Rheinklinik Bad Honnef Wartezeit und Erfahrungen

S
Hallo Commatant,

mir gehts die Tage so schlecht. War das kurz vor deinem Klinikaufenthalt auch so?

11.10.2008 21:06 • #16


C
Hallo!

Es dauert zwar 1 bis 1 1/2 Wochen, bis es richtig anfängt, aber Du hast schon ein paar Termine wie z. B. die Untersuchung beim Stationsarzt, Erstgespräch beim Therapeuten, Laboruntersuchung, 3 x KBT-Einführung, zwei Einführungsgespräche mit Deiner Bezugsschwester, Hausführung durch die Hauswirtschaftsleiterin... das kann aber natürlich von Station zu Station variieren... diese Zeit ist dazu gedacht, daß Du Dich an das Haus, Deine Station und die Mitpatienten sowie das Personal gewöhnst, einfach um anzukommen. Mit der Zeit kommen dann noch einige Termine dazu, bei mir waren es zeitweise 6 bis 7 pro Tag (ist aber eher selten), da ist man dann schon gut den Tag über beschäftigt. Wenn man nicht so viel zu tun hat, kann man die Zeit füllen mit Sport oder anderen Unternehmungen, es ist eigentlich immer jemand da mit dem man was machen kann wenn man sich erst einmal eingelebt hat.

Am Anfang habe ich auch gedacht: Was machst Du hier? Was soll das Ganze? Fahr´ doch besser wieder nach Hause, da weisst Du wenigstens, woran Du bist.... Aber nach einer Weile hat man einen leisen Schimmer davon, warum man in der Klinik ist - es macht Klick bei einem Einzelgespräch, man hat ein seltsames Erlebnis bei der KBT oder Kunsttherapie, man kann plötzlich etwas in der Gruppe sagen --- und plötzlich weiss man, was man da soll!

Ich weiss jetzt, dass ich noch viel tun muss, das ist mir dort mehr als klargeworden. Aber ohne den Klinikaufenthalt hätte ich das nicht begriffen und würde jetzt vielleicht schon wieder etwas Dummes planen... Und ob es einmal ein Ende haben wird mit den Depressionen, weiss ich jetzt noch nicht. Wäre schon schön... und wenn nicht, werde ich Sie BEKÄMPFEN!!!!!!

Ich hatte mein größtes Tief Ende Januar / Anfang Februar, dann hat mich meine Frau zur Psychiaterin geschickt. In den Monaten bis zur Klinikaufnahme ging es mir mal so, mal so, aber schon besser als letztes Jahr - ich hatte ja den Klinikaufenthalt als Licht am Horizont bereits in Sicht! Und während des Aufenthalts hier gibt es natürlich schon Höhen und Tiefen, das ist ganz normal... dafür hat man ja immer (Tag und Nacht!) jemanden, mit dem man darüber reden kann...

Manche Leute sehen keinen Unterschied zwischen Psychiatrie und Psychotherapie, aber das kann Dir egal sein. Im Ort Bad Honnef hat noch keiner komisch reagiert, wenn man gesagt hat, woher man kommt, ganz im Gegenteil! Und manchmal gibt´s sogar Rabatt, z. B. im AWO-Internetcafé und in der Hotelsauna (auf der gleichen Straße wie die Klinik) ...
Bevor ich hergekommen bin, habe ich den meisten erzählt, in was für eine Klinik ich gehe - meinem Vater und meiner Schwiegermutter habe ich gesagt, ich fahre in Kur. Und auf der Arbeit habe ich es auch jedem, der es nicht hören wollte, erzählt, daß ich jetzt für einige Wochen in eine psychosomatische Klinik fahre (bei ein paar Idioten habe ich auch -fälschlicherweise- das Wort Klapse gebraucht, damit sie es verstehen... manche Menschen brauchen´s halt mit dem Holzhammer...) - sozusagen Flucht nach vorn, damit dem Gerede direkt die Nahrung entzogen wird. Einem meiner Frühstücksrundenkollegen, der´s trotzdem nicht verstanden hat, hat dann ein anderer Kollege, mit dem ich auch privat verkehre, mal die Meinung gesagt - jetzt hält der auch die Klappe ...

Besucht hat mich hier noch keiner, was ich aber auch nicht schlimm finde. Ich fahre auch jedes Wochenende nach Hause, da sehe ich ja immer meine Familie...

Tja, mein Frauchen hat mich ja erst zur Psychiaterin geschickt. Als die gesagt hat, daß ich in die Klinik soll, wusste meine Frau auch erst nicht so recht, was sie davon halten sollte, aber inzwischen merkt sie auch, wie gut mir das tut... ich kann nur jedem, der so etwas braucht, auch nur dazu raten!

