38

Internetbekanntschaft - was tun?

Schlüsselkind
Liebe AnnaX,

Du schriebst, dass Du mit Visualisierungen bisher keine Ergebnisse erzielt hast. Wenn Du sagst, Du hast schon an allen Dir bekannten Orten gesucht und nicht gefunden, könnte aber eine Visualisierung vielleicht noch einmal ganz hilfreich sein?

Da ich selbst ein stark visuell geprägter Mensch bin, mal ein paar Gedanken und ein Beispiel-Mann/Typ hierzu (mein Kopfkino ging gerade wohl etwas mit mir durch).

Wenn ich deine beschriebene Persönlichkeit mal auf mich wirken lasse, sehe ich einen Mann an deiner Seite der Dir ebenbürtig ist. Der ist auch groß, stark und unabhängig wie Du. Dem macht man nichts vor. So jemand von dem man denkt, dass er einen erdrückt, wenn er dich umarmt. Aber es fühlt sich weich und warm an.

Seefahrer-Holfzfäller-Typ, ähnlich dem Schauspieler Henning Baum. Der zwar eine gute Schuldbildung hat, aber nie gute Noten hatte. Intellekt ist etwas, was er nicht offen zeigt, weil ihm andere Dinge wie seine Lebenserfahrung wichtiger sind, er mag es authentisch. So sind auch seine Freunde, darunter befinden sich viele Ehepaare seines Alters, manche davon noch aus der gemeinsamen Schulzeit.

Er muss niemanden etwas beweisen, er ist Einzelgänger, aber seine wenigen alten Freunde würden ihn als rauh mit einem großen Herzen bezeichnen. Er ist zwar ein Einzelkind, aber die Eltern besucht er nur 1,2 mal im Jahr. Ihre Verbindung ist offen und loyal. Mit seinen Freunden trifft er sich abends zum pokern oder bei einem gemeinsamen Essen, um über Gott und die Welt zu reden, denn er hat von der Welt schon viel gesehen und reist gerne.

Vielleicht ist er einer der Männer, die mehrere Kinder von unterschiedlichen Frauen haben. Seine Kinder bedeuten ihm alles, der Kontakt ist regelmäßig, vielleicht hat er bereits seine ersten Enkelkinder. Für die nimmt er sich jetzt Zeit. Er bereut nichts in seinem Leben, denn alle Erfahrungen haben ihn zu dem Menschen gemacht, der er nun ist.

Sicherlich arbeitet er viel mit seinen Händen oder körperlich, ist handwerklich sehr begabt. Das gibt ihm ein gutes Gefühl abends müde von der harten Arbeit zu sein. In seiner Jugend hat er viel beruflich ausprobiert, auch das Büro. Aber er wurde zunächst nicht sesshaft. In seinem kleinen Haus nahe einer Küste sieht man daher viele Gegenstände von seinen Reisen und ein paar wenige alte abgeriffene Bücher. Vielleicht verhält er sich etwas verschlossener und hat nicht immer viele Worte parat, wenn er aber etwas erzählt, spricht sehr viel Lebensweisheit aus ihm. (...)

Nun würde ich nochmal tiefer gehen und visualisieren, wo ich auf solche Menschen treffen könnte, ohne dabei auch für andere Menschen nicht mehr offen zu sein. Mir fällt es auch schwer anzunehmen, dass ich den Typus Beispiel-Mann oben zwischen Dosensuppen oder Milchkaffee finde. Vielleicht ist er einer der Männer, auf die man auf Reisen trifft oder bei einer Segelragatta.

Wie ich Dich hier wahrnehme, brauchst Du gar keine Wünsche - Du kannst Dir Deine Wünsche doch selbst erfüllen.

So weit erst einmal meine Gedanken.

18.06.2022 11:16 • x 2 #16


HDD
Hallo @AnnaX,

Du schriebst ganz zu Anfang, dass Du auch im realen Leben Männer getroffen hast und Dich dann enttäuscht/betrogen wieder abgewendet hast. Was waren denn das für Männer-Typen? In welcher Hinsicht waren die anders als Deine Internet-Bekanntschaft?

