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Angst ins Gefängnis zu müssen

S
Zitat von Galadriel80:
Ich bin Autistin, 41 Jahre alt und habe ein großes Problem. Ich wurde letzte Woche wegen Beleidigung angezeigt, weil ich einen Moslem Terroristen und seine Frau Terroristenschlampe genannt habe. Der Mann bezeichnete mich dann als dumme *beep*. Ich hatte die beiden vorher schon mehrmals ...


Gefängnis mit Sicherheit nicht

01.11.2021 20:51 • #16


S
Ich würde denen schon sagen
Das du diese Störung hast ,und genau deswegen in großer Angst ,eben so reagierst
In dem Augenblick ,hast du dich dann nicht im Griff

01.11.2021 21:00 • #17


A


Hallo Galadriel80,

Angst ins Gefängnis zu müssen

x 3#3


Kate
Zitat von Silbermond64:
Das du diese Störung hast ,und genau deswegen in großer Angst ,eben so reagierst
In dem Augenblick ,hast du dich dann nicht im Griff

Das mag ja alles sein, aber würde dieses Verhalten dann nicht jede psychische Krankheit rechtfertigen können?
Angenommen es träfe keine Moslem sondern Bayern, Juden, Frauen weiß Mitte 40? Man macht es nicht und Punkt. Ohne wenn und aber. Der Schaden der damit angerichtet wird kann ebenso immens sein.
Ähnlich kritisch sehe ich, wenn jegliches schwerwiegende Verbrechen mit einer schweren Kindheit entschuldigt wird. Nein verdammt. Bei vielen hier war die Kindheit hart und niemand wurde ebenso zum Verbrecher.
Es ist die Pflicht jedes Einzelnen sich helfen zu lassen, egal was für einen Drang man aufgrund psychischer Erkrankungen spürt.

Autismus ist im Übrigen keine psychische Krankheit! Es ist eine andere Art des Seins, weder besser noch schlechter, schlichtweg anders. Meine Meinung.

01.11.2021 21:09 • x 4 #18


S
Es gibt da ja auch dieses Tourette ,die haben ja auch diese Ausfälle , mit schlimmen Wörtern und so

01.11.2021 21:12 • #19


Kate
Zitat von Silbermond64:
Es gibt da ja auch dieses Tourette ,die haben ja auch diese Ausfälle , mit schlimmen Wörtern und so

Ist gut! Du verstehst anscheinend nicht wirklich was ich meine.

Außerdem hat sie jetzt einen sehr guten Ansatzpunkt finden können. Das ist alles was zählt.

01.11.2021 21:18 • #20


Schlüsselkind
Zitat von Galadriel80:
Leider fällt es mir schwer, mich in andere Menschen hineinzuversetzen, und deswegen war mir das gar nicht so bewusst wie das auf die Opfer wirkt.


Wenn ich es richtig verstanden habe, fällt es dir schwer die Lebensrealitäten rassistisch Betroffener empathisch/emotional nachzufinden, aber auf der Verstandsebene funktioniert es?

Ich möchte dir da ganz dringlich Mut machen, an diesen Gedanken dranzubleiben und dich - nach und nach - damit thematisch auseinanderzusetzen. Aller Anfang ist schwerlich, aber es wird dich weiterbringen! Deine Offenheit zum Umlernen und Umdenken zeigt mir auch, dass dein Verhalten im Grunde nur ein Ventil ist, dass Du noch nicht selbst steuern kannst, aber doch willst. Und das ist sehr hoffnungsvoll!

01.11.2021 21:27 • x 1 #21


maya60
Zitat von Kate:
Autismus ist im Übrigen keine psychische Krankheit! Es ist eine andere Art des Seins, weder besser noch schlechter, schlichtweg anders. Meine Meinung.

