Servus @HopeDiesLast,
meine aktuelle Situation ist die folgende. Es geht langsam Berg auf, d.h. es gibt weniger ganz schlechte Tage, hauptsächlich neutral und zwischendurch mal ein guter Tag. Sprich Suizidgedanken plagen mich nicht mehr, auch die Grübelei ist weniger geworden. Mir fällt es immer noch schwer aufzustehen und Dinge anzufangen. Putzen, kochen, organisatorisches im privaten sind irgendwie eine Hürde. Sonst sind das alles Sachen, die ich normalerweise problemlos nebenbei erledige, aber in der Depression sind das teilweise unlösbare Aufgaben, für die die Kraft fehlt. Durch das zusammenleben mit meiner Freundin, trete ich mir aber selber etwas in den Hintern um hier wenigstens zu Unterstützen - ich kann und will mich nicht ganz gehen lassen und hab das Pflichtgefühl, meine vollzeitberufstätige Freundin zu entlasten, wenn ich schon Zuhause bin. Ich glaube, wenn ich keine Freundin hätte, würde ich hier eher verwahrlosen, es wäre mir egal. Sonst ist es morgens meist schlechter als abends. Generell ist mein Selbstwert am Anfang der Depression gleich Null, dieses kommt auch langsam wieder. Das macht es aber zum Beispiel auch schwierig unter Leute oder sogar Freunde zu gehen, die Lachen und eine tolle Zeit haben wollen, ich hab dann immer das Gefühl ich zieh die Stimmung runter, kann nicht wirklich mitreden oder Themen auf den Tisch bringen, weil es mir eigentlich schei. geht und ich einfach komplett interessenlos bin.
Mir fällt es gerade irgendwie etwas schwer, meinen aktuellen Zustand in Worte zu packen, da es gerade alles etwas im Wandel zum positiven ist.
Jedenfalls habe ich mich jetzt auch damit abgefunden, dass ich erst im neuen Jahr wieder in die Arbeit einsteige, damit ist der Druck jetzt auch etwas weg. Am Anfang dachte, 2 Wochen dann geht das schon wieder und immer so weiter. Bis ich gecheckt habe, es ist die Zeit welche ich mir nehmen muss.
Ich habe nie gerne gelesen, durch die Depression habe ich es lieben gelernt. Aber in den guten Phasen habe ich dafür weniger Zeit und Interesse. Generell Sachbücher über die Krankheit. Aktuell habe ich einen genialen Roman, so hat mich noch kein Buch gepackt - Shantaram.
Ja ich bin nicht so funktionsfähig und gut drauf, das merkt und weiß meine Freundin auch. In jeder Phase dachte ich mir, wie lang macht sie das noch mit. Wir reden viel darüber, sie versteht, dass ich das mache, was ich kann. Wenn ich Ruhe brauche, darf ich mir diese nehmen. Wir gehen auch oft zusammen raus an die frische Luft oder lecker essen, auch wenn ich es in der harten Zeit nicht so genießen kann wie sonst. Die Vernunft sagt mir immer, es ist gut was ich mache, aber fühlen kann ich es dann leider nicht wirklich. Ich habe aber auch gelernt in dieser Zeit Nein zu sagen, beispielsweise wenn wir irgendwo eingeladen sind, und mir geht es psychisch dreckig, dann muss sie leider alleine gehen - ich will sie nicht mit runter ziehen, auch wenn sie es schade findet dass ich sie nicht begleite, ist es dann manchmal für mich das beste.
Wie geht deine Freundin damit um?
Das mit der schlechten Homeoffice Routine bin original ich... Und auch das subjektive Gefühl nicht mehr gut und leistungsfähig genug zu sein, kenne ich. Objektiv betrachtet ist es glaube ich nicht so. Ich selber weiß, ich hätte mehr schaffen oder Dinge besser machen können, aber ich wurde nie getadelt von Kollegen oder Chefs.
Ich bin auch generell ein kleiner Perfektionist und wenn ich etwas mache, dann richtig - das kollidiert natürlich mit meiner subjektiven Wahrnehmung.
Ich glaube in meiner Jugendzeit habe ich tatsächlich auch schon so Tendenzen zur Depression gehabt. Aber irgendwie haben die Eltern einen genug in den Ar. getreten, nach dem Motto, ich hab auch nicht immer Lust dies und jenes zu tun. Zu der Zeit habe ich mir aber auch keine Zeit zum reflektieren oder nachdenken gegeben. Ich war viel mit Freunden unterwegs, wir haben gefeiert, Alk. getrunken, gezockt und auch ziemlich häufig gek. . War also dauernd auf Achse, entweder um die schlechten Gefühle zu unterdrücken oder halt weil ich auch Bock drauf hatte. Die Zeit will ich nicht missen, wir hatten eine Menge Spaß. Aber irgendwie wird man ja auch erwachsen - vielleicht es ist auch die Verantwortung die man mit der Zeit trägt. In der Depression kommen dann auch Gedanken, ob ich den richtigen Job mache. Meine Berufung ist es nicht, aber mir fällt auch keine ein. Es gibt immer positives und negatives. Aber vor dem Bildschirm sitzen gibt mir in der Depression auch so viel Zeit zu grübeln, dass ich am liebsten was handwerkliches machen würde, aber da passen dann andere Dinge nicht. Ist die Depression vorbei, finde ich meine Arbeit an sich okay, und die Firma und Kollegen sind wirklich toll. Und am Ende gehe ich arbeiten um mir meine Wünsche und Hobbys zu erfüllen. In einer Zeit wo einem alle Möglichkeiten gegeben sind, hinterfragt man natürlich alles. Aber ganz ehrlich, in meiner Depression ist mir selbst die Auswahl im Supermarkt zu viel.
Ich hoffe der Text ist verständlich, irgendwie springen meine Gedanken gerade etwas. Garnicht so einfach es schriftlich in Worte zu fassen ohne direktes Gespräch...
Stay strong
18.11.2022 18:19 •
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