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Angst vor dem Gang zum Psychiater

Zeron86
Zitat von Wuslchen:
Dieses Zitat von mir ist aus dem Kontext gerissen. Ich sagte, dass es fraglich ist, ob ein Arzt dich so lange krank schreibt ohne jeglichen Versuch von dir etwas an deiner Situation zu ändern. Das bedeutet, dass ein Arzt normalerweise empfiehlt eine Therapie zu machen, Medikamente auszuprobieren, in eine klinische ...


Okay sorry, dass ich das falsch verstanden hab mit der Dokumentation und fachlicher Einschätzung aber wenn ich dem Psychiater wirklich ALLES erzähle was so in meinem Leben passierte, dann sollte er das doch besser einschätzen können.

Du meintest, es stellen sich Gewohnheiten ein. Ja das stimmt. Wenn ich mein Verhalten und meine Gewohnheiten jetzt mit denen von vor 10 Jahren vergleiche hat sich schon sehr vieles verbessert aber trotzdem komme ich absolut nicht mit dem klar, was andere gemeinschaftliches Leben nennen. Also kann es an sich nicht nur eine Depression sein die mich so belastet. Evtl sozial Phobie oder sogar Asperger Syndrom (ein Bekannter von meinem ältesten Bruder arbeitet in einer Pflege-Einrichtung für geistig und körperlich eingeschränkter Kinder und sprach mich vor knapp einem Jahr mal darauf an)..

Selbstwert habe ich. Ich weiß, dass ich Dinge kann und auch lernfähig war (ja, war, seit vielen Jahren fällt es mir schwer neue Dinge zu lernen, weil es bisher sowieso immer ins Nichts geführt hat). Wenn jemand in der Famile bei irgendwas Hilfe braucht (Umzug, Umbau, Renovierung o.Ä.) dann bin ich absolut nicht nutzlos. Auch im Haushalt komme ich inzwischen super zurecht. Früher war ich schon fast ein Messi. Keine Kraft irgendwas zu regeln. Selbst duschen oder essen zu machen war extrem anstrengend.

Was ich mir als nächstes Vorstelle wäre dann erst mal ein Termin beim Hausarzt aber das werde ich erst nach meinem Umzug in Angriff nehmen. Aber was sage ich?
Hallo Doc, lange nicht gesehen. Hab versucht ein normales Leben zu leben aber könnte jetzt Unterstützung von einem Facharzt der Psychologie gut gebrauchen?
Muss ich meinem Hausarzt schon erzählen weshalb genau oder reicht mein Wunsch danach?
Davon abgesehen würde ich natürlich auch nochmal zum Hausarzt gehen wegen Muttermale und zum HNO wegen Tinnitus (4fach, 2 pro Seite, unterschiedliche Frequenzen, durchgehend)

17.03.2022 14:28 • x 1 #16


Wuslchen
Zitat von Zeron86:
Wenn ich mein Verhalten und meine Gewohnheiten jetzt mit denen von vor 10 Jahren vergleiche hat sich schon sehr vieles verbessert aber trotzdem komme ich absolut nicht mit dem klar, was andere gemeinschaftliches Leben nennen.

Na dann, herzlich Willkommen in unserer Gemeinschaft! Ernst gemeint, hier geht es vielen so und andere mögen das gemeinschaftliche Leben und streben danach. Da ist jeder anders, auch hier im Forum und auch in der vermeintlichen Gesellschaft im echten Leben. Denn wir alle, jeder in diesem Forum eingeschlossen, sind Teil dieser als Gemeinschaft gelesenen Masse. Interessanterweise gibt es ganz viele Individuen darin, die bei genauerem Hinsehen aber ganz und gar nicht dieser Masse entsprechen und/oder entsprechen wollen.


Zitat von Zeron86:
Aber was sage ich?
Hallo Doc, lange nicht gesehen. Hab versucht ein normales Leben zu leben aber könnte jetzt Unterstützung von einem Facharzt der Psychologie gut gebrauchen?
Muss ich meinem Hausarzt schon erzählen weshalb genau oder reicht mein Wunsch danach?

