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Diagnose Double Depression - und nun?

Pilsum
Hallo Dumbo,

Zitat:
Mein größeres Problem ist aber anscheinend wohl mein Selbstwert.


Zitat:
Ich brauche dafür kein Lob, das bringt mir so gar nichts.
Ich finde Lob von anderen Menschen ok, es ist ihre Sicht der Dinge, kann ich hinnehmen, aber ich ziehe da nichts draus, mag sein, dass andere Menschen das brauchen und es ihnen wichtig ist, Anerkennung zu bekommen von anderen, mir nicht. Ich muss lernen, dass ich mich selber mag, dass ich selbst da hin komme mich zu loben, stolz auf mich zu sein, auf Dinge, die ich tue oder eben sein lasse, dass ich ok bin. Das lerne ich leider nicht dadurch, dass andere mich loben. Das wirkt auf mich eher albern.


Hier scheinst Du Dich etwas zu irren. Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich Dich hier kritisiere.

Wir alle brauchen immer mal wieder ein Lob und wir alle brauchen auch immer mal eine
negative Kritik. Das ist unbedingt notwendig, damit wir unseren Selbstwert überhaupt erst aufbauen können.
Ein Mensch der nie gelobt wurde hat dadurch, genau wie ein Mensch der immer nur gelobt wurde,
oft ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl.
Wir brauchen möglichst viel ehrliches Lob und ehrliche, sachliche Kritik.

Rechnen macht keinen Sinn, wenn Dir niemand sagt, ob 25 plus 7 als Ergebnis 38 ergibt.
Für 38 gibt es eine Kritik. Du rechnest falsch:
Für 32 gibt es ein Lob. Das hast Du gut gerechnet. Es stimmt.

Deinen Selbstwert kannst Du verbessern, wenn Du anderen etwas über Deine Lebensansichten
erzählst. Je mehr Menschen Deine Meinung teilen, umso besser wirst Du Dich fühlen.

Teilen die Menschen Deine Meinungen nicht, wirst Du Dich eher schlecht fühlen oder den Ausweg suchen,
Dass Du Dein Gefühl verdrängst. Durch das Verträngen von Deinen Gefühlen, weißt Du dann nicht so richtig,
wie Du Dich fühlst.

Zitat:
Ich meine, ich hab mittlerweile wohl schon ein wenig dazu gelernt. Ich wünschte, es würde alles nicht
immer so ewig dauern und so mühsam sein. Dinge zu ändern ist echt Schwerstarbeit.


Schwer ist es meistens deshalb, wenn Du versuchst etwas zu lernen, was Dir andere empfehlen,
was Dir aber im Grunde gar nicht für Dich persönlich richtig erscheint.

Zitat:
Nun bin ich dabei alles anzunehmen, zu ändern, zu akzeptieren. Schwierig.


Was möchtest Du denn hauptsächlich ändern? Weil, alles ändern und alles
annehmen und akzeptieren wird nicht unbedingt der richtige Weg werden.

Da wird es bestimmt Einiges geben, was Du hoffentlich nicht verändern willst.

Viele Grüße

Bernhard

15.08.2020 14:08 • x 2 #16


Mira13
Danke, Bernhard, für deinen Bericht

15.08.2020 14:18 • x 2 #17


A


Hallo dumbo,

Diagnose Double Depression - und nun?

x 3#3


D
Hallo Mira,

Ich finde mich in einigen Dingen wieder, bei dem, was du schreibst.

Zitat von Mira13:
Da habe ich es so gemacht... Mir gesagt. Es ist ok, wenn ich keine Lust habe! Ich habe eine Depression.

Ein klares Jain von mir. Ich kann nicht nichts machen. Ich hab nen inneren Drang irgendwas tun zu müssen. Wenn ich gut bin, halte ich es 10- 15 Minuten ohne Nichtstun aus. Mehr geht nicht und wenn ich dann z.B. nicht spazieren gehe, nicht analog spiele, nicht ein Buch lese, dann fange ich mit anderen Dingen an, die in dem Moment nicht gut für mich sind. Wie z.B. putzen, aufräumen, irgendwelche Dinge erledigen, die ich lt. meines eigenen Denkens unbedingt noch erledigen muss. Dabei wäre der Spaziergang die bessere Wahl gewesen, weil ich dabei runtergekommen wäre, weil ich mich dabei mal nicht mit den Sachen beschäftigt hätte, die ich machen muss. Natürlich fühlt man sich gut, wenn man unliebsame Dinge erledigt, ich muss allerdings lernen, dass es auch vollkommen ok ist, wenn ich sie nicht (sofort) tue und dass ich ok bin, wenn ich sie nicht tue.