Aber offenbar eine psychische Behinderung, denn als wir ganz selbstverständlich davon ausgingen, dass unser Sohn nach seiner Förderschule weiterhin in all dem ihm bekannten Rahmen der Menschen mit geistiger Behinderung eingeordnet blieb, schrammte er nur haarscharf daran vorbei, vom Arbeitsamt und in seiner Werkstatt für Behinderte als Autist automatisch in den Bereich für psychische Behinderungen zu kommen, also unter komplett Fremde für ihn.

Und tatsächlich sind es seine psychischen Grenzen, die für ihn eine ständige Arbeitstherapeutin brauchen, was aber üblich ist bei vielen Autisten.

Was das juristisch für eine Rolle spielt jetzt für Galadriel, weiß ich eben nicht.

Unser Sohn ist sozusagen, um mal diesen alten Begriff zu nehmen, nicht strafmündig, aber er ist auch schwer behindert mit 100% und hat eine gesetzliche Betreuung, uns Eltern.

01.11.2021 21:32 • x 3 #22


Driver64
@Galadriel80
Du wirst eine Geldstrafe oder/und Sozialstunden bekommen !

Zuerst einmal wird es aber eine Anhörung geben wo du entsprechend vernommen wirst.
Im ideal Fall wird das der Staatsanwalt machen.
Deine Therapeutin darf und sollte da mit anwesend sein.
Deinen Ansatz jetzt schon selbst etwas zu unternehmen in Bezug auf deine Ängste und Aggressionen solltest du unbedingt umsetzen und auch erwähnen.
Des weiteren solltest du dich förmlich bei den Betroffenen entschuldigen.(am besten mündlich und schriftlich und in Begleitung deiner Therapeutin)
Wenn du glück hast kann der Staatsanwalt dann das Verfahren gegen Auflagen einstellen und nicht weiter verfolgen.

Zitat von Silbermond64:
Es gibt da ja auch dieses Tourette ,die haben ja auch diese Ausfälle , mit schlimmen Wörtern und so

Tourette ist impulsiv und nicht zielgesteuert.