Das z.B. klingt doch gar nicht so verkehrt. Das ist ebenfalls ernst gemeint, da ich mir nicht vorstellen kann, dass du es gar so flapsig formulieren würdest, es im Kern aber absolut passt.
Und auch hier sind wir wieder bei dem Thema müssen. Du musst deinem Hausarzt gar nichts erzählen, wirst du stumm bleiben, wird er dir keine Daumenschrauben anlegen und dich zum reden zwingen. Aber ich weiß was du meinst, wie viel Information er braucht für eine Überweisung. Und auch da gibt es eine klare Antwort: gar keine. Denn du darfst in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen spezieller Fachgebiete völlig eigenständig einen Facharzt aufsuchen ohne Überweisung; und hier gehören Psychotherapeuten und Psychiater dazu.
Es kann aber natürlich hilfreich sein erst einmal den Hausarzt aufzusuchen. Er kann dir möglicherweise jemanden empfehlen, er kann dir weitere Ideen mit auf den Weg geben und es ist natürlich auch mit Blick auf die DRV sinnvoll, dass er etwas über dich sagen kann, solltest du die EM-Rente beantragen.

Eine Depression kommt ganz selten allein, häufig sind es mehrere Symptome, die gemeinsam auftreten.
Und wenn du selbst bereits in einige Richtungen tendierst (Depression, Sozialphobie, Asperger) dann klingt das doch nach einer vernünftigen Basis dies auch mal mit einer Fachperson genauer anzuschauen.

Vielleicht kann dir das Forum mit seinen vielfältigen Themen - u.a. auch zu Rente, Psychiater- und Gutachterterminen etc. - ja die Angst nehmen einen Termin zu vereinbaren.
Wen du aufsuchst, ob zuerst den Hausarzt oder direkt den Psychiater, ob Psychiater oder Psychotherapeut, das bleibt natürlich am Ende deine Entscheidung.
Und wie das schlussendlich verläuft - ob der Arzt empathisch ist, ob du Vertrauen fasst, ob Tests gemacht werden oder es beim Gespräch bleibt, ob du krank geschrieben wirst oder nicht und wenn wie lange, ob dir Medikamente und/oder Therapieeinrichtugne nahegelegt werden...... - weiß keiner, das bleibt es herauszufinden indem du den Weg gehst.

17.03.2022 14:47 • x 3 #17


A


Hallo Zeron86,

Angst vor dem Gang zum Psychiater

x 3#3


111Sternchen222
Hallo Zeron86 , das du hier bist ist ja schon mal ein Schritt, den nächsten würdest du machen wenn du erstmal zu Hausarzt gehst.
Zitat von Zeron86:
Hallo Doc, lange nicht gesehen. Hab versucht ein normales Leben zu leben aber könnte jetzt Unterstützung von einem Facharzt der Psychologie gut gebrauchen?

So oder so ähnlich könnte man einsteigen und dann mal eben grob umreißen was genau das Problem ist nämlich 20 Jahe depressiv und kein bock mehr drauf. Du siehst dafür braucht es nicht viele Worte.Und dann der nächste Schritt zum Psychiater und zum Psychotherapeuten. Im Vorfeld kannst du dir 1000mal ausmalen Was dort passieren könnte..Klar aber was dort wirklich passiert ist das was meine Vorschreiber schon genannt haben, nur das was du auch mitmachen willst! Du siehst du hast es selbst in der Hand ,also geh schon mal los alles Weitere kommt dann.
LG Sternchen

17.03.2022 14:54 • x 1 #18


Zeron86
Guten Abend

Ich melde mich mal wieder, da mir erneut Gedanken durch den Kopf schießen.
Eigentlich mein ganzes Leben lang hat man mich nicht ernst genommen, wenn ich mich bezüglich meiner Empfindungen oder Bedenken geäußert habe. Das reicht zurück bis zu meiner Kindheit.
Man könnte schon meinen, ich wäre etwas hypersensibel gewesen.
Mit den Jahren und den gesammelten Erfahrungen hat sich dann nach und nach Gleichgültigkeit in mir aufgestellt.
Der endgültige Auslöser dafür war, dass mein damaliger bester Freund mit meiner Freundin fremdgegangen ist und dann auch von jetzt auf gleich mit ihr zusammen war und nicht mehr mit mir.

