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Zuversicht Langsam kam der graue Schleier wieder

Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
mal versucht, mehr in mich reinzuspüren. Leider klappt es momentan garnicht, meine Gefühle zu spüren.

Dann lass es, wenn es jetzt noch nicht klappen will !
Achtsamkeit soll Spaß machen u. nicht noch Druck auslösen
Mache das, was für Dich gerade möglich ist.
Versuche beim Zähneputzen mal ganz nur beim Zähneputzen zu sein - das reicht schon !
Mach es nicht zu kompliziert, dann verliert man die Lust an Achtsamkeit !

18.11.2022 15:47 • #46


F
Servus @HopeDiesLast,

meine aktuelle Situation ist die folgende. Es geht langsam Berg auf, d.h. es gibt weniger ganz schlechte Tage, hauptsächlich neutral und zwischendurch mal ein guter Tag. Sprich Suizidgedanken plagen mich nicht mehr, auch die Grübelei ist weniger geworden. Mir fällt es immer noch schwer aufzustehen und Dinge anzufangen. Putzen, kochen, organisatorisches im privaten sind irgendwie eine Hürde. Sonst sind das alles Sachen, die ich normalerweise problemlos nebenbei erledige, aber in der Depression sind das teilweise unlösbare Aufgaben, für die die Kraft fehlt. Durch das zusammenleben mit meiner Freundin, trete ich mir aber selber etwas in den Hintern um hier wenigstens zu Unterstützen - ich kann und will mich nicht ganz gehen lassen und hab das Pflichtgefühl, meine vollzeitberufstätige Freundin zu entlasten, wenn ich schon Zuhause bin. Ich glaube, wenn ich keine Freundin hätte, würde ich hier eher verwahrlosen, es wäre mir egal. Sonst ist es morgens meist schlechter als abends. Generell ist mein Selbstwert am Anfang der Depression gleich Null, dieses kommt auch langsam wieder. Das macht es aber zum Beispiel auch schwierig unter Leute oder sogar Freunde zu gehen, die Lachen und eine tolle Zeit haben wollen, ich hab dann immer das Gefühl ich zieh die Stimmung runter, kann nicht wirklich mitreden oder Themen auf den Tisch bringen, weil es mir eigentlich schei. geht und ich einfach komplett interessenlos bin.
Mir fällt es gerade irgendwie etwas schwer, meinen aktuellen Zustand in Worte zu packen, da es gerade alles etwas im Wandel zum positiven ist.
Jedenfalls habe ich mich jetzt auch damit abgefunden, dass ich erst im neuen Jahr wieder in die Arbeit einsteige, damit ist der Druck jetzt auch etwas weg. Am Anfang dachte, 2 Wochen dann geht das schon wieder und immer so weiter. Bis ich gecheckt habe, es ist die Zeit welche ich mir nehmen muss.

Ich habe nie gerne gelesen, durch die Depression habe ich es lieben gelernt. Aber in den guten Phasen habe ich dafür weniger Zeit und Interesse. Generell Sachbücher über die Krankheit. Aktuell habe ich einen genialen Roman, so hat mich noch kein Buch gepackt - Shantaram.

Ja ich bin nicht so funktionsfähig und gut drauf, das merkt und weiß meine Freundin auch. In jeder Phase dachte ich mir, wie lang macht sie das noch mit. Wir reden viel darüber, sie versteht, dass ich das mache, was ich kann. Wenn ich Ruhe brauche, darf ich mir diese nehmen. Wir gehen auch oft zusammen raus an die frische Luft oder lecker essen, auch wenn ich es in der harten Zeit nicht so genießen kann wie sonst. Die Vernunft sagt mir immer, es ist gut was ich mache, aber fühlen kann ich es dann leider nicht wirklich. Ich habe aber auch gelernt in dieser Zeit Nein zu sagen, beispielsweise wenn wir irgendwo eingeladen sind, und mir geht es psychisch dreckig, dann muss sie leider alleine gehen - ich will sie nicht mit runter ziehen, auch wenn sie es schade findet dass ich sie nicht begleite, ist es dann manchmal für mich das beste.
Wie geht deine Freundin damit um?

Das mit der schlechten Homeoffice Routine bin original ich... Und auch das subjektive Gefühl nicht mehr gut und leistungsfähig genug zu sein, kenne ich. Objektiv betrachtet ist es glaube ich nicht so. Ich selber weiß, ich hätte mehr schaffen oder Dinge besser machen können, aber ich wurde nie getadelt von Kollegen oder Chefs.
Ich bin auch generell ein kleiner Perfektionist und wenn ich etwas mache, dann richtig - das kollidiert natürlich mit meiner subjektiven Wahrnehmung.

