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Zuversicht Langsam kam der graue Schleier wieder

Marylu
Ja, Jedi, das kann ich mir vorstellen, wenn man oft bei dem ist, was man gerade tut und nicht mit seinen Gedanken im Vorher oder Nachher, ist man mehr bei sich und spürt sich mit seinen Bedürfnissen auch mehr, als ständig darüber hinweg zu gehen.
Ich versuche auch geführte Meditationen zu machen, manchmal kann ich herrlich entspannen, manchmal nicht.
Ich kann gar nicht genau sagen, wie lange die Erholung gedauert hat. Während der ersten und zweiten war ich jeweils ein 3/4 Jahr krank geschrieben, so richtig gesund war ich danach aber noch nicht. Die dritte war Recht kurz und jetzt geht es schon seit zwei Jahren hoch und runter, aber nicht so schlimm und teilweise mit langen Abständen. Manchmal habe ich schon gedacht, ob es wohl jemals komplett vorbei ist?
Ich nehme Escitalopram und Quetiapin, mein Arzt sagt, es wäre Dauermedikation. LG.

16.11.2022 18:29 • #31


Jedi
Zitat von Marylu:
Ich nehme Escitalopram und Quetiapin, mein Arzt sagt, es wäre Dauermedikation.

Das stimmt u. Dein Arzt hat da recht !
Doch heißt es auch, dass es durchaus möglichh werden kann, irgendwann auch die Medis ausschleichhen
zu können - dies wäre aber immer zuerst mit dem behandelnden Arzt zu besprechen.
---------------
Zitat von Marylu:
Ich versuche auch geführte Meditationen zu machen,

Das probiere einfach auch gerne weiter.
Mein Ansatz mit de Achtsamkeit ist weniger die Meditation, sondern die Achtsamkeit ins unseren Alltag
mit hineinzubringen. Das fängt ganz profan am Morgen beim Aufstehen an, in dem man für einen Moment
man sich auf seinen Kopf,Nacken, Arme Beine u. Füße konzentriert.
Später in der Dusche (habe mir einen rauheren Waschhabdschuh gekauft), um bewusst die Berührungen
spüren zu können. Alles das ist schon Achtsamkeit - u. noch ein einfaches Beispiel, wenn die Gedankenschleifen
mal wieder zu Übermächtig waren, bin ich raus u. habe rote Autos gezählt u- das ist eben auch Achtsamkeit.
Du siehst, es ist kein HokusPokus, sondern lässt sich gut im Alltag integrieren, ohne großen Zeitaufwand.
Das ist für viele sehr wichtig u. besonders die einen langen Arbeitstag haben.

16.11.2022 18:56 • x 1 #32


A


Hallo HopeDiesLast,

Zuversicht Langsam kam der graue Schleier wieder

x 3#3


Marylu
Es gibt ein Lied von Gerhard Schöne, in dem es genau darum geht:Wenn ich aufsteh, steh ich auf...

16.11.2022 19:20 • x 1 #33


H
Hallo @Marylu und @Jedi , danke für eure antworten.

Das mit der alltäglichen Achtsamkeit ist tatsächlich auch so ein Thema bei mir. Ich erwische mich oft, dass Essen eigentlich mehr „Nahrungsaufnahme“ ist bei mir, als dass ich mal drüber nachdenke was schmecke ich eigentlich, ist es heiß oder kalt, scharf oder süß. Aber ich versuche es bei alltäglichen Dingen zu integrieren. Wie ihr beide schon gesagt habt, ist es so verdammt schwer, weil einen die Grübelgedanken in solch „ruhigen“ Momenten einholen. Bei mir ist das häufig „Wird diese Schwere bzw. Episode je wieder weggehen?“, „Schaffe ich meine Arbeit?“

Auf diese Fragen gibt es in dem Moment aber keine Antworten. Ich weiß nur, dass es schon 3mal besser geworden ist und dass ich meine Arbeit gut mache. Nur leider fehlt mir auch der Antrieb und die Lust Sport zu machen, Dinge zu unternehmen etc. Und ich vermisse das so, einfach unbeschwert mal mit Freunden was zu unternehmen, ohne die Schwere dabei zu haben.

