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Wer sollte Antidepressiva nehmen und wer nicht?

Irgendeine
Zitat von maya60:
Mir ist bei diesem Thema immer wichtig, falls Hilfesuchende hier ins Forum hineinlesen oder gerade dazu kommen, dass es in einem Selbsthilfe-Forum niemals um fachärztliche Stellungsnahmen geht.

Gebe ich dir vollkommen recht.

25.02.2020 15:38 • x 1 #31


Narem
Selbstverständlich hat jeder Mensch das Recht für sich ein Antidepressivum zu wählen. Man sollte sich vor der Einnahme aber auch selbst kritisch informieren und nicht blind auf einen Arzt verlassen. Auch bei Ärzten gibt es starke Qualitätsunterschiede und nicht jeder ist gut informiert, hat Zeit für den Patienten, ist unabhängig, etc.

25.02.2020 15:41 • x 2 #32


A


Hallo Michael808,

Wer sollte Antidepressiva nehmen und wer nicht?

x 3#3


maya60
Zitat von Narem:
Selbstverständlich hat jeder Mensch das Recht für sich ein Antidepressivum zu wählen. Man sollte sich vor der Einnahme aber auch selbst kritisch informieren und nicht blind auf einen Arzt verlassen. Auch bei Ärzten gibt es starke Qualitätsunterschiede und nicht jeder ist gut informiert, hat Zeit für den Patienten, ist unabhängig, etc.


Das ist meiner Ansicht und Erfahrung nach eine glatte Überforderung, als fachfremder Mensch die Fachlichkeit eines mehr als 10 Jahre ausgebildeten (inklusive Studium, Praxisjahre und Facharztausbildung) Facharztes toppen zu können.

Natürlich braucht es den mitdenkenden Patienten und den mündigen Patienten, der seine Erfahrungen seinen Fachärzten und Therapeuten mitteilt, seine Unverträglichkeiten und seine schlechten Erfahrungen mit Nebenwirkungen u.a.

Selbsthilfeforen sind sehr wertvoll, weil sich schon zeigt, dass trotz aller Individualität gewisse Erfahrungen häufig vorkommen und man sich da gegenseitig helfen und stützen und auch mit Infos beitragen kann.

Es sollte aber nie soweit gehen, schwer leidenden Menschen zu suggerieren, sie seien in der Lage, Experten für Depressionen, Psychotherapien und Antidepressiva fachlich zu sein. Das ist Irreführung und verlängert Leiden. Denn spätestens ab einer mittelschweren Depression, so auch meine Erfahrung, geht es gar nicht ohne Antidepressiva, wenn es nicht unendlich weiteres Leiden sein soll.

Vieles ergibt sich mit der Zeit, rauszufinden, welche Ärzte mir mehr und welche weniger liegen, dasselbe gilt für Psychotherapeuten.

Liebe Grüße! maya

25.02.2020 15:51 • x 4 #33


Narem
Ja, wenn der Patient über die Risiken von Antidepressiva aufgeklärt wird, ist es ja gut. Ich weiß nur, dass es in der Praxis selten so läuft.

25.02.2020 15:54 • x 1 #34


maya60
Zitat von Narem:
Ja, wenn der Patient über die Risiken von Antidepressiva aufgeklärt wird, ist es ja gut. Ich weiß nur, dass es in der Praxis selten so läuft.


Soweit ich den Eindruck habe aus den Foren geht es vielen, die zum allerersten Mal ein Antidepressivum vom Facharzt (nicht vom Hausarzt, der ist nicht der Facharzt) verschrieben bekommen, dass sie am Anfang sehr zeitnah wiederkommen sollen bzw. anrufen sollen wegen spezieller möglicher Wirkungen in der Eingewöhnungszeit und auch, wenn danach Nebenwirkungen als schwer empfunden werden oder die Wirkung nicht gut genug ist uvm.
Es dauert schon eine Weile, bis ein Antidepressivum eingestellt ist im ständigen Austausch mit dem Facharzt.

Wir selber lesen natürlich auch den Beipackzettel und haben beim ersten Mal tausend Fragen dazu, die wir dem Arzt stellen und auch im Selbsthilfeforum, aber die Experten bleiben die ÄrztInnen.

