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Burnout und Jobwechsel, was sind eure Erfahrungen ?

mrsrobot
Zitat von Kate+:
Man verliert auf der Arbeit das Gefühl für die eigenen Grenzen. Es ist ganz natürlich, dass man sich dagegen wehrt, wenn man im Kern seines Wesens angegriffen wird, schließlich geht es in solchen Situationen um die eigene Existenz. Wenn man aber die Arbeit zum integralen Bestandteil des eigenen Ichs macht, reagiert man zwangsläufig schon auf mildeste Kritik an irgendeinem Aspekt der Arbeit, als ob es eine tödliche Attacke auf den Kern des Selbst, eine existenzielle Bedrohung sei.
Es fällt allerdings schwer, uns ganz besonders, dies zu trennen. Ich denke aus dem Grund zieht es einem die Beine nach einer gewissen Zeit weg.


Geht mir genauso, ich muß sagen, das habe ich früher nicht so intensiv gehabt. Die Arbeit hat mich schon genervt, aber ich war nie so schnell immer raus und konnte auch mal die Aufgaben machen, selbst als ich krass gemobbt wurde. Damals hatte ich auch keine Möglichkeit zu gehen. Die Arbeit hat mir trotzdem auch Spaß gemacht. Heute habe ich den Eindruck, das das angeordnete Chaos mehr geworden ist und dadurch auch der Spaß an den einfachsten Arbeiten verloren geht.

19.05.2020 08:08 • x 3 #16


kalle68
Hallo maya60,
vielen herzlichen Dank

Zitat:
Du fragst dich in deinem ersten Beitrag, wann du dich selber im Stich gelassen hast.

Nach 18 Jahren musste ich feststellen, dass ich mich selbst in Stich gelassen habe. Meine Psychologin sagte mal zu mir Entweder lebst du dein leben für dich oder du lebst dein leben für andere. Wenn man nicht mehr im Stande ist nein zu sagen und wenn man so geschickt in das System eingewoben ist, dass man nur funktionieren muss, dann ist es eine Frage der Zeit bis die innere Bombe platzt.

Zitat:
Dann ist auch unklar wie sehr sich über all die Jahre mit all diesem Nebel von Burnoutvorgeschichte bei dir dein Burnout nun und vielleicht auch noch Begleiterkrankungen so stark ausgebildet haben, dass du erstmal gar nicht mehr arbeitsfähig bist?

Früher konnte ich mich selbst über Kleinigkeiten freuen und hatte immer Hoffnung und konnte gut schlafen. Diese Dinge sind irgend wie aus meinem Leben ausradiert. Inzwischen ist es 1 Jahr vergangen und ich fühle kein bisschen Freude und Wut in mir bündelt sich schnell zu einem Feuerball. Deswegen bleibe ich zu Hause.

Zitat:
Du beginnst, deine 18 jährige Betriebszugehörigkeit zu durchschauen

Früher habe ich mir nie Kopf über Arbeitsklima, Unternehmenskultur, gesunde Arbeitsverhältnisse, gesunde und ungesunde Kompromisse gemacht. Jetzt schaue ich mit anderen Augen auf meine Arbeitsstelle und auf die 18 Jahre und frage mich, ob es eine gute Arbeitsstelle war und ist. Je mehr man darüber nach denkt und ehrlich zu sich ist, desto mehr sieht man Dinge, die man vorher ignoriert und verdrängt hat.

Zitat:
Ich würde mir da ehrlich gesagt einen Arbeitstherapeuten suchen

ja das klingt gut und werde die Sache mit Arbeitstherapeuten nachgehen

Zitat:
Das also wäre mein Tipp.

Danke
LG

19.05.2020 08:57 • x 2 #17


A


Hallo kalle68,

Burnout und Jobwechsel, was sind eure Erfahrungen ?

x 3#3


kalle68
@mrsrobot ,
Zitat:
Die Arbeit hat mich schon genervt, aber ich war nie so schnell immer raus

Früher hat man 5 Tage durchgearbeitet und am Wochenende ausgeruht und noch was unternommen und am Montag stand man wieder auf der Matte. Jetzt und seit einigen Jahren, hab ich das Gefühl, dass Freitagsgefühl bei mir schon am Mittwoch erreicht ist. Es war nicht nur das Gefühl, sondern die Arbeit wurde einfach mehr. Man wurde geschickt in eine Arbeitsspirale hineingeworfen, nach dem Motto friss oder stirb.

