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Wer ist zufrieden mit SSRIs?

M
Danke Maya für deine Kommentare.

Zitat:
Aber die größere fachliche Erfahrung und das größere fachliche Wissen der Fachärzte ist dennoch ein Fakt, um sich zu beraten.

Volle Zustimmung. Ich habe Vertrauen in die Fachärzte. Die Praxen sind hier nur so dermaßen überlaufen, dass es Ewigkeiten dauert bis man einen Termin bekommt. Dazu fehlt mir einfach die Geduld. Die Vorstellung schon wieder 4-8 Wochen untätig zu sein ohne irgendeine Veränderung macht mich wütend. Ich denke dann, ich muss jetzt irgendetwas machen. Der Gedanke daran, das nochmal weitere zwei Monate meines Lebens einfach an mir vorüberziehen, macht mich fertig. Die ständige Untätigkeit ist das schlimmste.


Zitat von maya60:
So ist dein Beispiel, dass es dir nach konkreten Geselligkeiten besser ging, nicht der Beweis dafür, dass du genau weißt, ob es dir insgesamt wegen der Medikation oder der Psychotherapie besser geht. Dein Beispiel zeigt nur, dass Selbstisolation depressiver macht.

Ja, das stimmt. Ich glaube das ist die zutreffendere Interpretation.


Zitat:
Lass dir aber die Fachärztlichkeit dabei nicht entgehen, das wäre mein dringender Rat.

Das war auch die Empfehlung von Hausarzt und Therapeutin letzte Woche. Es ist ja auch die vernünftige Vorgehensweise. Alle haben mich - wie du auch - daran erinnert, dass es mir jetzt ja wieder etwas besser geht. Das ist eine unbestreitbare Tatsache. Jetzt bleibe ich erst einmal bei der aktuellen Dosis und lasse mir einen Termin beim Psychaiter geben.

10.08.2020 13:48 • x 2 #16


A
Hallo Michi,

als ich damals zu meinem Hausarzt gegangen bin, habe ich zuerst Escitalopram verschrieben bekommen.
Nach zweieinhalb Monaten war trotz hoher Dosierung keine Verbesserung meines Zustands festzustellen. Also habe ich das Medikament wieder abgesetzt und einen Termin mit meiner Psychiaterin vereinbart.
Meine Psychiaterin hat mir dann vor etwa 5 Wochen Venlafaxin verschrieben, und siehe da: Mein Zustand hat sich von Woche zu Woche DEUTLICH gebessert.
Kein Morgentief mehr, meine innere Unruhe ist so gut wie weg, ich fühle mich viel gelassener und kann alltägliche Dinge wieder erledigen.

Man muss geduldig sein, ein wenig herumprobieren und das passende Medikament für sich finden. Ich weiß das ist nervig und dauert eine gefühlte Ewigkeit, aber am Ende kann es sich lohnen.

14.08.2020 23:03 • x 2 #17


A


Hallo Michi87,

Wer ist zufrieden mit SSRIs?

x 3#3


M
Danke für die Antwort. Wie sieht es bei dir mit Nebenwirkungen aus? Hattest du welche bei Escitalopram? Hast du welche bei Venlafaxine?

14.08.2020 23:16 • x 1 #18


A
Bei Escitalopram war meine Libido futsch, sonst eigentlich nichts woran ich mich erinnern kann.

Bei Venlafaxin hatte ich beim einschleichen mehr Nebenwirkungen, die aber nach etwa einer Woche nach erreichen der gewünschten Dosis(150mg) verschwunden waren:
- erhöhter Blutdruck
- Erektionsstörungen
- leichte Übelkeit an den Tagen der Dosissteigerung (überhaupt nicht schlimm gewesen, absolut aushaltbar, verschwand nach einer Stunde)
- verminderter Appetit

Geblieben sind mir an Nebenwirkungen trockene Augen, die ich abends immer habe.
Die antriebssteigernde Wirkung von Venlafaxin habe ich bereits nach etwa 2-3 Tagen feststellen können. Eine antidepressive Wirkung war nach etwa 2 1/2 Wochen zu spüren, die dann von Woche zu Woche noch besser wurde.