Man sollte doch meinen, dass sich Männer wie Deine Internet-Bekanntschaft auch im realen Leben finden lassen sollten. Aber anscheinend ist das nicht so. Ich würde gerne verstehen, wo genau das Problem mit den realen Männern denn wirklich liegt. Vielleicht wo ganz anders als Du und ich bisher angenommen haben?

Liebe Grüße
HDD

18.06.2022 13:15 • x 1 #17


A


Hallo AnnaX,

Internetbekanntschaft - was tun?

x 3#3


A
Zitat von Schlüsselkind:
Visualisierung vielleicht noch einmal ganz hilfreich sein?

Deine ist toll!

Zitat von Schlüsselkind:
mein Kopfkino ging gerade wohl etwas mit mir durch).

Mit extrem gutem Ergebnis
Zitat von Schlüsselkind:
Der ist auch groß, stark und unabhängig wie Du. Dem macht man nichts vor. So jemand von dem man denkt, dass er einen erdrückt, wenn er dich umarmt. Aber es fühlt sich weich und warm an.

Ich kopfkino gleich mit! Ich kann seine kräftigen Arme spüren!

Zitat von Schlüsselkind:
Seefahrer-Holfzfäller-Typ, ähnlich dem Schauspieler Henning Baum.

Sehr gut getroffen! Blond müsste er nicht unbedingt sein ... ... aber ok!
Zitat von Schlüsselkind:
Der zwar eine gute Schuldbildung hat, aber nie gute Noten hatte. Intellekt ist etwas, was er nicht offen zeigt, weil ihm andere Dinge wie seine Lebenserfahrung wichtiger sind, er mag es authentisch. So sind auch seine Freunde, darunter befinden sich viele Ehepaare seines Alters, manche davon noch aus der gemeinsamen Schulzeit.

Klingt gut!
Sehr, sehr gut erkannt!
Zitat von Schlüsselkind:
Vielleicht ist er einer der Männer, die mehrere Kinder von unterschiedlichen Frauen haben.

Ähm ... na gut, auch damit müsste ich leben!
Zitat von Schlüsselkind:
Sicherlich arbeitet er viel mit seinen Händen oder körperlich, ist handwerklich sehr begabt

YES, das wäre cool! Ich liiiiiebe Baumärkte! Ich war heute in einem ... aber Henning war nicht da!

Zitat von Schlüsselkind:
Vielleicht verhält er sich etwas verschlossener und hat nicht immer viele Worte parat, wenn er aber etwas erzählt, spricht sehr viel Lebensweisheit aus ihm. (...)

Das ist lustig ... ich mag die ruhigen, selbstbewussten Typen ... die eine überlegene, aber keineswegs arrogante Art haben
Zitat von Schlüsselkind:
Mir fällt es auch schwer anzunehmen, dass ich den Typus Beispiel-Mann oben zwischen Dosensuppen oder Milchkaffee finde. Vielleicht ist er einer der Männer, auf die man auf Reisen trifft oder bei einer Segelragatta.

Hm ... wie komm ich dem jetzt hinterher?
Zitat von Schlüsselkind:
Wie ich Dich hier wahrnehme, brauchst Du gar keine Wünsche - Du kannst Dir Deine Wünsche doch selbst erfüllen.

Das versteh ich jetzt nicht ganz!? Wünsche von anderen?

18.06.2022 22:26 • x 1 #18


A
Hallo @HDD !


Zitat von HDD:
Du schriebst ganz zu Anfang, dass Du auch im realen Leben Männer getroffen hast und Dich dann enttäuscht/betrogen wieder abgewendet hast. Was waren denn das für Männer-Typen? In welcher Hinsicht waren die anders als Deine Internet-Bekanntschaft?

Das waren die Hennig Baums von @Schlüsselkind ... und deshalb haben sie so viele Kinder ... heiß begehrt

Im Ernst: Die meisten fallen unter Macho ... Lassen nichts anbrennen, charismatisches Auftreten, eloquent, selbstbewusst, dominant, sehr männlich

Der Internetmann ist das wahrscheinlich auch.
Bzw. war das, vor dem traumatisierenden Ereignis.
Das hat ihn aus der Bahn geworfen.