Zitat von Mira13:
Ich kenne das. Ich bin sehr perfektionistisch, habe gern alles unter Kontrolle

Voll ich! Kann ich eins zu eins abhaken. Und wehe, die Kontrolle entgleitet mir oder es läuft nicht so, wie ich es mir gedacht habe. Das kann mich und meine Stimmung um 180 Grad drehen. Auch da muss ich mehr Akzeptanz lernen. Wichtiger Punkt bei mir, um Hilfe zu bitten, nicht mehr der Meinung sein, alles selber regeln zu wollen/müssen. Hilfe ist ok. Meine Bedürfnisse einbringen und diese auch mal in den Vordergrund zu stellen. Schwach sein zu dürfen, ohne dass ich ausgegrenzt werde, ohne dass ich gleich falsch bin.


Zitat von Mira13:
Die Erwartungen anderer nicht zu erfüllen.

Ich glaube, die erfülle ich schon lange nicht mehr. Ironischerweise habe ich ein halbwegs gutes Selbstbewusstsein (wenn es nicht gerade zusammenbricht, weil mein Selbstwert wieder in den Keller fällt). Ich habe vor Jahren gelernt auch mal Nein zu sagen. War ein ewig länger Prozess. Hilfe anzubieten, wenn ich mag und wenn man die nicht will, mich nicht aufdrängen. Gerne aber bei Freunden, die um Hilfe bitten auch zu helfen. Manchmal vielleicht nicht sofort (je nach Anfrage), aber dann wenn mir es passt. Das war und ist für mich eine große Erleichterung. Mir überlegennzu können, willst du das gerade wirklich oder sagst du nur ja, weil du der Meinung bist, dass es andere von dir erwarten.

Zitat von Mira13:
Ich habe schon immer gespürt... Irgendwas stimmt nicht mit mir.

Das Gefühl hatte ich seit Kindheitstagen. Schon im Kindergarten-/Grundschulalter. Aus heutiger Sicht tut mir mein inneres Kind wirklich leid und ich versuche mit ihm zu arbeiten. Ich habe mich selbst sehr viel mit Psychologie auseinandergesetzt. Lese immer noch gern über diese Themen. Ich hab ewig versucht herauszufinden, was mit mir nichts stimmt. Warum ich so bin wi3e ich bin etc. Aber nie eine Antwort gefunden. Die Diagnose Depression hätte mich schon etwas geschockt, weil so einfach. Ich dachte immer, ich muss irgendeine abstruse Persönlickeitsstörung haben.


Zitat von Mira13:
Ich bin trotzdem oft wütend und nehme meine Zustand BEWUSST jetzt erst wahr.

Wütend bin ichbauch oft. Wahrgenommen habe ich es immer. Ich lerne momentan herauszufinden, was mich wütend werden lässt welches Gefühl da wirklich hintersteckt. Wütend zu sein scheint bei mir einfach eine Abwehrreaktion zu sein und dann verletze ich andere bevor die mich verletzen. Ja, da kommt auch noch viel aus der Kindheit.

Zitat von Mira13:
Mit meiner Mutti bearbeite ich die Kindheit, seit mein Papa vor 4 Jahren verstorben ist, sehr intensiv. Und mit meiner Schwester. Das hilft sehr!

Das freut mich wirklich für dich. Ich kann mit meiner Mum ganz gut reden, aber eher oberflächlich und nicht so detailliert. Ihr neuer Lebenspartner funkt da gern dazwischen, er war auch der Meinung, ich hätte doch gar keine Depression (hatte es den beiden bei einem Besuch erzählt), er fragte meine Mum direkt Name, sieht die aus als hätte sie eine Depression? Worauf meine Mum gottseidank nur nickte weil sie selbst über Jahre depressiv war und am Ende in einer schweren Depression feststeckt. Er war dann ruhig. Hab meiner Mum später auch gesagt, dass ich mich mit ihm da nicht drüber unterhalten will. Er hat eh generell seine Meinung und mag nicht mit Tatsachen verwirrt werden.

