Ein Thema, zu dem ich seitenlang schreiben könnte. Da geht soviel schief.
Es ist solch ein Trauerspiel, wie wenig Ahnung selbst die, die Fachleute sein müssten, die Psychiater, von A.DHS bei Erwachsenen haben, mehr als 10 Jahre, nachdem es eine Diagnose in D wurde - und die Leidtragenden sind die PatientInnen. So ist A.DHS zum Beispiel angeboren und dass es bereits seit Kindheitszeiten da ist, ist ein wesentliches Diagnosekriterium. Je nach Stärke der Krankheit treten die Auffälligkeiten und Probleme zwar oft erst so richtig in der Kita oder in der Schule auf, aber wenn nicht, ist es auch kein A.DHS. Bis heute würde ich es nicht wagen, zu einem anderen als einem ausgewiesenen Experten für A.DHS bei Erwachsenen zu gehen.
Mit meinem Sohn damals ging ich in die Uniklinik.
Und da viele Psychiater keine Ahnung haben davon, verordnen sie auch unsicher und unpassend die Medikamente.
Dass sich Ärzte außerdem anscheinend auch mal gerne online informieren, habe ich gerade erst neulich gemerkt, als mir klar wurde, dass in einer online kursierenden Umrechentabelle eines einzigen Psychiaters dazu, welche Dosierungen verschiedener SSRI und SNRI sich entsprechen, ein Umrechenfehler drin war, der logisch schon nicht sein konnte, aber dazu führte, dass ich von PatientInnen hörte, die bei ihren Docs nur deshalb viel zu niedrig bei einem neuen Medikament einsteigen mussten, so dass sie erstmal voll in Absetzhorror vom alten Medi und gleichzeitig Unterdosierungshorror reinschlidderten.
Oder dass PatientInnen ein Medikament wechseln und ganz von vorne anfangen müssen, dabei haben sie mittelschwere Depressionen mindestens.
Das bedeutet, dass wir immer mitdenken müssen. Der nicht mitdenkende Patient geht gar nicht.
Auch wenn man seine depressiven Probleme dem Arzt nicht beschreibt, kommt oft Falsches raus, denn man sieht die depressiven Symptome nur bei richtig schwerster Depression den Menschen an. Ebenso wie A.D.S. Wenn allerdings Hyperaktivität dabei ist, müsste jeder mit etwas Erfahrung das sofort merken. Passiert aber nicht.
Ich habe gute Erfahrung mit meinen Fachärzten, aber sicherlich auch nur, weil ich detailliert schildere, wie es mir geht und weil ich mitdenke. Auch was die Unverträglichkeit mehrerer Medikamente, die man einnimmt, betrifft oder Allergien oder Unverträglichkeiten sollte zwar der Doc genau checken, tut aber nicht jeder.
Meine Hausärztin ist selten gut und gewissenhaft und weiß so gut über A.DHS und Depression bescheid, dass ich mich bei ihr auch sicher fühle, aber ansonsten ist der Hausarzt einfach nur die Erstanlaufstelle und niemals derjenige, der Experte für Antidepressiva ist.
Dann neigen einige Betroffene seltsamerweise auch dazu, ihre Beschwerden vor dem Doc herunterzuspielen. Warum, weiß ich nicht. Das kann auch zu falschen Dosierungen führen.
Und zuletzt stimmt es wohl auch, dass Psychiater die Neigung haben, Medikamente zu verschreiben und nicht zuerst an eine Psychotherapie zu denken. Das macht wohl der fachliche Tunnelblick.
So habe ich die Erfahrung gemacht, dass sowohl bei meinem Sohn als auch bei mir selber mein eigenes Mitdenken und meine Mündigkeit als PatientInnen die Hälfte des Erfolgs einer Behandlung ausmachen.
Bei meinem Sohn z.B. habe ich u.a. während unserer Klinikaufenthalte zum Eltern-Kind-Training in all seinen Besonderheiten alle Ärzte und Therapeuten immer während der Termine drüber informiert, was bei ihren Kollegen in den Sitzungen Wichtiges herausgefunden wurde, denn trotz täglicher gemeinsamer Sitzungen wurschtelte sonst jeder für sich herum und kam offenbar kaum ein Austausch vor. Wenn ich das aber alles erzählte, zogen alle an einem Strick.
Auch einen ausländischen Freund, der aber sehr gut Englisch spricht, werde ich demnächst zu seiner Psychiaterin begleiten, weil sie ganz offenbar seit 2 Jahren nicht weiß, dass er Blackouts hat, während denen er aber handelt und hinterher sich wo ganz anders wiederfindet und Dinge getan hat, die gar nicht zu ihm passen. Dass er keine Psychotherapie bisher macht, obwohl er ein Kriegstrauma hat und das bekannt ist und nicht nur Depressionen. Liegt das an meinem Freund? An der Doc? Ich kenne die Doch nur als sehr gut.
Also, die ganze Sache steht und fällt wirklich mit guter Kommunikation zwischen Arzt und Patient und leider auch, sich selber zu informieren über die eigene Krankheit, über die Wirkweise von Medikamenten, über die Nebenwirkungen, darüber, was es auch noch alternativ gibt bei schwachen Depressionen - das alles geht nicht in Schnelllösungen.
Liebe Grüße! maya
05.02.2020 06:58 •
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