Hallo Mausi,
wirklich helfen kann auch ich dir nicht, aber in einem Punkt will ich dir Mut zusprechen, weil es mir verdammt wichtig erscheint: streck sämtliche Fühler aus, um vielleicht doch über kurz oder lang einen anderen Job zu bekommen! Steck einen Teil der übrig gebliebenen Energie da rein und mach einfach alles mögliche aufs Geradewohl: geh gedanklich (oder ruhig auch mal am WE per Fahrrad oder Auto) alles durch, was es in deiner Gegend gibt. Versuch dir vorzustellen, wie es wäre, dort zu arbeiten. Sprich mit den Leuten (Angestellte, Chefs) ... Guck dir Stellenanzeigen an. Schreib vielleicht auch mal ne Bewerbung - oder fahr ggf. einfach mal hin (aber Vorsicht: viele Personaler mögen es nicht so, wenn jemand ohne Termin auftaucht - wiederum hat so was in unsrer Firma schon ein paar Leuten zu einem Job verholfen ;-)
Vordergründig wichtig finde ich dabei, dass du im Moment so etwas wie Hoffnung bekommst. Hoffnung, dass sich durchaus etwas ändern könnte. Das ist m.E. ungeheuer wichtig! Ob du dann einen anderen Job in drei Monaten oder drei Jahren findest, ist fast zweitrangig. Aber du musst dringend das Gefühl (wieder)kriegen, nicht ohnmächtig gefangen zu sein, sondern durchaus etwas ändern zu können.
Mit selbstständig machen hab ich keine Erfahrung, rate da aber auch zu höchster Vorsicht. Falls du ein besonderes Talent hast und/oder eine echte Marktnische bedienen kannst ... vielleicht. Aber ansonsten unterschätz einfach nicht den Arbeitsaufwand, den Bürokratiewust, das ggf. notwendige Kapitalpolster usw. Selbstständig machen ist so ein Fluchttraum, oft wohl mit ähnlichen Illusionen verbunden wie auswandern ...
Wenn ich dringend schreibe, meine ich damit aber nicht schnellstens: ich will weder Panik machen, noch dich in deinem gefühlten Leid bekräftigen, noch dich zu überstürzten und unüberlegten Aktionen animieren! (Dass du dir damit keinen Gefallen tun würdest, ahnst du ja selber.) Aber nimm dich des Themas an und horch dich um - fang schon in den nächsten Tagen damit an und mach dir meinetwegen auch einen kleinen Schlachtplan. Hauptsache, du spürst, dass du dabei bist, etwas zu verändern!
Klar, es kann schon hilfreich sein, den Blickwinkel in Frage zu stellen. Wie schon jemand hier so treffend sagte, das ich muss mal zu ersetzen durch ich will. Mal zu grübeln, wie spaßig der Job des Kistenstaplers im Schlachthof-Kühlhaus ist, ... des acht Stunden rumstehenden Objektschutz-Wachmanns, usw. usw. Das hilft - aber nicht auf Dauer. Und es funktioniert meiner Erfahrung nach auch nicht auf Dauer, es einfach über einen Ausgleich zum Beruf zu versuchen. Der ist zwar wichtig, aber wenn man den Job (der immerhin die Hälfte der Zeit füllt) als Leid empfindet, funktioniert das einfach irgendwann nicht mehr. Im Gegenteil: es geht schleichend mehr und mehr bei drauf von dem, was eigentlich den Ausgleich bilden sollte...
Ich selbst bin jetzt Ende 40, hab nen guten/gut bezahlten Job, und komm da nicht mehr raus, weil ich nicht mehr qualifiziert oder arbeitsmarktkompatibel bin. Ich könnte nur noch eine entweder/oder-Entscheidung treffen, bei der dann die Eigentumswohnung weg wäre und alles andere auch. Und darüber denke ich seit einiger Zeit ernsthaft nach: ein selbstgewähltes Nichts als Chance, wieder aufzuleben. Aber wer macht schon gerne etwas kaputt, ohne sich völlig sicher über die Konsequenzen zu sein? Also wird es wohl rauslaufen auf ein lebenslanges gut versorgt, aber lebensunfähig und krank ... (Und irrwitzigerweise versteht es auch niemand: der Therapeut versucht es nur mit Sie können doch die Zustände mitbestimmen und ändern ... von Anderen bekommst du Magentees empfohlen ... andere erklären dir, dass man im Leben immer fremdbestimmt wird ... - es versteht niemand! Als ob man von viereckigen Elefanten erzählen würde :-0 )
Du bist noch relativ jung, dein Gehalt ist vermutlich andernorts ähnlich realisierbar, und du hast dich vermutlich noch nicht all zu sehr in finanzielle Abhängigkeiten verstrickt (?). Also spricht alles dafür, dich nach einer Alternative umzusehen, die dich zufriedener macht! Geh ran! Ich drück dir sämtliche Daumen!
Liebe Grüße,
byron
17.05.2010 23:38 •
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