Ich habe drei Brüder. Ich würde so gerne mit Ihnen darüber reden. Aber der ältere ist wie mein Vater (zu letzterem habe ich den Kontakt abgebrochen), emotionslos, Probleme werden unter den Teppich gekehrt (oder wenn man mal über was redet, dreht er es gleich um und erzählt nur von seinen Wehwehchen), es wird nicht groß über unsere Kindheit geredet. Unsere Eltern waren eben so, wie sie sind und haben ihr möglichst Bestes gegeben, das ist alles ok und Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn wir ein Problem habem, ist das unseres, darüber redet man nicht.

Mein jüngster Bruder redet nicht gern über das Thema unserer Kindheit. Was verständlich ist, hat er wohl am meisten unter unserem Vater gelitten. Unsere Eltern trennten sich als er 14 war. Vater wohnte weit weg, kam aber zu Besuch ins Dorf, um seine Freunde zu treffen, aber seinen Sohn ließ er links liegen. Oder er sagte, er komme vorbei und kam einfach nicht. Mein zweitjüngster Bruder hat den Kontakt zu allen abgebrochen. Seine letzte Mitteilung an mich bestand darin (Ich hatte ihn immer wieder angeschrieben, weil ich nicht aufgeben wollte), dass er sagte, es gehe ihm gut, aber er hat momentan nicht das Bedürfnis nach Kontakt und es läge nicht an mir. Das muss ich akzeptieren. Ich hoffe, dass er vielleicht irgendwann mal mit mir darüber reden mag, sich austauschen mag. Aber bis dato geht das mit keinem. Leider.

15.08.2020 14:43 • #18


D
Hallo Pilsum,

Zitat von Pilsum:
Hier scheinst Du Dich etwas zu irren. Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich Dich hier kritisiere.

Ja natürlich darfst du das. Ich bitte sogar da rum. Man sieht ja immer nur das, was man kennt.


Zitat von Pilsum:
Wir alle brauchen immer mal wieder ein Lob und wir alle brauchen auch immer mal eine
negative Kritik.

Da stimme ich dir natürlich zu. Hab mich oben nicht ganz klar ausgedrückt. Das Lob, wie es diese junge Psychologin gemacht hat, war für mich falsch. Es klang unecht. Es klang als wenn sie zu einem kleinen Kind redet, dem man sagt, dass es ja supertoll ist, dass es ganz alleine, ohne fremde Hilfe auf den Kletterturm gekommen ist. Und das immer und immer wieder. Lob in der Form, übertrieben, (für mich) falsch formuliert, in den (für mich) falschen Worten bringt mir nichts. Das nehme ich nicht ernst und erst Recht nicht an. Bzw. Denke teilweise, ja du Flachschippe, das weiß ich schon selber, dass musst du mir bedtimmt nicht sagen. Ich brauche ehrlich gemeintes Lob, ein kurzes das ist gut ist oft besser als ausschweifendes in den Himmel loben.


Zitat von Pilsum:
Wir alle brauchen immer mal wieder ein Lob und wir alle brauchen auch immer mal eine
negative Kritik. Das ist unbedingt notwendig, damit wir unseren Selbstwert überhaupt erst aufbauen können.
Ein Mensch der nie gelobt wurde hat dadurch, genau wie ein Mensch der immer nur gelobt wurde,
oft ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl.
Wir brauchen möglichst viel ehrliches Lob und ehrliche, sachliche Kritik.

Auch da Stimme ich dir zu. Leider habe ich das als Kind nicht bekommen. Fast kein Lob und auch keine sachliche Kritik. Eher gab es die Fragen was stimmt mit dir eigentlich nicht? Oder ich würde mit anderen verglichen, natürlich haben die immer es besser, richtig gemacht. Kein Wunder für mich, dass ich heute so schlecht von mir denke, ich hab's nicht anders gelernt.

Zitat von Pilsum:
Deinen Selbstwert kannst Du verbessern, wenn Du anderen etwas über Deine Lebensansichten
erzählst.

Schwieriges Thema. Da ich oft nur Ablehnung erhalten hab, ist das sich Öffnen für mich extrem schwer. Was, wenn mein Gegenüber das weitertratscht. Was, wenn er es abwertet, mich abwertet. Was, wenn er es gegen mich verwendet. Was, wenm was weiß ich, sonst noch alles passieren könnte, woran ich gerade nicht denke. Natürlich alles in die negative Richtung. Positiv kann ich da nicht. Ich hadere momentan einer Freundin davon zu erzählen. Aber ich bin wirklich hin und hergerissen, weil wenn die Katze aus dem Sack ist, kann man sie nicht mehr wieder reinstopfen. Dann istves raus und damit muss ich umgehen. Egal was passiert.
Zitat von Pilsum:
Durch das Verträngen von Deinen Gefühlen, weißt Du dann nicht so richtig,

wie Du Dich fühlst.