Bezüglich Gleichgültigkeit und Gefasstheit (heißt das so? ) schreibe ich jetzt gerade hier.
Ich mache mir Gedanken darüber, wie der Psychiater mit dem ich sprechen werde wohl darauf reagiert und welche Schlüsse er zieht?
Meine Erfahrungsberichte kann ich schildern ohne emotional dabei aufgewühlt zu sein, weil ich das alles in Meditationen schon etliche Male durchgegangen bin.
Kommt das nicht irgendwie trocken oder gleichgültig rüber?
Hab auch hier die Befürchtung, dass man mich mal wieder nicht ernst nimmt :/

19.03.2022 23:59 • x 2 #19


ZeroOne
Zitat von Zeron86:
Ich mache mir Gedanken darüber, wie der Psychiater mit dem ich sprechen werde wohl darauf reagiert und welche Schlüsse er zieht?


Wahrscheinlich wirst du nach deinem ersten Psychiater-Besuch mehr als enttäuscht sein, @Zeron86 ...

Beim ersten Termin hat man i.d.R. die üblichen (neurologischen) Grunduntersuchungen, die vom Personal durchgeführt werden und man nicht viel sagen muss.

Das eigentliche Gespräch mit dem Psychiater dauert bei den meisten nur 5-10 Minuten.
Im Detail interessiert er sich gar nicht für deine Geschichte, sondern eher für die Symptome und wie er diese medikamentös abfangen kann.
Für alles andere wird er auf einen Psychotherapeuten verweisen.

Die Folgegespräche sind meist noch kürzer und meist nur zur Anpassung der Medikation.

Ich persönlich habe Ewigkeiten gebraucht, bis ich eine reine Psychiaterin gefunden habe, die sich tatsächlich 30 Minuten pro Patient nimmt und nicht im 10-Minuten-Takt abfertigt.

Deine Gedanken würden eher eine Psychotherapie betreffen, vermute ich:

Zitat von Zeron86:
Hab auch hier die Befürchtung, dass man mich mal wieder nicht ernst nimmt :/


Ein guter Therapeut wird dich immer ernst nehmen und entsprechend auf dich eingehen.
Und wird im Laufe der Zeit auch wissen, wie er deine Erzählungen zu interpretieren und mit dir gemeinsam zu bearbeiten hat.

20.03.2022 10:36 • x 4 #20


Zeron86
Zitat von ZeroOne:
Wahrscheinlich wirst du nach deinem ersten Psychiater-Besuch mehr als enttäuscht sein, @Zeron86 ... Beim ersten Termin hat man i.d.R. die üblichen (neurologischen) Grunduntersuchungen, die vom Personal durchgeführt werden und man nicht viel sagen muss. Das eigentliche Gespräch mit dem Psychiater dauert bei den ...


Das hört sich wieder so richtig schön nach westlicher Medizin an
Symptombekämpfung, koste es was es wolle aber schei. auf die Ursachen
Dann brauche ich ja gar nicht zum Psychiater sondern kann direkt zu einem Psychotherapeuten gehen.
Also wenn man mich innerhalb von ein paar Minuten abfertigen will gehe ich sofort und suche jemand anderes.
10 Minuten.. wie schnell soll ich denn alles runter rattern?
Ich weiß, dass ich nicht der einzige Patient bin und die Zeit und das Personal begrenzt sind aber trotzdem sollte man sich Zeit für seine Patienten nehmen..

20.03.2022 11:20 • x 1 #21


Zeron86
Doktor Google hat mir gerade was vor die Nase gelegt.