Zitat von HDD:
Man sollte doch meinen, dass sich Männer wie Deine Internet-Bekanntschaft auch im realen Leben finden lassen sollten. Aber anscheinend ist das nicht so. Ich würde gerne verstehen, wo genau das Problem mit den realen Männern denn wirklich liegt. Vielleicht wo ganz anders als Du und ich bisher angenommen haben?

Ja, die wollen Frauen, wo sie sich nicht anzustrengen brauchen ... und nachdem sie alle haben können, brauchen sie das auch nicht.

18.06.2022 22:35 • x 1 #19


Schlüsselkind
Zitat von AnnaX:
Das versteh ich jetzt nicht ganz!? Wünsche von anderen?


Nein - du schriebst folgendes, darauf wollte ich mich noch einmal beziehen. Das ist mir am stärksten von Deinem Erzählten in Erinnerung geblieben:

Zitat von AnnaX:
Warum dürfen sich so viele was wünschen und bekommen es auch. Warum dürfen jene die ihre ganze Kindheit S****** erlebt haben, sich nichts wünschen.


Ja, es gibt Menschen, die müssen sich weitaus weniger anstrengen, denen scheint vieles scheinbar nur so zuzufliegen. Und dann gibt es Menschen, die müssen für ihr Glück mehr Anstrengung aufbringen und selbst für Alltägliches kämpfen. Das ist nicht fair und macht viel Arbeit, an manchen Tagen verzweifelt man und dann fühlt sich selbst die eigene Unabhängigkeit wie eine Belastung an (von mir selbst erfolgreich getestet).

Dennoch empfinde ich es so, dass Du alle Werkzeuge dieser Welt besitzt, um eine für dich erfüllende Partnerschaft zu erreichen. Das wollte ich hiermit noch einmal bekräftigen und Mut machen, dass Du Dir Deine Wünsche selbst erfüllen kannst.

19.06.2022 12:43 • x 3 #20


A
Hallo ihr Lieben!

@Schlüsselkind
Ich habe Deine Kommentare noch mal gelesen und bin wirklich sehr erstaunt, wie schnell Du Situationen begreifst, wie gut Du spürst, wie sehr Du Feinheiten aufgreifst. Das alles sagt man mir (beruflich) nach und ich finde es grade sehr schön, mal die andere Seite erleben zu dürfen!

@HDD ich habe Dein Tagebuch gelesen, es fängt so berührend an! Es wäre schön, wenn Du weiterschriebst.

@Schlüsselkind hat die männlichen Freunde erwähnt. Es gibt sie kaum. Eigentlich sind mir - nicht zuletzt durch Corona - die meisten meiner Freunde abhanden gekommen.

Und ich dachte grade bei @HDD s Beschreibung schön, mal mitzubekommen, was und wie Männer eigentlich denken!

Ich habe bestimmt kein tolles Männerbild. Das ist der eigentliche Grund, warum mein Unterbewusstsein dafür gesorgt hat, dass alle tiefergehenden Beziehungen unverzüglich gekappt wurden. Offenbar noch vor dem Kennenlernen.

Vor ein paar Jahren öffnete mir ein Arzt die Augen. Er sagte - ohne viel von meinen Geschichten zu hören - sie haben lauter schwache, männliche Familienangehörige. Ich war extremst überrascht, dass dieser - eventuelle - Schuss ins Blaue so gezielt ins Schwarze traf.

Erstmalig fiel mir auf, dass ich sowohl Großväter, Vater, Stiefvater und seit dem Erwachsenenalter Schwager und Neffe als schwächer als die dazugehörigen Frauen empfand bzw. empfinde.

Und dieses Empfinden hat sich offenbar manifestiert. Ich will aber Frau sein, will nicht immer die Zügel in der Hand haben. Zumindest denke ich das. Ich habe eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Vertrauen. Gleichzeitig habe ich in meiner Familie gelernt, dass alles aus den Fugen bricht, wenn nicht die Frauen die Dinge am Laufen und unter Kontrolle halten.

