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Wie fühlen sich Depressionen für euch an?

Alexandra2
Lieber ohne Funktion.
Viel Deines Grauens habe ich auch erlebt. Ich kann Dein Elend gut nachvollziehen. Umso schöner ist es, daß es Dir besser geht und Du Unterstützung hast.
Liebe Grüße Alexandra

21.06.2019 23:07 • x 1 #16


Hoffnung21
Wie lange hat es bei dir gedauert?

Zitat von ohneFunktion:
Heute darf ich mich als gesund bezeichnen. Dennoch ist diese Zeit nicht spurlos an mir vorüber gegangen und ich lebe bewusst und vorsichtig


Mir geht es jetzt nach 2 Jahren einigermaßen gut ( mit Medikamenten), mich als gesund zu bezeichnen fällt mir schwer. Wann ist man gesund?
Wenn man IMMER stabil ist,
KEINE Müdegkeit mehr da ist,
man NIE das Gefühl hat, sich wieder in sein Schneckenhaus zurückziehen zu wollen?
Wenn man KEINE Heulattacken mehr hat, weil man sich grad überfordert hat?
Wenn der Kopfdruck endlich mal GANZ weg ist?
Wenn man mal länger als 1h Autofahren kann, OHNE Schlafpause?

Ich weiß es nicht, so RICHTIG gesund fühle ich mich noch nicht.

21.06.2019 23:08 • x 1 #17


A


Hallo Andrej,

Wie fühlen sich Depressionen für euch an?

x 3#3


maya60
Hallo Andrej, ich habe deine Frage schon vor einigen Tagen gesehen und finde sie sehr wichtig, aber mir fiel spontan keine Antwort ein.

Das liegt wohl daran, dass ich gar nicht weiß, wann und ob ich jemals ohne Depression war.
Jedenfalls hielt ich leichte oder mittelschwere Depressionen für gesund, bis mir mal eine Therapeutin sagte, dass das, was ich für eine beginnende Depression hielt, eine schwere Depression war und meine leichteren Grade der Symptomatik auch depressiv seien und nicht gesund.

Sehr viele der bereits hier im Thema beschriebenen Symptome kenne ich seit ich denken kann, mehr oder weniger stark.
Ich fühlte mich aber nicht allein oder isoliert damit, denn in meiner Familie wimmelte es von Depressiven und die hielten sich auch erst für depressiv, wenn sie zusammenbrachen und danach nicht mehr.

Demnach war psychisches Leid für mich allgegenwärtig und als ich den ersten Depressions-Fragebogen sah, hielt ich den für die größte Lüge aller Zeiten und fragte mich, welche Menschen die Welt wohl so paradiesisch sehen wie die als normal bezeichneten Profile.

Ehrlich gesagt frage ich mich das immer noch, müssten ansonsten doch mehr Leute lachend und fröhlich durch die Gegend laufen und nicht so gereizt und muffelig wie so viele.

Also, ich kenne mich nicht anders als kraftlos, reizempfindlich, den dunklen Emotionen nahe und Stille suchend und schätzend, in jungen Jahren aber ebenso den Rausch und Kick suchend als positive Emotionen und als Entspannung.
Das ständige innere Getriebensein trotz der Dauererschöpfung konnte erst mit meiner ADHS-Diagnose vor 10 Jahren ein Ende finden, solange ich medikamentös und psychologisch gut begleitet bin und auf genug Reizarmut achte, sonst geht es mir schnell wieder schlecht.

Selbsthass hatte ich selten, eher Mitgefühl für meine ständigen inneren Leiden und für die Extreme meiner Stärken und Schwächen.

Angst, Misstrauen, Katastrophenpanik und Bestrafungsangst, Alarmmodus, Zweifel, Instabilität und Stimmungsschwankungen begleiteten mich bis vor 10 Jahren auch ständig, bis ich die passenden Behandlungen endlich fand.

Auch Emotionstaubheit oder tiefste Verzweiflung kenne ich sowie Lebensüberdruss, jedoch nicht bis zur Suizidalität.

Kopfdruck, Schwindel, Migräne, Übelkeit, Magenschmerzen, Sehstörungen (Aura), Kopfschmerzen, bekannte Begleiter.

Einzige Fluchtoasen und warum ich das wohl durchhielt: Schreiben und Lesen und Spiritualität, mystische Versenkung zum Entspannen und Auftanken.

Mein hohes ADHS-Adrenalin (Hyperaktivität) ließen mich immer weitermachen, bis mir mit Mitte 40 Jahren alt letztendlich das letzte Quäntchen Kraft ausging. Zum Glück fanden sich bald die endlich passenden Diagnosen.

Und heute bin ich dankbar für nur noch schwache und mittelstarke Symptomatik und erlebe das als Frieden und Lebensqualität wie früher auch schon.

