Inzwischen merke ich deutlicher, dass ich (mal) wieder auf dem Weg ins Tief bin.
Und doch mache ich weiter, stehe jeden Tag auf, funktioniere weiter. Wie ich es gelernt habe.
Aber ich halte durch, bis zu meinem nächsten Termin beim HA in 3 Wochen. Dabei hätte ich letzte
Woche schon eine Arbeitsunfähigkeit bekommen... Aber nein, Lost hat abgelehnt.
Wahrscheinlich muss ich mir irgendwas beweisen; was auch immer. Also habe ich mich nun
dazu entschlossen, noch diese 3 Wochen lang durchzuhalten. Ich kann viel ertragen...
Arbeitsmäßig sieht es nach wie vor ziemlich bescheiden aus. Ich kann mich einfach nicht
daran gewöhnen, keine eigene Abteilung mehr führen zu können. Das belastet mich sehr. Als ich das
letzte Woche bei meinem HA kurz ansprach kamen mir gleich die Tränen...
Mir kann niemand vorwerfen, nicht versucht zu haben, mich damit zu arrangieren. Über 3
Monate sind vergangen und ich kann mich immer noch nicht damit anfreunden. OK, ich mache
meine Arbeit und arbeite mit einer lieben Kollegin zusammen (was viel wert ist!), aber
letztendlich ist es nur ein Rumbringen der Stunden. Kopf und Gefühle aus, funktionieren.
Was nicht immer so gelingt, wie ich es mir wünsche.
Heute erst hat meine Lieblingskollegin mir einen Spruch gedrückt, der so hätte nicht sein müssen.
Ich brachte Akten rüber, ihr Spruch: Ach Lost111, du kommst jetzt aber sehr ungelegen, wir haben
gleich Geschäftsprüfung!. Bitte? Erstmal habe ich damit gar nichts mehr zu tun und dann waren
die Prüfer noch gar nicht zugegen.
Was habe ich falsch gemacht?
Leider bin ich nicht schlagfertig, so dass ich stillschweigend - nach Aktenablage - den Raum verließ.
Aber wahrscheinlich nehme ich mir das viel zu sehr zu Herzen. Ich hatte mir vorgenommen,
sowas nicht mehr so nah an mich ran zu lassen. Dennoch hat es mich geärgert. Ich habe es nun
meinem TB anvertraut und hoffe, es damit abgehakt zu haben.
Und es tut gerade gut, dies hier nochmal loswerden zu können.
Für mich ist mittags - nach der Arbeit - der Tag schon gelaufen. Alles darüber hinaus kostet
mich enorm viel Kraft. Ich will einfach nur meine Ruhe.
Und ich will mich nicht mehr verbiegen, um den Erwartungen Anderer zu erfüllen.
Was leichter gesagt als getan ist.
Das Dunkel rückt näher, Tag für Tag. Wie lange kann ich noch widerstehen?
Das Glück ist nur ein Traum, und der Schmerz ist wirklich.
(Voltaire)
06.10.2022 22:28 •
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