Damit ihr das ein bisschen versteht: mein Vater hat uns für eine junge Frau verlassen, die ein Teenager war. Noch nicht mal volljährig. Sie hat ihn erpresst, jeglichen Kontakt zu uns Kindern abzubrechen, und so habe ich meinen Vater viele Jahre als völlig Fremden wahrgenommen, den ich für eine halbe Stunde im Kaffeehaus treffe. (Ich war ein Kleinkind unter 3 Jahren)

Mein Steifvater hat vergessen, mich aus dem Kindergarten abzuholen. Und heute noch spüre ich den Zorn der Kindergärtnerinnen, die wegen mir nicht in den Feierabend gehen konnten.

Mein Stiefvater war ein gefühlskalter Mensch. (Und grade als ich das schreibe, fällt mir auf, dass das nicht stimmt.) Er musste so agieren, weil er neben meiner narzisstischen Mutter anders gar nicht hätte überleben können. Aber - so ehrlich muss ich zu mir selbst sein - später, als Erwachsene war er die treibende - und ich sie gerne annehmende -Kraft, die für einen Beziehungsaufbau sorgte.

Nichtsdestotrotz betrog er meine Mutter viele Jahre.

Der Nachbar schlug die Ehefrau und auch die Kinder. Also hielt ich auch die Gewalt, der ich ausgesetzt war für irgendwie normal.

Als ich 20 war, führte ich meine erste richtige Beziehung im (mehr oder weniger Erwachsenenalter) und wurde in einem Maße betrogen und belogen, wie ich das meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Im Zuge dessen wurde ich von meiner einzigen existierenden Bezugsperson - meiner narzisstischen Mutter belehrt - dass ich mich daran gewöhnen solle, denn das wird Dir Dein ganzes Leben passieren!

Anfänglich nahm ich ihren Rat an und ließ dieses grenzenlose A******Loch noch ein weiteres Jahr Teil in meinem Leben sein, bis ich zur gesunden Erkenntnis kam, nicht in meinem Leben!

Fortan lernte ich hie und da (wenige, interessante) Männer kennen und stellte sehr rasch fest, dass es offensichtlich das alleinige Hauptziel aller war, mich ins Bett zu bekommen.

Und ich lernte, dass alle Männer die Interesse zeigten gebunden oder gar verheiratet waren. Als ich 27 war, lernte ich - im Nachhinein betrachtet - die Liebe meines Lebens kennen (ebenfalls verheiratet). Die Beziehung war sehr schwierig, da er aus einem anderen Kulturkreis stammte, ich Rassismus hautnah miterlebte und er sich darüber hinaus lange nicht scheiden lassen konnte. Wir trennten uns einige Jahre später, erkannten aber im Laufe der Zeit, dass wir ohneeinander nicht Leben konnten. Nach weiteren vier Jahren beschlossen wir, es wieder miteinander zu versuchen. Er ist gerade noch dazu gekommen, mir das zu sagen. Innerhalb des darauffolgenden Monats verstarb er bei einem Verkehrsunfall.

Die nächsten 10 Jahre stellte ich bei nahezu jedem Mann, der mich hofierte fest, dass er gebunden war. Jedes Mal. Irgendwann überraschte es mich nicht mehr.

Es gab eine einzige Ausnahme. Dort traf es mich zutiefst, dass der Mann nicht damit klar kam, dass mein Leben materiell sehr viel erfolgreicher war als seines. Noch in der ersten Verliebtheitsphase schoss er mich ab, WEIL ich zu gut verdiente. (Wie krank ist das? Anstatt dass einer froh ist, dass ihm die Frau nicht auf der Tasche liegt!)

Mit über 40 und Erwartungen gegen Null ging ich eine Beziehung mit einem Mann ein, bei dem alle Alarmglocken läuteten und rasch erkannte ich, dass dieser Mensch eindeutige und ausgeprägte Tendenzen einer NPS zeigte. Er war meiner Mutter im Verhalten extrem ähnlich und erst am Ende unserer Beziehung - er hatte mich betrogen - bekam auch das Verhalten meiner Mutter einen Namen.

In dieser Situation schwor ich mir, nicht das gleiche durchzumachen wie als 20jährige (Ich war emotional durch die Hölle gegangen), meldete mich in einer Singlebörse an und lernte nach ca. einem Monat den Forumsgrund kennen.