Ein 3/4 Jahr ist eine lange Zeit. Was hast du in der Zeit getan als es dir richtig schlecht ging, Ablenkung? Entschuldige die vielen Fragen! Mein Problem ist, dass ich bei der letzten Episode komplett die Struktur verloren habe, als ich mich krankschreiben hab lassen. Meine Therapeutin hat zu mir gesagt, solang ich arbeiten kann, sollte ich es auch tun. Zwar mit angezogener Handbremse. Was geht, geht und was geht nicht. Wenn’s mal einen Tag zu viel ist, soll ich pausieren. Hast du dann noch das Gefühl, dass dir die Medis helfen @Marylu, wenn es bei dir auf und ab geht?

@Jedi sind die Handlungen bzgl. Achtsamkeit mittlerweile Routine, machst du das spüren des Körpers jeden Morgen?

17.11.2022 14:53 • #34


Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
sind die Handlungen bzgl. Achtsamkeit mittlerweile Routine,

Ja, absolut !
Sonst funktioniert Achtsamkeit auch nicht.
Dies Einüben muss dazugehören, so wie wir morgens duschen u. die Zähne putzen !

17.11.2022 15:56 • #35


Jedi
Zitat von Marylu:
Wenn ich aufsteh, steh ich auf...

17.11.2022 16:04 • x 1 #36


Marylu
In den ganz schlechten Phasen war ich auch nicht mehr zu viel in der Lage. War dann in der Reha/Klinik
Ich denke schon, dass die Medikamente helfen, denn ganz schlecht ist es mir seit dem nicht mehr gegangen.

17.11.2022 16:11 • #37


H
Ok, spannend auf alle Fälle! Aktuell möchte ich wieder Sport in meinen Alltag integrieren. Wenn’s mir gut geht, mach ich normalerweise 2-3x die Woche Sport. Und in der Episode, bricht das ein

Aber ich werde auch versuchen, mehr Achtsamkeit in meinen Alltag zu integrieren.

Ok, ja bei der letzten Phase war ich auch in einer Klinik. Hilft dir das dort weiter?

17.11.2022 16:20 • x 1 #38


F
Guten Abend HopeDiesLast et al.,

vielen Dank für deinen Thread und den damit verbundenen Mut darüber zu sprechen.
Ich lese schon etwas länger mit und hab mich jetzt mal aufgerafft mich anzumelden und meine Geschichte runter zu schreiben.
Tatsächlich hat mich dein erster Beitrag gepackt, weil wir ungefähr gleich alt sind, ähnliche Hobbys und die gleiche Krankheit teilen.

Ich bin männlich, 28 Jahre alt, arbeite eigentlich Vollzeit im Büro. Seit 3 Jahren leide ich an Depressionen, aktuell die 3. Phase. Ich spiele Eishockey, treffe eig. gerne meine Freunde, habe einen tollen Hund der mich vor die Tür bringt und mir bedingungslose Liebe schenkt. Ich liebe die Berge und damit auch das Skifahren und Wandern. Außerdem koche und grille ich gerne, trinke gerne Kaffee - ich bin ein Genussmensch. Eine wunderbare Freundin ist an meiner Seite, wir wohnen zusammen in einer Eigentumswohnung und sie hat für mich und meine Krankheit Verständnis, wofür ich so dankbar bin. Zu meinen Eltern pflege ich ein gutes Verhältnis.

Klingt für mich nach einem tollen Leben, wenn da nicht zum Herbst hin die Depression an der Tür klopfen würde - und ich öffne ihr.

Es begann vor 3 Jahren mit den Corona-Einschränkungen. Mein Leben habe ich immer gelebt, war viel unterwegs, hatte meinen Sport, tolle Freunde, schöne Urlaube, einen guten Arbeitgeber. Von heute auf morgen ging es ins Homeoffice, anfangs cool, ich konnte nebenbei einiges privates machen. Doch irgendwie hat sich privates und berufliches sehr vermischt, mein Leben spielte sich hauptsächlich in einem Raum ab, arbeiten, essen, entspannen. Dann der Lockdown, der private Ausgleich ist weggebrochen und ich kam außer zum Einkaufen kaum noch vor die Tür (da hatte ich noch keinen Hund). Damit kam meine erste Depression, ich bin dann ziemlich schnell zu einer privaten Praxis für Psychotherapie - diese hat meine geschilderten Probleme nicht als Depression bezeichnet, mich aber trotzdem für einiges an Geld behandelt. Irgendwo war ich froh, Hilfe zu haben, aber im Rückblick hat diese Therapie mich nicht weiter gebracht. Eigentlich hat sie mich nur zur Arbeit motiviert und mir eingeredet, dass es irgendwo in meiner Vergangenheit ein Problem gab. Über den Sommer danach war ich wieder gut drauf und hatte Lebenslust. Währenddessen kam ich bei der Therapie in eine Gruppe, die mich sehr runtergezogen hat. Kommen war Pflicht, Urlaub nur in den Praxisferien - wenn man mal fehlte, wurde das von der Therapeutin in der Gruppe vorwurfsvoll angesprochen.