Dazu kommt natürlich, dass eine Psychotherapie und eine Lebensanpassung an die Krankheit auch sehr wichtig und unverzichtbar sind. Aber das ist ja bekannt.

Liebe Grüße! maya

25.02.2020 16:12 • x 1 #35


Narem
Mir ging es jetzt generell darum, ob die Einnahme von Antidepressiva sinnvoll ist, nicht um die Einstellung oder einzelne Nebenwirkungen.

Ich möchte nur jedem Betroffenen raten, sich auch selbst unabhängig zu informieren. Antidepressiva können große Schäden im Gehirn verursachen und lösen NIEMALS die Ursache der Depression. Es geht immer nur darum, die Symptome im besten Fall zu überschatten.

Bei mir und auch bei anderen aus verschiedenen Kliniken war es eben so, dass die Medikamente gleich am 1. Tag des Kennenlernens verschrieben wurden, mit zu wenig und teilweise falscher Beratung.

25.02.2020 16:20 • x 2 #36


maya60
Zitat von Narem:
Mir ging es jetzt generell darum, ob die Einnahme von Antidepressiva sinnvoll ist, nicht um die Einstellung oder einzelne Nebenwirkungen.


Generell und zudem noch als Fachfremde ist diese Frage gar nicht fachlich korrekt von uns PatientInnen zu beantworten.


Ob die Einnahme von Antidepressiva sinnvoll ist oder nicht bei unerträglichem depressiven Leiden ist eine Frage, die nur Fachleute beantworten können. Die Fachleute für Depressionen sind PsychiaterInnen.
Wer weniger leidet, so dass eine Psychotherapie auch reicht, umso besser. Aber wer wegen unerträglichen depressiven Symptomen zum Facharzt geht, ist dort an der richtigen Adresse und an der einzigen richtigen, abgesehen vom Psychotherapeuten (und Hausarzt, um körperliche Erkrankungen auszuschließen bzw. weiterer Fachärzte usw.).

Es kann dauern, bis die richtigen Medikamente richtig eingestellt sind, ja. Das dauert auch, besonders, wenn es nicht nur um eine Erkrankung geht.

Aber eine Depression als schwere psychische Erkrankung und ihre Behandlung ist nichts, was wir als Fachfremde selber überschauen können.

Liebe Grüße! maya

25.02.2020 16:27 • x 2 #37


maya60
Zitat von Narem:
Ich möchte nur jedem Betroffenen raten, sich auch selbst unabhängig zu informieren. Antidepressiva können große Schäden im Gehirn verursachen und lösen NIEMALS die Ursache der Depression. Es geht immer nur darum, die Symptome im besten Fall zu überschatten.

Falsch! Wie ist es bei Störungen im Hirnstoffwechsel, einer häufigen körperlichen Ursache für Depressionen oder mit einer körperlichen, neurologischen Grunderkrankung wie Parkinson oder Demenz? Damit hatte ich als Ergotherapeutin häufiger zu tun.


Bei mir und auch bei anderen aus verschiedenen Kliniken war es eben so, dass die Medikamente gleich am 1. Tag des Kennenlernens verschrieben wurden, mit zu wenig und teilweise falscher Beratung.


Du musst solange mit deinen Fachärzten im Dialog bleiben, bis es passt. Es können auch Medikamentenwechsel oder andere Dosierungen besser passen, aber nicht, weil der Arzt schlecht ist, sondern weil es ein Prozess ist.
Und keine noch so gute medikamentöse Behandlung ersetzt lückenlos das Gesundsein. Die medikamentöse Behandlung von Depressionen ist kein einfacher AN/AUS-Schalter. Die gesamte Behandlung von Depressionen ist das nicht, es ist sehr komplex und es braucht Dialog; Mitarbeit und Zeit.