Und plötzlich lernte ich einen Mann kennen, der seinerseits immer verlassen wurde (was meines Erachtens viel über ihn aussagt) Der sehr emphatisch war und erstmalig in meinem Leben führte ich mit einem Mann tolle Gespräche abseits der Bettkante.

Wie in meinem Eingangsposte bereits angekündigt, war klar, dass die Geschichte rasch wieder an ihre Grenzen stoßen wird. Was auch geschehen ist, weil ich den Grund, mich nicht treffen zu wollen/können immer auf mich beziehe. Ich nehme es persönlich, ohne zu verstehen, dass gerade unsere Verbundenheit dazu führt, dass er getriggert wird.

Ein Teufelskreis, in dem der arme Mensch gefangen ist. Menschen, die ihm nicht nahegehen, sind keine Bedrohung und genau jene, die ihn auf allen Ebenen berühren, lösen Stress aus (beim Gedanken, sie zu treffen und eine reale Beziehung einzugehen). Wobei ich übrigens sicher bin, die einzige auf diesen Ebenen zu sein.

Jetzt habe ich mich in diesem Forum schlau gemacht. Was ich damals gar nicht tat. Hier lese ich von den Sehnsüchten der Menschen, die durch eine PS in die Isolation getrieben wurden. Und ich lese davon, wie bedeutungslos sie sich fühlen. Wie sehr sie mit dem Leben hadern.

Ich weiß, dass es vor mir einige gab, die mein Schicksal teilten, die sich mit Vorwürfen von ihm abwandten, weil er ihnen nicht erzählte, was der wahre Grund für sein Verhalten (nicht treffen) ist.

Und das hält mich zu bleiben. Ich fühle mich fast verpflichtet, ihm zu zeigen, dass es durchaus jemanden gibt, der ihn als Mensch schätzt.

Ich habe sogar eine Hochachtung vor ihm. Er beklagt sich äußerst selten. Er gewinnt diesem reduzierten Leben jeden Tag etwas Schönes ab, obwohl ihm sein - vorgezeichnetes - Leben vor mehr als einem Jahrzehnt gestohlen wurde.

Ich schwanke selbst zwischen dem Hinterfragen meines Geisteszustands und meinem Mitgefühl für einen Menschen, der es verdient hat, ein bisschen was von der realen Welt mitzubekommen. Der es verdient hat, dass er was erzählt bekommt und dass ihm jemand zuhört und ein bisschen Anerkennung und Wertschätzung zeigt.

Die Welt redet immer davon, human zu sein! Wir brüsten uns mit unserer Spendierfreudigkeit für Kriegsopfer und laufen davon, wenn Menschen unter uns ein bisschen Hilfe brauchen? Das kann ich nicht! Allein schon deshalb, weil er mich vor etlichen Jahren davor bewahrt hat, in ein schwarzes Loch zu fallen!

24.07.2022 00:15 • x 3 #21


Schlüsselkind
Liebe AnnaX,

erst einmal freut es mich, wieder einmal von Dir zu lesen (und vielen Dank für Deine so netten Worte)!

Zitat von AnnaX:
hat die männlichen Freunde erwähnt. Es gibt sie kaum. Eigentlich sind mir - nicht zuletzt durch Corona - die meisten meiner Freunde abhanden gekommen.


Das ist sehr schade. Wenn ich überlege, würde mir da auch etwas wertvolles fehlen und ich hätte auch den positiven Glauben an Männer aufgegeben. Vielleicht ergibt sich noch die Gelegenheit bei dir diese Freundschaften zu reaktivieren, um weiter in diesem positiven Gefühl zu bleiben? So ganz ohne Vertrauen in den anderen, ist das doch eine große Durststrecke. Hatte auch schon Freundschaften, die mal unterwegs einschliefen, wo man sich dann aber angenähert hat.

Zitat von AnnaX:
Er sagte - ohne viel von meinen Geschichten zu hören - sie haben lauter schwache, männliche Familienangehörige.


Meinte meine Therapeutin in ähnlicher Form ebenfalls. Was aber positiv ist, dass man auch das Gegenstück, die starken Frauen kennengelernt hat. Das ist viel wert. Ganz ohne jegliche Vorbilder ist es sehr viel schwerer, sich später zurechtzufinden bemerke ich.