Zum Herbst hin dann meine 2. Depression, Suizidgedanken, keine Freude an nichts, keine Gefühle, Konzentrationsprobleme auf Arbeit, kam morgens nicht aus dem Bett, viele Grübelgedanken, normale Alltagsdinge wie Haushalt, Briefe etc. wurden auf einmal unmöglich. Soziale Kontakte die ich eigentlich gerne habe, waren für mich plötzlich eine Qual. Glücklicherweise hat mein Hausarzt mich schnell zu einem Psychiater:in geschickt. Hier nun die offizielle Diagnose Depression. Beängstigend, aber meine Probleme hatten endlich einen Namen. Ich habe dann 4 verschiedene Therapeut:innen ausprobiert, es hat viel Kraft und Zeit gekostet, aber ich wollte diesmal wirklich, dass ich in gute Hände komme. Ich war 3 Monate arbeitsunfähig, mit Medikamenten (Sertralin und Promethazin) und letztendlich einer toller Therapeutin, war ich Anfang 2022 wieder arbeitsfähig und der alte, sprich wieder Spaß am Leben.
Es lief alles wunderbar, wie vorher. Neben dem Bürojob habe ich sogar noch nebenbei ein bisschen als Ausgleich als Barista gearbeitet, weil ich Spaß dran hatte und es ein guter Ausgleich zur Computerarbeit war. Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich überlastet oder unglücklich gefühlt. Die Medikamente habe ich nach Absprache ausschleichen lassen und die Therapie nicht mehr notwendig.

Jetzt kam im August/September wieder schleichend die 3. depressive Phase. Gleiche Symptome wie in der zweiten. Glücklicherweise hatte ich nun jetzt schon Ansprechpartner (Psychiater:in Therapeut:in) bei denen ich schnell in Behandlung kam. Trotzdem auch für mich ein völliger Rückschlag, ich dachte, ich habe es im Griff... Ich nehme nun wieder Medikamente und bin jede Woche bei der Gesprächstherapie. Es geht langsam Berg auf, aber gut würde ich meinen Zustand nicht nennen. Ich bin jetzt auch schon seit 7 Wochen krank geschrieben.
Mir tut es tatsächlich gut, wenn die Arbeit in der Phase wegfällt. Durch die Konzentrationsschwierigkeiten mache ich mir auf der Arbeit totalen Druck, ich funktioniere nicht mehr wie gewohnt und das belastet mich total. Auch im Privaten funktioniere ich nicht mehr. Durch die Arbeitsunfähigkeit fällt damit wenigstens etwas Druck weg. Mein AG ist zum Glück sehr nachsichtig. Trotzdem mache ich mir auch viele Gedanken über die Zukunft, es macht mir Angst, immer wieder Phasen zu haben, in denen ich nicht mehr Leistungsfähig bin, nicht mehr der zu sein, der ich gerne bin. Ich lasse mein Team auch nur schwer im Stich, irgendwann akzeptiere ich die Situation und sage mir, dass ich am Ende nur für mich Verantwortlich bin und erstmal wieder Gesund werden sollte. Aber ich habe auch die Angst, dass es nicht mehr aufhört und dass alles in sich zusammenfällt (Arbeit, Beziehung, Freunde etc.).

Mir hilft mein Sport, auch wenn ich keine Lust habe, geht es mir danach besser. Die Therapie hilft mir auch. Sonst gehe ich viel raus, das tut mir gut. Ich kann mir aktuell wieder sagen, dass es mit der Zeit auch wieder gut wird und ich mein Leben wieder genießen kann. Ich höre viele Podcasts über psychische Gesundheit, gehe zu einer Gesprächsgruppe, lese sehr viel und versuche eigentlich so wenig Zeit wie möglich am Bildschirm zu verbringen. Erfahrungsberichte helfen mir irgendwie, zu wissen, dass man damit nicht alleine ist. Thorsten Sträters und Kurt Krömers Bücher haben mir zum Beispiel sehr gefallen - es kann wirklich jeden treffen. Selber gehe ich mittlerweile sehr offen mit der Erkrankung um, ich habe einfach keine Kraft, die Fassade aufrecht zu erhalten, es wäre alles gut...

