Zitat von NicoIsHere98: Ich kann keine Leute ansprechen, wenn ich nach dem Weg fragen muss bekomme ich ja schon fast Panikattacken, etwas übertrieben ausgedrückt, haha. (Weiß auch nie, worüber ich reden soll. Selbst, wenn ich mir vorher Pläne mache und mir Themen ausdenke, über die man reden könnte, vergesse ich die wieder. Mein Kopf ist ganz leer dann)
Ich warte also wirklich lieber ab.
Hey du !
Das kenne ich wirklich auch zu gut. Ich hab aber gelernt, das kann man üben. Dadurch, dass ich dem Menschen nicht vertraute, wollte ich nicht mit ihnen reden. Dazu kam dann dieses Starren oder auch, dass sie sich etwas zuflüsterten und mich dabei ansahen. Das überbringt einfach kein gutes Gefühl. Ich bin eine stille und verschlossene Person und mache die Dinge mit mir selbst aus. Freunde habe ich nicht viele, mir fällt es auch überhaupt nicht leicht, neue zu finden. Genau wie du hab ich schiss Gespräche anzufangen, über was denn auch? Mein Leben ist nicht sonderlich interessant. Ich kann vom Scheitern erzählen, aber möchte mein Gegenüber solch eine Freundin?
Ich hab einmal einer älteren Dame in der Bäckerei, die mir Brot verkaufte einen schönen Tag gewünscht. Da erhielt ich ein Lächeln zurück und sie wünschte mir das Gleiche. Obwohl man ja eigentlich davon ausgeht, dass Menschen freundlich antworten oder nett sind, war das bei mir nie der Fall. Ich war total überrascht und konnte das erstmal überhaupt nicht einordnen. Ich war unsicher und verstand mein Gefühl dazu nicht.
Ich hab diese eine Minute in meinem Leben immer und immer wieder zergrübelt. Ob es ein echt gemeinter Wunsch war, ob das Lächeln wirklich höflich gemeint war, oder ob hinter der Fassade doch irgendwo der Teufel steckt und alles nur gespielt ist. Im Endeffekt weißt du das nie. Ich hab angefangen diese Dame zu mögen, bzw. ich mochte ihr Lächeln. Ich bin einmal in der Woche in die Bäckerei gegangen und um es mal blöd auszudrücken, hab ich mir da immer eine Ladung kleines Glücksgefühl abgeholt. Es gab keinen Tag, an dem sie mich nicht angelächelt hat.
Ich sag immer, dass das irgendwie wie ein Durchbruch für mich war, so lapidar es auch klingen mag.
Ich glaube daran, dass wir eine gute Erfahrung brauchen, damit wir etwas anpacken, damit wie weitermachen, damit wir in schlechten Zeiten etwas haben, was uns daran erinnert und vom Aufhören abhält.
Zitat von NicoIsHere98: Aber weißt du, was meine Hoffnungslosigkeit noch etwas verstärkt? Dieses Wissen, dass man niemals wirklich geheilt ist. Das man immer, egal wie viel man an sich arbeitet und wie viele Therapeuten man aufsucht, immer Tage hat, wo man wieder in alte Muster zurückfällt und wo alles trotzdem wieder hochkommt.
Hört sich jetzt was doof an, wenn ich es so sage. Aber ich denke mal, dass manche den Gedanken kennen: Manchmal denke ich einfach, ich sei nicht fürs Leben gemacht.
Keine Ahnung. Klingt hart, aber richtige Lebensfreude ist und war bisher immer eine große Fehlanzeige. Bisher ist es nur eine innere Last gewesen, mit der man irgendwie fertig werden musste.
Natürlich wird es immer und immer wieder Tage geben, an denen du dich mies fühlst und alte Muster hochkommen.
Ich war in der Therapie irgendwann an einem Punkt, an dem ich mir sagte - es wird vielleicht nicht besser, aber es wird anders. Und dieses anders hast du selbst in der Hand. Mit den richtigen Therapeuten an deiner Seite - ob 1 oder 2x in der Woche oder teilstationär oder vollstationär - kannst du alte Muster so biegen, dass du sie verändern kannst. Und wenn du dran bleibst und es übst, dann fällt es dir irgendwann nicht mehr schwer, weil es sich in deinen Alltag mit überträgt.
Das klingt vielleicht verrückt, aber das ist wirklich so. Man muss es - wenn man eine Änderung wünscht - einfach anpacken. Egal wie schwer ist werden wird, egal wie oft es dich zurückwerfen wird - wenn du es willst, dann kannst du etwas verändern.