Sicherlich prägt einen dieses Extrem dann so stark, dass man automatisch in Muster verfällt, die man dann als Erwachsene selbst wieder mühsam aufbrechen muss. Erstes Warnsignal ist wohl, dass man sich in Situationen unwohl fühlt. Auch wenn man erst einmal nicht genau weiß, was nicht in Ordnung ist. Ich hatte es einmal so gelesen, dass man Situationen sucht, die einem vertraut scheinen und man so unbewusst die Muster weiter fortsetzt. Das zu erkennen, ist doch schon mal ein wichtiger Schritt (wenn auch noch lang keine praktische Umsetzung).

Zitat von AnnaX:
Die Welt redet immer davon, human zu sein! Wir brüsten uns mit unserer Spendierfreudigkeit für Kriegsopfer und laufen davon, wenn Menschen unter uns ein bisschen Hilfe brauchen? Das kann ich nicht! Allein schon deshalb, weil er mich vor etlichen Jahren davor bewahrt hat, in ein schwarzes Loch zu fallen!


Ich empfinde es gar nicht so, dass Du Dich von ihm lösen solltest, wenn Du mit der Situation auf eine gesunde Art für Dich zurechtkommst, und in die Akzeptanz kommst, dass er Dir eine Partnerschaft - wie Du sie dir erhoffst - unter diesen Umständen nicht geben kann. Wäre das eine annehmbare Lösung für dich, eine reine Freundschaft mit ihm und weiter Dein Herz offen für neue Begegnungen zu halten?

Diese komplexe Erkrankung scheint mir doch ohne eine Therapie seinerseits sehr herausfordernd. Wie Du es ja auch beschriebst, scheinen euch eure traum. Erlebnisse sich gegenseitig zu triggern. (Das kenne ich leider - in milderer Form - auch und ich weiß, dass es schwer ist, da in die Akzetanz zu kommen und dann noch mal seine Muster komplett neu zu überdenken.) Du bist ja sehr offen für Veränderung und trotz deiner vergangenen Partnerschaften und Deinen traurigen Erlebnissen, hält das Leben noch viel für dich bereit.

Natürlich hoffe ich auch, dass Henning-Baum-in-dunkelhaarig als Option noch im Rennen liegt!

25.07.2022 09:48 • x 2 #22


A
Zitat von Schlüsselkind:
. Vielleicht ergibt sich noch die Gelegenheit bei dir diese Freundschaften zu reaktivieren, um weiter in diesem positiven Gefühl zu bleiben? So ganz ohne Vertrauen in den anderen, ist das doch eine große Durststrecke. Hatte auch schon Freundschaften, die mal unterwegs einschliefen, wo man sich dann aber angenähert hat.


Das ist sehr interessant. Ich habe einen Freund, den ich auch tatsächlich so bezeichne. Mit ihm habe ich Corona überstanden. Was als kinderloser Single im Home Office eine große Herausforderung war.

Er ist der Typ, den ich tatsächlich nur auf der Freundschaftsebene wahrnehme. Wir unterhalten uns über viel - niemals aber über Beziehungen - schon gar nicht über amouröse. Ohne das beleidigend zu meinen, er ist für mich eher geschlechtslos. Und er hat gehörige Macken, die ihm aber auch mir sehr bewusst sind.

Ein sehr guter Freund - mit dem ich auch auf dieser Ebene sprach hat sich leider das Leben genommen.

Und ansonsten habe ich wenige männliche Freunde, die alle verheiratet bzw. in Beziehung sind und deshalb gar nicht so viel Zeit haben.

Zitat von Schlüsselkind:
Was aber positiv ist, dass man auch das Gegenstück, die starken Frauen kennengelernt hat.


Das hab ich so noch nie gesehen, aber Du hast recht! Wie schlimm wäre es, wenn auch die Frauen schwach gewesen wären. Wahrscheinlich ist es sowieso ein Wechselspiel, aber es wäre auch denkbar, dass Eltern beide schwach sind, dann läuft wahrscheinlich alles aus dem Ruder.