14.08.2020 23:36 • x 2 #19


M
Zitat von Ancap:
Bei Escitalopram war meine Libido futsch, sonst eigentlich nichts woran ich mich erinnern kann.

Das kann ich leider bestätigen.

Wie läuft die Umstellung ab? Schleicht man erst das eine Medikament langsam aus und danach das andere langsam ein? Oder fährt man das eine runter und parallel dazu das andere hoch?

15.08.2020 08:40 • #20


bones
Normal schleicht man das zuerst aus und fängt dann mit ein anderes an mit einer einschleich dosisierung. Venlafaxin ist ein sehr gutes Antidepressiva, aber was das Libido betrifft, ist es sehr oft der Fall , dass es darunter auch leidet. Bei mir war es auch so. Aber was die Wirkung betrifft, ist es in mein Augen , einer der effektivsten Antidepressiva , die man haben könnte.

15.08.2020 12:36 • x 1 #21


maya60
Soweit ich es auch selbst erst in diesem Jahr erfahren habe, müssen Antidepressiva aus derselben Wirkgruppe nicht beim Wechsel des Medikaments erst ausgeschlichen werden, um dann wieder von vorne mit der Eingangsmedikation langsam zu beginnen.

Bei mir war es der Wechsel von Venlafaxin (SSRI) zu Duloxetin (SSNRI) wegen eines Lieferengpasses von Venlafaxin und ich bekam gleich die entsprechend hohe Dosierung Duloxetin wie ich sie bei Venlafaxin brauchte.

Sowas kann aber eben nur ein Facharzt bestimmen, vor allem auch, welche Dosis des einen Medikamentes welcher Dosis des anderen entspricht, wenn die sehr unterschiedlich ausfallen. Beispiel: 90 mg Duloxetin entsprechen 250 mg Venlafaxin (und nicht 75 mg Venlafaxin).

Ich persönlich habe bei Citalopram und Venlafaxin auch eine flache Libido bekommen, auch wenn sich das über die Jahre verbesserte. Aber es verbesserte sich nochmal deutlich mit der Einnahme von Duloxetin. Allerdings habe ich auch schon gehört, dass es bei anderen deutlich die Libido abflachte. Leider passiert das oft, was schon beweist, dass es einem schon wirklich schlecht gehen muss, ehe man diese NW in Kauf nimmt.

Liebe Grüße! maya

15.08.2020 14:01 • #22


bones
Zitat von maya60:
Soweit ich es auch selbst erst in diesem Jahr erfahren habe, müssen Antidepressiva aus derselben Wirkgruppe nicht beim Wechsel des Medikaments erst ausgeschlichen werden, um dann wieder von vorne mit der Eingangsmedikation langsam zu beginnen.

Bei mir war es der Wechsel von Venlafaxin (SSRI) zu Duloxetin (SSNRI) wegen eines Lieferengpasses von Venlafaxin und ich bekam gleich die entsprechend hohe Dosierung Duloxetin wie ich sie bei Venlafaxin brauchte.

Sowas kann aber eben nur ein Facharzt bestimmen, vor allem auch, welche Dosis des einen Medikamentes welcher Dosis des anderen entspricht, wenn die sehr unterschiedlich ausfallen. Beispiel: 90 mg Duloxetin entsprechen 250 mg Venlafaxin (und nicht 75 mg Venlafaxin).

Ich persönlich habe bei Citalopram und Venlafaxin auch eine flache Libido bekommen, auch wenn sich das über die Jahre verbesserte. Aber es verbesserte sich nochmal deutlich mit der Einnahme von Duloxetin. Allerdings habe ich auch schon gehört, dass es bei anderen deutlich die Libido abflachte. Leider passiert das oft, was schon beweist, dass es einem schon wirklich schlecht gehen muss, ehe man diese NW in Kauf nimmt.

Liebe Grüße! maya



Du redest von Antidepressiva in der selben Gruppe. Venlafaxin sowohl Duloxetin sind beide ssnri. Nicht ssri was das venlafaxin. Da kann man das natürlich machen. Ich hatte paroxetin gehabt damals als man das mit venlafaxin austauschte. Das wiederum kannste nicht einfach tauschen von heute auf morgen.