Ich weiß aber auch, dass ich nicht nur in meiner Herkunftsfamilie, sondern überall in Arbeit, Freizeit und Ehrenamt mir viele viele Menschen, weil ich damit offen war, depressive unbehandelte Symptome bei sich anvertrauten, die Dunkelziffer dafür ist riesig.

Kann auch ein ganzes Volk in eine Massendepression fallen, frage ich mich außerdem halb ernsthaft seit der Massenhysterie und Massenpanik, die auf die Flüchtlingskrise 2015 folgte?

22.06.2019 22:29 • x 2 #18


MelodieSyren
Wie es sich für mich anfühlt?

- Nur müde und ich will am liebsten NUR schlafen (denn so kann ich auch allen Gedanken und der Welt entkommen)

- alles ist/fühlt sich schlecht an

- ich komme mir wertlos vor
- ich bin/fühle mich einsam
- niemand versteht mich
- ich fühle mich ausgegrenzt
- Trauer. Ich könnte ständig weinen - über alles.
- ständiges Gedankenkreisen
- Angst es nicht zu schaffen
- Antriebslosigkeit
- zu nichts mehr Lust haben
- alles fühlt sich so schwer und anstrengend an
- Kraftlosigkeit
- Die Zeit hat irgendwie ihren Sinn verloren.

Ich wünsche mir nur eins.endlich wieder frei davon sein!

06.07.2019 21:33 • x 1 #19


E
Zitat von Eis:

Mir geht es jetzt nach 2 Jahren einigermaßen gut ( mit Medikamenten), mich als gesund zu bezeichnen fällt mir schwer. Wann ist man gesund?
Wenn man IMMER stabil ist,
KEINE Müdegkeit mehr da ist,
man NIE das Gefühl hat, sich wieder in sein Schneckenhaus zurückziehen zu wollen?
Wenn man KEINE Heulattacken mehr hat, weil man sich grad überfordert hat?
Wenn der Kopfdruck endlich mal GANZ weg ist?
Wenn man mal länger als 1h Autofahren kann, OHNE Schlafpause?

Ich weiß es nicht, so RICHTIG gesund fühle ich mich noch nicht.

Ich glaube, daß das jede(r) für sich selbst definiert.
Ich hab heute auch noch meine Löcher, aber heute weiß ich, daß es wieder besser wird.
Und ich weiß heute auch, wie schlecht es mir eigentlich ging, lange vor dem 05.01.2017.
Und ich denke mal, wenn wir diese Erinnerungen aufbewahren und uns bewußt machen, wie schlimm es war, also bewußt leben, dann ist die Chance sehr hoch, daß es zu keinem Rückfall kommt.

Zitat von ohneFunktion:
Hallo zusammen!

So war das bei mir:
Durch einen Auslöser (Tropfen auf dem heißen Stein?) plötzlich total augeregt, nervös und unruhig (Panik? Angst?). Auch zuhause kein Entspannen möglich. Nur noch Herzrasen und innerlich total getrieben. Adrenalinschübe. Extrem körperlich. Auch nach dem Joggen stellte sich keine Entspannung ein.

Extreme Schlafstörungen und Anspannung in der Nacht.

Schwierigkeiten zu essen und Gewichtsverlust. Dadurch noch mehr Angst und Verzweiflung.

Nach wenigen Tagen war mir klar, dass bei mir eine Sicherung durchgebrannt ist. Habe sofort eine Therapie begonnen.

Die innere extreme Anspannung hat niemand wargenommen. Nach außen wirkte ich ruhig, obwohl ich verzweifelt meinen Zustand beschrieben habe.

Weinen ging nur manchmal. Danach war ich etwas ruhiger.

Alles war zu viel. Keine Musik, kein Tv, keine, Bücher. Habe die Welt nicht mehr verstanden. Angst verrückt zu werden.

Auch der Hausarzt hat meine Situation verkannt. Also ging ich noch zwei Monate zur Arbeit. Mit Panik.

Erst nach einem Gespräch mit der Leitung führte mein Weg zum Psychiater, der BO diagnostizierte bzw Depression + Angststörung.

Erster Versuch Medikamente zu nehmen. Auch davor hatte ich extrem Angst.

Steigerung des Zustandes. Alle Reserven waren verbraucht: ich kam nicht aus dem Bett, konnte auch nicht schlafen. Duschen war zu anstrengend. Konnte mich nicht selbst versorgen. Brauchte Unterstützung vom Partner oder meinen Eltern.

Konnte die Situation nicht fassen/ nicht annehmen. Medidationsversuche Entspannungstechniken funktionierten nicht. Gefühl so nicht leben zu können.

Einsamkeit. Unverstandenheit. Angst. Die Hölle auf Erden. Und von außen nahm es niemand war.

Erkenntnis, dass sich der Zustand mit dem Verstand nicht ämdern lässt. Kontrollverlust.

Lustlos, verzweifelt, traurig, ständig unter Strom, antriebslos, kraftlos.

