Hallo Andrej, ich habe deine Frage schon vor einigen Tagen gesehen und finde sie sehr wichtig, aber mir fiel spontan keine Antwort ein.
Das liegt wohl daran, dass ich gar nicht weiß, wann und ob ich jemals ohne Depression war.
Jedenfalls hielt ich leichte oder mittelschwere Depressionen für gesund, bis mir mal eine Therapeutin sagte, dass das, was ich für eine beginnende Depression hielt, eine schwere Depression war und meine leichteren Grade der Symptomatik auch depressiv seien und nicht gesund.
Sehr viele der bereits hier im Thema beschriebenen Symptome kenne ich seit ich denken kann, mehr oder weniger stark.
Ich fühlte mich aber nicht allein oder isoliert damit, denn in meiner Familie wimmelte es von Depressiven und die hielten sich auch erst für depressiv, wenn sie zusammenbrachen und danach nicht mehr.
Demnach war psychisches Leid für mich allgegenwärtig und als ich den ersten Depressions-Fragebogen sah, hielt ich den für die größte Lüge aller Zeiten und fragte mich, welche Menschen die Welt wohl so paradiesisch sehen wie die als normal bezeichneten Profile.
Ehrlich gesagt frage ich mich das immer noch, müssten ansonsten doch mehr Leute lachend und fröhlich durch die Gegend laufen und nicht so gereizt und muffelig wie so viele.
Also, ich kenne mich nicht anders als kraftlos, reizempfindlich, den dunklen Emotionen nahe und Stille suchend und schätzend, in jungen Jahren aber ebenso den Rausch und Kick suchend als positive Emotionen und als Entspannung.
Das ständige innere Getriebensein trotz der Dauererschöpfung konnte erst mit meiner ADHS-Diagnose vor 10 Jahren ein Ende finden, solange ich medikamentös und psychologisch gut begleitet bin und auf genug Reizarmut achte, sonst geht es mir schnell wieder schlecht.
Selbsthass hatte ich selten, eher Mitgefühl für meine ständigen inneren Leiden und für die Extreme meiner Stärken und Schwächen.
Angst, Misstrauen, Katastrophenpanik und Bestrafungsangst, Alarmmodus, Zweifel, Instabilität und Stimmungsschwankungen begleiteten mich bis vor 10 Jahren auch ständig, bis ich die passenden Behandlungen endlich fand.
Auch Emotionstaubheit oder tiefste Verzweiflung kenne ich sowie Lebensüberdruss, jedoch nicht bis zur Suizidalität.
Kopfdruck, Schwindel, Migräne, Übelkeit, Magenschmerzen, Sehstörungen (Aura), Kopfschmerzen, bekannte Begleiter.
Einzige Fluchtoasen und warum ich das wohl durchhielt: Schreiben und Lesen und Spiritualität, mystische Versenkung zum Entspannen und Auftanken.
Mein hohes ADHS-Adrenalin (Hyperaktivität) ließen mich immer weitermachen, bis mir mit Mitte 40 Jahren alt letztendlich das letzte Quäntchen Kraft ausging. Zum Glück fanden sich bald die endlich passenden Diagnosen.
Und heute bin ich dankbar für nur noch schwache und mittelstarke Symptomatik und erlebe das als Frieden und Lebensqualität wie früher auch schon.
Ich weiß aber auch, dass ich nicht nur in meiner Herkunftsfamilie, sondern überall in Arbeit, Freizeit und Ehrenamt mir viele viele Menschen, weil ich damit offen war, depressive unbehandelte Symptome bei sich anvertrauten, die Dunkelziffer dafür ist riesig.
Kann auch ein ganzes Volk in eine Massendepression fallen, frage ich mich außerdem halb ernsthaft seit der Massenhysterie und Massenpanik, die auf die Flüchtlingskrise 2015 folgte?
22.06.2019 22:29 •
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