Zitat von Schlüsselkind:
Sicherlich prägt einen dieses Extrem dann so stark, dass man automatisch in Muster verfällt, die man dann als Erwachsene selbst wieder mühsam aufbrechen muss.

Wie wahr!

Zitat von Schlüsselkind:
Erstes Warnsignal ist wohl, dass man sich in Situationen unwohl fühlt. Auch wenn man erst einmal nicht genau weiß, was nicht in Ordnung ist.


Das ist die Krux. Denn ich vermute, dass ich mir bindungsunwillige oder -fähige aussuche, um nicht in prekäre Situationen zu kommen, in denen ich als Kind schon war.

Hier kommt aber ein großes ABER. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, wie mein Unterbewusstsein diese Personen ausmacht? Ich mein, die tragen ja kein Hinweisschild?

Und wie kann es sein, dass einer, der MICH in einer Singlebörse anschreibt und es keinerlei Indizien gibt, sich letztendlich wieder als bindungsunfähig herausstellt?

Zitat von Schlüsselkind:
Ich hatte es einmal so gelesen, dass man Situationen sucht, die einem vertraut scheinen und man so unbewusst die Muster weiter fortsetzt.

So ist es.
Zitat von Schlüsselkind:
Wäre das eine annehmbare Lösung für dich, eine reine Freundschaft mit ihm und weiter Dein Herz offen für neue Begegnungen zu halten?


Hm ... nein, das funktioniert nicht. Denn wir begegnen uns auf einer Ebene, die sehr intensiv und exklusiv ist.

Wobei momentan scheine ich ihn grade verletzt zu haben.

Zitat von Schlüsselkind:
Wie Du es ja auch beschriebst, scheinen euch eure traum. Erlebnisse sich gegenseitig zu triggern.


Ich glaube, dass nur jemand mit meinen Erlebnissen überhaupt willens und in der Lage ist, einen solchen Kontakt über so langen Zeitraum aufrecht zu erhalten.

Zitat von Schlüsselkind:
Natürlich hoffe ich auch, dass Henning-Baum-in-dunkelhaarig als Option noch im Rennen liegt!


Leider entspricht er dem ...

25.07.2022 18:39 • x 1 #23


Schlüsselkind
Zitat von AnnaX:
Hier kommt aber ein großes ABER. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, wie mein Unterbewusstsein diese Personen ausmacht? Ich mein, die tragen ja kein Hinweisschild?


Das wäre manchmal hilfreich (ich dachte auch schon an Motto-T-Shirts).

Hab das gestern nochmal reflektiert (und das ist natürlich nur mein persönliches Erleben und nicht allgemeingültig), aber ich habe festgestellt, dass viele meiner männlichen und weiblichen Freunde, auch schon von dem einen oder anderen Menschen mit Bindungsangst erzählt haben, aber da eben dann rechtzeitig Abstand genommen haben. Also ist es nicht ungewöhnlich, auf Menschen mit mehr oder weniger ausgeprägter Bindungs- oder Verlustangst zu treffen, und jede*r wird wohl selbst mehr oder weniger dem einen oder anderem Bindungstyp entsprechen. Und manchmal kollidieren die zwei Typen.

Aber ich sehe es gar nicht so, dass hier die Herausforderung ist, dass man vermehrt auf bindungsunfähige Menschen* trifft, sondern sehe es eher wichtig, wie man darauf immer wieder dann reagiert. Also, das wichtigere (Verhaltens-)Muster ist m. M. nach die Reaktion und weniger, die Anziehungskraft zu einen bestimmten Bindungstyp. Man könnte ja im Grunde auch sein ganzes Leben immer auf bindungsunfähige Menschen stoßen, wenn mein Verhalten aber ablehnend hierzu bleibt, weil ich erkannt habe, dass es für mich ungesund ist, kann ich mich trotzdem immer für ein gesundes Bindungsverhalten bewusst entscheiden. Also scheint mir das Bewusstsein und die erfolgte Reaktion hier wichtiger.