Und da kommt wie oben in dem Beitrag beschrieben dann meine Abwehrreaktion wütend sein zum Vorschein. Und es ist manchmal nicht leicht herauszufinden, warum ich wütend bin. Dann bin ich genervt weil ich wütend bin, weil es eigentlich was anderes ist, aber ich nicht drauf komme, was mich nur noch wütender macht. Aber in manchen Situationen könnte ich es schon herausfinden und such schon auflösen, indem ich dann darüber geredet hab.

Zitat von Pilsum:
Schwer ist es meistens deshalb, wenn Du versuchst etwas zu lernen, was Dir andere empfehlen,
was Dir aber im Grunde gar nicht für Dich persönlich richtig erscheint.

Ich glaube, das ist bei mir nicht so das Problem. Schwer ist es für mich, weil ich mich mit meinen Gefühlen auseinandersetzen muss, weil ich herausfinden muss, was gerade los ist. Wenn man es aber Jahrzehnte abgeblockt hat, ist es schwierig. Ich sollte in der Therapie mal sagen, wie ich mich fühle. Ich kenne nicht mal viele Gefühle. Es fällt mir unheimlich schwer, zu beschreiben, wie ich mich fühle, egal ob gut oder schlecht. Es gibt nur die Großen, fröhlich, traurig, wütend. Graustufen dazwischen... da fehlen mir die Wörter für.

Zitat von Pilsum:
Was möchtest Du denn hauptsächlich ändern? Weil, alles ändern und alles
annehmen und akzeptieren wird nicht unbedingt der richtige Weg werden.

Nein, nicht alles. Wie sagte mein Therapeut, ich werde immer die Person bleiben, die manchmal überreagiert, aber anders. Nicht mehr so extrem, hineinsteigern. Und sauer sein ist ja auch ok. Man darf mal sauer sein, aber man muss deswegen ja nicht jedesmal völlig eskalieren. Ändern möchte ich vor allem den Umgang mit mir selber. Ich möchte mich selbst mögen (von Liebe will ich erstmal nicht reden, mögen ist schon ein hohes Ziel). Ich möchte nicht mehr so oft wütend sein, scheinbar grundlos. Ich will merken, was ich gerade fühle und dementsprechend reagieren. Angemessen. Ich möchte akzeptieren, dass meine Kindheit war wie sie war, aber ich jetzt trotzdem lernen kann glücklich zu werden. Dass ich doch noch was rausholen kann aus meinem Leben. Dass ich mir durch meine Kindheit/Erziehung nicht mein weiteres Leben vermiesen lasse. Dass es jetzt Zeit ist, das wütende Kind in mir zu beruhigen und ihm klar machen, dass jetzt alles anders läuft und das wir gemeinsam gegenseitig auf uns aufpassen und uns akzeptieren, wen es mal blöd läuft mich uns.

Ansonsten würd ich schon gern bleiben wie ich bin. Ein wenig nerdig angehaucht, etwas abseits vom Mainstream, meine Meinung sagen, mit meinen Freunden Spaß haben, mit offenen Augen durch die Welt gehen. Auf meine Freunde und meinen Freund achten. Freude schenken. Wenn ich in der richtigen Laune und unter den richtigen Leuten bin, bin ich schon ein Spaßvogel und das will ich weiterhin sein.

Im Wesentlichen möchte ich die Punkte meiner Aggressivität, meiner Abwehrhaltung auflösen, dass ich um Hilfe bitten und annehmen kann, dass ich mich nicht selbst so bestrafe, indem ich mich furchtbar beleidige. Ich denke nämlich, dass sich dadurch vieles andere mitlösen wird.