Zitat:
Heute habe ich den Eindruck, das das angeordnete Chaos mehr geworden ist

Das ist einer der Hauptgründe, warum ich überhaupt in den Burnout getrieben wurde.

19.05.2020 09:11 • x 3 #18


mrsrobot
Es ist auch immer mehr geworden, ich habe lange in der Automobilindustrie gearbeitet und fand es befreiend, dass dort Prozesse und Termine vorgegeben waren. Das Jahr war durch die Werksferien des Automobilherstellers klar gegliedert und man hatte im Sommer auch mal drei Wochen Luft und zwar richtig Luft. Zum Ende des Jahres ging es wieder hoch, da die Auditsaison anstand und ich wusste, das es wieder mehr wurde. Das flachte dann aber auch wieder ab.

Das Personal ist in den Unternehmen auch die letzten Jahre ausgedünnt worden, die Prozesse, wenn es Prozesse gab, werden immer umgeschmissen und nicht am Betrieb orientiert aufgeführt. Es ist keine Hexenkunst einen Betrieb anständig aufzustellen, der am Menschen orientiert ist. Das bedeutet aber für die Generation an Managern weniger Gehalt, mehr Menschlichkeit und Fehler einzugestehen und da liegt der Hase im Pfeffer begraben. Mir ist ein cholerischer Chef oder Chefin lieber, wo ich weiß, wo ich dran bin, als dieses Wischiwaschi und wegdelegieren von Verantwortung.