Wenn wir mal davon ausgehen, dass z. B. jemand der Bindungsangst hat auf jemanden stößt der im Gegenteil Verlustangst hat, ist das keine win-win-Situation. Vermutlich ist hier der einzige magische Trick, dass man/frau sich nicht darauf einlässt und vorzeitig Warnsignale ernstnimmt. Und das, hat doch auch viel mit dem eigenem Selbstwert zu tun, so meine Erfahrung.


(*da bin ich nicht sicher, wo hier die Ursachen liegen könnten. Ob das immer schon so war oder ob man heute einfach nur offener darüber spricht oder ob estatsächlich mehr Menschen mit extremen Bindungs- oder Verlustängsten gibt. Äußere Einwirkungen wie das Datingverhalten ansich könnten eine Rolle spielen.)

26.07.2022 09:13 • #24


Schlüsselkind
Zitat von AnnaX:
Leider entspricht er dem ...


Dann korrigiere ich mich nochmal kurz:
Natürlich hoffe ich auch, dass Henning-Baum-in-dunkelhaarig-und-in-bindungsfähig als Option noch im Rennen liegt!

26.07.2022 09:18 • x 1 #25


Schlüsselkind
Zitat von AnnaX:
Und wie kann es sein, dass einer, der MICH in einer Singlebörse anschreibt und es keinerlei Indizien gibt, sich letztendlich wieder als bindungsunfähig herausstellt?



Das ist nur eine Vermutung, aber eine digitale Singlebörse ist glaube ich noch einmal ein spezielles Thema für sich. Denn so meine Vermutung, werden da doch recht viele Menschen aufeinandertreffen für die das digitale eine für sie angenehme dauerhafte Distanz zu anderen herstellt, aber für sie die Isolation zum Außen etwas nimmt. Das scheint mir dann so das Mittel der Wahl, um in Kontakt zu treten, aber gleichzeitig den anderen auf Abstand halten zu können.



Das ist offline natürlich auch möglich, aber vielleicht begegnet man ihnen online auf Singlebörsen in viel größerer Anzahl. Das ist dann statistisch auch die Möglichkeit größer, auf sie zu stoßen und der Baumarkt m. M nach eindeutig vorzuziehen.



(Ich liebe Baumärkte auch so.)

26.07.2022 09:33 • x 1 #26


A
Zitat von Schlüsselkind:
Also, das wichtigere (Verhaltens-)Muster ist m. M. nach die Reaktion und weniger, die Anziehungskraft zu einen bestimmten Bindungstyp.


Die Reaktion kommt aber erst, wenn die Trennung und der Schmerz schon da sind. Oft erlebt.

Zitat von Schlüsselkind:
an könnte ja im Grunde auch sein ganzes Leben immer auf bindungsunfähige Menschen stoßen, wenn mein Verhalten aber ablehnend hierzu bleibt, weil ich erkannt habe, dass es für mich ungesund ist, kann


Nein, denn wenn Du IMMER nur auf Bindungsunfähige stößt, dann ist es eben genau so und da ist niemand bei dem ein gesundes Bindungsverhalten leben könntest.
Zitat von Schlüsselkind:
. Vermutlich ist hier der einzige magische Trick, dass man/frau sich nicht darauf einlässt und vorzeitig Warnsignale ernstnimmt


Vorzeitige gibt es nicht ... sie distanzieren und trennen sich ...

Zitat von Schlüsselkind:
werden da doch recht viele Menschen aufeinandertreffen für die das digitale eine für sie angenehme dauerhafte Distanz zu anderen herstellt, aber für sie die Isolation zum Außen etwas nimmt.

Ja, das stimmt sicher.

Wobei es ja nicht so ist, dass Bindungsunfähige keine Beziehung haben WOLLEN. Die schaffen es nur nicht.

26.07.2022 18:10 • x 2 #27


A


Hallo AnnaX,

x 4#13


A
Zitat von Schlüsselkind:
Dann korrigiere ich mich nochmal kurz:
Natürlich hoffe ich auch, dass Henning-Baum-in-dunkelhaarig-und-in-bindungsfähig als Option noch im Rennen liegt!


Er läge, wenn er nicht grad schmollen oder sonst was täte.

Ich bin grade ratlos, was ihn betrifft.

26.07.2022 18:39 • x 1 #28

Pfeil rechts