Oh man, sorry für den langen Beitrag - wo fang ich an und wo höre ich auf? Ich höre jetzt einfach auf und mehr ergibt sich bestimmt durch Fragen bzw. Rückmeldungen.

Viele Grüße, passt auf euch auf!

17.11.2022 23:57 • x 1 #39


A
@FckDepression

Guten Morgen, FckDepression.

Also, Hut ab, was du tust und wie weit du schon mit der Erkrankung gut umgehen kannst.
Das fällt dir jetzt schwer zu glauben, was ich hier schreibe, doch so sehe ich das.
Ich habe seit 22 Jahren D.
Immer mal wieder, weil es eine rezidivierende ist.
Also 2-3 Phasen im Jahr.
Stehts mit Pseudo-Demenz, die sich stark auswirkt und mich kaum mehr lebensfähig sein läßt.
Die letzte war eine sehr stark und dauerte 9 Monate.
Meine damit verbundenen Beeinträchtigungen sind hauptsächlich Kopflastig.
Ich kann keinerlei Info abspeichern, dann, nicht lesen, telefonieren, kaum sprechen.
Ich finde du kannst dich sehr gut beschreiben und bist gut in deiner Reflektion.
Du hast erfahren, daß die Depression wieder verschwindet.
Genau das wird auch diesmal bei dir so sein.
Offen mit der Krankheit umzugehen ist eine gute Gabe und nimmt viel Druck raus.
Deine Beeinträchtigungen, die du in deiner Phase hast, sind bekannte Faktoren und bei vielen auch in unterschiedlicher
Intensität vorhanden.
Doch das stehts zu erkennen und auszuhalten ist sehr schwierig.
Ist deine Phase wieder zu Ende kannst du vieles wieder tun.
Richte darauf deinen Fokus.
Ich wünsche dir alles Gute.

18.11.2022 07:21 • x 3 #40


F
@anir

Guten Morgen anir,

vielen Dank für deine Antwort und das Lob.
Bei mir ist es auch eine rezidivierende, allerdings nur einmal im Jahr zum Winter hin.

Seit 22 Jahren und 2-3 Phasen jährlich stelle ich mir echt hart vor. Respekt, dass du immer weiter kämpfst und nicht aufgibst.
Auch die Symptome klingen garnicht schön und sehr intensiv, das macht die Ablenkung schwer und ich glaube, so wird das ganze eine wahnsinns Hürde.

Bei mir ist am Anfang immer ein totaler Rückzug aus allem. Das macht mir sehr zu schaffen, das Gefühl, nicht mehr zu funktionieren in dieser Leistungsgesellschaft. Dann versinke ich meistens zu Hause im Bett oder auf der Couch, merke aber, dass die Grübeleien schlimmer werden. In dieser Phase kann ich mich nicht zum lesen oder ähnliches bringen, weil ich dafür keinen Kopf habe. Auch gestatte ich mir die Ruhe nicht und mache mir Vorwürfe, dass ich mich so gehen lasse - obwohl mein Verstand und Körper nach Ruhe schreien. Ich versuche dann, raus zu gehen und laufe sehr lange mit Musik in den Ohren durch die Gegend - setze mich ab und zu in die Sonne, das tut mir ganz gut.
Irgendwann kommt dann die Phase, in der ich die D. annehme und auch mal ein Nickerchen mache, mir Ruhe genehmige weil sie mir dann doch sehr gut tut. Oft denke ich, was ich falsch mache, bzw. was ich anders machen sollte um a) den Einbruch einer Phase zu verhindern und b) da besser/schneller wieder raus zu kommen.
In dieser Phase befinde ich mich gerade, aber ich versuche mir zu sagen, dass es einfach die Zeit ist und ich alles versuche, aber die Zeit kann ich nicht beeinflussen... Das ist glaube ich das harte, dass die Erkrankung so individuell ist, zeitlich nicht eingrenzbar. Wie du sagst, das Aushalten ist schwierig, aber nötig.

Geht es dir denn aktuell besser?

Ich wünsche dir auch alles Gute!