LG

Combattant


P. S.: Ich sehe Dich am Dienstag...

12.10.2008 00:10 • #17


A


Hallo Combattant,

Rheinklinik Bad Honnef Wartezeit und Erfahrungen

x 3#3


S
Es ist schön zu hören, dass du auf mich wartest (bloß nicht falsch verstehen, hoffe du weißt wie ich das meine).
Ich habe Angst abgestempelt zu werden. Zeige mich stark und erzähle nichts davon. Jedoch merke ich auch wie befreiend es ist zuzugeben, dass mein ein Problem hat. Sollen sie doch denken was sie wollen. Wenigstens fühlt man sich für den Moment erleichtert. Ich wollte nie dass man schlecht über meine Familie denkt. Ich nehme sie auch immer noch in Schutz. Jedoch haben sie Fehler gemacht und auch das dürfen die Anderen Menschen sehen.
Ich bin an der Zeit angekommen wo ich nicht mehr die Starke spielen kann. Es geht einfach nicht mehr auch nicht vor meinen Liebsten gegenüber. Wenn ich meinem Partner von meinen Problemen erzähle geht es ihm schlecht. Nur wen soll ich es erzählen wenn nicht ihm? Versuche nun egoistischer zu sein und habe ihm nun deutlich gemacht dass er umso stärker sein muss damit es mir dann auch wieder besser gehen kann.
Ja es fällt mir schwer ihn zurückzulassen. Aber so kann es nicht mehr weitergehen. Habe auch Angst vor der Klinik, Angst dem allen nicht gerecht zu werden. Jedoch weiß ich auch, dass sie mich dort verstehen werden und dass es eine Chance ist etwas zu ändern. Es freut mich sehr dass es direkt anfängt. Ich habe sonst Angst gehabt. Denn ich wüsste nichts mit mir dort sonst anzufangen. Hatte die Angst es sonst frühzeitig abzubrechen...Ich war schon mal auf Kur und die Zeit wo ich alleine war, war für mich unerträglich. Das will ich nicht nochmal erleben.

12.10.2008 00:53 • #18


S
Werden eigentlich auch neue Medikamente verordnet? Dürfen die das? Ich habe das Gefühl, dass meine Tabletten gar nicht wirken.....

P.S.: Danke dass du deine freie Zeit für mich opferst. Vielen Dank!

12.10.2008 01:05 • #19


C
Guten Morgen!

Keine Bange, ich habe das schon richtig verstanden...
Das mit dem abgestempeltwerden kann ich verstehen, inzwischen geht mir dieser Gedanke aber auch am A... vorbei, wenn ich mal so sagen darf. Dafür hat mir der Aufenthalt viel zu sehr geholfen, als daß ich daran noch einen Gedanken verschwende!

Ich habe nach aussen hin auch immer eine Maske getragen, wie mir mein Therapeut gesagt hat, alles in mich reingefressen (leider auch beim Essen) und meinen Ärger und die Sorgen hinuntergeschluckt - das hat schlußendlich zu den Depressionen geführt, wie bei den meisten (ich habe hier aber auch einen Mitpatienten kennengelernt, der es nach aussen gebracht hat). Hier kann man die Maske aber fallen lassen ohne Angst vor Repressionen! Und was meine Familie betrifft, habe ich auch noch so einiges aufzuarbeiten, aber das werde ich erst nach dem Aufenthalt hier machen, ich habe mir schon meine Vorgehensweise zurechtgelegt...

Meine Frau kann mit den meisten meiner Sorgen gut umgehen, es sind ja vielzeit auch gemeinsame Sorgen. Bestimmte Details sind aber auch für sie zuviel, das muss ich ihr aber auch nicht alles haarklein in buntesten Farben schildern, die restlichen 95 % hört sie sich ja schon an, damit hilft sie mir schon mehr als genug. Sie kann auch nicht immer nur stark sein, aber das muss sie auch nicht. Ich weiss jetzt, wie ich meinen weiteren Weg gehen will, und sie zieht mit, da bin ich mir sehr sicher. Über das Thema wie erzähle ich´s meinem Partner können wir uns nächste Woche noch viel unterhalten, das kann ich gar nicht alles schreiben, ist zu viel...