25.02.2020 16:44 • #38


A
Ich denke, oft ist es so, dass die Medikamente den Kranken erst in die Lage versetzen, seine Probleme anzugehen, Erlebtes zu verarbeiten, den Mut aufzubringen, das eigene Verhalten zu ändern, z. B. Im sozialen Kontakt, sich seinen Ängsten zu stellen, da dran zu bleiben, es immer wieder zu versuchen, bis man dann erste Erfolgserlebnisse hat. Diese Kraft, diesen Antrieb hat man meist in einer Depression nicht. Ich sehe es eher als eine Art Sprungbrett. Es ermöglicht mir, meine eigene Entwicklung zu einem normalen, gesunden Menschen (das ist zumindest mein Ziel) voranzutreiben. Ohne Medikamente wäre ich nie so weit gekommen wie ich bisher gekommen bin. Ich hatte auch früher schon Therapie, ohne Medikamente und hab gemerkt, dass die Psychotherapie mit medikamentöser Unterstützung einfach effektiver ist.
Wer es ohne schafft, umso besser! Aber man kann es keinesfalls verallgemeinern. Es kommt auf die Schwere der Erkrankung an aber auch auf viele andere Faktoren. Wie Maya und andere schon sagen, das kann ein Fachmann am besten beurteilen.

25.02.2020 17:05 • x 3 #39


Ilse77
Hallo, ich denke auch das ist sehr individuell und von uns selbst kaum zu beurteilen. Mein Bruder hatte vor einigen Jahren eine mittelgradige Episode und kam nur mit Psychotherapie klar. Ich habe niedrig dosiert ein angstlösendes Antidepressiva für ein halbes Jahr genommen, jetzt nur noch mikrodosiert ein anderes zum schlafen. Übrigens das erste damals vom Hausarzt, Psychiatertermin hätte ewig gedauert. Er hat bei mir einen guten Griff getan. Lg ilse77

25.02.2020 17:45 • x 4 #40


Narem
Ich kann nur raten, selbst mal einen Blick in die Studien zu Antidepressiva zu riskieren und sich auch zu informieren, welchen Einfluss die Pharmaindustrie (eine der mächtigsten der Welt mit Milliardenumsätzen) auf die Ausbildung von Ärzten hat. Auch positive Studien sind meist direkt von den Pharmaunternehmen finanziert.

Wer sich näher dafür interessiert kann ja mal z.B. nach den Autoren Peter Bregggin oder Robert Whitkaker suchen. Der Blog Mad in America wäre vielleicht ein Anfang.

25.02.2020 18:35 • x 2 #41


maya60
Hallo Narem, wenn ich voll ausgebildete Psychiaterin mit Berufserfahrung wäre, dann vielleicht könnte ich beurteilen, wieviel an deinen Literaturtips dran ist bzw. welche Eigeninteressen die haben.
Auf keinen Fall kann ich das beurteilen, wenn ich als Fachfremde zu einem Facharzt gehe und nicht mehr weiß, wie ich meinen Beruf, mein Familienleben, meine Ehe, meinen Alltag schaffen soll, weil ich so dermaßen depressiv bin, dass ich mich nur noch durch den Tag schleppe. Dann brauche ich Hilfe.
Hab´ich dann Kraft, Zeit, Hirn frei und Fachwissen, um das gesamte Ärztewesen zu durchleuchten und bei negativem Ergebnis dann auch noch eine wirksame Alternative außer den Fachärzten dazu, mein aktuelles Leben wegen Depressionen zu verlieren?

Nein.

Liebe Grüße! maya

25.02.2020 19:05 • x 3 #42


M
Zitat von maya60:
Ob die Einnahme von Antidepressiva sinnvoll ist oder nicht bei unerträglichem depressiven Leiden ist eine Frage, die nur Fachleute beantworten können. Die Fachleute für Depressionen sind PsychiaterInnen.