Zitat:
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie CCM.Forschung.Affektive Erkrankungen.AG Chronische Depression

AG Chronische Depression und CBASP-Therapieforschung

Die Symptomatik der chronischen Depression unterscheidet sich im Vergleich zu rein episodischen Verläufen v.a. durch:

einen wiederholten Ausdruck von Hilflosigkeit und Elend
ein submissives und überfordertes oder feindseliges und abwertendes Verhalten
ein auffälliges Misstrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen
eine nahezu unverrückbare Überzeugung, dass nichts getan werden kann, um die Depression unter Kontrolle zu bringen
rigide und verfestigte Verhaltensmuster, die weder durch positive noch durch negative Ereignisse beeinflussbar zu sein scheinen

Patienten mit einer chronischen Depression berichten häufig von emotionaler Vernachlässigung, emotionalem Missbrauch, aber auch körperlichem Missbrauch und Vernachlässigung in ihrer Kindheit. Eine Folge ist der soziale Rückzug und das Aufbauen einer Art Mauer zwischen sich und der Umwelt. Aufgrund der ungünstigen, traumatisierenden Sozialisations- und Lernerfahrungen kommt es zur Entkopplung der Wahrnehmung von der Umwelt, was korrigierende positive Lernerfahrungen erschwert. Daher wiederholen sich im Leben chronisch Depressiver immer wieder schwierige Beziehungserfahrungen, durch die eine chronische zwischenmenschliche Ineffektivität und schließlich die resistente Hilflosigkeit bzw. die therapieresistente chronische Depression getriggert und aufrechterhalten wird.


Das trifft ALLES auf mich zu. Sollte ich beim Arztbesuch darauf verweisen?

20.03.2022 12:22 • #22


P
Hallo Zeron86 (und alle Anderen),

wenn ich nicht genau wüsste, dass es nicht ich war, der diese Beiträge unter dem Namen Zeron86 geschrieben hat, würde ich sagen, ich war's!
...soll heißen: Du bist ich

Also ernsthaft, ich war gerade am stöbern - generell im Netz - ob es vielleicht doch weitere Menschen gibt, die alles genauso beschissen sehen, wie ich - denen im Leben ähnliche Dinge widerfahren sind wie mir.

- Die einfach nur ihr Leben in Ruhe leben wollen.
- Die einfach keinen Bock mehr auf dieses marode System der Versklavung haben.
- Die niemand's Herr und niemand's Knecht sein wollen.
- Die frei sein wollen. Die sich nicht von allem und jedem manipulieren lassen wollen.
- Die nicht ständig das Gefühl haben wollen, irgendwelchen Erwartungen entsprechen zu müssen.

...und trotz all der Hoffnungslosigkeit, das Leben zu schätzen wissen.

Wie ist es dir weiter ergangen in den letzten Wochen?


Sorry, bevor sich jemand beschwert, kurz ein paar Worte zu mir:

Ich bin Mitte 40 und seit Jahren depressiv, weil o.g. Punkte mich schon immer beschäftigen. Ich bin kein notorischer Nörgler. Gezwungenermaßen akzeptiere ich die Dinge, wie sie sind. Habe fast dreißig Jahre lang gearbeitet und funktioniert, wie es das System von mir erwartet. Es gab Hochs aber auch sehr viele Tiefs in meinem Leben. Im Moment stecke ich immer noch im letzten Tief, das mir bitterböse die Füße unterm Boden weggezogen hat - und mir schließlich auch jegliche Kraft und Willen geraubt hat, weiterhin mitzuspielen. Ich habe sozusagen die Schnauze gestrichen voll. Bin arbeitsunfähig. Dennoch aber des Lebens willig. Wenn man aber erstmal an diesem Punkt angelangt ist, kommt die große Ratlosigkeit. Alles was man seit Kindertagen eingetrichtert bekommen hat und jetzt nicht mehr ausgeführt werden kann, stellen einen vor ganz neue Probleme. Und wieder einmal mehr, weiß man, es geht doch noch schlimmer als zuvor. Ich frage mich, wie ich endlich glücklich werden kann. Oder besser gesagt, an welcher Schraube in meinem Kopf muss man drehen, dass ich einfach glücklich sein kann?!

Grüße

15.06.2022 18:26 • x 1 #23

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