Während des Aufenthalts passen die Ärzte Deine Medikamentendosierung den Umständen an, das kann zu Dosissteigerungen wie zum Gegenteil führen, auch zu Neuverordnungen. Das ist schon o.k., sie behandeln Dich ja auch für einen ziemlich langen Zeitraum und bekommen Deine seelische und körperliche Verfassung jeden Tag mit. Wenn man gar nicht mit der Medikation einverstanden ist, kann man darauf ja auch Einfluss nehmen, habe ich jedenfalls so gemacht. Wenn es Dir sehr schlecht geht, kannst Du schon den Eindruck bekommen, daß die Medis gar nicht mehr wirken... darauf können die in der Klinik aber ggf. umgehend reagieren!

Daß ich Dir hier ´n bißchen schreibe, ist schon o.k., im persönlichen Gespräch wäre es natürlich schneller/besser möglich, ist klar.

Ich gehe jetzt mal zu meiner Mutter zum Geburtstagskaffee und fahre kurz vor vier Uhr wieder nach Bad Honnef.

LG + C U

Combattant

12.10.2008 14:09 • #20


S
Ich will irgendwie nicht. Auch den Klinikaufenthalt würde ich grad gerne vermeiden.
Ich bin traurig mich zu trennen. Ein neues Leben für drei Monate. Ich weiß dass sich etwas ändern muss aber die Änderung macht mir auch Angst. Davon mal abgesehen macht mir momentan alles Angst. Will nur in vertrauter Umgebung bleiben. Am Besten im Bett. Es ist ein riesengroßer Schritt......
Je mehr ich mich öffnen will, desto mehr merke ich wieviele Menschen es gibt, die es nicht verstehen. In der Situation ist es wirklich besser gar nichts zu sagen. Es für sich zu behalten. Es braucht sehr viel Vertrauen sich zu öffnen. Ein sehr sensibles Thema....

Bis Dienstag, hoffe ich.....wenn ich mich nicht drücke.......

12.10.2008 22:18 • #21


C
Guten Abend!
Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie Du Dich gerade fühlst...

Du meinst, niemand - nicht einmal Dein Partner - kann verstehen, wie Du Dich fühlst, von anderen Leuten mal ganz abgesehen. Daran ist leider auch etwas wahres, denn wer so etwas nicht von innen kennt, kann es kaum verstehen. Das, was die anderen von einem wahrnehmen, also das aussen, ist ja meist auch das, was wir Ihnen - bewusst oder unbewusst - vorspielen. Aber hier ist wirklich der richtige Ort zum Maske-fallen-lassen, glaub mir!
Der kommende Schritt ist einfach nur schwer für Dich, im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend, vielleicht auch fremdartig und verstörend. Aber bitte geh´ ihn! Es kann der Anfang einer großartigen Veränderung sein (ich glaube, ich höre mich gerade wie ein Anwerber für eine Sekte an?!?), Du wirst sehen! Bitte kneif´ nicht, es lohnt sich!
Außerdem will ich endlich wissen, wem ich die ganze Zeit geschrieben habe...
Ich werde morgen vormittag mal nachfragen, ob Du angekommen bist... schlaf schön!

Bis morgen!

Combattant

13.10.2008 19:44 • #22


S
Du bist lieb, danke Dir. Ja ich werde diesen Schritt gehen und damit es mir leichter fällt werde ich meinen Partner bitten mich dabei zu begleiten. Er bleibt heute bei mir, damit ich Morgen aufstehe und mich auf den Weg mache.
Bis Morgen.

13.10.2008 20:01 • #23


B
Diesen Thread muss ich nun mal nach oben stubsen.

Bei der Rheinklinik Bad Honnef habe ich mich angemeldet, ein Vorstellungsgespräch fand vor etwa drei Wochen statt. In der letzten Woche bekam ich dann Feedback: man möchte mich aufnehmen, jedoch muss ich mit einer Wartezeit von 6 - 12 Monaten rechnen ... Ehrlich gesagt bin ich vollkommen aus den Socken gekippt - mit einer so langen Wartezeit hatte ich nicht gerechnet.

Mir geht's seit einigen Monaten sehr bescheiden, mein Thema meldet sich täglich zu Wort und macht mir große Probleme. Offenbar habe ich meine Not im Vorstellungsgespräch nicht überzeugend rüberbringen können?

Natürlich ist mir vollkommen klar, dass es den Leuten, die sich dort anmelden, ähnlich oder sogar noch schlechter geht wie mir, dennoch hat mich die lange Wartezeit sehr entsetzt.
Das heißt also im Klartext: versuche dich irgendwie so lange über Wasser zu halten, bis du endlich einen Platz hast.
Die Therapeutin fragte mich dann noch, ob ich hier in meinem Umfeld irgendwie die Möglichkeit habe, mir helfen zu lassen. Da bin ich ziemlich ratlos. Heute Abend werde ich mal eine Selbsthilfegruppe antesten. Ich hoffe und bete, dass mir das weiterhilft.