Also für mich selbst kann sie auch ohne Fachleute beantworten. Ich hatte nun 4 depressive Episoden. Die ersten 3 war ich schwer depressiv. Die 4., vor der ich fast 10 Jahren gesund war, war die mildeste - Soviel mal dazu. Ist zwar nicht wirklich Thema dieses Threads, aber aus meiner Sicht doch erwähnenswert, da Fachleute einem sagen, wenn man nichts unternimmt, wird jede weitere Episode schlimmer. Tja, hat bei mir definitiv nicht gestimmt. Zu den Antidepressiva: Ich habe die 3 schweren Episoden - jede einzelne - ohne Pharma durchgestanden. Und bei meiner 4., die wie erwähnt, viel milder war, habe ich den Fehler begangen, Mirtazapin rund 2 Monate einzunehmen. Damit wurde meine Depression stärker und ich bekam übelste Probleme mit dem gesamten Nervensystem (Reizüberflutung, Muskelschmerzen, leichte Erkältungssymptome, Sprachstörungen, Tinitus, mangelndes Gleichgewichtsgefühl, unsicherer Gang, Schlafstörungen u.v.m.). Der eine oder andere wird das alles nicht glauben, aber nachdem ich das Teufelszeug abgesetzt habe, verschwand auch die Depression wieder. Nur dieses Mal war damit eben nicht, wie sonst immer, alles wieder in Ordnung. Die Beschwerden durch Mirtazapin sind mir geblieben. Seit einigen Wochen ist es besser, aber ich bin noch nicht wieder der alte. Das halte ich für ganz schön viel in Kauf zu nehmendes, dafür, dass mir das Zeug überhaupt nicht geholfen hat - damit für mich keine weiteren Experimente. Deswegen werde ich nicht müde, vor dem Zeug zu warnen: Es kann einem für lange Zeit das Leben versauen.

Jeder der anderer Meinung ist, darf die hier natürlich auch kundtun. Aber dies war meine Erfahrung mit dem Zeug und für mich reicht einmal. Ich gebe Narem vollkommen recht: Man sollte sich - das betrifft auch andere Arzneimittel wie z.B. Fluorchinolone - stets selbst informieren und nicht alles den Fachleuten überlassen. Jeder Mensch ist anders und damit auch seine Depression. Man muss langfristig sein eigener Fachmann werden.

25.02.2020 19:10 • x 2 #43


M
Zitat von Narem:
Ich kann nur raten, selbst mal einen Blick in die Studien zu Antidepressiva zu riskieren und sich auch zu informieren, welchen Einfluss die Pharmaindustrie (eine der mächtigsten der Welt mit Milliardenumsätzen) auf die Ausbildung von Ärzten hat. Auch positive Studien sind meist direkt von den Pharmaunternehmen finanziert.

Wer sich näher dafür interessiert kann ja mal z.B. nach den Autoren Peter Bregggin oder Robert Whitkaker suchen. Der Blog Mad in America wäre vielleicht ein Anfang.

Unterschreibe ich alles voll und ganz! Die Psychiatrie ist der Medizin-Bereich, dem die stärksten Einflussnahmen durch die Pharmaindustrie nachgesagt werden (von Fachärzten selbst).

25.02.2020 19:14 • x 2 #44


A


Hallo Michael808,

x 4#15


djamila
Ja das ist ein sehr Komplexes Thema Egal um welche Fachrichtung es Überhaupt geht . Und Fachärzte sind auch nur
Menschen mit Stärken und Schwächen . Und zum Arzt muß man sich wirklich Berufen fühlen von ganzem Herzen . Und wenn Ärzte und Schwestern und Pfleger weiter so Unterbesetzt bleiben ist das eh ne Katastrophe. Grade in unserer Hektischen Zeit .
Als mein Paulchen das erste mal OP hatte wegen Sehnen Verlängerung mußte ich den Ärzten auch auch hinterher laufen . Um Ihnen Klar zu machen wenn Paolo Fieber bekommt stimmt etwas nicht . Schauen sie doch mal die OP Wunden an . Nein sie wollten Pflaster sparen . Sah ja noch gut aus . Und mein Paulchen stand Kurz vor der Blutvergiftung . Mußte 2 Wochen länger im Krankenhaus bleiben als nötig . Ich weiß nicht sowas stärkt nicht grade mein Vertrauen . Zu Ärzten das ist nur eine Geschichte . Alles Moderner Besser aber das Personal fehlt Trotzdem . Die Prozentual geringste Zahl an Patienten fühlt sich wirklich vertrauensvoll aufgehoben denke ich Persönlich .
Deshalb kann man nur jedem Raten sich selbst auch gut zu Beobachten . Was brauch mein Körper mein Geist und meine Seele . Denn Ärzte Können auch nur Angebote machen .

Wünsche Euch viel Kraft für Eure Gesundheit .
Liebe Grüße
Djamila

25.02.2020 19:24 • #45

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