Hallo ihr Lieben!
@Schlüsselkind
Ich habe Deine Kommentare noch mal gelesen und bin wirklich sehr erstaunt, wie schnell Du Situationen begreifst, wie gut Du spürst, wie sehr Du Feinheiten aufgreifst. Das alles sagt man mir (beruflich) nach und ich finde es grade sehr schön, mal die andere Seite erleben zu dürfen!
@HDD ich habe Dein Tagebuch gelesen, es fängt so berührend an! Es wäre schön, wenn Du weiterschriebst.
@Schlüsselkind hat die männlichen Freunde erwähnt. Es gibt sie kaum. Eigentlich sind mir - nicht zuletzt durch Corona - die meisten meiner Freunde abhanden gekommen.
Und ich dachte grade bei @HDD s Beschreibung schön, mal mitzubekommen, was und wie Männer eigentlich denken!
Ich habe bestimmt kein tolles Männerbild. Das ist der eigentliche Grund, warum mein Unterbewusstsein dafür gesorgt hat, dass alle tiefergehenden Beziehungen unverzüglich gekappt wurden. Offenbar noch vor dem Kennenlernen.
Vor ein paar Jahren öffnete mir ein Arzt die Augen. Er sagte - ohne viel von meinen Geschichten zu hören - sie haben lauter schwache, männliche Familienangehörige. Ich war extremst überrascht, dass dieser - eventuelle - Schuss ins Blaue so gezielt ins Schwarze traf.
Erstmalig fiel mir auf, dass ich sowohl Großväter, Vater, Stiefvater und seit dem Erwachsenenalter Schwager und Neffe als schwächer als die dazugehörigen Frauen empfand bzw. empfinde.
Und dieses Empfinden hat sich offenbar manifestiert. Ich will aber Frau sein, will nicht immer die Zügel in der Hand haben. Zumindest denke ich das. Ich habe eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Vertrauen. Gleichzeitig habe ich in meiner Familie gelernt, dass alles aus den Fugen bricht, wenn nicht die Frauen die Dinge am Laufen und unter Kontrolle halten.
Damit ihr das ein bisschen versteht: mein Vater hat uns für eine junge Frau verlassen, die ein Teenager war. Noch nicht mal volljährig. Sie hat ihn erpresst, jeglichen Kontakt zu uns Kindern abzubrechen, und so habe ich meinen Vater viele Jahre als völlig Fremden wahrgenommen, den ich für eine halbe Stunde im Kaffeehaus treffe. (Ich war ein Kleinkind unter 3 Jahren)
Mein Steifvater hat vergessen, mich aus dem Kindergarten abzuholen. Und heute noch spüre ich den Zorn der Kindergärtnerinnen, die wegen mir nicht in den Feierabend gehen konnten.
Mein Stiefvater war ein gefühlskalter Mensch. (Und grade als ich das schreibe, fällt mir auf, dass das nicht stimmt.) Er musste so agieren, weil er neben meiner narzisstischen Mutter anders gar nicht hätte überleben können. Aber - so ehrlich muss ich zu mir selbst sein - später, als Erwachsene war er die treibende - und ich sie gerne annehmende -Kraft, die für einen Beziehungsaufbau sorgte.
Nichtsdestotrotz betrog er meine Mutter viele Jahre.
Der Nachbar schlug die Ehefrau und auch die Kinder. Also hielt ich auch die Gewalt, der ich ausgesetzt war für irgendwie normal.
Als ich 20 war, führte ich meine erste richtige Beziehung im (mehr oder weniger Erwachsenenalter) und wurde in einem Maße betrogen und belogen, wie ich das meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Im Zuge dessen wurde ich von meiner einzigen existierenden Bezugsperson - meiner narzisstischen Mutter belehrt - dass ich mich daran gewöhnen solle, denn das wird Dir Dein ganzes Leben passieren!
Anfänglich nahm ich ihren Rat an und ließ dieses grenzenlose A******Loch noch ein weiteres Jahr Teil in meinem Leben sein, bis ich zur gesunden Erkenntnis kam, nicht in meinem Leben!
Fortan lernte ich hie und da (wenige, interessante) Männer kennen und stellte sehr rasch fest, dass es offensichtlich das alleinige Hauptziel aller war, mich ins Bett zu bekommen.