18.11.2022 11:59 • x 1 #41


H
Guten Morgen @FckDepression ,

schön zu hören, dass du mitgelesen hast und dich aufgrund dessen auch angemeldet und geschrieben hast! Danke dafür!

Und vielen Dank für deinen langen und ausführlichen Text. Bitte entschuldige dich nicht dafür. Ich finde es toll, dass du über alles direkt so offen schreibst und deine Geschichte mit mir/uns teilst! Dazu gehört auch erstmal einiges an Mut!

Deine Geschichte hört sich tatsächlich sehr ähnlich zu meiner an. Auch die äußeren Gegebenheiten wie Familie, Freundin, Hund, Hobbies,
Homeoffice durch Corona. Das war alles bei mir genauso. Ich habe damals einen neuen Job angefangen und musste direkt komplett ins Homeoffice und fand es irgendwann doch auch erstmal cool. Bis die 3. Episode kam.

Schade, dass deine erste Erfahrung mit einem Therapeuten negativ war. Ich kenne das, als ich während meiner zweiten Phase aus der Klinik kam und einen Termin bei meinem alten Therapeuten hatte, war er ohne abzusagen nicht verfügbar. Das Ganze hat dann eine Woche gedauert, bis ich nach ein paar anrufen und Nachrichten eine Antwort bekam: Suchen Sie sich bitte einen neuen Therapeuten, wir haben schon alles getan. Ich hatte bei dem besagten Therapeuten vielleicht 15 Std Verhaltenstherapie. Naja, sei’s drum. Seit dem hab ich eine tolle Therapeutin und sowohl Einzel, sowie Gruppentherapie, die mir sehr gut tut.

Zu deiner 2. Episode: Das, was du beschreibst, war 1:1 in meiner dritten Episode so. Dazu eine Frage: Hast du irgendeine leise Ahnung, warum es bei dir wieder losgegangen ist? Zum Hintergrund der Frage: Ich war nach der letzten Frage so froh, dass es mir wieder gut ging, sodass ich mich vielleicht übernommen habe. Das kommt mir so bekannt vor, weil du zusätzlich noch als Barista gearbeitet haste

Es tut mir leid, dass du wieder in eine Episode gekommen bist Wie würdest du deinen aktuellen Zustand beschreiben und was sind so deine Symptome aktuelle, wenn ich fragen darf? Ja, diese Angst, dass alles zusammenbricht und dass es nicht besser wird, kenne ich zu gut. Ich hab mein Leben vor dieser Episode mühevoll aufgebaut nach der letzten und war glücklich.

Das Buch von Kurt Krömer habe ich übrigens auch angefangen zu lesen! Liest du generell gerne und kannst du dich im aktuellen Stadium konzentrieren? Draußen bin ich auch viel durch meinen Hund. Ohne ihn würde ich vermutlich drinnen versumpfen so wie du es beschrieben hast.

Was mich noch interessiert: Wie geht deine Freundin damit um, du bist ja sicherlich auch anders als bevor es dir schlecht ging und viele Dinge gehen halt momentan auch nicht oder?

Ich freue mich auf deine Antwort.

18.11.2022 13:26 • x 1 #42


F
Hi @HopeDiesLast,

danke dir!

Homeoffice war irgendwie Fluch und Segen zugleich... Vor allem wenn dann die depressive Phase sich anbahnt, hat man ja morgens keinen Druck und kann sich quasi vom Bett an den Laptop setzen. Ich habe teilweise erst Mittags Zähne geputzt, keine richtigen Pausen gemacht etc. - das ist auf keinen Fall gut gewesen für mich. Zuletzt war ich im Hybridmodus unterwegs, 2-3 Tage im Office und die anderen Tage von Zuhause, das tat auf jeden Fall gut. Nur durch Konzentrationsprobleme habe ich mich im lauten offenen Büro noch mehr überfordert gefühlt, was meinen Zustand verschlechterte. Ich habe dieses mal auch zu lange mit der Arbeitsunfähigkeit gewartet, irgendwann kamen wieder körperliche Symptome wie Brechreiz und Migräne hinzu, worauf ich mir dann die krankschreibung erlaubte...