Es gab hin und wieder ganz kurze Sequenzen in denen ich mich ganz kurz normal fühlte und das auch kommunizieren konnte:Ha, jetzt ist's gerade besser, aber nach knapp einer halben Stunde ging's wieder weiter. Meine Zähne waren ständig zusammen gebissen und die Mundwinkel nach unten gezogen. Furchtbar.

Es folgten stationäre Aufenthalte/Therapie und neuerliche Medikation.

Heute bin ich dankbar für mein Antidepressivum und meine Therapeutin. Und stolz auf mich, dass ich durchgehalten habe. Es ist ohne Übertreibung das Gefühl, durch die Hölle gegangen zu sein.

Es macht mich immer noch nachdenklich bzw beängstigt es mich, dass niemand diese Krankheit nachvollziehen kann, der das nicht im Ansatz erlebt hat. Und ich glaube, die Depression wurde bei mir maximal als mittelgradig eingestuft, obwohl sie definitiv schwer war. Sich nicht bewegen können, nicht essen schlafen. Ich habe gedacht sterben zu müssen.

So viel zu meinen damaligen Symptomen.

Heute darf ich mich als gesund bezeichnen. Dennoch ist diese Zeit nicht spurlos an mir vorüber gegangen und ich lebe bewusst und vorsichtig.

Da lief es mir eiskalt über den Rücken- abgesehen davon, daß ich ganz allein war und nicht dauerhaft Antdepressiva nahm), so ähnlich meiner Situation damals war das, nur daß ich nur noch zwei Wochen Arbeit schaffte.
Ist schon wirklich brutal, wenn man sich das so überlegt.

07.07.2019 11:21 • x 5 #20


Hoffnung21
Hallo Resi,
Es stimmt, man muss sich immer bewusst machen, wie schlecht war es vorher war und wie gut, im Vergleich dazu, ist es jetzt. Man muss da immer mal wieder einen Blick zurückwerfen , um zu sehen wie schlimm es war. Der Balanceakt ist jetzt auf der einen Seite ein achtsames Leben und auf der anderen Seite die Gefahr, alles auf die Depression zu schieben, immer wieder die Angst zu haben, dass ein Rückfall kommt. Auch jeder Gesunde hat mal schlechte Tage, aber wenn ICH einen schlechten Tag habe dann ist das immer von der Sorge begleitet, ich bin noch nicht gesund oder die Depression kommt wieder. Da den RICHTIGEN Weg zu finden ist gar nicht so einfach. Oder ist es doch noch Teil der Depression, immer wieder ins negative Denken zu verfallen?

Und die Beschreibung von ohneFunktion, dass man das Gefühl hat, durch die Hölle zu gehen, das kann ich nur zu 100% bestätigen. Es ist aber tatsächlich so, dass sich das jemand, der nicht in einer ähnlichen Situation war, nicht vorstellen kann. Da heisst es dann, Ich brauche doch auch Pausen, ich kann auch nicht 2 Stunden am Stück Autofahren,,oder ich bin auch müde, wenn ich von der Arbeit heimkomme. Den Unterschied zu erklären ist eigentlich nicht möglich. Wie soll man jemandem erklären, dass es ein Unterschied ist, wenn ich als Gesunder eine Pause mache und als Kranker keine Wahl habe, WANN ich die Pause mache, und dass andernfalls der restliche Tag gelaufen ist, wenn ich mich überfordere?

VG Eis

07.07.2019 20:55 • x 1 #21


Alexandra2
Liebe Eis,
Das Beste wäre Akzeptanz der Mitmenschen. Akzeptanz ohne zu verstehen und bitte behandelt zu werden wie Gesunde.
Ich kann und will mich nicht erklären.
Ich hoffe, daß es bergauf geht, aber vielleicht ist das unrealistisch? Was wenn es nicht mehr besser wird, oh Gott was dann? Ich arbeite immer noch an der Stabilisierung, ein Jahr brauche ich noch dafür.
Liebe Grüße Alexandra

07.07.2019 21:14 • x 2 #22


Hoffnung21
Liebe Alexandra,
Das wäre eigentlich das Beste, sich nicht erklären müssen. Denn wer hat denn schon wirklich eine Erklärung, warum das passiert ist? Stress? Haben andere auch. Nur Halbtagsjob? Andere arbeiten Vollzeit usw. Warum trifft es den einen und den anderen nicht. Das KANN man NICHT erklären. Und dennoch fühlt man sich oft genötigt, es nicht nur zu erklären, sondern tatsächlich in eine Verteidigungsposition gedrängt zu werden.
Es gibt Tage, da stehe ich darüber und es gibt Tage, da fühle ich mich in die Ecke gedrängt.

Und keine Sorge Alexandra, es wird besser werden, aber es braucht seine Zeit. Kämpfe für dich und sei stolz auf dich, was du bisher erreicht hast.

LG Eis

07.07.2019 21:44 • x 2 #23

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