15.08.2020 19:07 • x 1 #23


Caro63
Sehr interessant euer Austausch hier zum Thema.
Ich bin mittlerweile davon überzeugt ,dass jeder Patient seine eigenen Erfahrungen mit der Einnahme von SSRI machen sollte,
das immer mit Absprache des Arztes.
Ich nehme Citalopram 20 mg nun schon seit 7 Jahren und dabei folgende Erfahrungen gemacht:
Mir hat es insofern geholfen, dass ich ruhiger wurde, runterfahren konnte, gleichgültiger wurde den Stressbedingungen im Job gegenüber. Sagen wir mal so, es hat mich geerdet in der Form, dass ich nicht überall und bei jedem Problem ja sagen musste, mehr meine eigene Arbeit sah und so von dem hohen Level der doch letzendlich von mir selbst ausgelösten hohen Belastbarkeit herunter kam.(jeder AG freut sich natürlich über solche 150% MA)
-Stimmungsaufheller NEIN, bei mir Wirkung eher drosselnd und eine gewisse allgemeine Gleichgültigkeit hervorrufend.
-Libidoverlust JA ,total bis heute ,was ich sehr bedaure, zum Glück fanden wir miteinander andere Möglichkeiten
-Gewichtszunahme JA ,total inzwischen ca.25 kg ,was dem Allgemeinzustand auch zugrunde liegt
-Müdigkeit JA , permanente Erschöpfungszustände ohne heute triftigen Grund (da bin ich gerade wieder am klären,woran das
liegen könnte)
- Rückzug mittlerweile nahezu komplett vom sozialen Umfeld ( ich bin heute sehr gern mit mir bzw. uns zwei Menschleins),
diesen neu gewonnenen Egoismus genieße ich /wir )
- Konzentrationsprobleme JA
3 Ausschleichversuche über jeweils 1 Jahr missglückten mit Rückfall in alte Strukturen und der Entscheidung meinerseits ,
dass es solange ich arbeite nicht ohne diese SSRI -Bremse für mich gehen wird.
Inzwischen bin ich seit 2 Wochen auf 10 mg runter ,4.Versuch( Corona Krise brachte mich in ALG1) und wir werden sehen,wie es weiter geht.
Erschöpfungszustand nun ohne Arbeit 100 % , ich weiss gerade gar nicht, wie ich das bisher alles schaffen konnte.
Sozusagen befinde ich mich gerade im Lokdown für mich selbst und wahrscheinlich werde ich nun endlich der lange angesprochenen REHA zustimmen beim nächsten Psych.Termin.

Abschliessend möchte ich jeden warnen, da ohne Rücksprache mit einem Arzt zu agieren und lieber ein offenes Gespräch suchen ,denn eine Lösung gibt es für jeden.
Sorry, ich musste doch etwas weiter ausholen und hoffe, es kommt halbwegs verständlich an bei euch.
LG Caro60

15.08.2020 20:00 • x 2 #24


Hoffnung21
Hallo zusammen,

ich kann wenig zu SSRI´s sagen, da jeder Versuch, eines zu nehmen sofort scheiterte. Mir war so übel, dass ich nicht mal aufstehen konnte und bei mir schnellt bei SSRI´s der Blutdruck hoch. Also keine Chance für diese Gruppe für mich. Aber ich muss hier auch sagen, dass wirklich jeder seinen eigenen Weg gehen muss. Beim Einen ist es das Mittel der Wahl, beim anderen geht es halt nicht. Probieren geht über Studieren!

