und hinterher sich wo ganz anders wiederfindet und Dinge getan hat, die gar nicht zu ihm passen. Dass er keine Psychotherapie bisher macht, obwohl er ein Kriegstrauma hat und das bekannt ist und nicht nur Depressionen. Liegt das an meinem Freund? An der Doc? Ich kenne die Doch nur als sehr gut.

Also, die ganze Sache steht und fällt wirklich mit guter Kommunikation zwischen Arzt und Patient und leider auch, sich selber zu informieren über die eigene Krankheit, über die Wirkweise von Medikamenten, über die Nebenwirkungen, darüber, was es auch noch alternativ gibt bei schwachen Depressionen - das alles geht nicht in Schnelllösungen.

Liebe Grüße! maya

05.02.2020 06:58 • x 1 #19


Irgendeine
Ein großes Problem ist aber auch, dass Psychotherapien nicht so einfach verfügbar sind, Medkkamente dagegen schon. Ich schildere meiner Psychiaterin eigentlich immer ziemlich genau, was los ist, nur um dann zu hören zu bekommen, dass ich ja ständig was habe.

Ich bräuchte dringend einen Therapeuten, aber ich finde keinen bzw. habe nicht die Kraft, einen zu suchen. Dank der Medikamente bin ich überhaupt in der Lage, meinen Alltag halbwegs zu meistern.

Zitat von maya60:
Es ist solch ein Trauerspiel, wie wenig Ahnung selbst die, die Fachleute sein müssten, die Psychiater, von A.DHS bei Erwachsenen haben


Diese Erfahrung hab ich auch gemacht.

Zitat von maya60:
eines einzigen Psychiaters

Ich war in der Klinik und sogar auf der (geschlossenen) Station, auf der dieser Psychiater Oberarzt ist. Ich wurde dort nach einem Su*z*dversuch eingeliefert, u.a. weil der ambulante Psychiater mein Antidepressivum zu schnell hochdosiert hat (ein no-go bei bestehenden Su*z*dgedanken!) und man hat sich die erste Zeit geweigert, dieses Antidepressivum runterzudosieren bzw. zu wechseln. Erst nach mehrfachen Su*z*dversuchen auf Station wurde ich endlich ernst genommen, das aber auch hauptsächlich wegen der Pflege.

05.02.2020 08:54 • x 2 #20


A
Zitat von Michael808:
Welche Antidepressiva gelten denn als modern?


SSRI, das ist die letzte Generation von Antidepressiva. Verursachen die wenigsten Nebenwirkungen.

Ich gebe auch nochmal meinen Senf dazu, mir ging es wie @ohneFunktion
Und ich bereue es sehr, dass ich das Zeug nicht früher genommen hab, da ich so viele Jahre meines Lebens verloren habe.
Allerdings waren die Nebenwirkungen anfangs so schlimm, dass mich das abgeschreckt hätte, wenn es mir nicht so schlecht gegangen wäre. Gingen aber nach 2 Wochen weg.

Liebe Grüße

05.02.2020 09:28 • x 3 #21


Narem
Ich denke, es ist auch immer eine Abwägung von Pro und Contra. Wenn man sich ernsthaft mit Antidepressiva befasst, kommt man eigentlich immer zu der Erkenntnis, dass die Nebenwirkungen und das Abhängigkeitspotenzial zu hoch sind. Man sollte immer erst alles andere probieren, bevor man Medikamente nimmt. Es gibt für vieles auch natürlich Alternativen, z.B. bewirkt 5-HTP oder Tryptophan im Gehirn im Grunde das gleiche wie SSRI. Nur eben ohne Nebenwirkungen. Ich denke, dass Antidepressiva ganz oft viel zu schnell und leichtfertig verschrieben werden.

25.02.2020 12:18 • x 1 #22


S
Wer die Diagnose Depression erhalten hat, sollte auch ein Antidepressivum nehmen. Die klassische Therapie bei Depression besteht aus der medikamentösen Therapie mit Antidepressiva und Psychotherapie. Therapiebegleitend kann man aber auch einiges für sich selbst tun, wie z. B. meditieren, Entspannungsmethoden wie das Autogene Training erlernen und anwenden, den Alltag strukturieren, sich selbst Gutes tun oder auch parallel eine Behandlung mit alternativen Therapien ergänzen. Ich habe für mich gute Erfolge mit den Bach-Blüten gemacht, die ich mir nach dem Buch: Bach-Blüten für Einsteiger und Fortgeschrittene, Die 38 Bach-Blüten verstehen und anwenden, von B. Klar gemischt hatte.

Wer nur einmal eine Depression hat, kann meist danach ohne Antidepressivum gut leben, mit dem Hintergrund mehrerer Depressionen kann es aber auch sein, dass ein Medikament auf Dauer genommen werden muss. Und dagegen sollte man sich auch nicht sperren, denn schlimmstenfalls kann eine schwere Depression lebensbedrohlich werden aufgrund der damit verbundenen Suizidgefahr. Antidepressiva machen übrigens nicht abhängig und sind ein guter Schutz vor Kurzschlusshandlungen.