15.08.2020 15:11 • x 1 #19


Pilsum
Hallo Dumbo,

danke für Deine tolle Antwort. Ich finde, da kann man sehr viel herauslesen.
Zitat:
Das Lob, wie es diese junge Psychologin gemacht hat, war für mich falsch. Es klang unecht. Es klang als wenn sie zu einem kleinen Kind redet, dem man sagt, dass es ja supertoll ist, dass es ganz alleine, ohne fremde Hilfe auf den Kletterturm gekommen ist. Und das immer und immer wieder. Lob in der Form, übertrieben, (für mich) falsch formuliert, in den (für mich) falschen Worten bringt mir nichts. Das nehme ich nicht ernst und erst Recht nicht an. Bzw. Denke teilweise, ja du Flachschippe, das weiß ich schon selber, dass musst du mir bestimmt nicht sagen. Ich brauche ehrlich gemeintes Lob, ein kurzes das ist gut ist oft besser als ausschweifendes in den Himmel loben.


Sieh mal. Kann es sein, dass Du daran beteiligt bist, dass Deine Psychologin so mit Dir redet?
Wie gehst Du mit ihr um? Nimmst Du sie ernst? Eventuell spielt ihr ein Spiel miteinander.
Du kommst zu ihr und sagst. Guten Tag Frau Psych. Ich habe ein Problem. Das kann ich aber niemandem
sagen, weil ich entschieden habe, dass es ein Geheimnis bleiben soll.
Deswegen habe ich auch Angst davor, es ihnen zu erzählen.

Deine Psych. Spielt das Spiel mit Dir mit. Was soll sie sonst machen? Also fängt sie an Dich
übertrieben zu loben, weil sie hofft, dadurch würdest Du die Angst vor ihr etwas abbauen.
Nun sagst Du aber. Nein, das macht mich eher böse, weil ich mich nicht ernstgenommen fühle.
Dann solltest Du etwas in den Gesprächen verändern. Meinst Du, Du schaffst es, erwachsener,
also mit wenig Angst zu reden und so gut, wie es Dir heute möglich ist, Deine Gefühle
auszudrücken? Hier redest Du ja erwachsen und klug. Gar nicht ängstlich.
Viele haben ein Problem, wenn sie einem Menschen gegenübersitzen, weil sie sich selbst gelernt haben.
Vertraue nie jemandem, der wie ein Mensch aussieht.
Könnte das auch bei Dir eine Schwierigkeit sein?

Zitat:
Leider habe ich das als Kind nicht bekommen. Fast kein Lob und auch keine sachliche Kritik.


Das tut mir Leid. Dann bist Du unter etwas schwierigen Umständen aufgewachsen.
Heute kannst Du das aber noch verbessern. Deine Psych. Versucht Dir Dein Verhalten zu
spiegeln. Je mehr Du ernst und sachlich mit ihr redest, umso mehr vermute ich, wird sie
ihre Art, Dich übermäßig zu loben, verändern.
Zitat:
Da ich oft nur Ablehnung erhalten hab, ist das sich Öffnen für mich extrem schwer. Was, wenn mein Gegenüber
das weitertratscht. Was, wenn er es abwertet, mich abwertet. Was, wenn er es gegen mich verwendet.
Was, wenn was weiß ich, sonst noch alles passieren könnte, woran ich gerade nicht denke.


Beschreibst Du hier gerade, dass Du in einer Angstschleife feststeckst?
Weißt Du, was passiert, wenn das jemand weitertratscht? Nichts! Genau Nichts.
Und weißt Du, was passiert, wenn jemand etwas versucht gegen Dich zu verwenden?
Dann brichst Du den Kontakt zu demjenigen vorübergehend oder vollständig ab.
Ich sehe somit kaum eine echte Gefahr.

Zitat:
Ich hadere momentan einer Freundin davon zu erzählen. Aber ich bin wirklich hin und hergerissen,
weil wenn die Katze aus dem Sack ist, kann man sie nicht mehr wieder reinstopfen. Dann ist es raus und
damit muss ich umgehen. Egal was passiert.


Ich ahne, worüber Du sprechen möchtest. Wenn Du Zweifel hast, dann erzähle es Deiner Freundin nicht.
Dafür kannst Du doch Deine Psych. benutzen. Die schweigen, erzählen nie etwas weiter.
Und irgendwann siehst Du sie auch nicht mehr.

Zitat:
Und da kommt wie oben in dem Beitrag beschrieben dann meine Abwehrreaktion wütend sein zum Vorschein. Und es ist manchmal nicht leicht herauszufinden, warum ich wütend bin. Dann bin ich genervt weil ich wütend bin, weil es eigentlich was anderes ist, aber ich nicht drauf komme, was mich nur noch wütender macht. Aber in manchen Situationen könnte ich es schon herausfinden und such schon auflösen, indem ich dann darüber geredet hab.


