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Es ging mir gut - Schuld und Scham

R
Liebe bake37,
du hattest wirklich kein einfaches Leben und wenn das mit 15 Jahren schon bei dir angefangen hat ist es wirklich eine lange Zeit in der du mit Depressionen lebst. Aber wie gut dass dir das Tofranil über viele Jahre geholfen hat.
Es muss sehr schmerzhaft sein, wenn es nur um die Etikette geht in der Familie, aber ansonsten keine Liebe da ist, das tut mir sehr leid für dich, weil jeder Mensch es verdient hat geliebt und gesehen zu werden.
Ich habe das Gefühl, dass du auch immer kämpfen musstest, um Erfolge, um Anerkennung, um geliebt und gesehen zu werden. Das ist anstrengend, das kenne ich aus meinem eigenen Leben:
Als Kind nicht gewollt, unehelich, der Vater verlies meine Mutter bevor ich geboren wurde und dann kam noch die unterschwellige Bemerkung immer dazu, dass wenn ich ein Junge gewesen wäre, dass dann mein Vater meine Mutter geheiratet hätte.
Ich bin bei der Oma aufgewachsen die sehr auroritär und sehr verletzend war. Ich musste mir Liebe immer verdienen durch Leistung, dann wurde ich bemerkt, dann hat man mich beachtet, ansonsten hab ich es auch zu spüren bekommen mit Worten, wenn ich die erwünschte Leistung nicht erbringen konnte. Statt mich zu ermutigen wurde ich beschimpft, dass aus mir sowieso nichts werden wird außer vielleicht Kloputzerin. Kein Selbstvertrauen, keine Selbtachtung, keine Selbstannahme resultierten aus dem ganzen Desaster.

Ich musste immer stark sein, aber war eigentlich ein schwacher Mensch, der immer nur um Liebe und Annahme rang mein ganzes Leben lang. Das ist anstrengend und das laugt aus.
Heute ist es für mich fast wie ein Wunder, dass ich da sein kann wo ich jetzt bin.
Aber ich weiss noch gut um die Zeit in der es mir ging wie dir. Es ist furchtbar, kaum auszuhalten diese Leere, diese Sinn- und Hoffnungslosigkeit und das Tag um Tag. Wie oft habe ich mit dem Gedanken gespielt mir etwas anzutun, weil ich meinen Zustand nicht mehr aushalten konnte. Keine Kraft, keine Energie, einfach furchtbar.
Aber wenn es bei mir besser geworden ist, dann kann es auch bei dir wieder besser werden, auch, wenn das jetzt nicht so aussieht und du es nicht glauben kannst.

Hör mal, hast du schon mal was von der tiefen Hirnstimulation gehört? Das ist ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher, nur eben im Gehirn. Das wird bei schweren depressiven Verläufen angewand, wo Therapie, Klinik, Medikamente,EKT nichts geholfen haben. Es werden im Universitäts Klinikum in Freiburg Studien darüber durchgeführt und es hat bei sehr vielen Probanden geholfen. Wenn du magst kannst du dich mal dort erkundigen, ich schreib dir die Adresse und die Tel.nr. auf:

Universitäts Klinikum Freiburg
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Abteilung für Interventionelle Biologische Psychiatrie
Abteilungsleiter: Prof.Dr. T.E. Schläpfer
Tel.: 0761 270 68820
thomas schlaepfer@uniklinik-freiburg.de
Sekretariat: 0761 270 69800

Alles Liebe, Robbe

26.01.2021 19:24 • x 2 #16


B
Liebe Robbe,
Danke für alles.
Die Freiburger haben schon vor vielen Jahren mit der THS angefangen. Der ersten Patientin ging es blendend danach. Dann erlitt sie einen Fahrradunfall. Das Gerät ging kaputt und plötzlich fiel sie wieder in ihren alten Zustand zurück. Das ist alles sehr überzeugend. Ich bin leider zu alt für diese aufwändige Prozedur. Sie steht in keinem Verhältnis zu meiner Lebenserwartung.Ich wäre schon froh, wenn ich einen Therapieplatz für die rTMS bekäme. Im Sommer habe ich 3 Monate recherchiert und nachgefragt einschließlich des offiziellen rTMS-Verzeichnisses. 2 Kliniken gibt es in meinem erreichbaren Umfeld. Sie kommen leider aus organisatorischen Gründen nicht in Frage. Das wäre meine letzte Option gewesen. Aus der Traum. Im Forum sind einige wenige, die das Glück hatten, eine rTMS zu bekommen. Ich gehöre halt nicht dazu.
Wie wir alle, hattest Du auch Probleme in der Kindheit. Wie Du sagst, es ist ein Wunder, dass wir es bis hier und heute geschafft haben. Mehr oder weniger!.Meine Mutter starb, als ich fünf war, ich habe sie nicht mehr gekannt. Am Kriegsende hat mein Vater wieder geheiratet. Die Ehe ging gut, nicht aber das Stiefmutterprinzip. Meine Schwester(6) und ich(8) wurden die Dienstmädchen für Herrscher und Herrscherin. Kochen, backen, abwaschen, putzen, Parkett auf den Knien schrubben, bohnern, Einkäufe schleppen, Teppich klopfen, Wäsche waschen in der Badewanne, Dro. klein klopfen für die Heizung, Ofen saubermachen, Asche raus usw. Wenn Besuch kam, mussten wir die gepflegten, feinen, lieben, wohlerzogenen Kinder des Hauses mimen mit erstklassigen Tischmanieren, versteht sich. So war das ab 1946/47. - Später gab es ein erwachsenes Dienstmädchen, das bezahlt wurde. Es begann eine andere Zeit und eine andere Geschichte. Die war auch nicht besser.
Du und wir alle haben unser Kindsein überlebt, doch die Resilienz, wie die Psychologen das nennen, hat nicht ganz gereicht. Und kommt dann noch genetisches dazu, vielleicht noch eine besch..... Ehe, dann wartet eines Tages eben das schwarze Loch auf uns. Ich weiß echt nicht, wie ich ohne jede Perspektive leben soll. Wozu, wenn nichts mehr geht. Einzig die verdammte Selbsterhaltung hindert mich am Exit.
Liebe Robbe, Du bist noch jünger als ich. Sieh zu, dass Du im Alter nicht so tief fällst wie ich jetzt. Vielleicht erlebst Du noch, dass einer mal die echt Glückspille entdeckt. Das wäre einen Nobelpreis wert. Für uns eines fernen Tages Heilung von dieser Sch..... Entschuldigt bitte meine Wortwahl. Selbst das vulgärste Schimpfwort ist noch geschmeichelt
Liebe Grüße an Dich, Robbe und an Euch alle. Danke für Euere Hilfe.
bake37