Ich glaube in meiner Jugendzeit habe ich tatsächlich auch schon so Tendenzen zur Depression gehabt. Aber irgendwie haben die Eltern einen genug in den Ar. getreten, nach dem Motto, ich hab auch nicht immer Lust dies und jenes zu tun. Zu der Zeit habe ich mir aber auch keine Zeit zum reflektieren oder nachdenken gegeben. Ich war viel mit Freunden unterwegs, wir haben gefeiert, Alk. getrunken, gezockt und auch ziemlich häufig gek. . War also dauernd auf Achse, entweder um die schlechten Gefühle zu unterdrücken oder halt weil ich auch Bock drauf hatte. Die Zeit will ich nicht missen, wir hatten eine Menge Spaß. Aber irgendwie wird man ja auch erwachsen - vielleicht es ist auch die Verantwortung die man mit der Zeit trägt. In der Depression kommen dann auch Gedanken, ob ich den richtigen Job mache. Meine Berufung ist es nicht, aber mir fällt auch keine ein. Es gibt immer positives und negatives. Aber vor dem Bildschirm sitzen gibt mir in der Depression auch so viel Zeit zu grübeln, dass ich am liebsten was handwerkliches machen würde, aber da passen dann andere Dinge nicht. Ist die Depression vorbei, finde ich meine Arbeit an sich okay, und die Firma und Kollegen sind wirklich toll. Und am Ende gehe ich arbeiten um mir meine Wünsche und Hobbys zu erfüllen. In einer Zeit wo einem alle Möglichkeiten gegeben sind, hinterfragt man natürlich alles. Aber ganz ehrlich, in meiner Depression ist mir selbst die Auswahl im Supermarkt zu viel.

Ich hoffe der Text ist verständlich, irgendwie springen meine Gedanken gerade etwas. Garnicht so einfach es schriftlich in Worte zu fassen ohne direktes Gespräch...

Stay strong

18.11.2022 18:19 • x 1 #47


A


Hallo HopeDiesLast,

Zuversicht Langsam kam der graue Schleier wieder

x 3#3


F
Achja und wegen dem Hund. Meine Freundin ist auch die meiste Zeit im Homeoffice, so ist eigentlich immer jemand da für die Kleine. Aber wir dürfen sie auch mit ins Büro nehmen, also da haben wir zum Glück keinen Stress.

18.11.2022 18:30 • x 1 #48


A
@FckDepression
Guten Morgen, FckDepression.
Danke für deine Antwort.
Ja, es geht mir viellllllllllllllllllllll besser.
Ich habe eine EKT-Behandlung machen lassen, im August.
6 Anwendungen und erhalte Erhaltungs-EKT als Prophylaxe und komme damit gut klar.
Nehme weiter reduziert Medikamente und kann mein kleines Leben wieder leben.
Kann wieder arbeiten, meine Arbeit, die ich so sehr mag.

Die D. auszuhalten und nicht wissen, wann es endlich wieder besser ist.
Die Zeit bewältigen.
Die D. hat mir schon viele Jahre meines Lebens genommen.
Wie ich es dann immer schaffe es zu überstehen, weiß ich nicht.
Allerdings bin ich nun wieder glücklich.

Dir wünsche ich alles Gute und ein gutes baldiges Rauskommen aus der D. .

19.11.2022 06:06 • x 3 #49


H
Meine letzte Antwort ist wieder etwas her. Danke euch für euer Feedback!

Hast recht @Jedi, ich möchte mich nicht noch zusätzlich unter Druck setzen. Bei solchen Sachen wie Zähne putzen, Tee kochen versuche ich mich in Achtsamkeit

Mein Wochenende war ungewohnt ruhig. Samstag stand nichts an, sodass es sich auf Spazierengehen, Kaffee trinken gehen, Lesen und Film schauen reduziert hat. Gestern hab ich mir gutes Frühstück gemacht und sonst auf der Couch verbracht.

Leider waren meine Symptome heute morgen bis mittags sehr ausgeprägt und die Fragen bzgl. wann es sich besser wiederholen sich In der Arbeit hab ich heute das getan, was ich konnte und wichtig war. Es ist einfach so ätzend, wenn man Dinge wie die Arbeit in frage stellt, obwohl sie mir in meinen guten Phasen immer Spaß gemacht hat und ich tolle Kollegen habe. Wie geht ihr mit widerkehrenden fragen bzw. grübeln um?

21.11.2022 17:53 • #50


F
Das Grübeln kenne ich auch zu gut. Ich kam da selber nicht gut raus, jedenfalls nicht mit Willensstärke oder Vernunft. Bei mir wurde es immer schlimmer/mehr bis ich irgendwann wirklich keinen Kopf für Arbeit oder Meetings hatte. Selbst Chats mit Freunden oder so überfordern mich. Mir persönlich hat dann die Arbeitsunfähigkeit geholfen, wenn die Grübeleien kamen, bin ich für Stunden durch die Gegend spaziert, das hat mich runter gebracht und ich konnte mental etwas abschalten.

21.11.2022 18:04 • #51


Jedi
Zitat von HopeDiesLast:
sodass es sich auf Spazierengehen, Kaffee trinken gehen, Lesen und Film schauen reduziert hat.

Alles Dinge, wo Du Achtsamkeit gut üben kannst - villt. hast Du es ja auch getan ?
-------
Zitat von HopeDiesLast:
Wie geht ihr mit widerkehrenden fragen bzw. grübeln um?

Ich mache mir bewusst, was Du selbst schon festgestellt hast;
Zitat von HopeDiesLast:
wenn man Dinge wie die Arbeit in frage stellt, obwohl sie mir in meinen guten Phasen

immer Spaß gemacht hat und ich tolle Kollegen habe.

das ist ein bewährtes Mittel !

21.11.2022 19:20 • #52


A
@HopeDiesLast

Guten Morgen.HopeDiesLast.
Es ist eben so, daß die D. keine gute Phase ist.
In der D. stelle ich alles in Frage.
Das ist bei mir so in der D.
Ich habe liebe und verständnisvolle Kollegen/innen.
In der D. hilft mir das wenig weiter, da ich mich am liebsten isoliere.
Mir muß es erst besser gehen, um meine Arbeit, die ich gerne ausübe, wieder Spaß macht.

22.11.2022 06:38 • #53

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