Meine Frage an euch: musstet ihr ähnlich lange warten und wenn ja, wie habt ihr die Zeit überbrückt, wie habt ihr euch über Wasser gehalten?
LG

28.02.2009 13:08 • #24


S
Weißt du schon auf welche Station du kommst?
Ja leider musste ich auch sehr lange warten. Da hilft nur Ablenkung. Wobei ich sagen muss dass es mir leider auch nach dem Klinikaufenthalt nicht wirklich gut geht. Sogar noch schlechter. Vielleicht weil ich auch die Tabletten abgesetzt habe. Ich weiß es nicht....
Ich denke nicht dass es an der Klinik liegt jedoch ist so eineTraumatherapie nicht einfach. Darum war es mir wichtig zu wissen was genau dort mit dir gemacht wird.Ich glaube noch mal würde ich so eine Therapie nicht machen. Es ist leider viel zu viel aufgewühlt worden. Und nun stehe ich alleine da .....

28.02.2009 20:52 • #25


V
Hallo, ich war gestern 17.03.2009 zum Vorgespräch in der Rheinklinik in Bad Honnef und bin wirklich positiv überrascht. Das einzige, was mich verunsichert ist, dass ich eine Frau traf, die heimlich mit dem Handy telefonierte. Ich sprach sie an und sagte, dass dies verboten sei. Irgendwie kann ich mir das nicht so richtig vorstellen, da man ja schließlich auch einen Festnetzanschluss auf dem Zimmer haben kann. Außerdem würde ich für diese Zeit gerne meinen Laptop mitnehmen. Kann mir dazu jemand was sagen, ob das Mitbringen solcher Sachen OK ist?
Ich komme übrigens auf Station 4 in ca. 3 Monaten.

18.03.2009 13:11 • #26


C
Hallo Visionscgn!
Du kannst durchaus ein Handy mitbringen, das wird nicht so eng gesehen. Offiziell ist die Benutzung verboten, aber ausserhalb des Gebäudes (z. B. in der Raucherecke) wirst Du viele sehen, die es benutzen, es wird geduldet.
Das Festnetztelefon wird um 23:00 Uhr ab- und um 07:00 Uhr angeschaltet, damit Du nachts die Ruhe bekommst, die Du brauchst.
Gegen einen Laptop hatte auch niemand etwas einzuwenden, eine Mitpatientin von meiner Station hat während des Aufenthalts an ihrer Hausarbeit (Studium) gearbeitet.
Ich war letztes Jahr auf Stat. 3.
Gruß,
C.

18.03.2009 17:00 • #27


V
Hallo Combattant! Schön das zu hören und danke für Deine schnelle Antwort. Wie würdest Du denn im Nachhinein sagen hat Dir die Rheinklinik geholfen? Bist Du wieder der Mensch, der Du mal warst? Ich habe große Sorgen, dass obwohl ich mich auf alles einlassen will und offen bin bei mir keine positiven Ergebnisse zu beobachten sein werden. In wie weit hat man nach dem Klinikaufenthalt noch Kontakt zur Klinik?

19.03.2009 10:12 • #28


A


Hallo Combattant,

x 4#14


C
Hallo!
Ich würde schon sagen, daß mir der Aufenthalt dort geholfen hat. Es war zwar nur ein Anfang, aber das war mir von vornherein klar. Und nachdem die Beihilfe nun erst einmal 50 Therapiestunden bewilligt hat, mache ich bei meiner Therapeutin zu Hause weiter.
Der Mensch, der ich mal war? Das ist noch ein sehr langer Weg, fürchte ich. Jahrelange (Miß-)Erfahrungen lassen sich nun mal nicht abschütteln wie Wasser... aber ich werde daran arbeiten!
Natürlich ist man vorab besorgt, wie einem das dort alles bekommen wird. Aber ich kann nur sagen: offen zu sein und sich auf alles einlassen zu wollen ist wohl der beste Weg, diesen Sorgen zu begegnen. Die Ergebnisse kommen dann (fast) von selbst, war bei mir jedenfalls so. Und ich war ganz schön überrascht von so manchem... viel Glück dabei!
Kontakt zur Klinik selbst habe ich keinen mehr, allerdings noch eine offenstehende Einladung des dortigen Therapeuten, mich nach einem halben Jahr wieder dort zu melden... Zu meinem Zimmergenossen habe ich allerdings noch regelmäßigen Kontakt, er hat auch angeregt, nach ca. einem Jahr ein Treffen mit den damaligen Stationsmitgliedern zu veranstalten.
Gruß,
C.

19.03.2009 18:27 • #29

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