@Caro60 , gut hört sich dein Erfahrungsbericht für mich nicht an. Außer ein bisschen psychische Stabilität in Form von ruhiger und gelassener werden zählst du nur Nachteile auf. Das Absetzen scheint auch sehr schwer zu sein. Kannst du nicht auf ein anderes Präparat umsteigen, das vielleicht ein bisschen besser hilft, oder hast du schon andere ausprobiert? Ich denke bei solchen Aussagen immer an den Chefarzt meiner Rehaklinik, der sich fürchterlich darüber beschwert hat, dass die niedergelassenen Kollegen die Patienten 1* einstellen, vielleicht noch 1* umstellen, aber dann bleiben die Patienten dabei, egal ob es ihnen gut geht oder nicht. Und das zum Teil über Jahre. Oft kommen sie dann kurz vor der Aussteuerung in die Klinik, werden von ihm umgestellt und fragen dann, warum das der bisherige Psychiater nicht schon lange mal ausprobiert hat. Natürlich konnte er auch nicht jedem helfen, aber manchen eben schon. Und jeder Patient, dem es danach besser geht, ist es Wert. Seitdem weiß ich, dass man sich nicht zufrieden geben sollte, ohne wirklich alles versucht zu haben. Bei mir hat es auch viele Umstellungen gegeben und medikamentös bin ich austherapiert, aber zumindest weiß ich, dass ich alles versucht habe.

15.08.2020 20:26 • x 1 #25


Irgendeine
Zitat von Michi87:
Was sind eure Erfahrungen mit SSRIs? Geht es euch damit besser? Welcher Wirkstoff und Dosis? Wie lange hat es bei euch gedauert bis die Medikamente gut wirken?

Ich hatte erst Sertralin. Davon war ich 6 Wochen quasi dauerhigh. Dann bekam ich Citalopram. Davon wurde ich so müde, dass ich es irgendwann abends genommen hab. Zum Schluss war ich bei 40mg und bin nach einem Suizidversuch auf der Geschlossenen gelandet.
Da wurde auf mein Drängen hin auf Venlafaxin in Kombi mit Valdoxan umgeschwenkt.
Das Venla hat mir zwar besser geholfen, allerdings waren einige der NW (u.a. verminderte Libido) für mich nicht mehr tragbar. Valdoxan war auch nicht so das Wahre.
Danach bekam ich Bupropion in Kombi mit Mirtazapin.
Bupropion bzw. die Kombi davon mit dem Mirta, ist das Erste, was mir über einen längeren Zeitraum relativ gut geholfen hat.
Aktuell geht's mir aber (leider) auch damit nicht mehr wirklich gut.

15.08.2020 20:30 • x 2 #26


A


Hallo Michi87,

x 4#12


M
Zitat von maya60:
Soweit ich es auch selbst erst in diesem Jahr erfahren habe, müssen Antidepressiva aus derselben Wirkgruppe nicht beim Wechsel des Medikaments erst ausgeschlichen werden, um dann wieder von vorne mit der Eingangsmedikation langsam zu beginnen.

Das macht Sinn. Erstens, weil man dann nicht zwei Monate lang in der Luft hängt und zweitens, weil der Körper ja schon vorkonditioniert ist. Wobei man dann auch in der Übergangszeit halbe, halbe machen könnte. Nur um auf Nummer sicher zu gehen. So hat der Körper Zeit das alte Präparat wieder zu vergessen. Schließlich adaptiert sich der Körper ja an einen spezifischen Wirkstoff. Aber das wissen die Ärzte sicher besser als ich. War nur so ein Gedanke.


Zitat:
@Caro60 , gut hört sich dein Erfahrungsbericht für mich nicht an. Außer ein bisschen psychische Stabilität in Form von ruhiger und gelassener werden zählst du nur Nachteile auf.

Finde ich auch. Zumal Gleichgültigkeit und sozialer Rückzug ja Ausdruck einer Depression sind bzw. die Depression eher aufrecht erhalten.


Zitat:
Ich denke bei solchen Aussagen immer an den Chefarzt meiner Rehaklinik, der sich fürchterlich darüber beschwert hat, dass die niedergelassenen Kollegen die Patienten 1* einstellen, vielleicht noch 1* umstellen, aber dann bleiben die Patienten dabei, egal ob es ihnen gut geht oder nicht. Und das zum Teil über Jahre.

Sehr gut beschrieben. Das ist leider die Realität.

17.08.2020 14:24 • x 1 #27

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