Und ich lernte, dass alle Männer die Interesse zeigten gebunden oder gar verheiratet waren. Als ich 27 war, lernte ich - im Nachhinein betrachtet - die Liebe meines Lebens kennen (ebenfalls verheiratet). Die Beziehung war sehr schwierig, da er aus einem anderen Kulturkreis stammte, ich Rassismus hautnah miterlebte und er sich darüber hinaus lange nicht scheiden lassen konnte. Wir trennten uns einige Jahre später, erkannten aber im Laufe der Zeit, dass wir ohneeinander nicht Leben konnten. Nach weiteren vier Jahren beschlossen wir, es wieder miteinander zu versuchen. Er ist gerade noch dazu gekommen, mir das zu sagen. Innerhalb des darauffolgenden Monats verstarb er bei einem Verkehrsunfall.
Die nächsten 10 Jahre stellte ich bei nahezu jedem Mann, der mich hofierte fest, dass er gebunden war. Jedes Mal. Irgendwann überraschte es mich nicht mehr.
Es gab eine einzige Ausnahme. Dort traf es mich zutiefst, dass der Mann nicht damit klar kam, dass mein Leben materiell sehr viel erfolgreicher war als seines. Noch in der ersten Verliebtheitsphase schoss er mich ab, WEIL ich zu gut verdiente. (Wie krank ist das? Anstatt dass einer froh ist, dass ihm die Frau nicht auf der Tasche liegt!)
Mit über 40 und Erwartungen gegen Null ging ich eine Beziehung mit einem Mann ein, bei dem alle Alarmglocken läuteten und rasch erkannte ich, dass dieser Mensch eindeutige und ausgeprägte Tendenzen einer NPS zeigte. Er war meiner Mutter im Verhalten extrem ähnlich und erst am Ende unserer Beziehung - er hatte mich betrogen - bekam auch das Verhalten meiner Mutter einen Namen.
In dieser Situation schwor ich mir, nicht das gleiche durchzumachen wie als 20jährige (Ich war emotional durch die Hölle gegangen), meldete mich in einer Singlebörse an und lernte nach ca. einem Monat den Forumsgrund kennen.
Und plötzlich lernte ich einen Mann kennen, der seinerseits immer verlassen wurde (was meines Erachtens viel über ihn aussagt) Der sehr emphatisch war und erstmalig in meinem Leben führte ich mit einem Mann tolle Gespräche abseits der Bettkante.
Wie in meinem Eingangsposte bereits angekündigt, war klar, dass die Geschichte rasch wieder an ihre Grenzen stoßen wird. Was auch geschehen ist, weil ich den Grund, mich nicht treffen zu wollen/können immer auf mich beziehe. Ich nehme es persönlich, ohne zu verstehen, dass gerade unsere Verbundenheit dazu führt, dass er getriggert wird.
Ein Teufelskreis, in dem der arme Mensch gefangen ist. Menschen, die ihm nicht nahegehen, sind keine Bedrohung und genau jene, die ihn auf allen Ebenen berühren, lösen Stress aus (beim Gedanken, sie zu treffen und eine reale Beziehung einzugehen). Wobei ich übrigens sicher bin, die einzige auf diesen Ebenen zu sein.
Jetzt habe ich mich in diesem Forum schlau gemacht. Was ich damals gar nicht tat. Hier lese ich von den Sehnsüchten der Menschen, die durch eine PS in die Isolation getrieben wurden. Und ich lese davon, wie bedeutungslos sie sich fühlen. Wie sehr sie mit dem Leben hadern.
Ich weiß, dass es vor mir einige gab, die mein Schicksal teilten, die sich mit Vorwürfen von ihm abwandten, weil er ihnen nicht erzählte, was der wahre Grund für sein Verhalten (nicht treffen) ist.
Und das hält mich zu bleiben. Ich fühle mich fast verpflichtet, ihm zu zeigen, dass es durchaus jemanden gibt, der ihn als Mensch schätzt.
Ich habe sogar eine Hochachtung vor ihm. Er beklagt sich äußerst selten. Er gewinnt diesem reduzierten Leben jeden Tag etwas Schönes ab, obwohl ihm sein - vorgezeichnetes - Leben vor mehr als einem Jahrzehnt gestohlen wurde.
Ich schwanke selbst zwischen dem Hinterfragen meines Geisteszustands und meinem Mitgefühl für einen Menschen, der es verdient hat, ein bisschen was von der realen Welt mitzubekommen. Der es verdient hat, dass er was erzählt bekommt und dass ihm jemand zuhört und ein bisschen Anerkennung und Wertschätzung zeigt.
Die Welt redet immer davon, human zu sein! Wir brüsten uns mit unserer Spendierfreudigkeit für Kriegsopfer und laufen davon, wenn Menschen unter uns ein bisschen Hilfe brauchen? Das kann ich nicht! Allein schon deshalb, weil er mich vor etlichen Jahren davor bewahrt hat, in ein schwarzes Loch zu fallen!
24.07.2022 00:15 •
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