LG

25.02.2020 13:46 • x 2 #23


Narem
Wie bitte kommst du auf die Behauptung, dass Antidepressiva nicht abhängig machen und dass jeder mit Depressionen ein Antidepressivum nehmen sollte. Solche Behauptungen sind fahrlässig und unverantwortlich.

25.02.2020 15:03 • x 1 #24


Irgendeine
Zitat von Narem:
Abhängigkeitspotenzial zu hoch sind.

Antidepressiva machen NICHT abhängig. Wie oft denn noch.
Zitat von Narem:
Wie bitte kommst du auf die Behauptung, dass Antidepressiva nicht abhängig machen und dass jeder mit Depressionen ein Antidepressivum nehmen sollte. Solche Behauptungen sind fahrlässig und unverantwortlich.

Wie ich auf diese Behauptungen komme? Studien, sowie eigenes Fachwissen und Erfahrungen.
Nicht jeder Depressive braucht Antidepressiva, das ist richtig. Eine leichte depressive Episode ist auch ohne behandelbar. Ab einer mittelgradigen sind Antidepressiva indizidiert, gerade wenn sie rezidivierend bzw. chronisch sind.

25.02.2020 15:10 • x 2 #25


S
Puh, bitte mal tief durchatmen. Ich kann zumindest von meinem Kenntnisstand aus sagen, dass es so ist. Sollte ich mich da irren, täte es mir leid und es ganz sicher nicht meine Absicht, fahrlässige und unverantwortliche Antworten zu erteilen und weise solche Unterstellungen auch strikt zurück. Bisher fand ich den Ton hier freundlich und respektvoll, Unterstellungen zählen dazu jedoch nicht. Ich finde immer noch: der Ton macht die Musik.

25.02.2020 15:14 • x 2 #26


Narem
Kannst du bitte die Studien nennen, die besagen, dass Antidepressiva nicht abhängig machen? Die würde ich mir gerne näher im Detail angucken, z.B. wer sie finanziert hat und wie das getestet wurde.

Diese Info wird von Pharmaunternehmen gestreut, entspricht aber ja nicht der Wahrheit. Wie würde es sonst auch zu den typischen Entzugserscheinungen beim Absetzen kommen.

25.02.2020 15:19 • x 2 #27


Irgendeine
Kann ich dir raussuchen. Aber nicht heute, ich bin grad auf der Arbeit.
Hast du denn einen wissenschaftlichen Beweis, DASS sie abhängig machen?

So viel aber schon mal vorne weg: Von Medikamenten, die abhängig machen, braucht man in immer kürzeren Zeitabständen immer höhere Dosierungen. Das ist bei Antidepressiva nicht der Fall. Die einzigen Psychopharmaka, die definitiv bei regelmäßiger Einnahme abhängig machen, sind Benzos.

25.02.2020 15:25 • x 2 #28


Narem
https://www. depression-heute.de/antidepressiva-machen-abhaengig/ - hier sind einige Studien genannt. Ich kann gerne mehr raussuchen.

Man kann auch z.B. von Schlafmitteln abhängig sein ohne die Dosis ständig erhöhen zu müssen. Es gibt unterschiedliche Definitionen von Abhängigkeit. Und natürlich werden bei den meisten Patienten auch die Dosen erhöht. Oder das Medikament wird einfach gewechselt, wenn es nicht mehr wirkt.

25.02.2020 15:33 • x 2 #29


A


Hallo Michael808,

x 4#15


maya60
Mir ist bei diesem Thema immer wichtig, falls Hilfesuchende hier ins Forum hineinlesen oder gerade dazu kommen, dass es in einem Selbsthilfe-Forum niemals um fachärztliche Stellungsnahmen geht.
Unser Austausch hier unserer individuellen Erfahrungen und Einstellungen ersetzt also nicht die Notwendigkeit, wenn man Depressionen hat oder den Verdacht oder die Vermutung, zu einem Facharzt zu gehen, einem Psychiater.

Auch die Schilderungen hier unserer persönlichen Erfahrungen und Ansichten sind keine fachärztlichen Stellungnahmen zu der Frage dieses Themas.

In diesem Thema geht es um den Austausch und die Diskussion individueller Erfahrungen und Ansichten zum Thema. Es geht nicht um Allgemeingültiges.

Daraus folgt natürlich auch, dass hier niemand unter Rechtfertigungsdruck mit seiner Krankheitsgeschichte mit Antidepressiva sich fühlen sollte. Wir sind die Experten unserer individuellen Erfahrungen. Die Fachärzte und Psychotherapeuten sind die ExpertInnen für die Diagnosestellung und Behandlung.
Dabei kann die Arzt-Patienten-Chemie bzw. die Therapeutin-Patientinnen-Chemie gut oder weniger passend sein und die Suche nach dem besser Passenden etwas dauern, aber das ändert grundsätzlich nichts daran, wer die ExpertInnen sind.

Liebe Grüße! maya

25.02.2020 15:34 • x 3 #30

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