02.11.2021 09:43 • #23


G
@Kate

Natürlich rechtfertigt mein Autismus nicht was ich getan habe.
Du schreibst, Autismus sei eine andere Art des Seins, weder besser noch schlechter.
Ich sehe es aber als eine schlechtere Art des Seins, weil viele Autistin(ich weiß das aus einem Autistenforum, dass es anderen auch wie mir geht) schon von frühester Kindheit an Opfer von Mobbing sind und spüren, dass sie anders als ihre Altersgenossen sind und nicht mit diesen mithalten können. Schon im Kindergarten und in der Grundschule hatte ich immer das Gefühl, mit mir stimmt was nicht, denn cih wurde von anderen Kindern gemobbt und abgelehnt.
Wie soll ich das jetzt beschreiben: Der Autismus hat bei mir ein normales Leben verhindert, wenn man so eine Behinderung hat, ist es schwer seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Und ich gehöre nicht zu den autistischen Überfliegern, die überdurchschnittlich intelligent sind und aufgrund ihrer Talente leichter einen Job finden. Ich habe nur normalen IQ und das reichte nicht, die Defizite, die ich im sozialen Bereich habe auszugleichen. Das jahrelange Mobbing führte bei mir zu schweren Depressionen und Angstzuständen, so dass nur die Frührente blieb.
Wer nicht selbst von Autismus betroffen ist, kann sich nicht ansatzweise vorstellen, wie das sich anfühlt, und es fühlt sich nicht gut an.
Schon als Kind wünschte ich mir nichts sehnlicher, als ganz normal sein zu können, wie alle anderen, endlich akzeptiert und Teil der Gemeinschaft zu werden.
Heute, mit 41 Jahren, ist mir längst klar geworden, dass ich niemals so akzeptiert werden werde wie ich bin, und niemals Teil einer Gemeinschaft sein kann. Meine einzigen sozialen Kontakte sind meine Eltern und ein paar Verwandte und die Therapeutin, sonst habe ich niemanden.
Ich habe mich, seit der Autismusdiagnose sogar noch mehr, zurückgezogen und meide andere Menschen, gehe eigentlich nur zum Einkaufen unter Menschen, ansonsten gar nicht mehr. Wenn ich rausgehe, dann meistens in den Wald, wo man fast nie auf andere Menschen trifft. Gerade in der Woche kann man da oft mehrere Stunden spazierengehen, ohne auch nur einen Menschen zu treffen.
Autismus zu haben bedeutet in vielen Fällen auch lebenslange Einsamkeit für die Betroffenen, vor allem, wenn die Diagnose erst im Erwachsenenalter kommt. Ja, Autismus ist eine andere Form des seins, aber eine schlechtere. Was andere schon als Kinder können, Freundschaften schließen, Smalltalk machen, das müssen Autisten mühsam in der Therapie lernen, und selbst dann bleibt das Reden mit anderen Menschen für mich so anstrengend, als ob ich einen hohen Berg erklimmen würde.
Nein, das rechtfertigt keineswegs was ich getan habe und ist auch keine Entschuldigung dafür.
Es erklärt nur, wie es dazu kommen konnte.
Menschen, die nicht Teil der Gemeinschaft sein können, entwickeln mit den Jahren auch Wut und Frust
Ich habe da leider nur den falschen, einen ziemlich gemeinen Weg gewählt, meinen Frust, meine Wut und meine Angst rauszulassen.
Ich habe mich aber jetzt im Internet schon ein bisschen über das Thema Rassismus informiert und war verwundert darüber, wie ähnlich die Gefühle meiner Opfer meinen eigenen sind. Ich habe irgendwo gelesen, dass viele von ihnen das Gefühl haben, in Deutschland nicht dazuzugehören, und das ist im Grunde das gleiche Gefühl, dass ich selbst auch habe.
Das hat mich wirklich überrascht. Ich dachte immer, dass diese Menschen in Deutschland besonders bevorzugt werden und es einfacher haben, eine Wohnung, eine Arbeit, usw. zu bekommen. Dass es genau umgekehrt ist, das hätte ich nie gedacht.
Dass diese Menschen sich oft genauso fühlen wie ich, hilft mir auch, sie besser zu verstehen.
Ich frage mich nämlich auch oft, wieso ich nicht einfach so akzeptiert werden kann wie ich bin.
Ich werde auf jeden Fall nie wieder andere Menschen beschimpfen und mit meiner Therapeutin nach Methoden suchen, wie man Wut abreagieren kann ohne anderen zu schaden.
Ich hatte mich auch in den letzten Jahren oft gefragt: Wieso werden die Moslems als Teil der Gemeinschaft aufgenommen und von ihren Mitmenschen gut behandelt, und ich nicht?
So wirkte das auf mich, wenn ich im Fernsehen die Menschen, die am Bahnhof die Flüchtlinge willkommen hießen, sah.
Dann fragte ich mich: Wieso werden sie so nett Willkommen geheißen, aber ich wegen meiner Behinderung abgelehnt?
Dass es neben diesem netten Willkommen auch noch eine andere Seite gab und das Ankommen für sie in Deutschland gar nicht immer so leicht war, das wusste ich nicht.
Ich werde versuchen, auch mit Hilfe meiner Therapeutin, mich besser in andere Menschen hineinversetzen zu können.

02.11.2021 11:15 • x 3 #24


B
Liebe Galadriel80!
Ich glaube Du hast verstanden wie es den anderen hier fremden geht - vielleicht manchmal so wie Dir als Du gemobbt wurdest. Ich bin die Tochter eines Ausländers, man sieht mir das aber nicht unbedingt an. Ich kann Beschimpfungen und dumme Bemerkungen zwar nur an einer Hand abzählen, dennoch hat sich jede einzelne in mein Gedächtnis gebrannt. Und dazu dieses Gefühl: Du gehörst nicht dazu. Da geht es Leuten aus anderen Kulturen genau wie Dir, nur aus anderen Gründen.
Liebe Grüße,
Bollefix

02.11.2021 17:37 • #25


G
Zitat von Bollefix:
Liebe Galadriel80! Ich glaube Du hast verstanden wie es den anderen hier fremden geht - vielleicht manchmal so wie Dir als Du gemobbt wurdest. Ich bin die Tochter eines Ausländers, man sieht mir das aber nicht unbedingt an. Ich kann Beschimpfungen und dumme Bemerkungen zwar nur an einer Hand abzählen, ...