Nun wütend wird man immer, wenn man befürchtet. Jetzt versucht mich jemand an die
Wand zu drücken. Ich kann mich nicht mehr verteidigen. Dann erfolgt ein Angriff, ein
Ausbruchversuch mit Worten. In Wirklichkeit kann Dich aber niemand in eine Ecke drängen.

Zitat:
Ansonsten würd ich schon gern bleiben wie ich bin. Ein wenig nerdig angehaucht, etwas abseits vom Mainstream, meine Meinung sagen, mit meinen Freunden Spaß haben, mit offenen Augen durch die Welt gehen. Auf meine Freunde und meinen Freund achten. Freude schenken. Wenn ich in der richtigen Laune und unter den richtigen Leuten bin, bin ich schon ein Spaßvogel und das will ich weiterhin sein.


Das ist doch wunderbar. Dann mach das genau so, wie Du es hier beschreibst.
Viel Erfolg wünsche ich Dir dabei.

Viele Grüße

Bernhard

15.08.2020 17:03 • #20


D
Hallo Pilsum,

nein, mit der Psychologin habe ich kein Spiel gespielt. Ich habe mit ihr geredet wie mit den drei anderen Therapeuten, die ich ausprobiert habe, keiner hat so überzogen mit Lob reagiert. Wobei es auch egal ist, ich hatte bei ihr zwei probatorische Sitzungen und mich dann dazu entschieden, bei meinem jetzigen Therapeuten zu bleiben. Ich war nur damals unsicher, weil ich nicht wieder zum Erstbesten gehen wollte. Hatte ich vor 3 Jahren schon mal gemacht und die tiefenpsychologische Thera damals war fürn A. Könnte aber nach den beiden Sitzungen beinahe sagen, ne, da wo du bist, bist du schon sehr gut aufgehoben. Und es ist ja nicht als lobe der nicht, aber eben anders. Erwachsener. Liegt vielleicht auch am Alter. Oder daran, dass ich generell mit Männern besser kann als mit Frauen.

Ich kann bei Psychologen übrigens sehr gut frei reden, über alles. Ich denke, das liegt eben daran, dass man nicht miteinander befreundet ist, sondern da ist, um über alles zu reden. Ich werde mit dem Therapeuten nie zum gemeinsam Spieleabend zusammen sitzen, nicht täglich zusammen arbeiten, er hat keinen Kontakt zu meinen Freunden. Zudem hat er eine Schweigepflicht. Zumindest was meinen Namen angeht und auch, dass er ein Aussenstehender ist, der meiner Meinung nach Dinge ggf besser objektiv beurteilen kann, hab ich da absolut keine Probleme alles offen zu legen.

Als Angstschleife würde ich mein Offenlegungsproblem zu meinen Freunden auch nicht beschreiben. Da ich halt immer alles mindestens einmal tod durchdenke, tu ich mich damit generell schwer. Es ist ja so, dass niemand gerne psychische Krankheiten zugibt. Das ist immer noch irgendwie ein Tabu. Zudem überleg ich mir, was will ich damit bezwecken? Klar, ich würd manchmal gern drüber reden. Aber ich glaube, jeder meiner Freunde wäre erschrocken, wenn es heissen würde, ich wäre depressiv. Das würde so gar nicht zu meinem Verhalten passen wenn ich mit denen unterwegs bin. Und es ist auch nicht so, dass ich mich vor diesen Freunden verstelle, ich bin glücklich wenn ich mit ihnen zusammen bin. Es ist nicht oft und manchmal muss ich mich vorher schon arg dazu aufraffen, dass ich losgehe, aber ich weiß eben, dass mir diese Treffen gut tun und wenn ich erstmal unterwegs bin, dass das vorherige Puh, ich hab irgendwie keine Lust und würd viel lieber auf dem Sofa rumgammeln ganz schnell vergessen ist.

Zitat von Pilsum:
Und weißt Du, was passiert, wenn jemand etwas versucht gegen Dich zu verwenden?
Dann brichst Du den Kontakt zu demjenigen vorübergehend oder vollständig ab.