29.01.2021 18:03 • x 1 #17


A


Hallo Butterblumee,

Es ging mir gut - Schuld und Scham

x 3#3


buddl1
ach, alle hier tragen ihr eigenes Päckchen und nein,
warum sollte ich versuchen dich zu etwas zu zwingen.
du hast gelebt, viel mehr als mir selbst zu teilwerden kann.
und dennoch, bist du und auch ich hier, weil wir glauben und leben,
so wie es jeder eben noch kann.
ich wäre nicht hier, wenn wie diese Hand nicht gehalten hätten
und wer möchte diese in eben jener stunde missen,
wenn alles nicht mehr zählt,
Jugend, liebe, Hoffnung oder vertrauen...
am ende gehen wir, so wie wir kamen
*beep*, allein und erst danach wurden wir in den armen genommen.
weit du,
mir wurde manchmal es möglich, Menschen in die Augen zu schauen, bevor sie gingen.
es war und ist kein Geschenk, ehr eine Bürde oder Aufgabe, weil keiner mehr den Glauben in sich finden kann.

in meiner großen Bundeshauptstadt, da ist man einsamer als wie auf dem Land,
den einzigen den man kennt ist sind die Nachbarn , mit vielen im streit.

ja, wir haben unsere Hoffnung in der Verhinderungspflege gefunden, das heißt
wir geben und nehmen von denen die nach uns kommen.
es mag manchmal egoistisch sich lesen,
aber wenn einem die eigenen Kinder nicht die Erfüllung geben wollen,
weil sie anders denken, anders fühlen, es eine andere Zeit ist,
wir wohl auch schon sehr alt uns fühlen....

ja wir werden einsamer,
auch weil alle die neben uns, vor uns waren
schon gegangen sind und dennoch,
bleib du bei uns,
wir und auch ich können nichts ersetzen, aber
zumindest teilen, was wir denken, was wir fühlen
und vor allem was wir lieben.

ich bin nicht anders oder besser,
als all die die hier dich lesen,
ich hab vielleicht ein kleines Talent im lesen, interpretieren
und schreibe aus meinem Herzen, weil es da ist, das Gefühl
da sein zu wollen,
wenn mir das gelungen ist,
dann haben wir uns in den Gedanken, in der Seele gefunden,
mehr bedarf es dann zum Leben nicht.

du bist tief in meine Zeilen versunken,
ich tat es auch, weil es das Wert war, zu sehen zu spüren und auch auf das morgen zu schauen,
weil es es den gibt.
für dich,
für mich,
und alle die unseren Gedanken folgen.
weil wir das Leben leben.
buddl1,

29.01.2021 20:20 • x 2 #18


Butter
Hallo

ich habe keinen wirklichen vergleich an Psychologen, habe meinen ersten, den nächsten der mal Termine hatte und bin auch mega unzufrieden.

Such dir gleich einen anderen das geht gar nicht was der dir an den Kopf wirft, alles gute dir.

02.02.2021 11:46 • #19


buddl1
Hey liebe @butter, es sind doch Entscheidungen die jeder von uns einzeln triff,
sei es als Person, als Therapeut oder ja als Arzt.
es ist so schwierig, wenn man das Fachgebiet zwar studiert, gelehrt oder gar verstanden hat,
es aber nicht erlebt, durchgelebt hat.
weißt du, wie viele über Dinge entscheiden ohne je damit konfrontiert geworden zu sein.
ich schließe mich da nicht aus,
jeder muss für sich selbst finden was er brauch
oder eben auch nicht.
manchmal betraf es einfach Zeit...
buddl1,

05.02.2021 20:19 • x 1 #20

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