Ja, da sind wirklich erstaunlich viele Parallelen, ich habe jetzt gelernt, dass das Gefühl, das diese Menschen haben, das Gefühl, nicht dazuzugehören, das Gleiche ist was ich auch empfinde.
Es ist schade, dass auch du das schon erleben musstest, selbst wenn es nicht so oft war, ist es doch verletzend.
Ich denke jetzt, dass es unsinnig ist, andere Außenseiter zu beschimpfen, wo die Gründe für meine Ausgrenzung doch ganz anderswo zu suchen sind. Es sind ja nicht nur Behinderte wie ich, sondern auch Migranten, Menschen die von Migranten abstammen, Arbeitslose, und noch etliche andere, die in der Gesellschaft keinen Platz finden, oft ausgegrenzt werden.
Das ist mir jetzt klar geworden, dass es schlimm ist, auf anderen herumzuhacken, die in der gleichen Situation sind wie ich, oder in einer sehr ähnlichen, und für die das dann eine weitere schlimme Erfahrung der Ausgrenzung ist.
Und wenn man da Menschen sieht, alles Einzelschicksale mit eigener Geschichte wie meines auch, und nicht mehr eine homogene Masse, die das Land dem Islam unterwerfen will, hat man auch nicht mehr so große Angst wie vorher.

02.11.2021 19:02 • #26


B
Ich denke da sprichst Du wahre Worte. Es ist ja jeder einzigartig. Es ist gut, wenn Du die Angst ein wenig verlieren könntest. Ist schwer mit der Angst, das weis ich. Es ist auch sehr menschlich, Menschen mit ähnlichen Merkmalen im Kopf zu Gruppen zusammenzufassen. Es erleichtert dem Gehirn die Arbeit. Dann ist es gut zu wissen, daß das Hirn so arbeitet - dann kann man das Gruppieren von außen betrachten und für sich korrigieren. Ich hoffe ich kann mich hier verständlich ausdrücken? Ist komplex finde ich.
Liebe Grüße, Bollefix

03.11.2021 14:02 • #27


A


Hallo Galadriel80,

x 4#13


Schlüsselkind
Zitat von Galadriel80:
Und wenn man da Menschen sieht, alles Einzelschicksale mit eigener Geschichte wie meines auch, und nicht mehr eine homogene Masse, die das Land dem Islam unterwerfen will, hat man auch nicht mehr so große Angst wie vorher.


Ich finde es hier auch noch einmal sehr wichtig die eigene Medienwahl und Informationsquellen zu hinterfragen zu überdenken! Viele Berichte, ob das nun in den Nachrichten im TV oder selbst auf angeblich seriöse Politikmagazine bezogen ist, bedienen erheblich viele Stereotype, die psychologisch nachweislich - irrationale - Ängste und Vorurteile verstärken!

Man muss sich einen gesunden Umgang mit Medien aneignen, um seriöses + authentisches Material zu finden, das auch den tatsächlichen menschlichen Lebensrealitäten entspricht. Die Annäherung an das vermeintlich 'Fremde' ist auf jeden Fall im ersten Schritt erst dann möglich, wenn Zugang zu seriöser Information + Aufklärung vorhanden ist. Die daraus gewonnenen Einsichten und Einblicke erschaffen dann - im Bestfall - die Bereitschaft zur Empathie.

03.11.2021 14:22 • #28

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