19.05.2020 09:59 • x 4 #19


kalle68
Also irgend wie verstehe ich die Welt nicht mehr.
Ich hatte ja geschrieben, dass der Bereichsleiter mich in 3-4 Wochen Abständen routinemäßig anruft, um zu fragt, wie es mir geht und ob ich schon Rehatermin habe. Diese Unterhaltung dauert nicht sehr lange, da ich mich stets wiederhole und eben nichts neues gibt. Mir ist auch aufgefallen, dass nicht ein mal gesagt wurde, dass wir vielleicht unser Arbeitskonzept ändern sollten oder dass wir uns Mühe geben sollten eine bessere Unternehmenskultur zu entwickeln, dass unser Arbeitsklima alles andere als gut sei, das alles sieht er nicht und so einen Menschen haben sie zum Leiter gemacht. Ich konnte aus der bisherigen Unterhaltung auch nichts entnehmen können, dass es ihm irgend wie leid tut, dass ich in sowas geraten bin. Ich sehe nur dass er sich große Mühe gibt keine Blöße von sich zu geben und dass er das BEM Verfahren, dass ich ihm beschert habe mühselig und lästig findet, weil er was tun muss.
Mein Kollege der inzwischen seit 5 Jahren auf Rente ist hat mich gestern routinemäßig, wie der Bereichsleiter es tut angerufen und wir haben uns lange unterhalten und am Ende mit gemischten Gefühlen aufgelegt. Mit ihm habe über 10 Jahren im selben Bereich gearbeitet und als er in die Rente groß feierlich verabschiedet wurde habe ich mich von ihm mit gemischten Gefühlen getrennt. Ich hatte vor vielen Jahren angefangen Arbeitstagebuch zu führen, weil ich alles festhalten wollte und so konnte ich mein Frust ablassen. Diesen Menschen muss man sich so vorstellen, dass er sehr fleißig und über ehrgeizig war. Auch die hochrangigen Ingenieure haben ihm aus der Hand gefressen, weil er alles und jeden geschickt an ihm binden und kontrollieren konnte. Wenn man mit so einem Menschen zusammen arbeitet ist man innerlich immer verkrampft, man überlegt seine Worte 3 mal bevor man ausspricht und ist immer auf der Hut, weil man nie weiß aus welcher Richtung die Schüsse kommen. Ich bin mir nicht sicher, wie viele Schaden ich davon getragen habe es war eine sehr lange Zeit. In Rente ist er scheinbar etwas ruhiger geworden und da er ausgeschieden ist hat er auch keine Macht über mich daher bin ich lockerer, wenn ich mit ihm rede. Gestern im Gespräch sind wir auf das Thema Burnout und Symptome gelandet und ich erzählte dass ich als Burnout Mensch keine Freude empfinde und dass meine Psychiaterin gesagt hat, dass das irgend wann wieder wird. Dann hat er angefangen mir Fragen zu stellen, wie ob ich in meine Ehe was schlimmes durchmache, ob ich unglücklich bin, oder ob ich in der Familie Sorgen habe. Da ich ihn aus alten Zeiten recht gut kenne und er Worte im Munde raffiniert verdrehen kann, hat ich das Gefühl im Bauch, dass ich höllisch aufpassen muss, was ich erzähle. Ich sagte ihm, dass ich keine Eheprobleme habe und selber nicht ganz genau weiß warum das so gekommen ist. Ich wollte ihm auch nicht verschweigen, dass ich mich mit meinen Kollegen laufe der Zeit aus den Augen verloren haben. Jeder halbwegs Kluger Mensche versteht, was damit gemeint ist. Und dann hat er angefangen mir Vorwürfe zu machen, warum ich meine Kollegen nicht anrufe und man soll es doch einfach tun. Dann sagte er ich rufe dich doch an, du kannst sie auch ja mal anrufen. Dann sagte er, wie in alten Zeiten sollten wir mal wieder Grillparty veranstalten, damit wir mal zusammen kommen. Wie sieht es bei dir aus ? Ich meinte bedenke bitte Corona und dass ich immer noch krank geschrieben bin. Und so ging es weiter.
Wir sind doch nur Kollegen, warum muss ich sie anrufen, warum kann man mich nicht in Ruhe lassen, mir geht es zu Hause viel besser als bei der Arbeit und das ist mir nicht schlüssig. So was höre ich nicht mal von meine Familie das ich was muss.
Nach dem Gespräch ist mir klar geworden, dass er seine Spielchen, wie damals immer noch treibt mit dem Unterscheid, dass er die anderen immer noch belieben lenken kann, aber an mich nicht mehr ran kommt. Weil ich ihn nie anrufe gebe ich ihm zu verstehen, dass ich damit abgeschlossen habe. Ich war entsetzt, dass er als ehemaliger Mitarbeiter aus meinem Bereich den selben Stress durchmachen musste und in Bezug auf mein Burnout die Gründe in meinem privaten Bereich gesucht hat. Was mich auch geritten hat, danach habe ich mich zusammengerissen und nacheinander angefangen die Kollegen anzurufen. Von einem hörte ich dass der Arbeitsirrsinn in meinem Bereich von dem, der mich in den Wahnsinn getrieben hat immer noch weiter geht. Die Unterhaltung dauerte ein Paar Minuten, weil aus der Stimmfrequenz hervorgeht, dass man nicht viel erzählen möchte. Den zweiten konnte nicht erreichen, weil ich annahm, dass er nicht rangehen wollte und insgeheim schieben sie alles auf mich weil ich ihre beschissene zerstörerische Ordnung durcheinander gebracht habe.
Bitte entschuldigt mich, dass ich so ausführlich geworden bin. Mein Anschicht war nicht euch zu zu texten, sondern euch ein mal zeigen, wie es bei uns zu geht und ich wollte, dass ihr daraus den gefährlichen und zermürbenden emotionalen Stress erkennt. Am Arbeitsplatz 8 Stunden ist der gefühlte emotionaler Stress 10 mal schlimmer als dieses Telefonat. Und das ihr lieben habe ich seit 18 Jahren an der Backe und so verdiene ich mein Geld. Wenn ich zurück schaue bin ich Solz auf all meine Arbeiten, aber mit den selben Kollegen und Chaos Umfeld würde ich nicht wieder arbeiten wollen. Es gibt drei Arten von Arbeitsplätze 1. Es Passt 2. Es passt nicht 3. Was nicht passt, wird passend gemacht. Die dritte Variante führt garantiert zu psychische Krankheiten.
LG

20.05.2020 11:26 • x 1 #20

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