Oje, auch nicht schön, sowas von seinem Therapeuten zu hören... Aber wunderbar, dass du jetzt auch eine gute Therapeutin hast.
Was ich noch kurz los werden will: Diese private Therapeutin hatte nur ein Studium in Psychologie, hauptberuflich war sie Leiterin bei einer Krankenversicherung. Sie hatte also keine therapeutische Ausbildung, welche zum Beispiel die kassenärztlichen Therapeuten haben müssen. Der Begriff Psychotherapeut ist geschützt, darf nur getragen werden, wenn man diese Zusatzausbildung hat. Diese Dame hatte den Begriff nicht erwähnt, sondern sie hatte eine Praxis für Psychotherapie - dieser Begriff ist nicht geschützt. Ich oder ein Elektriker oder sonstwer könnte so eine Praxis ohne jegliche Erfahrung aufmachen. Also hier, Vorsicht... Das weiß ich auch erst durch meine jetzige Therapeutin.

Zu deiner Frage: Bei mir gibt es jedenfalls nicht den einen Auslöser, leider - ich wünschte, den Gäbe es. Ich glaube auch, dass ich mich in der guten Phase zu sehr übernehme, zu viel mache und ich mich zu wenig erhole/ausruhe. Das große Problem ist, dass ich in dieser Zeit zu keiner Zeit das Gefühl hatte, ich bin zu gestresst. Mir hat es alles unglaublich Spaß gemacht, ich hab gutes Feedback bekommen und war glücklich. Und dann schleicht sich die Depression langsam ein, vor dem Urlaub. Wo ich dachte, gut du bist Urlaubsreif... Im Urlaub auch sehr viel unternommen, in den Bergen wandern, SUP paddeln, Klippenspringen. Doch ich kam zurück und war noch weiter in der Depression. Ich weiß auch nicht, was ich ändern könnte - aber wahrscheinlich in den guten Phasen mich zu bremsen und nicht zu allem Ja sagen. Das fällt mir schwer, weil es sich eigentlich in dem Moment richtig anfühlt.

Ich muss leider los, die anderen Fragen versuche ich asap zu beantworten...

Liebe Grüße!

18.11.2022 13:53 • #43


Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
ich werde auch versuchen, mehr Achtsamkeit in meinen Alltag zu integrieren.

Villt. brauchst Du es gar nicht versuchen, sondern Du hast villt. schon die Achtsamkeit,
hier u. da schon integriert.
Achte mal etwas genauer darauf, was u. wie Du am Tag Dich verhälst oder was Du machst !
Da stecken bestimmt schon ein paar achtsame Momente drin - die Du villt. noch gar nicht , als Achtsamkeit
so wahrgenommen hast !

18.11.2022 14:04 • x 1 #44


A


Hallo HopeDiesLast,

x 4#15


H
@FckDepression
Du sagst es. Ich bin immer noch im Homeoffice und maximal 1mal die Woche im Büro. Wie machst du das mit deinem Hund? Das kenne ich mit dem Zähneputzen. Morgens nicht aus dem Bett kommen, zum ersten Termin aufstehen, Jogginghose an und los gehts ans Laptop. Dann zum Mittagessen mal Zähne putzen :-/ Nachvollziehbar, dass du dir dann eine Krankschreibung holst und auch genau richtig! Das was arbeitstechnisch bei mir in der Phase immer auftaucht ist, schaffe ich meine Arbeit und so ein Überforderungsgefühl. Obwohl es objektiv betrachtet garnicht so ist.

Auch das mit dem Auslöser ist bei mir ähnlich. Ich habe immer das Gefühl, es gibt irgendwas und ich muss ihn rausfinden. Seit 5 Jahren kommt und geht es aber und dahingehend bin ich keinen Schritt weiter. Echt interessant, hab noch niemanden getroffen, dem es da genauso ging. Ich hab auch immer Spaß an allem gehabt, was ich zu diesem Zeitpunkt gemacht habe, nur die Erholungs- und Ruhephasen sind zu kurz gekommen. Auch wenn mein Schlaf immer zwischen 6-8h und gut war.

Ich hab immer das Gefühl, die Zeit ist es, die mich wieder heilen lässt davon. Natürlich auch durch die Therapie und alle, die mir beistehen und für mich da sind! Da bin ich besonders dankbar dafür, dass ich Freunde, Familie und eine Freundin habe, die bedingungslos da sind.

@Jedi das werde ich definitiv tun und mich mal dabei beobachten. Hab vorher auch mal versucht, mehr in mich reinzuspüren. Leider klappt es momentan garnicht, meine Gefühle zu spüren.

18.11.2022 15:10 • #45

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