Das Problem bei dieser besagten Freundin ist eben, dass es auch eine Arbetskollegin ist. Ich glaube, im Freundeskreis alleine wäre es nicht so dramatisch, aber auf der Arbeit.... ist eine andere Sache für mich. Bei uns wird eh so viel getratscht (90% Frauenanteil), die freuen sich alle regelrecht, wenn sie sich wieder mal über jemanden das Maul zerreißen können. Ganz übel. Und da könnte ich eben nicht sagen, lass sie links liegen, weil ich muss ja mit ihr arbeiten. Ich glaube auch nicht, dass sie es bewusst weiter erzählen würde, aber ggd. mal, weil sie nicht drüber nachgedacht hat und dann ist schnell was daher gesagt. Naja, vielleicht kommt es mit der Zeit noch.

Zitat von Pilsum:
Nun wütend wird man immer, wenn man befürchtet. Jetzt versucht mich jemand an die
Wand zu drücken. Ich kann mich nicht mehr verteidigen. Dann erfolgt ein Angriff, ein
Ausbruchversuch mit Worten. In Wirklichkeit kann Dich aber niemand in eine Ecke drängen.

Ja, das hab ich jetzt auch ein paar Mal schon feststellen können. Ich versuche momentan, wenn ich merke ich werde gerade wieder laut, mich aus der Situation rauszunehmen. Sage dann, ich brauche mal 5 Minuten. Am Anfang war es echt schwierig, die letzten Male könnte ich mich ruhig hinsetzen und mich fragen so, du bist ösig, weil gerade was gesagt wurde, aber du bist nicht deswegen ösig, versu je herauszufinden, warum du wirklich ösig bist. Und es ist ganz oft der Fall, dass ich mich verurteilt fühle. Manchmal aus früheren Erfahrungen, manchmal weil ich mich kurz vorher selbst verurteilt habe. Wenn ich herausgefunden habe, was mich wirklich ösig macht, kann ich es abschalten. Dann kann ich drüber reden, erklären was war. Das ist auch für meinen Freund besser, weil er dann nachvollziehen kann, was los war. Und danach ist dann wieder gut. Es sind zu 95% Dinge, die ich in die falsche Schublade packe, die selbstgemacht sind. Nur heute wusste ich nicht, warum mich die schlechtpellenden Kartoffeln so aufregten, aber manchmal hat man eben einfach miese Laune

Als die Arbeit fertig war ging es auch wieder. Und anstatt meinen Freund zwischendurch anzumaulen, hab ich ihn einfach von der Küche auf die Terasse geschickt und ihm gesagt, er muss gleich eh noch grillen und soll mich das machen lassen. Alles was mir Angriffsfläche bietet (gerechtfertig oder meistens eher nicht) wegschaffen.

Ich hab noch 5 Tage bis ich mit den Medikamenten anfange. Ich bin ehrlich gesagt unsicher, ob sie helfen. Man liest immer, dass sie bei mittelschweren bis schweren Depressionen helfen können laut Diagnose hab ich das, aber fühle es nicht so schwer. Bis eben auf die Momenten, in denen es mich wirklich runterzieht. Da ich aber schon seit einer Woche Urlaub habe, sind diese Momente auch fast weg. Ich weiß, dass sie wiederkommen, wenn ich arbeite aber momentan sind sie weit weg für mich.

Kommt mir vor als suche ich nach ner Ausrede, dass ich ja so bleiben kann wie ich bin, ändern ist ja schon n bisschen anstrengender. Auf Dauer glaube ich aber schon lohnenswerter als diese blöden Tiefphasen. So what... Montag morgen fang ich an.

19.08.2020 21:25 • x 1 #21


D
So, heute ist also der Starttag mit meinem Medikament gewesen. Ich hätte ein wenig Angst, dass ich mich wieder so high fühle, wie vor einigen Wochen bei der ersten Tablette. Das blieb aber heute aus. Gottseidank. Das Gefühl auf der Arbeit zu haben ist echt unangenehm.

Ich erwarte eigentlich nicht, dass sich jetzt sofort etwas ändert. Ich denke auch, dass ich es bestimmt erstmal noch hochdosieren muss. Ich starte mit 5 mg Escitalopram. Werde morgen mal mit meinem Psychologen besprechen, ob ich wirklich jede Woche um weitere 5 mg erhöhen soll, wie der Psychiater meint, oder ob ich es langsamer angehen soll. Fände langsamer irgendwie sinniger, da solche Medis ja im Schnitt 2-3 Wochen brauchen sollen bis sie wirken. Weiß nicht, was der Psychiater sich dabei gedacht hat.

Mal gucken, ob es überhaupt irgendwas bringt....

24.08.2020 19:37 • #22

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